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Singapur startet virtuellen Gerichtssaal

01.07.2002 | 13:36 Uhr |

Der Staatsanwalt beginnt den Zeugen in die Enge zu treiben. Immer mehr verwickelt sich dieser in Widersprüche. Dem Rechtsanwalt des Angeklagten wird das schließlich zuviel und er legt Einspruch ein - per Mausklick. Noch ist das Zukunftsmusik, doch in Singapur macht die Rechtsprechung einen ersten Schritt in diese Richtung.

Der Staatsanwalt beginnt den Zeugen in die Enge zu treiben. Immer mehr verwickelt sich dieser in Widersprüche. Dem Rechtsanwalt des Angeklagten wird das schließlich zuviel und er legt Einspruch ein - per Mausklick. Noch ist das Zukunftsmusik, doch in Singapur macht die Rechtsprechung einen ersten Schritt in diese Richtung.

Einige Vorverfahren für Gerichtsverhandlungen werden in dem asiatischen Staat seit Freitag per Videokonferenz "Justiceonline" durchgeführt. Damit soll überprüft werden, ob sich virtuelle Gerichtsverhandlungen in der Praxis bewähren können. Die dabei gemachten Erfahrungen dürften auch für andere Staaten interessant sein, wie die englischsprachige Website "The Inquirer" berichtet. Besonders die Vereinigten Staaten scheinen sich dafür zu interessieren und den Start eines Testlaufs für Ende dieses Jahres zu planen.

Die Anwälte können bei dem neuen Verfahren bequem von ihrem Bürosessel aus vor Gericht aktiv werden. Das spart Zeit und Kosten, besonders die hohen Anwaltskosten. Ein Rechtsanwalt erklärte, er habe in in fünfzehn Minuten fünf Fälle erledigen können. Normalerweise nähme das rund zwei Stunden in Anspruch.

Seit Januar lief die Versuchsphase, am Freitag wurde es ernst: Jetzt werden reale Verfahren durchgeführt. Achtzehn Anwaltskanzleien und einige Staatsanwälte nutzen das System jetzt für virtuelle Anhörungen.

Auch in den Gefängnissen seien bereits die ersten Justiceonline-Stationen aufgestellt worden, damit auch Gefängnis-Insassen von den Staatsanwälten befragt werden können, ohne dass man sie dazu erst verlegen muss.

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