1913965

So erging es Suns Produkten unter Oracle

28.03.2014 | 10:26 Uhr |

Java, MySQL, OpenOffice, Sparc - mit der Übernahme von Sun kamen viele wichtige IT-Produkte zu Oracle. Wie haben sich diese Klassiker unter Oracles Regie entwickelt?

Vor vier Jahren übernahm Oracle Sun

Vor rund fünf Jahren hat Oracle das Unternehmen Sun Microsystems übernommen. Sun war bis dahin ein erfolgreicher Anbieter von Unix-Software und -Hardware und hat darüber hinaus mit Java eine der wichtigsten Programmiersprachen der Welt und vor allem des Internets entwickelt.

Als die Übernahme im April 2009 angekündigt wurde, hatte Oracle-CEO Larry Ellison große Erwartungen. „Die Übernahme von Sun verändert die IT-Industrie, durch die Kombination der besten Unternehmenssoftware und den für Aufträge entscheidenden Computer-Systemen,“ sagte er in einer Stellungnahme. Allerdings war Oracle danach mit Suns Produkten unterschiedlich erfolgreich. Wir zeigen, wie sich die verschiedenen Sun-Produkte unter Oracle entwickelten. Der Java-Pionier und früherer Sun-Manager James Gosling kommentiert diese Entwicklung.

So lösen Sie Probleme mit Office-Dateien

Java: Programmiersprache

Java ist bei der Entwicklung von Business-Anwendungen unverzichtbar; Java steckt auch in Google Android und zwar über die Dalvik VM. Oracle scheiterte aber mit dem Versuch Google wegen der Verwendung von Java in Android zu verklagen. Zudem reisst Java immer wieder ernste Sicherheitslücken auf den Rechnern auf, die Oracle dann stopfen muss.

Gosling gibt Oracle die Note 2+ für den Umgang mit Java: „Sie kamen überraschend gut mit Java zurecht, bis auf die „Anfangsschwierigkeiten“, die darin lagen herauszufinden, wie sie mit den Sicherheitsproblemen umgehen müssen.“

Analytiker Michael Azoff,von Ovum, sieht Java in einer gesunden Verfassung trotz der Probleme auf Kundenseite. „Oracle investiert in Java und die zukünftigen Erscheinungen (SE 8 und 9) umfassen bedeutende Veränderungen, um die Sprache und Plattform weiterzuentwickeln.“

OpenOffice: Büro-Suite

OpenOffice wurde von Oracle an die Apache Software Foundation weitergegeben.
Vergrößern OpenOffice wurde von Oracle an die Apache Software Foundation weitergegeben.
© Apache Software Foundation

Openoffice ging vor langer Zeit aus der in Deutschland entwickelten Bürosuite Star Office hervor. Star Office wurde von Sun aufgekauft und weiter entwickelt. Und landete schließlich bei Oracle. Nach dem erfolglosen Versuch eine kostenpflichtige Version der OpenOffice-Suite zu verkaufen, welche als Oracle Open Office bekannt war, wurde der Quelltext von OpenOffice.org  2011 an die Apache Software Foundation geschickt.

Download: OpenOffice

Apache verkündete am Neujahrstag 2013, dass Apache OpenOffice3.4.1 in acht neuen Sprachen, darunter Schwedisch, Koreanisch und Polnisch verfügbar sei.

„Das Projekt lebt bei der ASF weiter, aber die Industrie geht vom Konzept von OpenOffice weg hin in Richtung Cloud-Office-Suiten“ sagt Michael Cote von 451 Research.

Nichtsdestotrotz wurde Apache OpenOffice laut Apache 75 Millionen mal zwischen Mai 2012 und Oktober 2013 heruntergeladen.

Netbeans: Entwicklungsumgebung

Als Oracle Sun übernahm, hatte es bereits seinen eigenen Jdeveloper IDE für Java und war ein Befürworter von Eclipse Java IDE, einem Rivalen von NetBeans. Allerdings blieb Netbeans ein Teil von Oracles Projekten .

