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Kabellose Smartphone-Ladestation: Ganz einfach selbst bauen

09.10.2016 | 09:31 Uhr |

Wo ist eigentlich das Ladekabel vom Handy? Hat jemand das USB-Netzteil gesehen? Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn Sie auch ständig auf der Suche nach den Stromquellen für Ihr Mobilgeräte sind, dann wäre eine Ladestation genau das Richtige

Ein großer Fortschritt ist die einigermaßen einheitliche Ausstattung mit Micro-USB-Anschlüssen. So muss man wenigstens nicht immer verzweifelt nach dem einzigen vorhanden Ladekabel suchen. Doch zum einen gilt das eben nicht für alle Geräte, zum andern nützt es nicht, wenn man drei Akkus laden muss, aber nur zwei Kabel findet. Darum ist eine Ladestation ein extrem sinnvolles Zubehör. So etwas kann man fertig kaufen oder aber nach eigenen technischen und Design-Vorstellungen selber bauen. Und noch genialer wird es, wenn man sein Handy oder Tablet einfach nur noch auf den Tisch legen muss, um es zu laden. Doch dazu später mehr.

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Das Gehäuse für die Smartphone-Ladestation

Der Aufbau einer Ladestation ist eigentlich total simpel. Man benötigt zunächst eine geeignete Box mit Deckel. Die muss nicht übermäßig hoch sein, sollte aber von den Abmessungen genug Fläche bieten, um alle Geräte zum Laden darauf unterbringen zu können. Wobei man sich natürlich fragen kann, wie sinnvoll es ist, das Teil so zu bemessen, dass man zwei Smartphones, ein liegendes 7-Zoll-Tablet und vielleicht noch ein ausgewachsenes iPad, ebenfalls liegend, gleichzeitig darauf platzieren kann. Das wird dann eher ein Ladetisch. Insofern tut man gut daran, zu überlegen, ob man Tablets nicht auch stehend und dann sogar neben der Station andocken kann. So bleibt das Ganze etwas kleiner. Die Box selber kann aus Plastik sein, aus Holz, Metall oder zur Not sogar aus Pappe. In Möbelgeschäften wird man hier in der Regel ganz gut fündig.

Die Technik

Technisch betrachtet ist das System sehr einfach zu realisieren. Man benötigt entweder einen aktiven USB-Hub oder ein passives Modell und dann ein ausreichend dimensioniertes USB-Netzteil. Auch hier ist wieder ein wenig die Frage, wie aufwändig man das Ganze planen möchte. Vor allem im Hinblick auf die Stromversorgung lohnt es sich, ein paar Gedanken zu verschwenden. Denn ansonsten verschwendet man womöglich Strom. Es ist schließlich völlig unnötig, dass die Ladestation in der Zeit, in der sie nicht benötigt wird, am Netzt hängt, denn das Netzteil verbraucht auch ohne angeschlossene Geräte immer etwas Strom.Nun kann man natürlich jedes Mal den Netzstecker ziehen, was man üblicherweise beim vierten Mal erstmalig „vergisst“, weil man immer hinter den Nachttisch langen muss. Komfortabler wäre da schon ein Netzschalter an der Station.

Insofern bietet sich USB-Netzteil oder aber ein Hub mit Steckernetzteil an. Zusätzlich benötigt man noch einen Schalter (für 220 Volt), ein Euro-Kaltgerätekabel, eine selbst montierbare Kaltgerätekupplung, eine Knickschutztülle oder zumindest Gummidurchführung sowie eventuell eine Zugentlastung. Und ganz wichtig: USB-Ladekabel in ausreichender Zahl und mit den benötigten Steckern. Wer seine Originalkabel nicht opfern will, bestellt am besten im Internet neue, etwa ein bis zwei Euro werden pro Leitung fällig. Dazu bedarf es noch Lötwerkzeug, einiger Schrumpfschläuche und einiger Kabelbinder. Keiner Tipp: Wer sich das Löten nicht zutraut oder sich die durchaus etwas fummelige Arbeit schenken will, kann auch kleine Lüsterklemmen oder Bananenstecker verwenden.

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Der Zusammenbau

1. Wir haben uns eine Holzbox mit Klappdeckel im Möbelhaus besorgt; knapp 10 Euro dafür investiert. Wir bohren zunächst mittig in die Rückwand ein Loch für den Kabelknickschutz und setzten ihn ein.

2. Dann fädeln wir das Netzkabel hindurch; in unserem Fall genügt ein zweiadriges Eurokabel. Wer möchte, bohrt noch ein weiteres Loch für den schon angesprochenen Netzschalter und setzt ihn noch zwischen einen Leiter. Wir haben allerdings in unserer Restekiste noch eine alte Zuleitung von einer Nachttischlampe mit bereits integriertem Schnurschalter gefunden; das vereinfacht die Arbeit. Mit einem nicht zu strammen Knoten sichern wird das Kabel gegen versehentliches Herausziehen.

3. Nun montieren wir den Stecker, was üblicherweise kein Problem darstellt. In unserem Fall allerdings schon, weil wir eine Schuko-Kupplung verwenden, die aus derselben Quelle stammt wie das Kabel, also aus der Restkiste.

4. Weil das Ganze elektrisch nicht zu 100 Prozent sauber ist, bringen wir hier einen deutlichen Warnhinweis an; unsere Kupplung hat nun einmal keinen Schutzleiter. Besser wäre es hier tatsächlich, eine Eurokupplung zu verwenden.

