2056296

Smart Home: Sinn und Unsinn

10.04.2015 | 09:41 Uhr |

Smart Home, Haus-Automatisierung, Internet der Dinge (IoT). Wir zeigen Beispiele für eine sinnlose Umsetzung des IoT. Und wir sagen, wie man es besser machen kann.

Worum geht es beim viel beschworenen "Internet der Dinge" (IoT) und bei Smart Home? Was macht Sinn und was ist beim IoT offensichtlich Unsinn? Ein Überblick über die Irrungen und Verwirrungen beim IoT.

Oort: Genau so geht IoT nicht!

Ein hervorragendes Beispiel für ein IoT-Produkt, das niemanden interessiert, ist der Oort Home Automatisierungs-Controller. Dabei handelt es sich um ein Bluetooth-Gerät, welches verschiedene Geräte in Ihrem Zuhause steuert. Bluetooth macht hierfür jedoch wenig Sinn als primäre Verbindung in einem automatisierten Zuhause, weil es eine beschränkte Reichweite hat. Die Idee mit Ihrem Smartphone zu dem zu bedienenden Gerät hinzugehen, ist einfach Unsinn. Dafür ist Bluetooth einfach nicht die richtige Technologie.

Warum verwendet Oort kein WLAN? Natürlich benötigt WLAN mehr Energie, aber die Geräte, welche Sie zu Hause bedienen möchten, sind normalerweise ohnehin mit Steckdosen verbunden.

Das einzige Produkt, das derzeit mit dem Oort-Controller funktioniert, ist eine LED-Glühbirne mit wechselnden Farben. Außer in Teenager-Schlafzimmern und in Partykellern ist der Bedarf an solch einem Gerät allerdings sehr begrenzt.

Ebenfalls Nonsens: Ferngesteuerte Glühbirnen

Ferngesteuerte Glühbirnen und Schalter, welche Sie an Lampen anbringen, sind weitere Beispiele für sinnloses IoT. Energiesparen mag zwar gut sein, aber bei diesen Preisen ist es einfacher und vor allem günstiger „normale“ LED-Glühlampen ohne Netzwerkanschluss einzusetzen, welche nur den Bruchteil der Internet-fähigen LEDs kosten.

Noch besser: Ersetzen Sie Ihren normalen Wandschalter durch einen 20 Euro Anwesenheits-Sensor , der erkennt, wenn niemand im Raum ist, so dass Ihre Lichter automatisch abgeschaltet werden. Das ist eine „smartere“ Lösung als individuell gesteuerte Glühlampen.

Ferngesteuerte Garagenöffner und Türen

Ebenfalls fragwürdig sind mit dem Internet verbundene Garagentor-Öffner, Türschlösser und Alarmanlagen. Grundsätzlich kann jedes mit dem Internet-verbundene Gerät Sicherheitslücken aufweisen. Möchten Sie wirklich die Sicherheit Ihres Zuhauses von Internet-Sicherheits-Lücken abhängig machen? Sicherheitsexperten warnen sogar ausdrücklich davor, dass die meisten Geräte im Internet der Dinge über weniger Sicherheit verfügen als beispielsweise Ihr PC.

Selbst wenn Sie dieses Risiko eingehen möchten, binden Sie diese Geräte meistens an eine bestimmte Plattform. Viele Türschlösser beispielsweise funktionieren ausschließlich mit iPhones (da Android den Bluetooth Low Energy Standard, welchen diese Geräte benötigen, erst spät eingeführt hat), so dass Nachbarn und Familienmitglieder mit anderen Geräten diese nicht benutzen können. Dafür benötigen Sie einen Bluetooth-Schlüsselanhänger, welcher zusätzliche Kosten verursacht. Bei den meisten Schließsystemen können Sie zudem keine herkömmlichen Metallschlüssel mehr verwenden. Ein weiteres Problem ist, dass die meisten mit dem Internet verbundenen Alarmsysteme keine Tastatur haben, weshalb eine Person, die Ihr Zuhause betreten möchte, ein Smartphone oder einen weiteren Bluetooth-Schlüsselanhänger benötigt. Das macht die ganze Sache unnötig kompliziert.

Hier könnte Home-Automatisierung Sinn machen

Ein gelungenes Beispiel für sinnvolle Home-Automatisierung ist Nest. Hierbei handelt es sich um Thermostate, die nicht nur Ihre Heizgewohnheiten aufzeichnen, sondern auch das lokale Wetter berücksichtigen und demnach das Heizen und Abkühlen optimieren können. Nests Rauchmelder wiederum zeigen Ihnen aus welchem Raum der Rauch oder das Kohlenstoffmonoxid kommt, so dass Sie das Problem schnell erkennen können und nicht erst danach suchen müssen, wenn schon alle Melder piepsen. Und Nest schaltet alle Nest-gesteuerten Öfen ab, sobald Kohlenstoffmonoxid entdeckt wird.

Dass Sie das Nest mit Ihrem Smartphone steuern können spielt dabei nahezu keine Rolle. Trotzdem kann die Fernsteuerung eines Nest-Thermostates vom Smartphone aus durchaus seine Vorteile haben. Sie können im „automatischen Away-Modus“ sehen, ob jemand zu Hause ist, zum Beispiel um Ihr Haustier zu füttern, wenn Sie unterwegs sind. Wenn Sie von einer Reise nach Hause kommen, sind Sie zudem in der Lage Ihr Zuhause auf eine angenehme Temperatur zu bringen, noch bevor Sie das Haus betreten.

Die Nest-Geräte sind auch ohne die Internet-basierten Fernzugriffsfeatures – und die damit verbundenen Risiken, die von dieser für die Geräte notwendigen Verbindung ausgehen – nützlich. Genau das fehlt den meisten anderen Geräten zur Home-Automatisierung: Nützlich für den Haushalt zu sein, selbst wenn diese nicht ferngesteuert werden.

Hier einige Beispiele dafür, wie ein Smart Home sinnvoll funktionieren könnte

* Ihre Beleuchtung mit Bewegungsmeldern könnte eingearbeitete Bluetooth-Sensoren besitzen, welche auf einen Chip im Halsband Ihres Haustiers reagieren, so dass das Licht nicht eingeschaltet wird, wenn Ihr Haustier ein- und ausgeht.

* Systeme könnten Sie benachrichtigen, wenn ein Filtertausch, beispielsweise beim Wäschetrockner, notwendig ist.

* Eine automatische Abschaltung von Wasserhähnen bis hin zu Öfen, sollte flächendeckend verbaut werden.

* Ihre Kamera an der Hofeinfahrt könnte UPS-, DHL- oder andere Paketzustelldienst-Zeichen an der Uniform der Paketzusteller erkennen und Ihnen vorab mitteilen, dass Sie ein Paket erhalten.

* Ihre Haushaltsgeräte könnten Ihre Displays an die Tageszeit und die Helligkeit anpassen.

Das sind zugegeben keine besonders packenden Beispiele für Home-Automatisierung, aber sie würden den meisten Menschen weiterhelfen. Und nur durch Anwendungen, die einen sofort erkennbaren Nutzen ohne neue Risiken bringen, kommen Smart Home, und Internet der Dinge voran.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation Infoworld.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2056296