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Smartphone-Recycling: Alte Geräte sinnvoll einsetzen

26.05.2016 | 16:34 Uhr |

Smartphones sind bekanntlich ein kompletter Mini-PC, Hardware-technisch mit leistungsstarken Platinen-PCs zu vergleichen, dabei kompletter ausgestattet. Ausrangierte Smartphones sind daher dankbare Kandidaten fürs Re-und Upcycling.

Das Display hat einen Sprung, der Akku ist hinüber, oder der Arbeitgeber hat ein neues Modell spendiert: Selbst bei Pragmatikern, die nicht an der hochansteckenden Volkskrankheit Neophilie leiden, landen Smartphones irgendwann in der Schublade „Elektroschrott“. Dabei ist kaum eine andere Geräteklasse so gut geeignet, neue Aufgaben zu übernehmen. Bastler, die gerade überlegen, sich einen Platinenrechner, ein Mobilradio, eine IP-Kamera (und, und, und …) anzuschaffen, sollten erst das alte Handy aus der Schublade holen. CPU-Leistung, RAM und vor allem die Peripherie-Ausstattung sind exzellent, lediglich an Anschlussports mangelt es.

Siehe auch: Das iPhone als Wandgadget einsetzen

Andere Geräte ins Netz bringen

Auch ältere Android-Smartphones bieten standardmäßig Netzwerkfunktionen, die sie zumindest zur Behelfsbrücke ins Internet befähigen. Hat ein PC oder ein Notebook im Heimnetz keinen funktionierenden WLAN-Adapter und keine Kabelverbindung, hilft das Smartphone aus: Das Smartphone muss selbst mit dem WLAN verbunden sein und über sein USB-Kabel mit dem Rechner. Sobald unter „Verbindungen -> Weitere Einstellungen -> Tethering […] -> USB-Tethering“ aktiviert ist, erhält der Rechner eine „Kabelnetzverbindung“ und kann ins Internet.

Eine etwas aufwendigere Lösung macht das ausgediente Handy zum mobilen WLAN-Hotspot für Notebooks oder Tablets, die kein Mobilfunknetz besitzen. Dazu muss das Handy über „Mobile Daten“ im Netz sein und dieses über „Verbindungen -> Weitere Einstellungen -> Tethering […] -> Mobiler WLAN-Hotspot“ als WLAN anbieten. Damit können sich dann andere Geräte wie gewohnt verbinden. Eine solche Lösung lässt sich etwa dauerhaft im Auto realisieren, wenn Sie das Handy mit einem Ladeadapter mit Strom versorgen (ab circa zehn Euro). Aufwendiger ist dieses Szenario aber auch deshalb, weil das recycelte Smartphone eine aktive SIM-Karte benötigt.

Apps und Server-Apps für einzelne Funktionen

Mit Kamera, Mikrofon, Audio Line Out, GPS, Bewegungssensoren, WLAN, Bluetooth und Mobilfunknetzen, USB-Zugriff (OTG), Hotspot-Funktion sowie DLNA-Medien-Streaming („Geräte in der Nähe“) haben auch ältere Android-Smartphones viel Potenzial an Bord. Manche Apps nutzen lediglich diese Gerätefunktionen mehr oder weniger kreativ, andere fügen einen kleinen Server hinzu, um die gewünschte Komponente über den Browser oder eine andere Netz-Software auf anderen Rechnern anzubieten. Hier nur wenige typische Beispiele:

  • Apps wie Radio FM oder Tune In ersetzen ein Radio. Sie brauchen nur WLAN und – sehr zu empfehlen – ein direkt am Klinkenstecker angeschlossenes oder per Bluetooth empfangendes Lautsprechersystem (je nach Anspruch ab zehn und bis 300 Euro).

  • Die App Cerberus nutzt den GPS-Chip des Smartphones und dient eigentlich dazu, ein verlorenes oder gestohlenes Smartphone zu orten. Auf einem ausgedienten Android-Handy, das Sie im Auto deponieren und dort per Ladeadapter mit Strom versorgen, dient es zum Auffinden des Fahrzeugs.

  • Die App Mobile Alarmanlage macht aus dem Smartphone eine simple Alarmanlage. Die kostenlose Version schaltet fast alle interessantesten Optionen ab, daher sind bei Interesse die 0,99 Cent unvermeidlich. Die App schaltet auf Wunsch einzelne oder sämtliche Komponenten scharf (Mikro, Kamera, Bewegungssensor, Ladekabel) und verschickt bei einem Ereignis SMS oder Mail. Die laute Alarmfunktion eignet sich eher für Scherzaktionen.

  • Die Android-App Baby Monitor nutzt das Smartphone-Mikrofon zur Überwachung des Kinderzimmers. Ein einstellbarer „Sensity Level“ definiert, ab welcher Lautstärke Ihre Telefonnummer angerufen werden soll.

