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So klappt die Datensicherung unter Linux

12.10.2016 | 13:21 Uhr |

Backups müssen weder lästig noch langweilig sein, insofern sie einfach unbemerkt geschehen. Mit den richtigen Tools richten Sie die Datensicherung nur einmal ein und überlassen den Rest dem System.

Eine fehlerhafte Konfiguration, etwa nach einem Upgrade der Distribution, kann den Linux-Start verhindern. Und auch mit Festplattendefekten müssen Sie jederzeit rechnen. Damit sich im Notfall das System oder wenigstens wichtige Dateien schnell wiederherstellen lassen, sollten Sie regelmäßig Sicherungskopien erstellen.

Sinnvolle Backupstrategien

Sie haben die Wahl zwischen einem kompletten Backup des Systems, einem Backup der persönlichen Daten oder einer Kombination aus beidem. Was Sie sichern sollten, hängt von der Art ab, wie Sie Linux nutzen. Stehen Textverarbeitung, Webbrowser und E-Mail im Vordergrund, ist vor allem die regelmäßige Sicherung der persönlichen Dateien im Home-Verzeichnis wichtig. Dient der PC als Webserver oder Datenspeicher für andere PCs im Netzwerk, müssen Sie weitere Verzeichnisse sichern. Wichtig ist dann beispielsweise der Ordner „/etc“, in dem die Linux-Konfigurationsdateien und die des Webservers liegen.

Ein Backup sollte nicht nur die Dateien unter „~/Dokumente“ erfassen. Wichtige Konfigurationsdateien von Anwendungen und Desktop liegen unter „/home“ in versteckten Dateien oder Ordnern, die mit einem Punkt beginnen. Dateimanager wie Nautilus zeigen diese erst, wenn Sie im Menü „Ansicht“ ein Häkchen vor „Verborgene Dateien anzeigen“ setzen. So speichert etwa Firefox im Verzeichnis „.mozilla“ die Profildateien eines Benutzers. Wenn Sie den Browser Lesezeichen, Kennwörter und Formulardaten speichern lassen, ist ein regelmäßiges Backup des Profilordners empfehlenswert. Das können Sie zwischendurch auch manuell erledigen, indem Sie „.mozilla“ einfach in einen Backupordner kopieren.

Ein komplettes Systembackup ist anzuraten, wenn viele zusätzliche Programme installiert sind oder das System aufwendig konfiguriert ist. Ansonsten ist eine Neuinstallation und nachfolgende Wiederherstellung der eigenen Dateien oft schneller als ein Restore des ganzen Systems.

In Timeshift stellen Sie ein, wann und wie oft das Tool Backups erstellen soll.
Vergrößern In Timeshift stellen Sie ein, wann und wie oft das Tool Backups erstellen soll.

Inkrementelles Backup mit Timeshift

Für regelmäßige Backups empfehlen wird Timeshift. Das Tool erstellt Momentaufnahmen des Dateisystems, die beim Zurückspielen einen vorherigen Zustand wiederherstellen. Der erste Sicherungspunkt ist immer ein komplettes Backup der Systemverzeichnisse und mit einigen Gigabyte recht groß. Die weiteren Wiederherstellungspunkte sind dann aber deutlich kleiner, da Timeshift nur noch die Unterschiede zum vorherigen Sicherungspunkt speichert. Zur Installation unter Ubuntu verwenden Sie die folgenden Terminalbefehle:

sudo apt-add-repository -y ppa:teejee2008/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install timeshift

Informationen zur Installation bei anderen Linux-Systemen finden Sie auf der Webseite des Entwicklers (www.teejeetech.in/p/timeshift.html).

Starten Sie das Tool mit sudo time shift. Hinter „Backup-Device“ wählen Sie die Festplatte aus, auf der Sie sichern wollen. Voraussetzung ist, dass ein externes Laufwerk mit einem Linux-Dateisystem wie Ext3, Ext4, XFS oder BTRFS formatiert ist. Die Home-Verzeichnisse sind standardmäßig ausgeschlossen, lassen sich aber über „Settings -> Advanced -> Include“ hinzufügen. Klicken Sie auf „Backup“, um die Sicherung zu starten.

