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Sicherheitsboxen im Test: Schutz oder Augenwischerei?

27.10.2016 | 09:10 Uhr |

Neue Sicherheitsboxen versprechen Schutz für das gesamte Heimnetzwerk, vom Rechner über das Smartphone bis hin zur Spielekonsole und zum smarten Kühlschrank. Ob das klappt, zeigt unser Test.

Die Vorstellung klingt verlockend: Sie schließen eine kleine Box an Ihrem DSL-Router an, und nach einer kurzen Einrichtung ist Ihr komplettes Heimnetz gegen Viren ebenso geschützt wie gegen Tracking von Werbenetzwerken und lästige Werbung. Hackern bleibt der Zugriff nicht nur auf den PC oder das Smartphone verwehrt – die Box schützt auch die neuen smarten Gerätearten wie Hi-Fi-Anlagen mit Internetanschluss, Kaffeemaschinen mit WLAN-Verbindung oder fernsteuerbare Heizungsthermostaten.

Das wäre in der Tat eine lohnenswerte Investition, wenn die Boxen halten, was sie versprechen. Die PC-WELT-Redaktion hat sich fünf aktuelle Sicherheitsboxen angesehen. In mancher Hinsicht funktionieren die Boxen gut und machen sogar großen Spaß, etwa wenn die Werbeblocker für werbefreie Websites sorgen oder der Phishingfilter gefährliche Websites blockiert. Doch hat der Test auch gezeigt, dass man von den Boxen noch keinen Komplettschutz erwarten kann.

Siehe auch: Die neuesten Tipps in Punkto Sicherheit auf PCWELT.de

Kein dicker Schutzwall, sondern eher ein Schutzmäuerchen

Keine der getesteten Sicherheitsboxen bietet einen kompletten Schutz. Einige Boxen versprechen das erst gar nicht, sondern wollen nur Teilaspekte der Sicherheit abdecken. Andere Boxen weisen in wichtigen Teilen Schwächen auf. Der Eblocker beispielsweise will in erster Linie Ihre Privatsphäre beim Surfen schützen. Diese Aufgabe erledigt die Box auch gut, ein Virenschutz fehlt aber. Die Bitdefender Box bietet dagegen einen guten Virenschutz für Ihr Heimnetz, hat aber sonst wenig zu bieten. Die Relaxbox und die Trutzbox bieten zwar sowohl Tracking-als auch Virenschutz, doch der Virenschutz wird durch das Open-Source-Tool Clam AV erledigt. Dieses Antivirenprogramm reicht in seiner Leistung aber nicht an eine gute Antivirensoftware heran.

Das größte Problem sind aber nicht leistungsschwache Module (wie Clam AV) oder fehlende Funktionen. Am schwersten wiegen die technischen Grenzen der eingebauten Sicherheitstechniken. So bieten die meisten Boxen beispielsweise eine Verschleierung Ihrer IP-Adresse. Das erledigen sie entweder über einen VPN-Server oder das Tor-Netzwerk. Wenn Sie so geschützt eine Webseite besuchen, erfährt diese nur die IP-Adresse des VPN-Servers oder des Tor-Exit-Servers. Als Nutzer einer Sicherheitsbox darf man diesen Schutz aber nicht mit anonymem Surfen verwechseln. Denn so lange Sie mit einem Standardbrowser und Standardsystem im Internet surfen, gibt Ihr Rechner oder Smartphone reichlich Informationen über Sie preis. Zwar versuchen die Sicherheitsboxen Ihre Datenspur möglichst auszudünnen, doch haben auch diese Filter und Filtertechniken ihre Grenzen. Die größte Anstrengung beim Tracking-Schutz unternimmt die Trutzbox, die tatsächlich sehr viele Daten filtern kann. Allerdings ist bei ihr die Handhabung durchaus anspruchsvoll.

Komforteinschränkungen: Bei allen Boxen kann sich das Surferlebnis zeitweise verschlechtern. Entweder der Aufbau einer Seite verzögert sich oder sie wird teilweise bis ganz blockiert. Meist müssen Sie dann die Fliter für diese Seite angepassen. Boxen, die stark in den Datenstrom einer Website eingreifen, stören den Aufbau einer Website meist stärker. So muss man die Trutzbox zu Beginn ihrer Nutzung öfter mal nachjustieren, als etwa den Eblocker. Außerdem müssen Sie sich mit einer Securitybox meist viel häufiger in Ihre Dienste einloggen. Denn nicht immer löschen die Boxen nur die unerwünschten Tracking-Cookies, sondern auch mal ein Authentifizierungs-Cookie für einen erwünschten Dienst.

