26.11.2012, 12:09

Peter Stelzel-Morawietz

Smart-TV zum Nachrüsten

Smart fernsehen auch mit altem TV-Gerät

Mit Hilfe einer Smart-TV-Box rüsten Sie auch gewöhntliche TV-Geräte zu Smart-TVs um.

Selbst auf nur zwei Jahre alten Fernsehern fehlen meist Browser, TV-Mediatheken und mehr. Sie können Ihren alten Fernseher aber auch zum Smart-TV nachrüsten.
Sie können ja mal die Probe aufs Exempel machen und einen Verkäufer im nächsten Elektronikfachmarkt vor folgende Aufgabe stellen: „Ich möchte meinen Fernseher daheim smart machen“. Wenn Sie auf wirklich kundiges Personal stoßen, werden Sie entweder in die Fernsehabteilung geschickt, in die PC-Etage, zu den Spielekonsolen, zum Apple-Corner, zu den digitalen TV-Empfangsreceivern oder in die Abteilung mit Multimedia-Playern. Android-Internet-TV-Boxen, die vorhandene Fernseher ebenfalls zum Smart-TV nachrüsten können, sind vermutlich zunächst gar kein Thema.

Wenn man Ihnen in fünf Abteilungen dann fünf völlig verschiedene Dinge erzählt und Geräte vorgestellt hat, werden Sie vielleicht ins Grübeln kommen, ob das Nachrüsten überhaupt die richtige Lösung darstellt – vielleicht wäre ein neuer Fernseher mit allen Schikanen ja doch die smartere Lösung.
Mehr Komfortfunktion für Ihren Fernseher

Was bedeutet Smart-TV?
Angesichts des fast schon als chaotisch zu bezeichnenden Nebeneinanders an Nachrüstoptionen stellt sich die Frage, was sich hinter der Bezeichnung „Smart-TV“ überhaupt verbirgt. Vorneweg sei gesagt: Jeder Hersteller findet andere Möglichkeiten smart – meistens natürlich diejenigen, die in seinen Geräten stecken. Der Begriff an sich sagt also noch nichts. Manches TV-Gerät aus den Jahren 2009 oder 2010 verfügt zwar bereits über einen Netzwerkanschluss, doch dessen Möglichkeiten beschränken sich auf das Abspielen von Musik, Videos und Bildern von einer Netzwerkfestplatte.

Zwei Jahre später ist Smart-TV jedoch viel mehr: Neben der Mediaplayer-Funktion im Heimnetz gehören das Abrufen von Filmen aus Online-Videotheken (Video on Demand), das Streamen von Sendungen aus den Media-theken, die Nutzung als Ausgabegerät für Smartphones und Tablets sowie Internet-Anwendungen wie Browser, Mail, Wikipedia, Youtube oder Wetterinfos dazu. Immer wichtiger werden zudem die sozialen Netzwerke auf dem Wohnzimmer-Display, idealerweise kommen Bildtelefonie via Skype und die Anzeige der Anrufe inklusive Nachrichten auf der Mailbox hinzu, sofern die Fritzbox im gleichen Netzwerk ohnehin als zentrale Telefonanlage fungiert. Dies sind nur einige Kernfunktionen – mancher Anwender wünscht sich individuell das eine oder andere hinzu, beispielsweise Online-Shopping und HD-Fernsehen (rund 45 Euro pro Jahr bei Zattoo).

Neben der Funktionalität ist die Bedienungsfreundlichkeit gerade im Wohnzimmer wichtig: Das Gerät soll „einfach laufen“, also keine oder nur wenig Wartung erfordern, flüssig arbeiten und leicht zu bedienen sein. Schon die Eingabe eines einzelnen Suchbegriffs in Wikipedia oder Youtube ist ohne Tastatur vergleichsweise mühsam, vom Antworten auf eine Mail ganz zu schweigen.
Google TV, Apple TV und Videoweb im Vergleich

Drei Smart-TV-Boxen im Praxistest
Videoweb TV Für die Anmeldung der Box ist ein PC notwendig, die übrige Einrichtung ist einfach, für die Internet-Anbindung stehen LAN und WLAN zur Verfügung. Einfach ist auch die Bedienung: Die Apps lassen sich nach Wunsch anordnen, wichtige Angebote wie Online-Videothek (Maxdome), TV-Mediatheken, Browser, Youtube, Wikipedia, Picasa und Zattoo-TV sind dabei. Individuell erweitern kann man die Angebote aber nicht, die gibt der Hersteller vor. Zwei kleine Schwachpunkte: Eine (Funk-) Tastatur insbesondere für Wikipedia oder Youtube lässt sich nicht anschließen, ferner braucht die Box zum Start jedes Mal fast eineinhalb Minuten. Preis: rund 130 Euro.

Apple TV 3 Die erste Einrichtung dauert dann doch 30 Minuten, die Hälfte davon benötigt die Software-Aktualisierung. Ansonsten glänzt die Box mit Apple-typisch einfacher Bedienung, zudem bietet sie über die Remote-App auf iPad, iPhone und iPod Touch deutlich mehr Möglichkeiten als bei der Konkurrenz. Das gilt insbesondere auch für die Streaming-Optionen via Airplay. Allerdings lassen sich bei Weitem nicht alle Inhalte vom mobilen Gerät übertragen – dieser Medienbruch ist zum Teil ziemlich nervig. Ferner fehlen auf dem Fernseher Videos, Fotos und Musik von der Netzwerkfestplatte, E-Mail, Browser und manches mehr. Apple-TV ist mit rund 100 Euro vergleichsweise preiswert.

Mediamarkt Volksbox Ihrer Bezeichnung wird die Mediamarkt-Videobox für 69 Euro nicht ganz gerecht: Die automatische Einstellung funktioniert nicht, erst manuelles Eingreifen macht Bilder und Filme auf dem Fernseher scharf. Das Gerät reagiert auf Eingaben per Fernbedienung ziemlich träge, zudem zeigt unser Testgerät Probleme beim Ton von AVCHD-Videos. Obwohl das Gerät auf Android (Version 2.2) läuft, lassen sich keine Apps nachinstallieren, nur Picasa und Youtube sind verfügbar. Der Elektronikriese bewirbt das Gerät deshalb auch gar nicht mit dem Begriff „Smart-TV“, sondern legt den Fokus auf die eigene Online-Videothek. Diese funktioniert ausgesprochen gut.
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