  • Eine simple, aber nützliche Monofunktionalisierung alter Handys ist der Einsatz als Fernsteuerung für Smart-TVs oder Mediencenter. In beiden Fällen ist es wichtig, dass das zu steuernde Gerät über den Router stets eine feste IP-Adresse erhält. Steuerungs-Apps für Fernseher bietet Google Play zuhauf, am besten grenzen Sie die Suche gleich auf den TV-Hersteller ein (etwa „Samsung“ oder „LG“). Für das Mediencenter XBMC/Kodi sind die Apps Kore , Yatse und XBMC remote zu empfehlen.

Zwei Szenarien in der Praxis

Android-Apps für Internetradio gibt es zuhauf. Zusätzlich brauchen Sie nur noch ein kleines Lautsprechersystem für zehn Euro aufwärts.
Vergrößern Android-Apps für Internetradio gibt es zuhauf. Zusätzlich brauchen Sie nur noch ein kleines Lautsprechersystem für zehn Euro aufwärts.

Das Handy als Kamera: Ein altes Smartphone bringt alles mit, um als IP-Webcam oder Überwachungskamera zu arbeiten. Das einzige technische Problem ist die Fixierung des Handys an der gewünschten Position; die sollte für einen längeren Einsatz zudem in der Nähe einer Steckdose liegen. Der Rest ist einfach: Die Android-App IP Webcam ist schnell installiert. In den App-Einstellungen aktivieren Sie „Local broadcasting“ und den untersten Punkt „Starte Server“. Schon geht’s los. Wenn Sie die IP-Adresse des Handys nicht kennen, hilft die App mit dem Punkt „Wie verbinde ich mich?“. Jeder Browser im gleichen Netz zeigt den „Android Webcam Server“ nach Eingabe der IP in die Adresszeile. Der Live-Stream erscheint, sobald Sie hier einen „Video Renderer“ anklicken. Über „Aufnahme Kontrolle“ lässt sich der Stream aufzeichnen, der dann am Handy unter „/ipwebcam_videos“ abgelegt wird. Einzelfotos speichern Sie am einfachsten gleich am PC mit „Foto Ausnahme“ und dann „Bild speichern unter“ im Browser. Die App bietet überdies zahlreiche Qualitäts-und Feineinstellungen.

Tipp: Funktionen von Android 6 nachrüsten

Das Handy als Daten-und Medienserver: Um Audio-und Videodateien vom Handy zu streamen, brauchen Sie noch nicht mal eine spezielle App (wie BubbleUPnP). Nicht allzu alte Android-Smartphones zeigen unter „Verbindungen“ die Option „Geräte in der Nähe“. Es genügt diese zu aktivieren, und schon erscheint die Medienbibliothek auf den Rechnern und TV-Geräten im Netz – als UPnP-Medienbibliothek (PC) oder als „All Share“-Quelle (TV).

Wer das Smartphone zu einem echten NAS-Server ausbauen will, muss Kompromisse eingehen und einige technische Probleme lösen. Da der Verkehr über das Funknetz laufen muss, sollte das WLAN wenigstens stabil und schnell sein. Wir konnten einen Durchsatz von 40 bis 50 MBit/s erzielen, was sicher nicht schnell ist, aber für Streaming und Büro-Backups allemal ausreicht.

Damit wird das Handy zu einem kleinen PC und kann auch als Daten-Server genutzt werden.
Vergrößern Damit wird das Handy zu einem kleinen PC und kann auch als Daten-Server genutzt werden.

Nächster Punkt ist der Speicherplatz: Ohne externe USB-Festplatte hätte der Smartphone-Server seinen Namen nicht verdient. Nun ist es zwar kein Problem, mit einem USB-OTG-Kabel (circa fünf Euro) eine USB-Festplatte anzuschließen. Wenn diese keine eigene Stromversorgung hat, müssen Sie jedoch ein USB-OTG-Y-Kabel (ab acht Euro) wählen.

Das Hauptproblem: Hängt eine Festplatte am Micro-USB-Adapter des Handys, kann das Smartphone nicht gleichzeitig laden. Damit wäre das Server-Projekt eigentlich begraben – es sei denn, Sie entschließen sich zu einem Upcycling mit geeigneter Investition: Multimedia-Docking-Stations insbesondere für Samsung-Smartphones (Produktbezeichnungen EDD-S20E und ähnlich) bieten USB-Anschlüsse, HDMI, Audioausgang plus Ladefunktion. Sie kosten 20 Euro aufwärts, Markenprodukte 45 bis 70 Euro. Achten Sie auf die angegebenen kompatiblen Smartphone-Modelle und darauf, dass Ladefunktion und USB-Anschluss gewährleistet sind.

Passende Apps gibt es in Menge: Servers Ultimate mit Servers Ultimate Pack B (für Samba), ferner Samba Droid bringen die Smartphone-Daten zu Linux-und Windows-Rechnern, fordern aber zu diesem Zweck ein gerootetes Android. Wem eine Weboberfläche für Up-und Downloads reicht, kommt ohne Rooten mit Droid over Wifi über die Runden.

Video: Die besten Highend-Smartphones
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