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So schaffen Sie auf Linux wieder Platz

23.04.2015 | 12:04 Uhr |

Mechanische Festplatten sind inzwischen groß genug. Die Wartungspflicht, regelmäßig Platz für System und Daten freizuräumen, besteht aber weiterhin auf kleinen Systempartitionen, bei SSDs und SD-Karten.

Wer sein Linux-System auf SSD betreibt oder einen Mini-PC wie den Raspberry Pi auf SD-Karte, sollte die Daten von Betriebssystem und Programmen gut organisiert halten und keinen Platz verschenken. Gerade bei Linux-Systemen, die üblicherweise ohne Neuinstallationen über Jahre laufen, sammeln sich unnötige Daten in den temporären Ordnern des Systems und des Home-Verzeichnisses in der Größenordnung von mehreren Hundert MB an. Aufräumarbeiten lohnen sich hier alle 12 Monate, bei kleineren Datenträgern wie etwa SD-Karten auch öfter.

Platzbedarf aufschlüsseln: Die wichtigsten Tools

Bevor es daran geht, den Besen zu schwingen, hilft ein Überblick: Wie viel Platz ist auf den Partitionen frei? Welche Verzeichnisse belegen wie viel Speicher? Diese Messungen sind auch interessant, um vor und nach dem Aufräumen den Lohn der Mühe zu quantifizieren. Ein grafisches Tool aus dem Milieu der Gnome-Programme ist Baobab . Es zeigt die Belegung des ausgewählten Datenträgers grafisch und die Ordnerstruktur in einem Kreisdiagramm. KDE kann mit einem ähnlichen Visualisierungs-Tool Filelight aufwarten. Beide Programme sind in den Paketquellen aller populären Distributionen vorhanden.

Baobab visualisiert die Belegung: Das Gnome-Programm zeigt neben einer Baumstruktur der Verzeichnisse auch ein konzentrisches und – für genauere Durchsicht – klickbares Diagramm der Ordner.
Vergrößern Baobab visualisiert die Belegung: Das Gnome-Programm zeigt neben einer Baumstruktur der Verzeichnisse auch ein konzentrisches und – für genauere Durchsicht – klickbares Diagramm der Ordner.

Auf Systemen ohne grafische Benutzeroberfläche gibt der Befehl df -h in der Kommandozeile schnell eine Übersicht zur Belegung der eingehängten Laufwerke. Nach Verzeichnissen und Dateien schlüsselt der Befehl

du -h | sort -h

den Platzbedarf auf. Das Kommando zeigt ausgehend vom aktuellen Verzeichnis den Platzbedarf am Anfang jeder Zeile und sortiert aufsteigend nach Platzbedarf. Da die Liste recht umfangreich ist, empfiehlt es sich, den Befehl gezielt in einem Verzeichnis auszuführen. Als root oder mit sudo ausgeführt, zeigt es auch den Speicherplatz des Ordners „/root“ an.

Magnetische Festplatten unter Linux testen

Paketmanager APT: Zwischenspeicher leeren

Die Paketverwaltung APT von Debian , Ubuntu , Mint und alle Front-Ends, die mit APT arbeiten, halten die heruntergeladenen Pakete bei Installation und Aktualisierung in einem Zwischenspeicher unter „/var/cache/apt/archives“ vor. Dieses Verzeichnis dient als Paket-Cache, wenn ein Update einmal abbricht, oder wenn Sie einmal entfernte Pakete doch wieder installieren möchten. Davon abgesehen hat die Sammelleidenschaft von APT keinen anderen Zweck, sorgt aber auf Dauer für erhebliche Datenmengen bis zu mehreren Gigabyte. Den Paket-Cache leeren Sie mit dem Befehl

sudo apt-get clean

am besten regelmäßig. Die Paketmanager Yum von Fedora und Cent-OS sowie Zypper von Open Suse haben keinen dauerhaften Cache heruntergeladener Pakete.

