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So gelingen peppige Handyaufnahmen

01.07.2014 | 15:16 Uhr |

Für einen eindrucksvollen Videoclip kommt es vor allem auf sehenswerte Aufnahmen an. Die erzielen Sie mit ein paar einfachen Tricks beim Filmen, die kaum Mühe abverlangen.

Bei der Nachbearbeitung betreibt man mitunter einen gehörigen Aufwand, um Videoclips zu perfektionieren: Mal ist ein Ausschnitt nicht optimal gewählt oder das Motiv wurde statt frontal nur schräg beziehungsweise seitlich aufgenommen, mal hat starkes Gegenlicht die Belichtungsautomatik des Smartphones irritiert – oder starke Hintergrundgeräusche lenken vom eigentlichen Geschehen ab. Da die Möglichkeiten der Korrektur am Handy gering sind, kann man solche Clips meist nicht mehr retten. Mit nur minimalem Aufwand gelingen Ihnen Aufnahmen, die sich praktisch direkt verwenden lassen.

1. Alles scharf inszenieren
Unscharfe Videos mag auch auf Youtube & Co. niemand sehen. Wenn Sie das Smartphone beim Filmen nicht mittig auf das anvisierte Motiv ausrichten, kann die automatische Scharfstellung ins Schleudern kommen und falsch justieren. Dann tippen Sie auf dem Display auf das gewünschte Objekt und setzen damit den Schärfepunkt manuell. Meistens sperren Sie den Fokus durch doppeltes oder längeres Antippen, sodass der einmal eingestellte Schärfepunkt erhalten bleibt, auch wenn sich das Motiv bewegt. Die manuelle Schärfeführung lässt sich darüber hinaus recht einfach als Gestaltungsmittel verwenden: Wenn sich beispielsweise im Vordergrund des Motivs ein interessantes Objekt befindet, können Sie darauf fokussieren. Damit beginnt die Szene – nach ein paar Sekunden setzen Sie die Schärfe durch Antippen auf den Hintergrund, den Sie eigentlich zeigen möchten.

2. Die richtige Kameraführung
Auch beim Filmen mit dem Smartphone ist die Basis einer gelungenen Aufnahme die richtige Kamerahaltung im Querformat. Denn die Ursache für schiefe Gebäude oder falsche Proportionen in Filmen ist in vielen Fällen eine schräg geführte Kamera. Das Querformat entspricht den üblichen Bildschirmproportionen.

Neigen Sie das Handy nicht unnötig nach oben oder unten. Sie vermuten, dass in der Eile des Gefechts eine Aufnahme schiefgegangen ist? Im Zweifel drehen Sie die Szene einfach nochmals. Das ist allemal einfacher, als sich später über fehlendes Rohmaterial zu ärgern.

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3. Guter Szenenaufbau

Guter Szenenaufbau: Mit der Wahl des Bildausschnitts setzen Sie das Motiv in Szene – ein unkonventioneller Blickwinkel macht die Aufnahme interessant.
Vergrößern Guter Szenenaufbau: Mit der Wahl des Bildausschnitts setzen Sie das Motiv in Szene – ein unkonventioneller Blickwinkel macht die Aufnahme interessant.
© Michael Rupp

Eine Grundregel für ansprechende Clips lautet: Platzieren Sie das Kernthema nicht in der Bildmitte, sondern im oberen oder unteren rechten oder linken Drittel (goldener Schnitt). Und das geht auch ohne kompliziertes Ausmessen ganz einfach, indem Sie das Raster im Menü der Kamera-App zuschalten.

4. Profi-mäßig filmen
Sie haben sich ein gutes Motiv und ein paar Ideen zur Handlung für Ihren Clip ausgesucht. Dann sorgen Sie mit drei einfachen Grundregeln dafür, dass sich Ihr Film von den Aufnahmen eines Amateurs unterscheidet:

Ruhig halten: Kaum jemand mag verwackelte Aufnahmen – halten Sie das Handy daher möglichst ruhig. Es hilft, wenn Sie sich anlehnen.