Trotz solcher Einschränkungen halten wir einige der Boxen für durchaus empfehlenswert. Als Anwender muss man sich aber im Klaren sein, dass die Sicherheitsboxen nur Teilaspekte der Heimnetzsicherheit abdecken.

Sonderfall SSL: Zusatzschutz bei geschützten Verbindungen nötig

Per SSL (Secure Socket Layer) verschlüsselt Ihr Browser eine Verbindung von Ihrem PC bis hin zum Server, auf dem die gewünschte Website liegt. Das ist etwa fürs Onlinebanking gut, da so kein Angreifer diese sensible Verbindung mitlesen und manipulieren kann. Auch eine Schutzbox kann zunächst keine solche SSL-Verbindung mitlesen. Im Falle des Onlinebanking spielt das keine Rolle, doch mittlerweile sind auch sehr viele Standard-Websites mit SSL geschützt. Tracker, Werbung oder gar heimlich auf den Webserver eingeschleuste Viren gelangen dadurch per SSL geschützt auf Ihren PC.

Die Sicherheitsboxen gehen mit diesem Problem unterschiedlich um. Die Bitdefender Box empfehlt die Installation einer klassischen Antivirensoftware auf dem PC. Immerhin erhält man diese kostenlos und in unbegrenzter Anzahl zur Box dazu. Der Eblocker und die Trutzbox bieten die Installation von eigenen Stammzertifikaten auf dem PC an. Auf diese Weise werden zumindest die SSL-Verbindungen beim Surfen am PC kontrollierbar. Ihr Smartphone und smarte Hausgeräte bleiben dabei jedoch ungeschützt.

Windows 10: Die 10 besten Tipps zu Sicherheit und Datenschutz

Fünf Sicherheitsboxen

Bitdefender Box: Viren-und Phishingschutz

Hier hat die Bitdefender Box eine Phishingsite erkannt und blockiert. Dazu muss keine Software oder App auf dem genutzten Gerät installiert sein.
Vergrößern Hier hat die Bitdefender Box eine Phishingsite erkannt und blockiert. Dazu muss keine Software oder App auf dem genutzten Gerät installiert sein.

Die Bitdefender Box will das gesamte Heimnetz vor Viren und Hackern schützen, vom PC über die Mobilgeräte bis hin zur smarten Kaffeemaschine. Ein Tracking-Schutz ist nicht vorgesehen. Von unterwegs aus lässt sich per Smartphone eine VPN-Verbindung zur Bitdefender Box aufbauen. Das ist in öffentlichen WLANs praktisch. Bislang gibt es die Box nur in den USA; wann sie nach Deutschland kommt, ist noch unklar.

Handhabung: Die Box wird per LAN-Kabel an den Router angeschlossen. Die Einrichtung und Konfiguration erfolgt dann über Apps für iOS und Android. In der App muss zunächst ein neues Kundenkonto angelegt werden, was bei uns erst nicht klappte. Nachdem wir über die Website https://my.bitdefender.com ein Konto bei Bitdefender erstellt hatten, kamen wir per Log-in in der App weiter.

Im nächsten Schritt müssen Sie den DHCP-Server Ihres Internetrouters deaktivieren. Als Leser der PC-WELT werden Sie damit vermutlich keine Probleme haben. Wer aber technisch nicht versiert ist, wird an dieser Stelle vermutlich erst mal hängen bleiben. Der DHCP-Server lässt sich bei allen Routern über ihre Weboberfläche deaktivieren. Bei der Fritzbox erreicht man diese über die Adresse fritz.box im Browser, bei einem Speedport über speedport.ip , bei einem Kabelmodem von Kabel Deutschland über kabel.box . Wer in seinem Netzwerk einen Rechner mit fester IP-Adresse und Gateway hat, muss diesen manuell auf die neue Box umstellen. Infos für die Konfiguration liefert Bitdefender allerdings nicht.

