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So richten Sie Tiny Tiny RSS für den eigenen Webserver ein

03.03.2016 | 13:36 Uhr |

Ein zentraler Feed-Reader im Browser erspart die Einrichtung eines separaten Programms auf jedem PC und Mobilgerät. Tiny Tiny RSS ist ein PHP-Projekt für den eigenen Webserver und liefert einen Feed-Reader als Webanwendung.

Nachrichten-Feeds in Form von RSS und Atom bleiben auch in Zeiten von Twitter die beste Möglichkeit, Nachrichtenseiten, Blogs und Podcasts zu folgen, ohne deren Webseiten dazu einzeln abzuklappern. Denn mehr als kurze Teaser, verkürzte URL und noch ein Bild passen nicht in die Tweets, während Feeds in den XML-Formaten RSS und Atom ganze Artikel und mehrere Bilder enthalten können. Der Feed-Reader kann ein echtes Produktivitäts-Tool sein, und die meisten größeren Websites, unter anderem pcwelt.de , werden deshalb den klassischen Feed nicht aufgeben.

Die Vorbereitung auf dem Server

Tiny Tiny RSS ist ein PHP-Projekt, das einen zentralen Feed-Reader auf dem eigenen Webserver hostet. Der Vorteil gegenüber einer installierten Anwendung: Die abonnierten Feeds lassen sich auf beliebig vielen PCs und Geräten komfortabel lesen und verwalten. Ein Webbrowser ist alles, was man auf der Anwenderseite benötigt.

Auf der Server-Seite verlangt Tiny Tiny RSS nach einem Webserver wie Apache, einer My-SQL-Datenbank und nach PHP mit einigen Zusatzmodulen, die es unter jeder Distribution gibt. In Sachen Leistung ist ein Raspberry Pi der ersten Generation gerade noch ausreichend.

Lese-Tipp: So richten Sie Ihren Apache-Server unter Linux ein

Installieren Sie zur Vorbereitung den Webserver Apache, My SQL und PHP mit den benötigten PHP-Modulen auf dem Server. Die folgende Anleitung gilt für Debian, Ubuntu und Raspbian. Auf diesen Distributionen installieren Sie die nötigten Pakete mit diesem Befehl:

sudo apt-get install apache2 mys ql-server php5 libapache2-mod -php5 php5-mysql php5-curl php5-gd php5-mcrypt git

Anschließend legen Sie bei der entsprechenden Abfrage das zukünftige root-Passwort für die My-SLQ-Datenbank fest (falls noch nicht geschehen), das Sie später wieder brauchen. Die Dateien von Tiny Tiny RSS stehen über die Versionsverwaltung Git bereit, und mit dem Befehl

git clone https://tt-rss.org/git/tt-rss.git tt-rss

laden Sie alle in das aktuelle Verzeichnis. Das dort erstellte Unterverzeichnis „tt-rss“ verschieben Sie mit

sudo mv tt-rss /var/www/html/tt-rss

in das Dokument-Verzeichnis des Webservers und setzen die Dateizugriffsrechte für Apache:

sudo chown -R www-data:www-data /var/www/html/tt-rss

Tiny Tiny RSS liefert zwar ein Konfigurations-Script für den Browser mit, aber dieses setzt voraus, dass eine Datenbank bereits angelegt ist, und erstellt diese nicht selbständig. Sorgen Sie erst dafür, dass My SQL ausgeführt wird. Der Befehl

sudo /etc/init.d/mysql start

funktioniert auch in neuen Versionen von Debian, Ubuntu und Raspbian, die bereits Systemd verwenden. Dann erstellen Sie eine neue Datenbank für Tiny Tiny RSS mit dem Namen „ttrss“ mit diesem Kommando:

mysql -uroot -p -e"CREATE DATABASE ttrss;"

An dieser Stelle werden Sie nach dem zuvor festgelegten Passwort für root-Mysql gefragt.

Lese-Tipp: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Die Datenbank muss per Hand angelegt werden. Den Rest erledigt ein Installations-Script.
Vergrößern Die Datenbank muss per Hand angelegt werden. Den Rest erledigt ein Installations-Script.

