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So gut sind die neuen iPads

22.10.2013 | 22:00 Uhr |

Apple hat eine neues großes iPad und ein neues iPad Mini vorgestellt. Wir klären, ob und wo sie die Tablet-Konkurrenz aus dem Android- und Windows-Lager überflügeln.

Lange war das iPad unangefochten die Nummer Eins im Tablet-Lager: Kein Tablet ließ sich flüssiger bedienen, keines bot eine hohere Display-Auflösung. Diese Zeiten sind vorbei - spätestens mit dem Google Nexus 10. Jetzt gibt es auch einige Android-Tablets mit einer höheren Aufllösung als das Retina-Display des iPad 3/4 wie das neue Samsung Galaxy Note 10.1. Auch bei Windows-Tablets wird zumindest Full-HD-Auflösung zum Standard.

iPad Air: Leichter, schmaler - aber gleiches Display

Beim neuen iPad hat Apple aber an der Auflösung nichts geändert: Sie bleibt bei 2048 x 1536 Bildpunkten auf dem wie bisher 9,7 Zoll großen Display - und damit auch bei der Punktdichte hinter dem Nexus 10 und dem Galaxy Note 10.1 zurück. Dafür bekommt das große iPad einen neuen Namen und heißt jetzt iPad Air. Der Grund: Es ist leichter und dünner, mit 469 Gramm (478 Gramm für das LTE-Modell) 200 Gramm leichter als das iPad 4 - und darf sich damit den Titel "Leichtestes großes Tablet" holen, den bisher das Sony Xperia Tablet Z mit 485 Gramm innehatte. Die Konkurrenz ist davon weit entfernt, das neue Samsung Galaxy Note 10.1 beispielsweise wiegt rund 540 Gramm.

Nur 469 Gramm leicht: Apple iPad Air
Vergrößern Nur 469 Gramm leicht: Apple iPad Air
© Apple

Außerdem verdünnt sich das iPad Air auf 7,5 Millimeter, kommt aber in dieser Diziplin nicht am 6,9 Millimeter dünnen Sony-Tablet vorbei. Der neue, schmalere Rahmen, der an das iPad Mini erinnert, unterstreicht das schlanke Design. Mit dem schlanken und leichten Design macht Apple das große Tablet als Alternative zu den kleineren 7- und 8-Zoll-Tablets attraktiv, denn das größere Tablet lässt sich aufgrund des geringeren Gewichts länger problemlos in der Hand halten.

Video: Apple zeigt iPad Air & neues iPad Mini

A7: Der 64-Bit-Prozessor sitzt auch im iPad Air

Im Inneren setzt das iPad Air auf den neuen A7-Prozessor mit dem M7-Motion-Prozessor, der sich auch im iPhone 5S findet. Das war notwendig, weil die aktuellen Prozessoren von Qualcomm und Nvidia (Tegra 4), die in einigen Android-Tablets sitzen, in vielen Benchmarks dem iPad 4 schon nahe gekommen waren oder es sogar überholt hatten. Vor allem eine verbesserte Grafikleistung kann das iPad Air wieder zum besten Spiele-Tablet machen.

Im dünneren iPad Air sitzt ein kleinerer Akku (32,4 Wattstunden gegenüber 43 Wattstunden im iPad 4) - die Laufzeit soll darunter allerdings nicht leiden, Apple gibt sie mit zehn Stunden an. Das wäre dann ein deutlicher Vorsprung vor dem Xperia Tablet Z, das sich sein schlankes Design vor allem durch einen kleinen Akku erkauft und deshalb nur fünf bis 6,5 Stunden durchhält. auch die großen Tablets von Google und Samsung schaffen diesen Wert nicht, das Microsoft Surface 2 kommt allerdings immerhin bei der Video-Wiedergabe auf 10,5 Stunden, wiegt mit seinem 31-Wattstunden-Akku allerdings auch 656 Gramm.

Größerer Speicher, aber kein 11ac-WLAN, kein Touch-ID

Neu ist, dass es das Air - wie das neue iPad Mini - auch mit 128 GB Speicher gibt. Denn mit dem neuen Prozessor ist davon auszugehen, dass vor allem Multimedia- und Spiele-Apps immer umfangreicher werden.

Beim WLAN setzt das iPad Air auf 11n (2,4 und 5 GHz) im MIMO-Verfahren, also das Übertragen mehrerer gleichzeitiger Datenströme - das Amazon-Tablet Kindle Fire bietet das schon seit rund einem Jahr. Also noch keine Spur vom deutlich schnelleren WLAN-Standard 11ac, der sich in den Macbooks und auch schon in einzelnen Tablets findet wie dem neuen Samsung Galaxy Note 10.1.

Einen Preiskampf zettelt Apple mit dem iPad Air nicht an - es nimmt die Stelle des iPad 4 ein und wird ab 479 Euro ab dem 1. November verfügbar sein. Damit ist es deutlich teurer als das Nexus 10 und auch teurer als das Surface 2. Seiner Hochpreis-Politik bleibt Apple auch deshalb treu, weil es kein großes Retina-iPad unterhalb des Air geben wird. Das iPad 2 soll dagegen für rund 380 Euro weiter erhältlich sein.