Der Rest ist aber einfach. Sie surfen von nun an wie gewohnt, und die Bitdefender Box blockiert gefährliche Phishing-Seiten und PC-Viren. Für SSL-verschlüsselte Verbindungen ins Internet ist die Box allerdings blind. Um diesen Mangel zu kompensieren, erlaubt Bitdefender die Installation der Vollversion Bitdefender Total Security , also seines kompletten Antiviren-Sicherheitspakets, auf beliebig vielen Rechnern. Durch diese lokale Installation lassen sich Schädlinge am Ende der SSL-Verbindungen abfangen. Auch für die Aktivierung des Jugendschutzfilters ist die lokale Installation der Bitdefender-Software nötig.

Virenerkennung: Das professionelle Prüfinstitut AV-Test ( www.av-test.org ) hat die Virenerkennung im Auftrag der Zeitschrift Com bereits getestet mit dem Ergebnis: „Die Erkennung verseuchter Dateien lag dabei auf dem gleichen hohen Niveau wie bei einer Bitdefender-Internet-Security-Lösung“. Von dieser guten Bewertung müssen allerdings Virenangriffe über SSL-Verbindungen ausgenommen werden. Das betrifft natürlich auch Viren, die per Mailanhang auf dem PC landen, denn das Abholen einer Mail geschieht in der Regel ebenfalls über eine verschlüsselte. Um dieses Manko zu kompensieren, muss man wie oben bereits erwähnt die Software Bitdefender Total Security installieren. Damit ist der Virenschutz zwar wieder perfekt, doch ist so der besondere Reiz einer Sicherheitsbox, die sich alleine um alles kümmern sollte, nicht mehr gegeben.

Fazit: Die Bitdefender Box liefert einen guten Virenschutz für alle Geräte im Heimnetz. Die Einrichtung ist für fortgeschrittene Anwender schnell erledigt. Mit 199 Dollar (rund 175 Euro) für die Box und 99 Dollar ab dem zweiten Jahr ist der Schutz nicht gerade günstig, doch wenn man sehr viele PCs im Heimnetz hat, relativiert sich der Preis. Auf eine installierte Antivirensoftware sollte man für beste Sicherheit aber nicht komplett verzichten.

Eblocker: Schutz vor Trackern und Werbung

Der Eblocker filtert nicht nur Tracker und Werbung aus Websites heraus, er kann auch bei einigen Apps in den Datenstrom eingreifen. Bei Banking-Apps ist das eher unerwünscht, bei werbefinanzierten Programmen dagegen schon.
Vergrößern Der Eblocker filtert nicht nur Tracker und Werbung aus Websites heraus, er kann auch bei einigen Apps in den Datenstrom eingreifen. Bei Banking-Apps ist das eher unerwünscht, bei werbefinanzierten Programmen dagegen schon.

Der Eblocker möchte Ihre Privatsphäre beim Surfen im Internet schützen. Dafür bietet er einen Tracking-Schutz, einen Werbeblocker, IP-Verschleierung über das Tor-Netzwerk und die Möglichkeit, Ihr Gerät zu maskieren. So kann für einen Webseitenbetreiber Ihr PC wie ein Smartphone erscheinen oder umgekehrt. Das ist sinnvoll bei Onlineshops, die ihre Preise je nach genutztem Gerät verändern.

Der Schutz des Eblockers gilt für das gesamte Netzwerk, also für PCs, Smartphones und Tablet. Sogar der Browser des E-Book-Reader Kindle profitiert vom Eblocker. Die Sicherheitsbox kontrolliert zudem den Datenstrom von einigen Apps auf Ihren mobilen Geräten. So kann er das Tracking der App-Anbieter ebenfalls unterbinden.

SSL-Support: Der Eblocker will Ihre Privatsphäre auch auf SSL-verschlüsselten Websites schützen. Was durchaus sinnvoll ist, da mittlerweile auch viele werbefinanzierte Websites SSL-verschlüsselt sind, etwa www.yahoo.com und www.youtube.de . Das klappt aber erst dann, wenn Sie ein Rootzertifikat des Eblockers auf Ihrem PC installiert haben. Die Anleitung dafür gibt es über die Einstellungsseite des Eblockers.

