So gut wie tot?

Desktop-PC-Killer: Gestern, heute, morgen

Mittwoch den 15.02.2012 um 10:51 Uhr

von Ian Paul

Hat der Desktop-PC bald ausgedient?
Vergrößern Hat der Desktop-PC bald ausgedient?
© iStockfoto/ madmaxer
Wird der Desktop-PC bald aussterben? Wir zeigen Ihnen zehn potentielle Desktop-PC-Killer – und verraten, warum der klassische Rechner trotzdem noch lebt.
Der Desktop-PC ist tot; die Ära des beige-matten Heim-Towers ist vorüber. Das Zeitalter der Smartphones, Notebooks und Tablets ist angebrochen – so oder so ähnlich behaupten es zumindest etliche selbsternannte Experten und Kritiker. Das einzige Problem bei diesen Aussagen ist: der Desktop-PC ist quicklebendig – wenn auch nicht mehr so populär wie einst.

"In den letzten paar Jahren haben sich die Verkäufe von PCs auf ungefähr 80 Prozent Notebooks und 20 Prozent Desktop-PCs eingependelt", sagt Stephen Baker, Vize-Präsident von Industry Analysis, einem Marktforschungsinstitut der NPD-Gruppe. In der Tat haben Laptops den alteingesessenen Desktop-Pendants schon Anfang bis Mitte der 2000er-Jahre den Rang abgelaufen. Doch seitdem bleiben die Desktop-Verkäufe stabil – bei rund 20,3 Prozent aller PC-Verkäufe durch Konsumenten in den USA im Jahr 2011. Auch in den Jahren davor gab es ähnliche Prozentzahlen.

Trotzdem hören Kritiker, Experten und Analytiker, ja sogar Verantwortliche in Technologie-Konzernen nicht auf, den Desktop-PC bereits ihren Geschichtsbüchern hinzuzufügen. Worauf sie ihre Meinung stützen? Das zeigen die folgenden zehn potentiellen Desktop-PC-Killer aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Notebooks

Kein anderes Gerät brüllt so laut "Desktop ist tot" in die Welt hinaus wie das Laptop. Die Nachrichtenagentur Reuters stimmte Anfang 2009, kurz nach dem Weihnachtsgeschäft, deshalb sogar schon den Abgesang für den Desktop-PC an. Der Hintergrund ihrer verfrühten Totenmesse: nicht ein einziges Desktop-PC-Modell war im Weihnachtsgeschäft 2008 in den Technik-Bestseller-Listen des Onlineshop-Riesen Amazon zu finden. Stattdessen landeten dort sieben verschiedene Notebooks. Reuters informierte seine Leser daraufhin, es sei "ein weiteres, deutliches Zeichen dafür, dass die frühere Dominanz des Desktop-PCs immer weiter schwindet" und fragte sich später sogar, ob "es überhaupt noch irgendeine Chance für Desktop-PCs in der schönen neuen Welt von Laptops" gebe.

Tablets

Seit Steve Jobs anno 2010 das iPad enthüllte, sagen "Experten" voraus, dass das Touch-Gerät den Tod für den traditionellen Desktop-PC bringe. Das iPad sei "die größte Bedrohung für Desktop-PCs, die wir bis heute kennen", berichtet die Tech-Webseite Neowin im Oktober 2011. Entscheidende Faktoren für den Tod des Desktops seien unter anderem die lange Akku-Laufzeit des iPads, sowie die Tatsache, dass die meisten Menschen ihren PC für Aufgaben benützten, die man auf einem Tablet viel einfacher erledigen könne – zum Beispiel E-Mails abrufen, auf Facebook surfen und Videos streamen.

Smartphones

Haben Sie auch schon gehört, dass Smartphones die PC-Killer Nummer Eins sind? Faktisch werden Desktop-PCs innerhalb von fünf Jahren Geschichte sein, behauptet zumindest der damalige CEO von Symbian, Nigel Clifford, im Oktober 2006 - ergo vor mehr als fünf Jahren. Sie erinnern sich an Symbian? Die Firma, die ein mobiles Betriebssystem entwickelte, das 2008 vollständig von Nokia übernommen wurde? Spult man nun einmal vor ins Jahr 2012, dann hat der finnische Handy-Hersteller sein Betriebssystem Symbian OS mittlerweile zugunsten von Windows Phone 7 abgeschrieben. Und Desktop-PCs? Tja, die gibt's immer noch.

Videospiele

Videospiele sind die Killer des traditionellen Desktop-PC-Gaming: Diese Stellung bezieht der leitende Redakteuer von Benchmark Reviews, Olin Coles, Anfang 2011. Gleichzeitig sagt Coles einen langen, langsamen Tod für die Desktop-PCs voraus, die "nur fürs Gaming, Übertakten und andere entspannende Unterhaltungen gemacht wurden". Coles argumentiert, dass, je mehr Leute zu Notebooks und Mobilgeräten statt zu Tower-PCs greifen, die einzige Daseinsberechtigung für den Desktop-Rechner die Computerspiele sein werden. Mit der wachsenden Beliebtheit von Spielekonsolen – auch bei Entwicklern -  ist der PC als Spiele-Plattform aber bald außen vor. Zwar hat Cole den Desktop-PC noch nicht endgültig zu Grabe getragen, prophezeit aber: "Das Ende einer Ära ist nah – also genießt sie, solange ihr es noch könnt."

Internet, Web, Cloud

"Die Industrie für Desktop-Computer ist tot. Innovationen haben merklich abgenommen", sagt Apple-Mitgründer Steve Jobs 1996 in einem Gespräch mit der Technik-Zeitschrift Wired – und damit genau zu der Zeit, als er Apple gerade den Rücken kehrt. Jobs fährt fort, dass das Web die Zukunft sei und dass spezielle Web-Hardware (sogenannte Web-Terminals) eine mögliche Zukunft nach den Desktop-PCs seien. Heute weiß man, dass Jobs vor allem deshalb so argumentierte, weil Microsoft in der Desktop-Branche zu dominant war, um irgendeine Form von Innovation entstehen zu lassen.

 

Mittwoch den 15.02.2012 um 10:51 Uhr

von Ian Paul

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