Ext4-Partitionen: Reservierten Platz reduzieren

Das Dateisystem Ext4 dient in den meisten Linux-Distributionen als Standard-Dateisystem und reserviert wie seine Vorgänger Ext2 und Ext3 auf jeder Partition eine bestimmte Anzahl an Inodes für root. Dieser Platz steht Daten nicht zur Verfügung und wird dem Platzangebot einer Partition abgezogen. Die Funktion dieser Reserve: Auch wenn ein Linux-System durch eine vollgeschriebene Systempartition nahezu lahmgelegt ist, kann sich der Systemadministrator als root noch anmelden. Aus historischen Gründen liegt der reservierte Platz bei fünf Prozent, da sind bei einer 120-GB-SSD schon satte sechs GB. Die Reserve können Sie gefahrlos verringern. Das gelingt mit dem Programm tune2fs, das einige Eigenschaften von Ext2/3/4-Dateisystemen nachträglich und ohne Datenverlust anpassen kann: Der als root oder mit sudo ausgeführte Befehl

/sbin/tune2fs -m 1 /dev/sda1

verringert die Anzahl der reservierten Blöcke der Partition „/dev/sda1“ auf ein Prozent. Noch größer ist der Platzgewinn auf Festplatten mit mehreren Terabyte. Von einer Reduktion auf null Prozent rät der Ext4-Entwickler Theodore Tso indessen ab, auch wenn es sich nicht um eine Systempartition handelt, die volllaufen könnte. Denn die reservierten Inodes dienen auch der Blockzuordnung des Dateisystems, die eine Fragmentierung von Dateien auf Ext4 vermeiden.

Swap-Partition nachträglich verkleinern

Weniger Swap: Wird der Ruhezustand nicht benötigt, da das System über eine schnelle SSD verfügt, dann kann Parted Magic die Swap-Partition nachträglich verkleinern.
Vergrößern Weniger Swap: Wird der Ruhezustand nicht benötigt, da das System über eine schnelle SSD verfügt, dann kann Parted Magic die Swap-Partition nachträglich verkleinern.

Die Installationsprogramme der meisten Linux-Distributionen folgen der alten Faustregel „Swap = RAM-Kapazität“. Dabei geht es aber mit dieser großzügigen Bemessung nicht um den wenig wahrscheinlichen Fall, dass der Linux-Kernel tatsächlich einmal den kompletten Arbeitsspeicher auslagern muss. Vielmehr dient die Swap-Partition dem Ruhezustand („Suspend to disk“) als Speicher zum Sichern des RAM-Inhalts. Wer den Ruhezustand bei schnellen SSD nicht benötigt, kann mit dem Live-System Parted Magic das System starten und dort mit Gparted Magic die Swap-Partition verkleinern. Da eine automatische Partitionierung Swap als logisches Laufwerk in einer erweiterten Partition anlegt, ist es nötig, zuerst die Swap-Partition zu verkleinern, dann in einem zweiten Schritt die erweiterte Partition, um schließlich den frei gewordenen Platz der Systemoder Datenpartition zuzuschlagen.

Home-Verzeichnis: Browser-Cache löschen

Auf einem Desktop-Linux-System ist der Browser der aktivste Produzent temporärer Dateien und legt Hunderte MB im Cache-Verzeichnis ab. In Firefox können Sie den Cache unter Einstellungen -> Erweitert -> Netzwerk“ mit „Jetzt leeren“ nicht nur löschen, sondern auch die maximale Cache-Größe manuell vorgeben. Chrome/Chromium unterstützt keine vorgegebene Cache-Größe, aber es gibt eine Abkürzung zur Löschfunktion über „chrome://settings/clearBrowserData“ oder Tastenkombination Strg-Umschalt-Entf.

Bleachbit: Mit Bedacht aufräumen

Das Python-Tool Bleachbit findet potenzielle überflüssige Dateien im Home-Verzeichnis und löscht diese. Es ist unter Ubuntu 14.04/14.10, Debian 7, Fedora 20/21 und Open Suse 13.2 in den Standard-Paketquellen verfügbar. Programme dieser Art sind aber stets mit Vorsicht zu genießen, da bei rigorosen Löschaktionen auch vom Anwender oder von Programmen benötigte Daten wie etwa Cache, Verlauf, Cookies verlorengehen können. Nach welchen Dateien Bleachbit suchen soll, lässt sich in einer Liste von Kategorien auswählen. Von der Kategorie „KDE“ sollte man die Finger lassen, nachdem Anwender über Programmabstürze nach dem Löschen dieser temporären KDE-Dateien berichtet haben.

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