Der Eblocker lässt sich sehr einfach installieren und bedienen. Sollten Sie wie hier auf eine Website stoßen, die den Werbeblocker bemängelt, lässt er sich mit nur zwei Klicks über das Eblocker-Symbol oben rechts auf der Website ausschalten.
Vergrößern Der Eblocker lässt sich sehr einfach installieren und bedienen. Sollten Sie wie hier auf eine Website stoßen, die den Werbeblocker bemängelt, lässt er sich mit nur zwei Klicks über das Eblocker-Symbol oben rechts auf der Website ausschalten.

Handhabung: Die Einrichtung und Bedienung des Eblockers ist extrem einfach. Sie müssen den Eblocker lediglich per LAN-Kabel an Ihren Router anschließen und mit Strom versorgen. Der Rest geschieht vollautomatisch, denn der Eblocker konfiguriert alle Geräte über ARP (Address Resolution Protocol) so um, dass Ihr relevanter Datenverkehr über ihn läuft. Das finden wir sensationell bequem, und im Test mit drei Netzwerken funktioniert das problemlos, inklusive einer Spotify-Connect-Hi-Fi-Anlage und einem Blutdruckmessgerät mit Cloudanschluss. Damit die Änderungen schneller wirksam werden, starteten wir unsere PCs einmal neu. Anschließend wirkte der Datenschutz von Eblocker sofort.

Im Internet finden sich allerdings auch etliche Klagen, dass die automatische Konfiguration Probleme bereitet.

Der Eblocker macht sich nach der schnellen Einrichtung dann nur noch beim Surfen im Browser bemerkbar. Auf den meisten Websites zeigt er oben rechts sein Eblocker-Symbol. Darüber können Sie das Tool dann sehr einfach bedienen.

Einige Websites schließen Nutzer von Werbeblockern aus, etwa www.bild.de . Entsprechend bekommen Sie als Nutzer von Eblocker beim Aufruf der Site nur die Info zu sehen, dass Sie entweder Ihren Adblocker deaktivieren müssen oder die kostenpflichtige Version von bild.de nutzen. Über das Eblocker-Symbol lässt sich der Werbeblocker dann einfach ausschalten. Der Tracking-Schutz bleibt dabei erhalten, zumindest sofern das möglich ist. Werbenetzwerke und Tracking-Netzwerke sind meist eng miteinander verknüpft und oft identisch.

Übrigens: Das Betriebssystem des Eblockers bietet der Hersteller kostenlos zum Download an . Wer bereits einen Raspberry Pi II oder einen Banana Pi hat, kommt so gratis an das Schutzsystem. Allerdings erhält das Gratis-System keine Updates für die Filterlisten. Diese lassen sich jedoch für 59 Euro jährlich dazu kaufen.

Fazit: Die Nutzung des Eblockers ist im Test sehr einfach. Die von Werbung befreiten Webseiten werden meist schnell angezeigt und weisen keine nennenswerten Fehler auf. Natürlich sind auch die Filterlisten des Eblockers nicht immer perfekt, der Gesamteindruck des Geräts ist aber sehr gut. Wer seine Privatsphäre beim Surfen schützen möchte und dabei auch gleich noch einen Großteil der Werbung loswerden möchte, der erledigt das mit dem Eblocker sehr unkompliziert.

Relaxbox: VPN-Schutz fürs Heimnetz

Die Relaxbox hat eine schön gestaltete Konfigurationsoberfläche. Von der Leistung her konnte sie uns aber bei unseren Stichproben Mitte August nur teilweise überzeugen.
Vergrößern Die Relaxbox hat eine schön gestaltete Konfigurationsoberfläche. Von der Leistung her konnte sie uns aber bei unseren Stichproben Mitte August nur teilweise überzeugen.

Die Relaxbox will mit Werbeblocker, VPN-Verbindung, Firewall, Virenschutz und Jugendfilter ihr Heimnetz absichern. Im Test Mitte August konnte das Gerät aber nur bedingt überzeugen. So war die Surfgeschwindigkeit bei unseren Stichproben nur mäßig. Zudem nutzt die Relaxbox als Virenschutz den kostenlosen Scanner Clam AV. Dieser Schutz reicht aber nicht an die Leistung eines guten Antivirenprogramms heran, sondern kann allenfalls als Grundschutz angesehen werden.