Einrichtung und erste Verwendung

Zur weiteren Konfiguration dient jetzt eine Weboberfläche, die Sie über einen Browser anhand der IP-Adresse des Webservers über die URL „http://[IP-Adresse]/tt-rss/installer“ aufrufen. In dem Feldern „Database settings“ wählen Sie als „Database type“ den Eintrag „MySQL“ und geben darunter „root“ als „Username“ mit dem root-Passwort von My SLQ ein. Der „Database name“ lautet in diesem Beispiel „ttrss“. Die Felder „Host name“ und „Port“ lassen Sie leer. Mit einem Klick auf „Test“ überprüft das Installations-Script die Verbindung zur Datenbank. Wenn alles funktioniert, legen Sie die Datenbank mit einem Klick auf „Initialize database“ an.

Die fertige Konfigurationsdatei „config.php“ kann das Script mit „Save configuration“ im Verzeichnis von Tiny Tiny RSS speichern.

Dann geht es schon zur Weboberfläche des frisch eingerichteten Tiny Tiny RSS. Die erste Anmeldung erfolgt mit „admin“ und dem Passwort „password“, was natürlich schleunigst geändert werden sollte. Die Anzeigesprache ermittelt die Oberfläche über den Browser und zeigt sich damit auch gleich in Deutsch. Zuerst ändern Sie unter „Aktionen -> Einstellungen -> Benutzer“ das Admin-Passwort oder legen einen neuen Benutzer an. Unter „Feeds“ können Sie Kategorien definieren und Feeds abonnieren. Dazu geben Sie die Adresse zum Feed im RSS-oder Atom-Format der gewünschten Webseite ein. Auch das gebräuchliche OPLM-Format anderer Reader kann importiert und exportiert werden.

Feeds lesen: Die Weboberfläche von Tiny Tiny RSS ist selbsterklärend.
Vergrößern Feeds lesen: Die Weboberfläche von Tiny Tiny RSS ist selbsterklärend.

Feeds automatisch aktualisieren

In der Leseansicht von Tiny Tiny RSS aktualisiert ein Doppelklick auf einen Feed in der linken Leiste den Inhalt. Schöner ist es natürlich, wenn sich die Feeds automatisch aktualisieren und immer schon beim Öffnen des Feed-Readers die neuen Artikel anzeigen. Auch das kann Tiny Tiny RSS und bietet dazu sogar mehrere Lösungen an. Am einfachsten ist es, das mitgelieferte Aktualisierungs-Script als wiederkehrenden Cron-Job für den Pseudo-Benutzer „www-data“ einzurichten, unter dem der Webserver in Debian & Co. läuft. Öffnen Sie dazu die Cron-Konfiguration:

sudo nano /etc/crontab

Tragen Sie in die crontab die Zeile

*/15 * * * www-data /usr/bin/php /var/www/html/tt-rss/update.php --feeds --quiet

ein, um alle 15 Minuten eine Aktualisierung der Feeds im Hintergrund anzufordern.

Android-Reader für Tiny Tiny RSS

Auf Smartphones mit kleinem Bildschirm ist die Weboberfläche von Tiny Tiny RSS nicht ganz so komfortabel zu bedienen, da einige Bedienelemente zu klein ausfallen. Für Android gibt es deshalb auch Apps, die sich mit diesem Reader auf dem Webserver verbinden, Feeds synchronisieren und eine einfachere Touch-Bedienung besitzen. Die offizielle App zu Tiny Tiny RSS ist in der Testversion kostenlos; nach der Evaluierungszeit von einer Woche sind 3,55 Euro für die Vollversion fällig. Schlichter, mit weniger Einstellungsmöglichkeiten, aber dafür kostenlos, ist der TTRSS-Reader .

Beide Apps erwarten, dass in Tiny Tiny RSS die Option „Einstellungen -> Allgemein -> Aktiviere API-Zugang“ aktiviert ist. Mit selbst signierten SSL-Zertifikaten für die verschlüsselte Anmeldung über HTTPS, die beim Betrieb von Tiny Tiny RSS auf einem Webserver im Internet Pflicht ist, kommen beide Apps klar.

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