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Smartphone als Hologramm-Projektor

23.10.2015 | 08:30 Uhr |

Einen Hologramm-Projektor auf der Basis eines Smartphones zu bauen geht schnell. Aufwändiger, aber viel schöner ist einer im Steampunk-Design.

Andre Kahlke ist Designer von Steampunk-Objekten, die er unter dem Label Phonepunk vorstellt. Außerdem ist er Mitglied der Machina Nostalgica , einer Gruppe der besten Steampunk-Designer Deutschlands, und organisiert deren gleichnamige Steampunk-Ausstellungen. 

Eines seiner Objekte ist ein Hologramm-Projektor auf Smartphone-Basis.

Die Idee dazu bekam ich in einem sozialen Netzwerk. Jemand sprach mich an, ob das Folgende nicht etwas für mich wäre:

Gut, kopieren mit einfachsten Mitteln kann das jeder, und mittlerweile kann ich bestätigen, es ist wirklich simpel.

Für mich war allerdings die Herausforderung, das in einer richtigen Steampunk-Variante zu bauen.


Meine Übungsvariante baute ich mit Resten aus der Plexiglaskiste und Klebefilm innerhalb von 20 Minuten:

Die Übungsvariante
Vergrößern Die Übungsvariante
© André Kahlke

Zuerst versuchte ich es mit einem Glas aus einem rahmenlosen Bilderhalter - aber das Glas ist immer da gebrochen, wo ich keinen Schnitt gemacht hatte. Dann fiel mir ein, dass ich noch Reste von klarem Plexiglas haben müsste - 5 Minuten gesucht und gefunden.
Angezeichnet, mit Cuttermesser geschnitten, gebrochen und verklebt - 10 Minuten
Mit ins Wohnzimmer genommen, zusammengeklebt und auf Tablet gelegt - 5 Minuten.

Macht alles zusammen 30 Minuten, wobei der Fehlversuch schon 10 Minuten kostete - also waren es tatsächlich nur 20 Minuten.

Ich habe dann eine zweite Halbpyramide gebaut und die mal obendrauf gesetzt - sieht aus wie ein Kristall - mit dem Ergebnis, dass sich das Hologramm im oberen Teil noch einmal spiegelt. Grundlage für das Hologramm sind Youtube-Videos. Suchen Sie im Netz nach „Hologramm Video“ - Sie werden unterschiedlichste Videos finden, mit denen Sie herumexperimentieren können.

Das Plexiglas habe ich nur für meine Testreihe benutzt, es wurde später durch echtes Glas ersetzt.

Es spielt offensichtlich keine Rolle, wie dick das Glas ist, ob die Nähte gut gearbeitet sind, und es ist nicht einmal erforderlich, dass die Pyramide direkt auf der Bildschirmoberfläche steht. Gleichfalls spielt es keine Rolle, welche Art von Wiedergabegerät Sie benutzen, es funktioniert auch auf einem Laptop-Bildschirm. Ich denke, wenn Sie Ihren Fernseher auf den Boden legen, können Sie wahrscheinlich sogar mit Ihrem Aquarium (etwas gekippt) ein ähnliches Ergebnis erzielen
SIE MACHEN DAS DANN ABER AUF EIGENE GEFAHR!!!


Die Mechanik

Den Kristall, also den reflektierenden Teil, will ich innerhalb eines Behälters hoch- und runterdrehen können.
Dazu habe ich einen alten Wasserhahn umgebaut, etwas Mahagoni-Holz geschnitten und eine Drehvorrichtung zusammengesetzt.
Provisorisch ineinandergesteckt sieht es so aus. Der Kristall wird ja später aus Glas gefertigt.

Beweglicher Kristall
Vergrößern Beweglicher Kristall
© André Kahlke

Es muss natürlich nicht Mahagoni sein, es auch jedes andere Holz aus dem Baumarkt. Anzeichnen, sägen und grob abschleifen, wegen der Splitter. Mittig ein Loch bohren, die Gewindemuffe einschrauben und eine Gewindestange eindrehen.

Sägen und abschleifen
Vergrößern Sägen und abschleifen
© André Kahlke
Mittig ein Loch bohren
Vergrößern Mittig ein Loch bohren
© André Kahlke
Gewindestange eindrehen
Vergrößern Gewindestange eindrehen
© André Kahlke

Diese Gewindestange wird dann in einen Schraubstock eingespannt, und mit einer Oberfräse werden die Holzkanten gefräst und anschließend geschliffen.
 
Nun folgen mehrere Lackschichten.

Mehrere Lackschichten sind nötig
Vergrößern Mehrere Lackschichten sind nötig
© André Kahlke

Ich wollte die Bodenplatte mit einer Schublade versehen. Dazu habe ich mit der Oberfräse sacht eine Aussparung gefräst, ein weiteres Brett abgelängt und ebenfalls ausgefräst in der Form eines Tablets. Und so sah das dann aus.

Schubladenteile
Vergrößern Schubladenteile
© André Kahlke
Fertige Smartphone-Schublade
Vergrößern Fertige Smartphone-Schublade
© André Kahlke

Jetzt habe ich einen Tank mit Winkelstählen aufgebaut, einen Deckel gefertigt, der die Schraubvorrichtung aufnimmt, und Füße aus dem Messingfundus ausgesucht und montiert.


Nachdem die Montage des Gesamtkörpers fertig war, wagte ich einen ersten Test, allerdings immer noch mit dem Probekristall aus Plexiglas. Hier das Ergebnis.