Handhabung: Die Inbetriebnahme ist vergleichsweise aufwendig. Zunächst müssen Sie die Box mit dem beim Kauf erhaltenen Code online aktivieren. Die anschließende Installation der Hardware ist schnell erledigt, doch dann müssen Sie alle Geräte, die Sie schützen möchten, mit dem neuen WLAN der Relaxbox verbinden oder per LAN-Kabel an einen der drei freien Ethernet-Buchsen anschließen.

Nutzer von vielen smarten Geräten, etwa Spielekonsolen, Ebook-Reader, WLAN-Repeater, Hi-Fi-Anlagen, Lampen, Heizungsthermostaten und dergleichen mehr werden an dieser Stelle keine Freude haben. Gegenüber der einfachen Grundkonfiguration eines Eblockers oder der Bitdefender Box wirkt die Einrichtung der Relaxbox mittelalterlich. Zwar ist es nicht zwingend nötig, seine Spotify-Connect-Hi-Fi-Anlage mit der Relaxbox zu schützen, doch wenn der Schutz durch eine Sicherheitsbox nur auf PC und Smartphone beschränkt ist, verliert das Versprechen, den „Internetanschluss rundum abzusichern“ doch etwas von seiner Anziehungskraft.

Wenn die Sicherheitsbox nicht richtig funktioniert, dann bleibt eine Website auch schon mal leer. In diesem Beispiel hatte die Relaxbox ein Problem.
Vergrößern Wenn die Sicherheitsbox nicht richtig funktioniert, dann bleibt eine Website auch schon mal leer. In diesem Beispiel hatte die Relaxbox ein Problem.

Zudem: Allein die Gefahr, dass sich ein WLAN-Gerät versehentlich mit dem alten WLAN des DSL-Routers verbindet und von da ab ungeschützt surft, wirft einen Schatten auf das Konzept. Ein solcher automatischer Wechsel des WLANs geschieht immer dann, wenn die Sendestärke des DSL-Routers gerade deutlich höher ist als die der Relaxbox.

Die Surfgeschwindigkeit über die standardmäßig aktivierte VPN-Verbindung wirkt im Test beim Surfen sehr langsam. Als wir mit einem Speedtest die Geschwindigkeit überprüfen, kann die Relaxbox aus unserer 32000-KBit-Leitung nur mehr 16000 KBit pro Sekunde herausholen. Beim Surfen fühlt es sich allerdings nach einer 2000er DSL-Leitung an. Unter Umständen bremst der Werbeblocker den Seitenaufbau zusätzlich.

Werbung auf Webseiten filtert die Relaxbox überwiegend gut heraus. Im Test erhalten wir aber mehrmals die Fehlermeldung „Maximum number of connections reached”. Und damit wird dann nicht nur keine Werbung mehr angezeigt, sondern außer der Fehlermeldung gar nichts weiter. Informationen über blockierte Tracker gibt es nicht. SSL-Verbindungen kann die Relaxbox nicht filtern.

Immerhin: Die VPN-Verbindung funktioniert im Test. Sie ist zwar nicht rasend schnell (siehe oben), dennoch bietet die Relaxbox diesen Service für alle mit ihr verbundenen Geräte. Das ist deutlich bequemer, als eine VPN-Software auf allen PCs, Smartphones und Tablets zu installieren.

Fazit: Die Ersteinrichtung per WLAN-Netzwerkwahl finden wir aufwendig, den Schutz durch Clam AV zu gering, und die Surfgeschwindigkeit ist bei unserer Stichprobe nicht befriedigend. Zumindest die VPN-Verbindung funktioniert. So bekommt man für einmalig 69 Euro für die Box und rund 70 Euro für den Jahresbeitrag ab dem zweiten Jahr VPN fürs gesamte Heimnetz. Das ist nicht teuer.

Trutzbox: Viele Funktionen für höhere Ansprüche

Bei der Einrichtung der Trutzbox hilft ein Assistent, dessen Anweisungen man penibel folgen sollte. Insgesamt ist die Nutzung der Trutzbox am anspruchsvollsten von allen Sicherheitsboxen.
Vergrößern Bei der Einrichtung der Trutzbox hilft ein Assistent, dessen Anweisungen man penibel folgen sollte. Insgesamt ist die Nutzung der Trutzbox am anspruchsvollsten von allen Sicherheitsboxen.

