22.04.2012, 07:03

Carolyn Duffy Marsan

Sicherheit

Die größten Datenschutz-Skandale der IT-Geschichte

Wir stellen Ihnen die größten Datenschutz-Skandale der IT-Geschichte vor ©iStockfoto

Sony, AOL, Google: Sie alle haben bereits mit Datenschutz-Skandalen für negative Schlagzeilen gesorgt. Wir zeigen Ihnen diese und zwölf weitere Datenschutz-Skandale der vergangenen Wochen, Monate und Jahre.
Skandale im Bereich Datenschutz basieren auf vielfältigen Technologien: Von Suchmaschinen über soziale Medien, E-Mails, Voice-Mails und Handys bis hin zu Webcams und GPS. Doch hinter all diesen Möglichkeiten stecken Firmen, die ohne Wissen und Zustimmung des Endverbrauchers persönliche Daten sammeln und sie dann entweder mit Dritten teilen oder daran scheitern, sie unzugänglich zu halten. Der neueste Skandal geht auf das Konto des US-Konzerns Google, der kürzlich neue Datenschutz-Richtlinien veröffentlichte, die darüber aufklärten, inwieweit Google Nutzerdaten mit seinen Diensten kombiniert. Wir schauen uns die grüßten Datenschutz-Skandale der jüngeren und älteren Vergangenheit an.

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Sonys Spyware-CDs
 
Sony BMG musste im Herbst 2005 einen gigantischen Datenschutz-Faux-Pas eingestehen, der seine Anti-Piraterie-Maßnahme "XCP" für Musik-CDs betraf. Spielte ein Verbraucher eine solche CD im Laufwerk seines Windows-Computers ab, installierte XCP heimlich eine versteckte Rootkit-Software, die Informationen über die CD und die IP-Adresse des Computers an Sony versendete. Zudem machte die Spyware den betroffenen PC anfälliger für Trojaner und Viren. Sammelklagen gingen gegen den Konzern ein, woraufhin die Kartellbehörde der Vereinigten Staaten entschied, Sony müsse jedem betroffenen Kunden eine Schadensersatzzahlung in Höhe von umgerechnet 100 Euro zukommen lassen.

Das Craigslist-Experiment

Im Februar 2006 startete der in Seattle ansässige Web-Entwickler Jason Fortuny einen Selbstversuch: er stellte das Bild einer lasziv posierenden Frau mit dem Gesuch nach Sex-Partnern auf die US-Kleinanzeigen-Webseite Craigslist, um zu sehen, wie viele Zuschriften er innerhalb von 24 Stunden erhalten würde. Fortuny zählte am Tag darauf 178 Zuschriften, inklusive Fotos, Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Männer, die sich auf die Anzeige hin meldeten. Alsdann veröffentlichte Fortuny alle Zuschriften auf einer Webseite namens "Encyclopedia Dramatica". Der Vorfall erhielt eine beachtliche Menge an Berichterstattungen in den Medien, woraufhin ein anonymer Kläger Fortuny vor Gericht brachte. Der Fall zog sich bis Mai 2009 hin – schließlich wurde für Fortuny wegen mehrfachen Nicht-Erscheinens vor Gericht ein Versäumnisurteil verhängt; er muss umgerechnet knapp 50.000 Euro Bußgeld zahlen.

Das AOL-Leck

Im August 2006 veröffentlichte der Internetanbieter AOL eine Liste mit über 20 Millionen Suchbegriffen, die über 650.000 Nutzer in einem Zeitraum von drei Monaten eingegeben hatten. Die Liste sollte eigentlich anonyme Nutzerdaten zu Forschungszwecken enthalten, bestand stattdessen aber aus zahlreichen, persönlichen Informationen, die man ohne weiteres konkreten Nutzern und deren Such-Protokoll zuordnen konnte. AOL gestand sich den Fehler ein und entfernte die Liste nach drei Tagen wieder von seiner Webseite. Zu diesem Zeitpunkt waren die Daten aber schon auf zahlreichen anderen Seiten im Netz einsehbar. Maureen Govern, damaliger CTO von AOL, trat zwei Wochen nach diesem Vorfall zurück. Im September 2006 ging eine Sammelklage gegen AOL ein, die noch immer an den kalifornischen Gerichtshöfen verhandelt wird. Die Kläger verlangen jeweils rund 3500 Euro Schadensersatz.
 