NetBeans, sagt Gosling, macht sich bei der Entwicklung gut, allerdings bezweifelt er, ob Oracle Netbeans Bedeutung wirklich verstanden hat.“

MySQL

Früher als mögliche Gefahr für Oracles Datenbank-Server angesehen, wurde der Open-Source-Quelltext von MySQL Eigentum von Oracle. Und das nur zwei Jahre nachdem Sun im Jahr 2008 MySQL für eine Milliarde Dollar übernommen hatte.

Oracle zufolge soll MySQL eine Datenbank-Lösung für E-Commerce und OLTP- (Online Transaction Processing) darstellen. Gosling sieht die Zukunft für MySQL aber düster. „MySQL ist zwar noch lange nicht erledigt, verschwindet aber immer mehr aus dem allgemeinen Diskurs,“ sagt Gosling. Es wird durch andere SQL-Varianten und durch NoSQL ersetzt, sagt Gosling.

GlassFish

Als Referenz-Anwendung für Java für Unternehmen entwickelt, reihte sich dieser Open-Sourc- Anwendungsserver in eine Liste von Oracle-Produkten ein, die bereits den früheren BEA WebLogic Server Java-Anwendungsserver enthielten. Oracle kündigte aber kürzlich an die gewerbliche Unterstützung für GlassFish einzustellen. Kunden, die Support benötigen, müssen künftig eine hochpreisigere, firmeneigene WebLogic Server-Lizenz erwerben.

„GlassFish hat sich weiterentwickelt, wird allerdings nicht genug vorangetrieben,“ sagt Gosling.

Project Hudson

Hudson gehört heute der Eclipse Foundation.
Vergrößern Hudson gehört heute der Eclipse Foundation.

Aufgrund von Differenzen kam es zu einer Abspaltung von Hudson, die sich jetzt Jenkins nennt und als Open-Source-Projekt mit einer langen Liste an Nutzern, darunter Dell, CloudBees und Yahoo, weiterlebt.

Oracle gab Hudson auf und übergab es der Eclipse Foundation im Jahr 2011. Es ist weiterhin ein aktives Projekt, im Herbst 2013 erschien Version 3.1. Der Hudson-Gründer Kohsuke Kawaguchi, der zu Jenkins gegangen ist, bürgt dagegen für die Stärke von Jenkins: „Jenkins macht sich sehr gut. Es ist allein im letzten Jahr um 45 Prozent gewachsen, wogegen ich keine wirkliche Aktivität beim Hudson Projekt mehr sehe. Also betrachte ich dieses Kapitel als abgeschlossen.“

Technik-Riesen aus vergangenen Zeiten

Solaris

Wie auch andere Unix-Varianten bekam auch Solaris die starke Konkurrenz durch Linux zu spüren. Oracle hat viel in die Aktualisierung und Erneuerung des Solaris-Betriebssystems investiert. Das aktuelle Solaris bietet eine verbesserte Funktionalität und ein besseres Laufzeit-Management. Dennoch hat der Rückzug vom unteren Ende des Unix-Marktes die Verbreitung von Solaris deutlich verringert.

Gosling sieht Solaris als „absolut tot“ an und sagt, dass er seine Solaris-Systeme auf Linux umgestellt habe. „Die Lizenzgebühren für Solaris sind so hoch, dass es verrückt ist an eine Nutzung von Solaris überhaupt zu denken und die Hardware-Angebote von Oracle machen keinen Sinn.“

Sparc

Suns RISC Bauweise spielt neben Intels beherrschender x86 CPU-Technologie keine Rolle mehr.

„Sparc erfuhr das gleiche Schicksal wie jede andere Chip-Plattform für Desktop-PCs, ausgenommen der X86,“ sagt Analytiker Peter Christy vom 451 Research. „Da alle Systeme auf VLSI CPUs umgestiegen sind, hat die brutale Ökonomie der Halbleiter gesiegt – es kostet für jeden hersteller ungefähr das Gleiche einen CPU zu entwickeln, danach müssen die Hersteller die Entwicklungskosten durch die Produktion wieder reinbekommen, somit gewinnt der Hersteller mit dem größten Umsatz.“

Aber Sparc existiert auf diversen Systemen weiter, darunter Sparc T4-1 Server für Web-Infrastruktur und Anwendungsentwicklung. Oracle sagt, dass der Sparc T4 Prozessor eine weit höhere Leistung als vorangegangene Generationen liefert.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation InfoWorld.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1913965