Die Trutzbox hat von allen Boxen den mit Abstand größten Funktionsumfang und die leistungsstärkste Hardware. Sie greift auch am stärksten in den Datenstrom beim Surfen ein. So kann sie Ihre Privatsphäre außerordentlich gut schützen. Dafür ist die Konfiguration der Box aber auch deutlich anspruchsvoller und zeitaufwendiger. Die Trutzbox ist eher für fortgeschrittene Anwender empfehlenswert. Immerhin ist die Anleitung (www.comidio.de/support ) für jeden Konfigurationsschritt hervorragend gemacht, so dass sich daran auch Einsteiger entlanghangeln können.

Mit dabei ist natürlich ein Tracking-Schutz, ein Werbeblocker, ein Virenschutz, ein Jugendschutzfilter, ein Mailserver, der den Austausch Ende-zu-Ende-verschlüsselter Mails zwischen Trutzbox-Nutzern ermöglicht, sowie ein Chat-Server für verschlüsselte Text-, Sprache-und Videounterhaltungen. Für die Chats muss nur einer der Teilnehmer eine Trutzbox besitzen. Die Filter fürs geschützte Surfen lassen sich sehr genau einstellen, und die Filterprotokolle sind so detailliert wie bei keiner der anderen getesteten Sicherheitsboxen.

Die Trutzbox kostet etwas, aber nicht viel mehr als die anderen Sicherheitsboxen. In den einmaligen 319 Euro für die Box sind bereits zwei Jahre Software-Updates enthalten. Anschließend sind 60 Euro jährlich fällig. Die gelieferte Hardware ist deutlich leistungsfähiger als bei den anderen Boxen. In der Trutzbox arbeitet eine x86-kompatible Zwei-Kern-CPU aus AMDs G-Serie mit 1 GHz Takt und 2 GB RAM.

Die Trutzbox zeigt sehr detailliert und übersichtlich an, welche Element sie aus dem Datenstrom herausgefiltert hat. So erhalten Technikinteressierte ein genaues Bild vom Tracking der Werbenetzwerke.
Vergrößern Die Trutzbox zeigt sehr detailliert und übersichtlich an, welche Element sie aus dem Datenstrom herausgefiltert hat. So erhalten Technikinteressierte ein genaues Bild vom Tracking der Werbenetzwerke.

Handhabung: Nach dem Anschließen der Trutzbox startet man über http://trutzbox die Einrichtung. Dabei hilft ein Assistent, dem man penibel folgen sollte. Über ihn wird unter anderem ein Rootzertifikat für die Trutzbox in Firefox oder in den Windows Zertifikatspeicher (Internet Explorer, Edge, Chrome) importiert und sein Verwendungszweck mit zwei Klicks eingestellt. Am Ende der Einrichtung zeigt die Trutzbox wichtige Daten an, etwa das WLAN-Passwort, dass Sie sich unbedingt notieren sollten. Anschließend verbindet sich die Box mit ihrem Hersteller und lädt bei Bedarf Updates herunter.

Ihre Geräte können Sie per LAN oder WLAN mit der Trutzbox verbinden. Möchten Sie Ihre PCs weiter über Ihren DSL-Router im Netzwerk belassen, müssen Sie bei jedem Rechner die Trutzbox als Proxy eintragen - bei vielen Geräten im Netzwerk ein aufwendiges Unterfangen.

Beim Surfen erscheint nun oben rechts im Browser ein Trutzbox-Symbol, worüber sich die Filter für die aktuelle Webseite einstellen lassen. Über einen Schieberegler lässt sich der Grad der Filterung schrittweise reduzieren. Damit eine Website korrekt angezeigt wird, kann es etwa notwendig sein, den Regler bis zur Stufe 6 (bevorzugte Sprache) oder 7 (Browser-Kennung) zu ziehen. Die Daten-Tracker werden erst mit der Stufe 8 zugelassen. Beeindruckend ist die Protokollfunktion, mit der sich sehr gut überblicken lässt, was die Trutzbox alles filtert. Der Virenschutz wird per Clam AV geregelt, was nur als Basisschutz gelten kann. Die Trutzbox bietet viele Optionen und zusätzliche Schutztools. Ausführliche Berichte finden Sie hier und hier .

