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So richten Sie Ihr NAS gratis mit Open Media Vault ein

01.08.2015 | 09:17 Uhr |

Open Media Vault (OMV) ist ein relativ junges Spezialsystem auf Debian-Basis, das den typischen Funktionsumfang von NAS-Geräten bereitstellt. Der Beitrag erläutert die Einrichtung von OMV und seine Berechtigung neben dem bekannteren NAS4Free (und Free NAS).

Im Prinzip kann jedes Linux-System die Rolle eines Daten-Servers übernehmen. Spezialisierte NAS-Systeme haben nur den Vorteil, dass sie bereits ab Installation die maßgeblichen Dienste mitbringen und – fast genauso wichtig – alles weglassen, was ein Netzwerkspeicher nicht benötigt. Neben den eigentlichen Netzwerkfunktionen wie Samba, FTP, SSH oder Rsync ist auch immer ein Apache- oder wie im Falle von OMV ein Nginx-Server dabei, der die Konfigurationsoberfläche anbietet: Denn ein NAS wird normalerweise nicht am Gerät selbst verwaltet, sondern über den Browser eines beliebigen anderen Netzwerk- PCs. Als kostenlose NAS-Systeme haben sich über Jahre die BSD-basierten Projekte FreeNAS und NAS4Free angeboten.

Wir zeigen, wo die Unterschiede zwischen OpenMediaVault und klassischer NAS-Software wie NAS4Free liegen.
Vergrößern Wir zeigen, wo die Unterschiede zwischen OpenMediaVault und klassischer NAS-Software wie NAS4Free liegen.

Nachdem sich Free NAS mit erheblichen Speicheranforderungen in die Profinische verabschiedet hat, verbleiben als Systeme fürs Recyceln ausgedienter Netbooks oder für kleine Ein-Platinen-Rechner NAS4Free und eben Open Media Vault. Einen Vorteil bringt OMV dabei schon allein dadurch mit, dass es auf Debian 7 Wheezy basiert und somit eine für jeden Ubuntu / Mint -Nutzer vertraute Umgebung anbietet. Dieser Beitrag zeigt die Installation und Administration.

Open Media Vault: Voraussetzungen und Vorbereitungen

Das Standard-OMV läuft auf 32-Bit und 64-Bit-x86-Hardware mit einem GB RAM. Zudem gibt es von den Entwicklern Images für die Platinenrechner Raspberry Pi und Odroid C1. Für Banana Pi bietet der Platinenhersteller Lemaker ein Image an. Das Gerät benötigt mindestens zwei Datenträger: eine interne oder externe Festplatte für die Daten und einen kleinen Datenträger für das System selbst. Für letzteres ist ein USB-Stick oder eine SD-Karte mit zwei oder vier GB ideal, weil das System nach der Installation nur knapp ein GB belegt. Die Partitionierung nur eines Datenträgers nützt nichts, da OMV immer ein ganzes Device übernimmt.

Bei der Installation werden auf dem Ziellaufwerk alle Partitionen und Daten gelöscht. Die Projektentwickler empfehlen, vor der Installation einfach alle Medien außer dem Zielmedium vom Rechner zu trennen (was bei einer internen Festplatte allerdings mühsam ist). Das Ethernet-Kabel sollte bereits vor der Installation angeschlossen sein, weil das Setup sich Updates besorgen will und dann auch die Webadministration sofort funktioniert.

Laden Sie das Image herunter, und kopieren Sie es je nach Bedarf auf CD/DVD, USB oder SD-Karte. Zum bootfähigen Brennen auf CD/DVD eignet sich Brasero unter Linux und Imgburn unter Windows. Zum Schreiben auf USB oder SD verwenden Sie Brasero unter Linux und Unetbootin unter Windows. Unter Linux haben Sie außerdem noch die Alternative dd im Terminal. Danach booten Sie Ihren künftigen NAS-Server von dem eben erstellen Datenträger. Eventuell müssen Sie dazu erst die Bootreihenfolge im Bios anpassen.

Images für beliebte Platinen-Rechner: Derzeit gibt es Systeme für Raspberry Pi, Odroid C1 und Banana Pi (im Bild). Das Standard-OMV arbeitet unter x86-PCs mit 32 oder 64 Bit.
Vergrößern Images für beliebte Platinen-Rechner: Derzeit gibt es Systeme für Raspberry Pi, Odroid C1 und Banana Pi (im Bild). Das Standard-OMV arbeitet unter x86-PCs mit 32 oder 64 Bit.