Nach dem ersten Backup legen Sie über „Settings -> Schedule“ einen Zeitplan fest. Die regelmäßigen Sicherungen werden dann automatisch per Cronjob durchgeführt.

Lesetipp: Systemback - Backups für Ubuntu und Mint anlegen

Wiederherstellung: Die Backupsätze von Timeshift bestehen einfach aus Ordnern und Dateien. Im Notfall lässt sich ein früherer Zustand daher mit jedem Livesystem rekonstruieren, selbst wenn Timeshift dort nicht verfügbar ist. In der Liste der Momentaufnahmen zeigt Timeshift alle Punkte auf dem Backuplaufwerk nach Alter geordnet an, mit den jüngsten Wiederherstellungspunkten am Ende der Liste. Über „Browse“ öffnen Sie den Standarddateimanager des Linux-Systems, um die Verzeichnisstruktur manuell nach Dateien zu durchforsten. Für die komplette Wiederherstellung schließen Sie zuerst alle anderen noch geöffneten Anwendungen. Wählen Sie den gewünschten Punkt in der Liste der Momentaufnahmen aus und klicken Sie auf „Restore“. Bevor die Wiederherstellung beginnt, zeigt Timeshift eine Zusammenfassung der Aktionen mit Backuplaufwerk und Ziellaufwerk an.

Ein Tar-Archiv lässt sich im Archivmanager öffnen.
Vergrößern Ein Tar-Archiv lässt sich im Archivmanager öffnen.

Backup mit Tar: Einfach und zuverlässig

Sicherungskopien legen Sie am besten auf einer zweiten Festplatte ab, die auch über USB angeschlossen sein kann. Für die schnelle Sicherung zwischendurch eignet sich das Tool tar:

tar -cvjpf /media/[User]/[USB-Laufwerk]/home_[User].tar.bz2 /home/[User]

Damit sichern Sie den Inhalt von „/home/[User]“ in das Verzeichnis „/media/[User]/[USB-Laufwerk]“. Dabei entsteht eine Datei mit der Endung „tar.bz2“, die platzsparend mit Bzip komprimiert ist. Für die Wiederherstellung entpacken Sie die Archivdatei im Dateimanager über den Kontextmenüeintrag „Hier entpacken“ in einen beliebigen Ordner. Sie können dann einzelne Dateien oder Verzeichnisse in Ihr Home-Verzeichnis zurückkopieren. Um das komplette Home-Verzeichnis zu rekonstruieren, wechseln Sie auf der Kommandoziele mit

cd \

in das Root-Verzeichnis und nutzen dann folgenden Befehl:

tar -xvjf /media/[User]/[USB-Laufwerk]/home_[User].tar.bz2

Bereits vorhanden Dateien werden überschrieben. Verwenden Sie diese Methode daher nur, wenn sich im Zielverzeichnis keine neueren Dateien befinden. Tar eignet sich auch für automatisierte Scripts. Die folgenden vier Zeilen sichern das Home-Verzeichnis. Der Dateiname wird zusätzlich mit Datums- und Zeitangabe versehen. Außerdem speichert das Script die Backupzeit in einer Logdatei.

#!/bin/bash
DATE=$(date +%Y-%m-%d-%H%M%S)
tar -cjpf /media/$USER/[USB-Laufwerk]/home_$USER-$DATE.tar.bz2 $HOME
echo $DATE Backup ausgeführt >> $HOME/backup.log

Erstellen Sie das Script in einem Texteditor und speichern Sie es in Ihrem Home-Verzeichnis etwa als „backup.sh“. Machen Sie es danach ausführbar:

chmod 755 backup.sh

Passen Sie die Pfadangabe für das Backup-Verzeichnis entsprechend Ihrer Konfiguration an. Damit das Script automatisch startet, rufen Sie im Terminalfenster crontab -e auf. Tippen Sie folgende Zeile ein

0 16 * * * nice -n 19 ionice -c2 -n7 $HOME/backup.sh >/dev/null 2>&1

und speichern Sie die Änderung. Damit startet das Script jeden Tag um 16:00 Uhr. Wenn Sie statt „0 16“ den Wert „53 2“ eingeben, wird das Script um 2:53 Uhr ausgeführt.

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