Testvariante im Steampunk-Design
Vergrößern Testvariante im Steampunk-Design
© André Kahlke

Aber es gab noch Probleme:

- Die Füße sind zu schwabbelig, muss korrigiert werden
- Die Bodenplatte muss von unten verschraubbar sein und nicht von innen, Sie kommen da sonst nie wieder dran
- Schublade muss mit Stoff ausgelegt werden
- Eventuell eine feste Stromversorgung mit Steckverbindung hinten an der Schublade anbringen
- Alle Glasarbeiten liegen noch an...

Der nächste Schritt war demnach folgender:

- Die Füße wurden mit Streben versehen und können sich nun nicht mehr wegbewegen, die Konstruktion steht jetzt stabil.
- Die Bodenplatte wurde von unten verschraubt.
- Die Stromversorgung wurde mit Hilfe einer größeren Bohrung auf der Rückseite für diverse Kabel vorbereitet.
- Und dann kam mir die Idee der Lupenbetrachtung... Das „Spekuliereisen“ war schnell gebaut und macht das Ganze zu einer Art "Spekulationsobjekt".

Das ganze jetzt mit einer Lupe
Vergrößern Das ganze jetzt mit einer Lupe
© André Kahlke

Jetzt noch einmal zurück zum Innenleben, zum Kristall, den ich jetzt aus Glas zusammenbauen wollte. Die Scheiben habe ich beim Glaser schneiden lassen - einfach eine Zeichnung abgegeben und die präzise geschnittenen Teile zwei Tage später abgeholt.

Meine Idee war, den inneren Kristall mit Bleiverglasung zusammenzuhalten. Dazu gab es zuerst eine intensive Recherche, die Anleitungen ergab wie "irgendwas mit Schienen", "allerlei Gedöns, das Sie brauchen", "ominöse Pülverchen", "Lotkrempel", "Speziallötkolben - und machen Sie da ja nicht ohne diese Spezialwerkzeuge"...

Zurück zum Steampunk, telefonisch mit einem befreundeten Steampunker das weitere Vorgehen besprochen. "Oh, ich hab da noch so ´ne komische 5 mm breite Klebefolie aus Kupfer, das könnte gehen". Diese wurde beim nächsten Treffen mitgebracht und lag da nun rum, und Lötzinn ist bei mir immer reichlich vorhanden.

Aber: Halten Sie mal 8 konisch zugeschnittene Glasteile in einem imaginären Winkel fest und löten Sie die zusammen!

Es ist wesentlich einfacher, 2 Kugeln aufeinanderzustapeln ...

Also: Vorrichtung bauen!!! Bilder sagen da aber mehr als 1000 Worte:

Vorrichtung zum Löten bauen
Vergrößern Vorrichtung zum Löten bauen
© André Kahlke

Sie sehen hier die beklebten Kanten, jeweils 1 mm auf jeder Seite umgebogen.
Innen werden die Scheiben dann mit Holzklötzen festgehalten und oben vorläufig fixiert:

Holzklötze für die Fixierung
Vergrößern Holzklötze für die Fixierung
© André Kahlke

Nun wird rundherum auf jeder Seite erst unten, dann oben kurz angelötet und dann eine Naht gezogen, und zwar mit einem ganz normalen Lötkolben.

Sauber arbeiten!
Vergrößern Sauber arbeiten!
© André Kahlke

Innen alles schön sauber machen, den späteren Halteklotz einlegen und die beiden Glaspyramiden aufeinanderlegen. Erstmal die Winkel anlöten und dann wieder die gesamte Naht ziehen. An die Innenseite kommt man nie wieder ran, also schön sauber halten.

Der fertige Kristall
Vergrößern Der fertige Kristall
© André Kahlke

Ich wollte die Nähte anschließend eigentlich glattziehen, habe aber beim vorliegenden Ergebnis darauf verzichtet, weil ich das so schöner finde.

Eigentlich war das Projekt hier abgeschlossen.

Aber ich hatte ja noch die Idee mit der Lupe.

Also mit 2 Topfbohrern ein dünnes Rohr aus Holz ausgeschnitten, eine Linse eingeklebt und mit Kauschenringen versehen und das Ganze an einer Haltevorrichtung montiert.

Die Lupe: dünnes Holzrohr mit Kauschenringen und Linse
Vergrößern Die Lupe: dünnes Holzrohr mit Kauschenringen und Linse
© André Kahlke
Lupe mit Haltevorrichtung
Vergrößern Lupe mit Haltevorrichtung
© André Kahlke
Lupenarmmechanik mit Feder
Vergrößern Lupenarmmechanik mit Feder
© André Kahlke

Und das ist jetzt das fertige Objekt:

Das fertige Projekt im Profil
Vergrößern Das fertige Projekt im Profil
© André Kahlke

Dieses Exponat hat sein eigenes Leben und lässt einen nicht mehr aus dem Banne treten, wenn man erst gefesselt ist - beizeiten erlebe es jeder selbst...

Tipp der Redaktion:

Sie finden noch weitere Objekte im Steampunk-Design auf unserer Website, und zwar

Das Meliora Jukebox-Grammophon von Dan Aetherman

The Wingman - altes Radio mit moderner Technik von Horatius Steam

Viktorianisches Klangrohr : MP3-Player im Steampunk-Design von Leander Lavendel


Hinweis für alle Bastler:
Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben oder vielleicht sogar einer der Maker der Steampunk-Szene sind, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich, fantastisch perfekt oder einfach nur schräg, gern auf www.pcwelt.de/hacks vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - hacks@pcwelt.de.  

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