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So kann Microsoft Minecraft ruinieren - oder noch besser machen

06.10.2014 | 10:40 Uhr |

Microsoft hat Mojang, den Hersteller des Kultspiels Minecraft übernommen. Bedeutet das langfristig das Ende von Minecraft? Oder blüht Minecraft jetzt erst richtig auf?

Mehr als 50 Millionen verkaufte Kopien, Spielzeug und Accessoires in Hülle und Fülle, unzählige von Fans erstellte "YouTube Lets Plays" - ohne jeden Zweifel ist das Indie-Game Minecraft ein Riesenhit, ja sogar ein Phänomen. Doch seit einigen Wochen gibt es Grund sich Sorgen um die Zukunft des Blockbuster-Games zu machen. Weil Microsoft den Minecraft-Hersteller Mojang für 2,5 Milliarden Dollar übernommen hat . Das ist die bisher größte Übernahme von Microsoft-Chef Nadella.

Außerdem verlässt Mojang-Gründer und Minecraft-Mastermind Markus „Notch“ Persson das Projekt, sobald das Geschäft abgewickelt ist. Es ist ein entscheidender Moment für die Zukunft von Minecraft: Wird Microsofts Struktur und Finanzkraft Mojang in noch höhere Sphären heben oder wird sich das Unternehmen im Sand verlaufen?

Wir nennen drei Gründe dafür, weswegen Microsoft Minecraft ruinieren könnte. Und drei dafür, warum das Spiel sogar noch besser werden könnte.

3 Gründe: So ruiniert Microsoft den Spiele-Hit Minecraft

1. Minecraft mit In-Game-Käufen vollstopfen

In einer Zeit, in der so viele Spiele vorgeblich „kostenlos“ verbreitet werden, nur um anschließend für viel Geld Objekte im Spiel kaufen zu müssen, ist Minecraft eine angenehme Abwechslung. Ob auf dem PC, einem Mobilgerät oder auf einer Spielkonsole wie der Xbox 360 - Sie zahlen einen festen einmaligen Preis für Minecraft und erhalten danach kostenlose Updates für die gesamte Lebenszeit des Spiels. Wenn Microsoft jetzt aber den Weg von Electronic Arts einschlägt und im Spiel bessere Gegenstände oder sogar kostenpflichtige zusätzliche Inhalte anbietet, wird das dem Spiel viel von seinem Zauber rauben.

2. Minecraft auf Microsoft-Plattformen beschränken

Microsoft verspricht Minecraft auf den konkurrierenden Plattformen wie Sony PlayStation, Apple iOS und Google Android weiterlaufen zu lassen. Tatsächlich passt Minecrafts weitläufige Verfügbarkeit gut zum Fokus auf Cross-Plattform-Dienste von Microsoft CEO Satya Nadella – bestärkt wird diese Hoffnung dadurch, dass Office für das iPad früher als für Windows-Tablets enthüllt wurde.

Die Minecraft Pocket Edition ist für iOS und Android erhältlich,
Vergrößern Die Minecraft Pocket Edition ist für iOS und Android erhältlich,

Allerdings können sich die „Pläne Minecraft auf verschiedenen Plattformen weiterhin verfügbar zu machen“ leicht ändern; das bestätigen Microsofts andere große Spiele-Studios, welche sich ausschließlich auf Microsoft-Plattformen beschränken. Und selbst wenn Microsoft das Spiel auf anderen Betriebssystemen am Leben hält, gibt es keinen Zweifel, dass es eine große Versuchung darstellt die Windows- und Xbox-Versionen zu bevorzugen.

3. Minecraft in ein grafisch hochwertiges Tool verwandeln

Microsoft muss dem Drang widerstehen, Minecraft zu etwas zu machen, was es nicht ist. Nämlich ein Programm mit anspruchsvoller Grafik. Falls Minecrafts offene Welt in eine grafisch anspruchsvolle leistungsfähige Anwendung umgesetzt werden kann, dann das von von der Community ausgehen! Das Spiel wurde ja auch bereits dazu benutzt, um funktionierende Festplatten herzustellen und um ganz Dänemark nachzubilden .

Noch ist nicht klar inwiefern sich Microsoft bei dem Blockbuster-Game Mincraft einmischen wird.
Vergrößern Noch ist nicht klar inwiefern sich Microsoft bei dem Blockbuster-Game Mincraft einmischen wird.
© Mojang

Aber die Zukunft ist nicht zwangsweise trostlos! Tatsächlich könnte Microsoft der offenen Welt von Minecraft auch viel Gutes bringen.

3 Gründe: So macht Microsoft Minecraft noch besser

1. Erweitert Minecraft mit den Microsoft-Diensten

Minecraft mit Microsoft-Diensten vollzustopfen klingt zunächst kontrovers und das wäre es sicherlich auch, wenn Microsoft seine Dienste essentiell für das Spiel machen würde. Aber Microsofts mächtige Ansammlung von Online-Services könnte benutzt werden, um Minecraft zum Besseren zu erweitern.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten zum Beispiel OneDrive dafür benutzen Ihre Minecraft Spielstände zwischen Ihren verschiedenen Windows-PCs und Tablets nahtlos zu synchronisieren oder Minecrafts altmodischen Multiplayer-Chat würde durch Skype ersetzt. Der Wechsel gehosteter Minecraft-Server auf Azures Cloud könnte ziemlich schmerzfrei vonstattengehen – solange Microsoft die Möglichkeit eigene Server zu nutzen bei diesem Vorgang nicht entfernt.

2. Unterstützt Minecraft finanziell

Minecraft wurde zwar schon häufig aktualisiert, aber nichtsdestotrotz wurde die Spiele-Entwicklung bisher von einer kleinen Gruppe gehandhabt – Mojang hat nur ein paar Dutzend Mitarbeiter. Das schränkt die Weiterentwicklung des Spieles ein.

Microsoft könnte Mojang lästige Arbeit abnehmen, damit diese sich auf das Wesentliche konzentrieren können.
Vergrößern Microsoft könnte Mojang lästige Arbeit abnehmen, damit diese sich auf das Wesentliche konzentrieren können.
© iSockphoto.com/lisegagne

Microsoft könnte Minecraft besser machen, indem es sich inhaltlich größtenteils raushält, Mojang allerdings finanziell den Rücken stärkt und die administrative Unterstützung gewährt, welche es benötigt, um noch größer zu werden. Lasst Microsofts Team das Marketing erledigen. Kauft einige Entwickler, um Bug-Fixes und kleinere Features Schlag auf Schlag herauszubringen. Übernehmt die hektische Arbeit und lasst Mojangs nur das Machen, was es wirklich am besten kann.

3. Bringt Minecraft für Windows Phone

Wenn wir schon von Cross-Plattform-Verfügbarkeit sprechen, sollte es jetzt endlich eine Windows-Phone-Version von Minecraft geben. Persson hatte bisher zwar recht: Microsofts Mobil-Plattform ist nutzermäßig zu unbedeutend, um eine Übertragung durch Mojangs winziges Team zu rechtfertigen. Aber das gilt ja jetzt nicht mehr, da Microsoft am Steuer sitzt.

Minecraft auf einem Lumia 1520 zu spielen wäre eine Freude. Falls Microsoft eine universelle Windows-App entwickelt, würde es auch als moderne Anwendung auf Windows-8-PCs und -Tablets laufen, trotz Notchs Abneigung gegenüber dem Windows Store.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation PC-World.

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