Wenig schwenken: Hektisches Schwenken beim Aufnehmen erschwert die Bearbeitung der Clips. Zudem langweilen Clips mit bewegtem Kamerabild den Zuseher schnell. Darüber hinaus kommt das menschliche Auge mit Schwenks nicht gut zurecht, weil es dabei von einem Betrachtungsschwerpunkt zum anderen springt. Stellen Sie stattdessen Dynamik her, indem Sie bewegte Vorgänge in unterschiedlichen, kurzen Szenen aufzeichnen.

Nie zoomen: Falls Ihre Video-App das Zoomen beim Filmen beherrschen sollte, lassen Sie es besser bleiben, denn das meist eingesetzte Digitalzoom verschlechtert nur die Aufnahme. Um einen anderen Motivausschnitt zu erfassen, gehen Sie näher an das Motiv heran.

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5. Für Abwechslung sorgen
Beim Filmen kommt es darauf an, einzelne Momentaufnahmen gezielt so aufzuzeichnen, dass Sie die einzelnen Szenen später gut aneinanderschneiden können, um dem Projekt eine gehörige Portion Dynamik zu geben und unnötige Längen zu vermeiden.

Jeder Take – also die Aufnahmezeit vom Start bis zum Stopp – sollte eine Länge von mindestens sieben Sekunden haben. Eine Einstellung von 20 Sekunden oder mehr erscheint bei Online-Videos leicht als langweilig. Tatsächlich sieht man in aktuellen Musikvideos selten Einstellungen, die länger dauern als vier Sekunden. Versuchen Sie statt langer Szenen lieber unterschiedliche, prägnante Momente einer Situation einzufangen. Hierfür nehmen Sie das gleiche Motiv in unterschiedlichen Perspektiven auf, wobei Sie auch Ihre Position und den Bildausschnitt verändern sollten. Mittels harter Schnitte entstehen auf diese Weise neue, interessante Impressionen.

6. Perspektive wechseln
Verzichten Sie auf viele sehr ähnliche Bildausschnitte. In diesem Fall wechseln Sie besser von einer Halbtotalen zu einer Nah- oder Detailaufnahme oder zu einer Totalen. Für ein gutes Ergebnis variieren Sie jeweils leicht den Blickwinkel. Das geht natürlich nur, wenn Sie schon beim Drehen darauf geachtet haben. Bei Szenen, die Sie nicht selbst beeinflussen können, ist das allerdings kaum umzusetzen.

7. Authentische Motive
Ein Clip soll eine bestimmte Stimmung festhalten und authentisch wiedergeben. Wenn Sie etwa die Muße einer Flusslandschaft vermitteln möchten, müssen Sie die Aufnahme gezielt darauf ausrichten. Gibt es am Flussrand etwa einige Enten, wirkt der Film intensiver, wenn Sie nicht nur den Flussverlauf filmen, sondern auch eines der Tiere in Großaufnahme.

Sie sollten auch besser nicht versuchen, alles in ein Bild zu packen, sondern sich bei der Motivauswahl bewusst beschränken.

8. Storyboard als Aufnahmehilfe

Storyboard als Aufnahmehilfe: So genau wie dieses Beispiel einer Youtube-Produktionsfirma braucht es natürlich nicht zu sein.
Vergrößern Storyboard als Aufnahmehilfe: So genau wie dieses Beispiel einer Youtube-Produktionsfirma braucht es natürlich nicht zu sein.

Wenn Sie einen wichtigen Event filmisch festhalten möchten, beugt ein Storyboard Stress bei der Aufnahme vor. Statt womöglich über mehrere Stunden zu filmen und bei der Nachbearbeitung am PC die besten Szenen auszuwählen, nutzen Sie besser einen Plan, das Storyboard, das Ihrem Film die nötige Struktur verleiht. Darin legen Sie fest, welche Szenen Sie zeigen wollen, wie lang der Film werden soll und welche einzelnen Takes Sie dafür brauchen. Sie definieren also im Voraus, welches die wichtigsten Momente des Events sind. Zugegeben, eine zuweilen mühsame Arbeit, die sich allerdings lohnt.

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