Installation von OVM und eventuelle Hürden

Der textbasierte (Debian-)Installer wird geladen. Nachdem Sie „Install“ gewählt haben, stellen Sie zunächst in vorgegebenen Listen Sprache und Tastatur auf Deutsch ein. Die erste wichtige Entscheidung ist nach der Netzwerkerkennung fällig: Falls das System mehrere Adapter erkennt, erscheint die Abfrage nach der „Primäre[n] Netzwerk- Schnittstelle“. Dies sollte immer kabelgebundenes Ethernet sein, das als „eth0“ erscheint. Danach werden folgende Infos abgefragt:

  • Der „Rechnername“ ist beliebig wählbar – etwa „OMV“.

  • "Domain-Name“ belassen Sie auf der Vorgabe „local“.

  • Das „Root-Passwort“ ist das Kennwort für den root-User beim direkten Systemzugriff auf der Konsole oder per SSH-Konsole. Wenngleich die spätere Administration von OMV überwiegend auf der Weboberfläche geschieht (mit dem voreingestellten Standard-User „admin“ und dem Kennwort „openmediavault“), ist ein direkter Zugang als root gelegentlich notwendig und dieses Kennwort daher wichtig.

  • „Festplatten partitionieren“ erscheint dann, wenn mehrere Zieldatenträger für das System in Betracht kommen. Dies ist aber praktisch immer der Fall, wenn Sie das Setup über ein externes Medium wie USB oder SD-Karte ausführen und das Gerät noch eine interne Festplatte enthält. Mindestens drei Datenträger erscheinen unter „Wählen Sie die zu partitionierende Festplatte“, wenn Sie zusätzlich ein Zielmedium für das System in Form von USB-Stick oder SD-Karte eingesteckt haben. Leider bietet OMV auch das Medium als Systemziel an, auf dem gerade das Setup läuft. Das kann aber nicht funktionieren, und daher sollten Sie diesen Datenträger schon mal ausschließen. Ebenso ausschließen müssen Sie aus schon genannten Gründen interne oder externe Festplatten, weil das System grundsätzlich den kompletten Datenträger übernimmt und der restliche Platz verschwendet wäre. Die Auswahl macht kein Problem, weil neben den üblichen Device-Namen („sda“, „sdb“ …) Beschreibungen wie „Intensio Rainbow“ und Größenangaben wie „7,9 GB“ die Auswahl eindeutig machen.

Nach Auswahl des Mediums wird das System übertragen. Schließlich erscheint das Fenster „Paketmanager konfigurieren“. Wählen Sie als Spiegel-Server „Deutschland“ und dann einen Debian-Server aus der angebotenen Liste. Nach dem Bezug einiger Updates und der Einrichtung des Grub-Bootloaders ist die Grundinstallation abgeschlossen, und das Setup fordert zum Neustart des Rechners auf.

Textbasierter Setup-Assistent: Die Abfragen zum Netzwerk und zum Zieldatenträger sind einfach. Eine zusätzliche Abfrage zum Zielort des Bootloaders wäre wünschenswert.
Vergrößern Textbasierter Setup-Assistent: Die Abfragen zum Netzwerk und zum Zieldatenträger sind einfach. Eine zusätzliche Abfrage zum Zielort des Bootloaders wäre wünschenswert.

NAS-Ersteinrichtung: Konsole und Admin-Oberfläche

OMV bootet zur Konsole, auf der Sie sich als root mit dem vorher vergebenen Kennwort anmelden können. Beim allerersten Start sollten Sie das tun, denn damit sparen Sie sich die Suche im Netzwerk-Router, indem Sie als root auf der Konsole die IP-Adresse des Geräts mit ifconfig erfragen. Mit der unter „eth0“ angezeigten IP-Adresse können Sie dann mit jedem Browser die Administrationsoberfläche aufrufen.

Ab sofort ist kein Ein-Ausgabegerät mehr notwendig. Die Zugangsdaten sind „admin“ mit Passwort „openmediavault“. Als grundlegende Maßnahmen empfehlen wir folgende Eingriffe:

1. Aktivieren Sie den Open-SSH-Server unter „Dienste > SSH“. Damit ist die Konsole des NAS-Servers mit SSH (Linux) oder Putty (Windows) über das lokale Netzwerk erreichbar (als root).

2. Fordern Sie eine statische IP für den Server unter „System > Netzwerk > Schnittstellen > eth0“, wobei Sie eine freie lokale IP als Adresse eintragen, als Netzwerkmaske 255.255.255.0, als Gateway die IP Ihres Routers. Die Router-IP sollten Sie ferner unter „System > Netzwerk > DNS-Server“ eintragen.Nach Klick auf „Speichern“ und „Anwenden“ geht die Verbindung im Browser erst mal verloren. Die resultierende Fehlermeldung ignorieren Sie und geben einfach im Browser-Adressfeld die neue IP ein.