Google Street View
Im Mai 2007 fügte Google seinem Karten-Dienst Maps das neue Feature "Street View" hinzu. Seither hat der Konzern mit Beschwerden von Datenschützern zu kämpfen, musste Strafgelder zahlen und Prüfungen durch Dritte genehmigen. Google Street View bietet Panorama-Aufnahmen von Straßen, die im Laufe der Zeit durch Webcams eingefangen wurden. Bedenken zum Thema Privatsphäre äußerten sich schon früh. Schließlich könnten so unwissentlich Bilder von Männern eingefangen werden, die gerade einen Strip-Club verlassen, von Menschen, die gerade Erotik-Geschäfte betreten, von Freiern, die gerade eine Prostituierte anwerben und anderen Peinlichkeiten. Google erlaubt es den Nutzern daher, bei bedenklichen Bildern eine Entfernung der selbigen zu beantragen und führte zudem die Möglichkeit ein, Gesichter und Nummernschilder durch einen Unschärfe-Effekt unkenntlich zu machen. Nichtsdestotrotz befindet sich Google in Datenschutz-Kämpfen mit der Schweiz, Frankreich, Belgien, Deutschland und Süd-Korea – um nur ein paar Länder zu nennen. Frankreich verklagte Google im März 2011 auf knapp 100.000 Euro wegen bedenklicher Street View Bilder. Mittlerweile muss sich Google regelmäßigen Datenschutz-Prüfungen durch die US-Kartellbehörde unterziehen – und das für die nächsten 20 Jahre.

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Chaos bei Hotmail
 
Eine der größten Datenschutz-Skandale geht auf die Kappe von Microsofts kostenlosem E-Mail-Dienst Hotmail. Im Oktober 2009 forderte Microsoft Millionen seiner Hotmail-Nutzer auf, wegen eines Daten-Lecks ihre Passwörter zu ändern. Nach Angaben von Microsoft fand man kurze Zeit zuvor heraus, dass Nutzerdaten von über 10.000 E-Mail-Konten nach einem Phishing-Angriff auf der Webseite www.pastebin.com veröffentlicht worden waren. Microsoft riet seinen Kunden daher, bei allen E-Mail-Konten, die auf @hotmail.com, @msn.com und @live.com endeten, das Passwort innerhalb von 90 Tagen zu wechseln.

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Webcam-Mania
 
In einem Schul-Bezirk in Pennsylvania wurden eingebaute Webcams benutzt, um mehrere Tausend Apple-Laptops zu überwachen, die die Schulen den Schülern zur Nutzung zu Hause zur Verfügung stellte. Schon bald verrannte sich der Schul-Bezirk aber in Online-Datenschutz-Problemen. Die Schulleitung musste zugeben, dass unbemerkt über 56.000 Fotos und Screenshots von den Webcams der Laptops gemacht wurden. Die Fotos wurden ohne Erlaubnis der Schüler aufgenommen und zeigen nicht nur private Schlaf- und Wohnräume, sondern auch die Schüler, die teilweise nur wenig bekleidet oder sogar unbekleidet waren. Im April 2010 reichte der High School Student Blake Robbins eine Sammelklage gegen den Lower Merinon School District wegen Verletzung der Privatsphäre ein. Im Oktober 2010 willigte der Schul-Bezirk ein, umgerechnet knapp 450.000 Euro zu zahlen und damit zwei Hauptklagen beizulegen.
 
Facebook-Apps
Das beliebte Soziale Netzwerk hatte in den vergangenen Jahren mit diversen Datenschutz-Skandalen zu kämpfen. Einer der größten Skandale ereignete sich jedoch im Oktober 2010, als Facebook bekanntgab, dass zehn seiner beliebtesten Apps - darunter Farmville und Texas Hold'em – Nutzerdaten wie den Namen und die Namen der Freunde an Werbefirmen weitergeben. Das Datenleck betreffe mehrere Millionen Facebook-Nutzer, wie eine Untersuchung des Wall Street Journals herausgefunden haben will. Schon im Vorfeld war Facebook in die Kritik geraten, weil es Nutzer-ID-Nummern an Werbefirmen weitergab, sobald ein Verbraucher ein Werbebanner anklickte. Im November 2011 legte Facebook den Streit mit der US-Kartellbehörde bei und willigte ein, über 20 Jahre lang Datenschutz-Prüfungen von unabhängigen Dritten zuzulassen.

Facebook wirft ein Auge auf Sie!

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