Fazit: Die Filterfunktionen gegen Tracker und Werbung überzeugen. Die leistungsfähige Hardware liefert Websites meist auch dann schnell aus, wenn mehrere Nutzer gleichzeitig im Internet unterwegs sind. Die Bedienung des Filters für einzelne Websites ist nach kurzer Eingewöhnung auch für weniger erfahrene Nutzer möglich. Die gesamte Einrichtung und Verwaltung der Trutzbox setzt aber schon ein gewisses Technikinteresse voraus.

Upribox: Sympathische Box im Beta-Stadium

Die Upribox befindet sich noch im Betastadium. Die Konfigurationsoberfläche erscheint zwar schön aufgeräumt, das gelingt ihr aber auch deshalb, weil die Box noch wenige Optionen bietet.
Vergrößern Die Upribox befindet sich noch im Betastadium. Die Konfigurationsoberfläche erscheint zwar schön aufgeräumt, das gelingt ihr aber auch deshalb, weil die Box noch wenige Optionen bietet.

Die Upribox will Tracking-Schutz und Werbeblocker sein sowie Ihre IP-Adresse über das Tor-Netzwerk verschleiern. Sollten Sie mal von unterwegs aus den Schutz der Upribox nutzen wollen, können Sie per Smartphone oder Notebook eine VPN-Verbindung zu Ihrer Upribox zu Hause herstellen. Erst von dort aus beginnt dann das Surfen im Internet. Das ist sinnvoll, wenn Sie sich unterwegs in einem öffentlichen WLAN befinden.

Als Erstes hat uns an der Upribox das Gehäuse gefallen. Es stammt aus einem 3D-Drucker. Sonderlich stabil ist es nicht gebaut, doch so kommt gleich der hemdsärmelige, aber durchaus sympathische Eindruck des noch im Betastadium befindlichen Projekts Upribox rüber. Gemäß Stand August 2016 lässt sich die Upribox noch nicht kaufen. Sie können sich nur auf eine Interessentenliste setzen lassen. Die Software zur Box gibt es aber bereits als Open-Source-Software in einer Community-Version. Wer einen Raspberry Pi besitzt, kann sich das passende Image kostenlos laden .

Handhabung: Nach dem Anschließen der Upribox an den Router muss man alle Geräte per WLAN mit dem neuen Netz der Upribox verbinden. Das finden wir äußerst umständlich. Eine ausführliche Begründung dazu finden Sie bei der Relaxbox, die das ebenfalls von ihren Nutzern verlang.

Die Upribox bietet zwei WLAN-Netze: eines mit einem Werbeblocker sowie Tracking-Schutz (WLAN-Name „upribox“) und eines zur Verschleierung der IP-Adresse per Tor-Netzwerk (WLAN-Name „ninja-upribox“). Die Macher raten allerdings eher dazu, einen Tor-Browser für diese Funktion zu verwenden. Der Vorteil eines Tor-Browsers ist, dass er nicht nur die IP-Adresse verschleiert, sondern auch weniger Details über den eigenen PC verrät als ein Standarddrowser.

Der Werbeblocker funktionierte in unserem Test gut. Allerdings kommt die Upribox bei Weitem nicht an den Komfort eines Eblockers heran. So fehlt beim Surfen mit der Upribox ein Konfigurationsmenü, um den Werbeblocker etwa für eine bestimmte Seite auszuschalten. Bei der Upribox muss dafür das komplette WLAN gewechselt werden, beim Eblocker genügen dafür zwei Klicks. Im Test liefert die Upribox keine Statistik zu ihrem Tracking-Schutz. Wie gut dieser arbeitet, können wir somit nicht abschätzen.

Fazit: Was uns gefällt, ist die Möglichkeit, von unterwegs aus per VPN-Verbindung auf die Upribox zuzugreifen und von dort aus dann weiterzusurfen. Das geht zwar auch mit einer neueren Fritzbox oder anderen Routern, aber nicht jeder hat einen solchen Router. Aktuell ist die Upribox ein sympathisches Open-Source-Projekt, das in seiner Leistung aber hinter den anderen Sicherheitsboxen liegt. Wer sich einen komfortablen Werbeblocker und Tracking-Schutz wünscht, sollte entsprechend besser zum Eblocker greifen.