Ab sofort geht es bereits um Datenträger, Benutzer und Freigaben: Festplatten müssen unter „Datenspeicher > Dateisysteme“ erst einmal eingebunden werden. Dafür genügt das Markieren und der Klick auf „Einbinden“.

Als Nächstes müssen Sie die benötigten Netzwerkdienste grundsätzlich aktivieren. Für Netzwerkfreigaben genügt zunächst aktiviertes Samba unter „Dienste > SMB/CIFS > Einstellungen“.

Anmeldung als Admin: Die IP des Servers bringt Sie zum Anmeldebildschirm der Konfigurationsoberfläche. Das Standardkennwort lässt sich unter „System > Allgemeine Einstellungen“ ändern.
Vergrößern Anmeldung als Admin: Die IP des Servers bringt Sie zum Anmeldebildschirm der Konfigurationsoberfläche. Das Standardkennwort lässt sich unter „System > Allgemeine Einstellungen“ ändern.

Die Freigaben im Einzelnen erledigen Sie unter „Dienste > SMB/ CIFS > Freigaben“. Gehen Sie neben „Freigegebene Ordner“ auf das Plus-Symbol („Hinzufügen“). Als „Name“ vergeben Sie den Freigabenamen, neben „Datenträger“ wählen Sie das Medium wie etwa „/dev/sda1“, also die erste Festplatte. Um diese komplett freizugeben, tragen Sie als „Pfad“ den Slash „/“ ein. Die Zugriffsrechte legen Sie nach Bedarf fest, etwa so, dass Admins und Benutzer lesen und schreiben dürfen und nicht authentifizierte User keinen Zugriff erhalten.

Natürlich benötigen Sie jetzt noch Benutzer, die eine Freigabe verwenden dürfen. Richten Sie unter „Zugriffskontrolle > Benutzer“ mindestens einen Benutzer ein. Nun markieren Sie den Benutzer und klicken auf „Privilegien“. Wenn Sie die beschriebene Abfolge eingehalten haben, dann taucht die Freigabe dort bereits auf und zeigt die Rechte „Lesen/Schreiben“. Damit ist der Zugriff von jedem Netzwerkgerät ungeachtet des jeweiligen Betriebssystems möglich.

Falls Sie die Freigabe mit Usernamen und Kennwort problemlos betreten können, aber trotzdem fehlende Berechtigungen gemeldet werden, liegt das nicht an der Netzwerkfreigabe, sondern an fehlenden Dateirechten im Dateisystem des Servers. Das können Sie nicht an der Weboberfläche, sondern nur an der Konsole am Server selbst oder per SSH korrigieren. Verwenden Sie dort am besten den Midnight Commander, den Sie mit apt-get install mc schnell nachinstalliert haben. Das Menü „Datei“ bietet „Chown“ zur Besitzübernahme und „Chmod“ zum Ändern der Dateirechte. Der Midnight Commander bietet die in der Konfigurationsoberfläche angelegten Benutzer zur Besitzübernahme an.

Eine der ersten Pflichten: Wie jeder Server sollte das NAS-System eine feste IP-Adresse erhalten. Das funktioniert ohne Router-Zugriff auf der OMV-Konfigurationsoberfläche.
Vergrößern Eine der ersten Pflichten: Wie jeder Server sollte das NAS-System eine feste IP-Adresse erhalten. Das funktioniert ohne Router-Zugriff auf der OMV-Konfigurationsoberfläche.

OVM-Fazit: Übersichtlicher Server für Fortgeschrittene

OMV erreicht bei den Netzwerkdiensten nicht ganz den Umfang eines NAS4Free, hat aber Vorteile beim sonstigen Umfang mit Energieverwaltung, Cronjobs, Plug-in-Schnittstelle, Smart, Software-Raid, Systemübersicht (Dashboard und Systemprotokolle). Hinzu kommt der vertraute Zugriff auf die Debian-Repositories und damit komfortable Erweiterbarkeit. Die Admin-Oberfläche ist vorbildlich übersichtlich – leicht zu übersehen lediglich das Sitzungsmenü rechts oben. An der Oberfläche gewöhnungsbedürftig, aber relativ schnell habituiert, ist bei Konfigurationsänderungen die Abfolge „Speichern“, anschließendes „Anwenden“ nach der Aufforderung „Die Konfiguration wurde geändert“ und nochmaliges Bestätigen mit „Yes“. Für Anfänger ohne Linux-Erfahrung eignet sich OMV nicht, solange das Grub-Problem des Debian-Installers nicht gelöst ist.

Tipp: In unserem Hacks-Channel finden Sie viele weitere ambitionierte Raspberry-Projekte

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