Große Tablets

iPad Air

iPad 4

Galaxy Note 10.1

Google Nexus 10

Microsoft Surface 2

Display (Zoll)

9,7

9,7

10,1

10,1

10,6

Auflösung

2048 x 1536

2048 x 1536

2560 x 1600

2560 x 1600

1920 x 1080

Punktdichte (ppi)

264

264

299

299

208

Prozessor (Takt / Kerne)

Apple A7

Apple A6X (1,4 GHz / 2)

Samsung Exynos 5420 (1,9 GHz / 8)

Samsung Exynos 5 (1,7 GHz / 4)

Nvidia Tegra 4 (1,7 GHz / 4 )

RAM

1 GB

3 GB

2 GB

2 GB

interner Speicher

16 / 32 / 64 / 128 GB

16 / 32 / 64 GB

16 / 32 / 64 GB

16 / 32 GB

32 / 64 GB

WLAN

11n Dual-Band

11n Dual-Band

11ac

11n Dual-Band

11n-Dual-Band

Maße (cm)

24 x 16,9 x 0,75

23,9 x 18,6 x 0,93

24,3 x 17,1 x 0,79

26,3 x 17,8 x 0,90

27,4 x 17,3 x 0,90

Gewicht (Gramm)

469

644

540

605

656

Betriebssystem

iOS 7

iOS 6

Android 4.3

Android 4.2

Windows RT 8.1

Preis

ab 479 Euro

ab 479 Euro

ab 540 Euro

ab 399 Euro

ab 429 Euro

iPad Mini: Jetzt mit Retina-Display

Wie erwartet wertet Apple das kleine Tablet mit einem Retina-Display auf. Das 7,9 Zoll große Display zeigt 2048 x 1536 Bildpunkte - die Punktdichte liegt bei 324 ppi und damit auf dem Niveau des Nexus 7 - das Alleinstellungsmerkmal Retina-Display hat Apple also inzwischen in jeder Tablet-Größe verloren. Außerdem ist das Retina-Mini mit einem Preis von 389 Euro 160 teurer als das Google-Tablet. Selbst das im Preis gesenkte alte Mini liegt mit 289 Euro deutlich darüber.

Nachzügler: Die Retina-Auflösung fürs iPad Mini war überfällig
Vergrößern Nachzügler: Die Retina-Auflösung fürs iPad Mini war überfällig
© Apple

Im neuen iPad Mini sitzt mit dem A7 der gleiche Prozessor wie im großen iPad - eine deutliche stärkere CPU ist natürlich alleine aufgrund der hohen Pixelanzahl notwendig gewesen. Damit dürfte das iPad Mini das unangefochen schnellste kleine (Spiele-)Tablet sein, denn das Nexus 7 etwa liegt in den meisten 3D-Benchmarks knapp hinter dem iPad 4. Das iPad Mini soll noch im November verfügbar sein.

Damit hievt Apple sein beiden neuen Top-Tablets ebenso wie sein Top-Smartphone auf die 64-Bit-Ebene. Der größte Vorteil dieser Architektur, nämlich über 4 GB RAM zu nutzen, liegt derzeit noch brach - kein Tablet hat einen so großen Arbeitsspeicher, im Galaxy Note 10.1 sitzen 3 GB, in den meisten Tablets 2 GB. Doch das ist vor allem ein Zeichen an die Entwickler entsprechende Apps zu entwickeln. Dann kann Apple demnächst einfach den Schalter umlegen: Wenn iPads mit riesigen Arbeitsspeicher kommen, stehen die Apps schon bereit, die davon Vorteile haben. Und das kann dann auch speicherintensive Multimedia- oder Busines-Software sein, für die man heute noch ein Notebook benötigt.

Kleine Tablets

iPad Mini 2

iPad Mini

Google Nexus 7

Samsung Galaxy Note 8.0

Display (Zoll)

7,9

7,9

7

8

Auflösung

2048 x 1536

1024 x 768

1920 x 1200

1280 x 800

Punktdichte (ppi)

324

163

323

189

Prozessor (Takt / Kerne)

Apple A7

Apple A5 (1,0 GHz / 2)

Qualcomm Snapdragon S4 Pro (1,5 GHz / 4)

Samsung Exynos 4412 (1,6 GHz / 4)

RAM

512 MB

2 GB

2 GB

interner Speicher

16 / 32 / 64 GB

16 / 32 / 64 GB

16 / 32 GB

16 / 32 GB

WLAN

11n Dual-Band

11n Dual-Band

11n Dual-Band

11n Dual-Band

Maße (cm)

13,5 x 20 x 0,75

13,5 x 20 x 0,73

11,3 x 20 x 0,85

13,6 x 21 x 0,83

Gewicht (Gramm)

331

304

288

343

Betriebssystem

iOS 7

iOS 6

Android 4.3

Android 4.1.2

Preis

ab 389 Euro

ab 289 Euro

ab 229 Euro

ab 399 Euro

Die neuen iPads: Fazit

Ein Alleinstellungsmerkmal wie das Retina-Display hat Apple verloren - und bekommt es mit den neuen iPads nicht zurück. Auch abgesehen vom Display kann sich Apple mit den neuen Tablets nicht von der - teilweise deutlich günstigeren - Konkurrenz absetzen. Das Retina-Update des iPad Mini war überfällig, echte Neuerungen wie 11ac-WLAN oder Touch-ID - der Fingerabdruckleser im iPhone 5S - sucht man dagegen vergebens, alleine bei der CPU- und Spiele-Leistung dürfte Apple mit dem A7 der Android-Konkurrenz wieder etwas davongezogen sein.

Die App-Ausstattung spricht nach wie vor für das iPad: Für kein anderes Tablet gibt es eine so große Vielzahl angepasster Apps. Dass es für die neuen iOS-Geräte das Office-Paket iWorks umsonst gibt, ist auch ein Angriff auf Microsoft, das seinem Surface 2 Office 2013 RT mitgibt.

Statt auf Spezifikationen setzt Apple vor allem mit dem iPad Air auf das Bauchgefühl: Die erste Berührung mit dem leichten und dünnen iPad wird viele Käufer zum Kauf verführen, obwohl es günstigere Tablets mit ähnlicher Ausstattung gibt - nur halt kein so schönes.

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