Sicherheitsboxen im Überblick (Teil 1)

Bitdefender Box

Eblocker Pro

Relaxbox

Anbieter

Bitdefender

Eblocker

Relax Internet

Internet

www.bitdefender.com

www.eblocker.com

https://relaxbox.de

Preis (Gerät und 1 Jahr Service)

199 Dollar

179 Euro

69 Euro

Preis pro Jahr für Folgeservice

99 Dollar

59 Euro

70,80 Euro

Funktionen

Virenschutz

ja, gut bis sehr gut

nein

ja, Clam AV

Phishing-Schutz

ja

nein*

ja

Tracking-Schutz

nein

ja

ja, aber intransparent

Werbeblocker

nein

ja

ja

VPN-Tunnel ins Internet

nein

nein

ja

IP-Verschleierung per Tor-Netzwerk

nein

ja

nein

Kontrolle von SSL-Verbindungen

nein

ja, für PC-Browser

nein

Jugendschutzfilter

über Zusatzsoftware

nur in der teureren Family-Version

ja

VPN-Verbindung aus dem Internet zur Box

ja

nein

nein

Weitere Funktionen

Scanner für Sicherheits-lücken im Netzwerk

Mehrbenutzerkonfiguration (in der teureren Family-Version)

Separates WLAN für Gäste

Konfiguration

Einfach: Es muss nur der DHCP-Server im DSL-Router deaktiviert werden.

Sehr einfach (ausgenommen die Überwachung für SSL-Verbindung).

Aufwendig: Alle Geräten müssen über ein neues WLAN oder LAN verbunden werden.

Sicherheitsboxen im Überblick (Teil 2)

Trutzbox

Upribox

Anbieter

Comidio

Upribox Projekt

Internet

https://comidio.de

https://upribox.org

Preis (Gerät und 1 Jahr Service)

319 Euro (für 2 Jahre)

noch unbekannt

Preis pro Jahr für Folgeservice

60 Euro

noch unbekannt

Funktionen

Virenschutz

ja, Clam AV

nein

Phishing-Schutz

ja

nein*

Tracking-Schutz

ja

ja

Werbeblocker

ja

ja

VPN-Tunnel ins Internet

nein

nein

IP-Verschleierung per Tor-Netzwerk

ja

ja

Kontrolle von SSL-Verbindungen

ja, für PC-Browser

nein

Jugendschutzfilter

ja

nein

VPN-Verbindung aus dem Internet zur Box

ja

ja

Weitere Funktionen

Mailserver, Server für Videokonferenzen, Chatserver und Weiteres

-

Konfiguration

Sehr aufwendig und anspruchsvoll: Alle Geräte müssen umkonfiguriert werden.

Aufwendig: Alle Geräte müssen über ein neues WLAN verbunden werden.

Unser Rat: Diese Sicherheitsboxen lohnen sich

Die fünf getesteten Sicherheitsboxen unterscheiden sich im Funktionsumfang und im Preis. Entsprechend ist ein direkter Vergleich mit nur einem Testsieger nicht gut möglich. Hier finden Sie stattdessen unsere Empfehlung für verschiedene Einsatzzwecke.

Virenschutz: Wenn Sie mit möglichst geringem Aufwand Ihr komplettes Heimnetz mit einem guten Virenschutz versehen möchten, dann greifen Sie zur Bitdefender Box. Der Schutz mag nicht perfekt sein, doch ist er schon ganz gut. Der Hersteller erlaubt zusätzlich die kostenlose Installation der Software Bitdefender Total Security .

Privatsphärenschutz und Werbeblocker: Die mit großem Abstand einfachste Installation und Handhabung von allen Boxen bietet der Eblocker. Er schützt Sie beim Surfen vor Tracking-Netzwerken und filtert Werbung aus. Sie können mit ihm auch Ihre IP-Adresse verschleiern. Das Gerät (179 Euro) und der jährliche Service (59 Euro) ab dem zweiten Jahr sind allerdings nicht ganz billig. Sie erhalten dafür aber einen guten Schutz Ihrer Privatsphäre gegenüber der Werbeindustrie.

Anspruchsvoller Tracking-Schutz auch für größere Netze: Dank einer leistungsfähigen Hardware filtert die Trutzbox auch dann noch flott alle Tracker aus Webseiten heraus, wenn mehrere Nutzer gleichzeitig im Internet surfen. Der große Funktionsumfang und die fein einstellbaren Filterlisten machen die Trutzbox für technikbegeisterte Nutzer interessant.

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