5. In die Kupplung stecken wir nun ein USB-Netzteil und schließen dort den USB-Hub an. Ein erster Test: Einstecken, Schalter betätigen, Kontrollleuchte funktioniert. Es kann weitergehen.

6. Wir nehmen das erste USB-Kabel und trennen es auf. Der Teil mit dem Stecker für das zu ladende Gerät sollte so etwa 20 cm lang werden, der andere vielleicht 10 cm. Anschließend isolieren wir beide Kabel ab; die Abschirmung sowie die grüne und die weiße Ader können wir entfernen.

7. Als Nächstes muss ein Loch in den Deckel der Box, in unserem Fall gibt das Design die Position förmlich vor: Es kommt an eine Spitze des Sterns. Dabei sollte der Durchmesser so gewählt werden, dass das Kabel sich mit leichtem Kraftaufwand hindurchziehen lässt, aber nicht von alleine durchrutscht. Ganz wichtig: Das Kabel muss durch das Loch, bevor die beiden Teile wieder zusammengesetzt werden. Denn egal, wie man es verbindet, es wird an der Stelle immer dicker sein als der Lochdurchmesser.

8. Wir verlöten das Kabel. Dabei schützen wir jeweils die Einzellitzen mit einem dünnen Schrumpfschlauch und stabilisieren die gesamte Stelle mit einem weiteren, etwas dickeren Schrumpfschlauch.

9. Zu guter Letzt kommt noch ein Kabelbinder straff auf das Kabel oberhalb der Lötstelle. Er dient als Zugentlastung und verhindert, dass man versehentlich die Leitung zerreißt.

10. Nun muss nur noch der USB-Stecker in den Hub gesteckt werden, der Deckel geschlossen und wir können unser erstes Gerät laden.

11. Nun kann man weiter Kabel ergänzen. Man sollte dabei nur bedenken, dass der Platz endlich ist. Und zwar sowohl der, um Geräte abzulegen als auch der Steckplatz im Hub. Theoretisch kann man zwar mehrere Hubs zusammenschalten, aber dann wird irgendwann die Stromversorgung zum Problem.

12. Die Kabel haben hinsichtlich ihrer Länge etwas Spiel, man kann sie also auch problemlos soweit herausziehen, dass man auch Geräte laden kann, die neben die Box gestellt werden. Wir hatten hier eingangs schon das iPad erwähnt, aber auch einige andere Tablets bieten sich hierfür an. Und wer will, kann die Box auch gleichzeitig noch als Gehäuse für einen Raspberry mitnutzen.

Drahtloses Laden

Nun könnte man auf die Idee kommen, statt der Box auch einen Tisch, ein Sideboard, eine Nachtkonsole oder ein anderes Möbelstück zu verwenden. Aber wer bohrt schon gerne sein Mobiliar an, wenn es nicht unbedingt sein muss. Trotzdem lassen sich Lademöglichkeiten in Möbel integrieren, ein schwedisches Möbelhaus bietet hier mittlerweile schon ein kleines Sortiment an. Die Technik dahinter nennt sich Qi; es ist eine Art Quasi-Standard des Wireless Power Consortiums.

Die Kombination aus Ladepad und Empfänger ermöglicht kabelloses Laden, komfortabel, aber mit etwas schlechterem Wirkungsgrad als mittels klassischem Kabel.
Vergrößern Die Kombination aus Ladepad und Empfänger ermöglicht kabelloses Laden, komfortabel, aber mit etwas schlechterem Wirkungsgrad als mittels klassischem Kabel.
© Adafruit

Mehr Info: So laden Sie Ihr Smartphone ohne Kabel

Es handelt sich dabei um nichts anderes als ein induktives Laden, also das, was es bei elektrischen Zahnbürsten schon lange gibt. Man kann die meisten Handys mit entsprechenden Empfängern oder Ladeschalen nachrüsten, eine Reihe von Smartphones vor allem der Oberklasse ist mittlerweile bereits Hersteller-seitig Qi-fähig. Darüber hinaus bietet der Elektronik-Fachhandel eine Vielzahl von Ladestationen und Ladepads an; das zu ladende Gerät wird hier einfach draufgelegt. Man kann nun ein solches Ladepad auch unter einer Tischplatte oder dem Deckel eines Schränkchens befestigen, aber das hat durchaus Nachteile. Die Entfernung zum Empfänger wird erhöht, im schlechtesten Fall so weit, dass das Laden nicht mehr funktioniert. Bei einem unsichtbaren Ladegerät kommt noch hinzu, dass man eine Markierung benötigt, damit den Auflagepunkt für das Smartphone überhaupt findet. Der Kompromiss ist eine sichtbare Ladeplatte in einem Möbelstück, was aber wieder ein Loch bedeutet. Allerdings ist das letztlich auch die Einbau-Lösung, die beispielsweise Ikea bietet.

Hinweis: PC-WELT übernimmt keine Gewähr.

Für den Möbeleinbau gibt es spezielle Ladepads, die großteilig im Holz versenkt werden und nahezu bündig mit der Oberfläche abschließen
Vergrößern Für den Möbeleinbau gibt es spezielle Ladepads, die großteilig im Holz versenkt werden und nahezu bündig mit der Oberfläche abschließen
© IDG
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