Wichtige Briefe ohne Post

Einschreiben per De-Mail versenden

Freitag den 24.02.2012 um 08:33 Uhr

von Dr. Marion Selinger

Die neue De-Mail verschickt amtliche Dokumente und Einschreiben verschlüsselt
Vergrößern Die neue De-Mail verschickt amtliche Dokumente und Einschreiben verschlüsselt
© De-Mail
Amtliche Briefe und Einschreiben sind bis heute Sache der Post. Aber das ändert sich mit De-Mail: Mit dem neuen Mail-Service kommen amtliche Dokumente nun auch digital über Web.de, GMX und die Deutsche Telekom.
Mit De-Mail brechen Deutschlands Behörden und Ämter endlich ins digitale Zeitalter auf. Damit gehören lästige Behördengänge der Vergangenheit an. „Rechtssichere elektronische Kommunikation“ heißt das offiziell, gemeint ist die sichere und verschlüsselte Übermittlung von Dokumenten vom Bürger zu staatlichen Stellen und umgekehrt. Während der Empfang kostenlos ist, kostet das Versenden von Dokumenten wie etwa bei einem Einschreiben Geld – also eine direkte Konkurrenz zum Epost-Brief der Deutschen Post .
Trifft der Briefträger niemanden an, muss man bei
wichtigen Briefen in die Postfiliale, um den Empfang zu
bestätigen
Vergrößern Trifft der Briefträger niemanden an, muss man bei wichtigen Briefen in die Postfiliale, um den Empfang zu bestätigen
© Deutsche Post

Amtliche Briefe und Einschreiben per Mail

Derzeit haben sich nur wenige Unternehmen als Provider für De-Mail akkreditiert. Ein kostenloses Privat-Postfach bekommen Sie aktuell bei Web.de, GMX und der Telekom. Firmenkunden wenden sich an T-Systems oder Mentana Claimsoft. Falls Sie bereits eine Mailadresse bei Web.de, GMX oder T-Online haben, reservieren Sie Ihre DE-Mail-Adresse direkt über dieses Postfach. Alternativ schalten Sie bei den Anbietern erst ein Gratis-Postfach frei. Beim Anmelden zu De-Mail gibt es eine Besonderheit zu beachten: Sie müssen Ihren Namen genau so angeben, wie dieser in Ihrem Ausweis steht – gegebenenfalls mit Umlauten und Bindestrich bei Doppelnamen.

Die De-Mail-Reservierung ist einfach, bei GMX funktioniert es so: Sie melden sich mit Ihrem GMX-Konto an oder erstellen ein neues. Dann loggen Sie sich auf der De-Mail-Seite bei GMX ein. Der erste Schritt bietet Ihnen nach Möglichkeit eine Adresse nach dem Muster „Vorname.Nachname@gmx.de-mail.de“ an. Ist diese bereits vergeben, schlägt das System Varianten vor, Sie können die Adresse aber auch selbst gestalten. Ein Klick auf „De-Mail-Adresse generieren“ legt Ihre Adresse fest.

Im weiteren Verlauf geben Sie Ihre persönlichen Daten an und bestätigen diese. Diese Daten müssen absolut korrekt sein, da sonst die spätere Identifizierungsprüfung fehlschlägt. GMX fordert zudem eine gültige Handynummer. Im letzten Schritt überprüfen Sie Ihre Angaben und bestätigen mit einem Klick auf „Reservierung abschließen“. Wenn Sie möchten, legen Sie an dieser Stelle gleich bis zu drei Pseudonym-Adressen fest. Diese beginnen immer mit den Buchstaben „pn_“, also etwa pn_meineshoppingadresse@gmx.de-mail.de. Diese Adressen lassen sich später genau so nutzen wie die primäre De-Mail-Adresse, verschleiern aber den eigentlichen Namen.

Damit die De-Mail rechtssicher wird, müssen Sie Ihre Adresse noch durch eine einmalige Identitätsprüfung bestätigen. Dazu werden Sie gesondert aufgefordert. Für die Identitätsprüfung benötigen Sie ein gültiges Ausweisdokument, also den deutschen Personalausweis oder den Reisepass in Verbindung mit aktueller Meldebescheinigung.

Die Einrichtung der neuern De-Mail-Adresse bei GMX, Web.de
oder der Telekom ist einfach und schnell erledigt
Vergrößern Die Einrichtung der neuern De-Mail-Adresse bei GMX, Web.de oder der Telekom ist einfach und schnell erledigt

Sicherheit und Kritik an der De-Mail

Die Technik, die hinter De-Mail steckt, wurde vom Bundesamt für Sicherheit (BSI) festgelegt. Jeder De-Mail-Provider muss sich zuerst beim BSI akkreditieren und nachweisen, dass er die datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt. Schafft er das, bekommt er ein amtliches Zertifikat, die Details beschreibt ein Video des Portals Unternehmen und Wirtschaft . Als Anwender können Sie den gesamten De-Mailverkehr über die Webportale der Mailprovider abwickeln. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, den dort vorhandenen Online-Dokumenten-Safe nutzen zu können. Eigene Dokumente sind damit immer sicher und nicht einfach auf der PC-Festplatte gespeichert.

Den Kern in Sachen Sicherheit bilden die Zertifikate, die Verschlüsselung und die gesicherte Sender- wie Empfängerkennung. Zusätzlich lässt sich in eine De-Mail eine qualifizierte elektronische Signatur (Zertifikat) nach dem Signaturgesetz integrieren. Sie ist äquivalent zur eigenhändigen Unterschrift.

In der Planung von De-Mail wurde von Experten ferner eine End-to-End-Verschlüsselung gefordert. Standardmäßig wird diese aber nicht eingesetzt, nur der Transport selbst ist verschlüsselt. Während des Sendens zum Empfänger-Provider wird die Mail in einer geprüften Sicherheitsumgebung mehrfach umgeschlüsselt. Das ist nötig, um die De-Mail auf Viren und Spam zu prüfen. Im Augenblick der Umschlüsselung liegen also die Nachrichten für einen Moment beim De-Mail-Provider unverschlüsselt vor – der Hauptkritikpunkt am neuen Maildienst. Nach BSI-Vorgabe sind die Provider aber dazu verpflichtet, den Nutzern die Verwendung von End-zu-End-Verschlüsselung in den Web-Portalen zu ermöglichen und einen Verzeichnisdienst anzubieten.

So funktioniert De-Mail: Die elektronische
Briefalternative dient auch zur Kommunikation mit Banken und
Versicherungen
Vergrößern So funktioniert De-Mail: Die elektronische Briefalternative dient auch zur Kommunikation mit Banken und Versicherungen
© De-Mail

De-Mail arbeitet auch mit dem neuen elektronischen Personalausweis zusammen und erlaubt damit, die optional vorgesehene Signaturfunktion zu nutzen. So lassen sich qualifiziert elektronisch signierte Dokumente über De-Mail versenden. Schließlich werden alle De-Mails beim Provider automatisch auf Viren und andere Schädlinge überprüft. Die Vorteile liegen auf der Hand: Spam, Phishing oder andere mit Schädlingen verseuchte E-Mails wird es nicht geben. Zudem ist der Absender eindeutig zu identifizieren: Spam-Schleudern aus dem Ausland sind ausgeschlossen, denn zum Registrieren für De-Mail sind deutsche Ausweispapiere nötig.
Fazit: In Zukunft lassen sich mit De-Mail langwierige Behördengänge schnell vom PC aus erledigen. Allerdings nimmt der Service auch den Anwender in die Pflicht: Stellt eine Behörde ein Dokument per De-Mail zu, gilt es als empfangen. Damit starten auch etwaige Antwortfristen.

Allerdings ist niemand gezwungen, sich eine De-Mailadresse zuzulegen und beim elektronischen Versand mitzumachen. Für manches Schreiben genügt ohnehin ein Fax, das Sie kostenlos vom PC versenden können. Bleibt noch der Kostenaspekt: Alle Dokumente, die ein Anwender mit Empfangsbestätigung verschickt, kosten wie bei einem Einschreiben eine Gebühr. Diese sind noch nicht endgültig festlegt, pro Nachricht stehen 10 bis 20 Cent im Raum.

Freitag den 24.02.2012 um 08:33 Uhr

von Dr. Marion Selinger

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (3)
  • deoroller 15:36 | 26.02.2012

    Das DE-Mail Konto kann mir gestohlen bleiben. Sobald man eins hat, muss man ständig online sein, um es zu kontrollieren. Da kommt sich ja wie ein Befehlsempfänger vor. :bse:

    Antwort schreiben
  • Scasi 22:27 | 24.02.2012

    Als Anwender können Sie den gesamten De-Mailverkehr über die Webportale der Mailprovider abwickeln. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, den dort vorhandenen Online-Dokumenten-Safe nutzen zu können. Eigene Dokumente sind damit immer sicher und nicht einfach auf der PC-Festplatte gespeichert.

    ja genau, ist wie mit der Rente ... - als hätten GMX & Co. noch nie Probleme gehabt und Daten "verloren"!

    Antwort schreiben
  • Till Wollheim 21:32 | 24.02.2012

    Und was ist mit Europa??

    Und schon wieder Kleinstaaterei! Das wäre doch die Chance gewesen, dies EU-Einheitlich zu machen, denn es gibt zB bei Dividenden die Notwendigkeit mit außerdeutschen Behörden rechtssicher zu kommunizieren! Oder der EU-Mahnbescheid!!

    Dann wird später wieder nachgebessert zu horrenden Kosten!!

    Till

    Antwort schreiben
1342346