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Sicher und günstig mit dem Smartphone in den Urlaub

25.06.2014 | 10:11 Uhr |

Mehr als 90 Prozent der Deutschen haben Angst vor hohen Roaming-Kosten im Ausland – Sie auch? Mit den nötigen Knowhow gehen Sie auch in den Ferien günstig ins Internet.

Das Smartphone, Tablet oder Notebook gehört mittlerweile genauso ins Urlaubsgepäck wie Bikini und Badehose zu den Ferien am Strand. Im ersten Teil unseres Ratgebers zur IT-Nutzung im Urlaub erläutert PC-WELT die praktischen Aspekte und zeigt, wie Sie Ihre Geräte gegen Verlust, Diebstahl und unbefugte Benutzung sichern sowie Ihre Daten schützen. Im Folgenden stehen die Kosten der Internet-Nutzung im Ausland, die Sicherheit bei der WLAN-Nutzung und der Fernzugriff auf Daten zuhause sowie die Fernüberwachung der eigenen vier Wände im Vordergrund.

Günstig und sicher im Urlaub im Internet

Im April hat das EU-Parlament für die Abschaffung sämtlicher Roaming-Gebühren innerhalb der Europäischen Union gestimmt, allerdings erst ab Dezember 2015. Dann sollen sämtliche zusätzliche Auslandsgebühren beim Telefonieren mit dem Handy entfallen, mobiles Internet innerhalb der EU soll es zum Inlandspreis geben.

Der Provider E-Plus ist schon vorgeprescht und berechnet seit Mitte April bei Prepaid-Karten keine Roaming-Gebühren mehr. Im Urlaubsland ankommende Gespräche sind also kostenlos, mobile Daten werden mit 23 Cent pro MByte berechnet. Eine einwöchige Daten-Flatrate mit meist 100 MByte Inklusivvolumen kostet ca. fünf Euro. Das gilt auch für die Reseller im E-Plus-Netz wie Aldi-Talk. O2 und die Deutsche Telekom haben ihre Roaming-Kosten ebenfalls gesenkt.

Ansonsten gilt in der EU bis zur Jahresmitte 2014 noch der Maximalsatz von 53,5 Cent pro übertragenem MByte (45 Cent netto), ab 1. Juli werden höchstens 23,8 Cent (20 Cent netto) berechnet – und zwar nicht nur in den EU-Staaten, sondern auch in Lichtenstein, Norwegen und Island. Die Schweiz und Türkei bleiben bei dieser Regelung aber weiter außen vor. Einige Provider inkludieren manchen Nicht-EU-Staat trotzdem unter diese Deckelung, schauen Sie deshalb bei Ihrem Mobilfunkanbieter nach.

Der Simly Store ist einer von zahlreichen Online-Händlern, bei denen man ausländische SIM-Karten schon vor dem Urlaub und auf Deutsch kaufen kann – dafür etwas teurer als vor Ort.
Vergrößern Der Simly Store ist einer von zahlreichen Online-Händlern, bei denen man ausländische SIM-Karten schon vor dem Urlaub und auf Deutsch kaufen kann – dafür etwas teurer als vor Ort.

Außerhalb der Europäischen Union gibt es bei mobilen Internet keine generelle Kostenbegrenzung, wenngleich der „Cut-off-Mechanismus“, der die Datenverbindung bei Überschreiten von 59,50 Euro (50 Euro netto) unterbricht, weltweit gilt – zumindest im Prinzip. Kann nämlich der ausländische Provider-Partner die Handy-Nutzung außerhalb der EU nicht in Echtzeit überwachen, greift die Grenze nicht. Dann genügt eine kurze Hinweis-SMS, dass die Abrechnung nach Verbrauch und ohne Höchstgrenze erfolgt. Und das kann teuer werden, es drohen Gebühren von bis zu 20 Euro pro MByte. Im Zweifelsfall schalten Sie die Roaming-Funktion im Smartphone ganz ab.

Eine Alternative stellen die SIM-Karten ausländischer Provider dar. Sie beinhalten meist ein Datenvolumen zwischen 500 und 2.000 MByte und gelten mindestens einen Monat. Ein Online-Wiki listet Provider und genaue Konditionen für die meisten Länder detailliert auf. Wer eine Auslands-SIM-Karte schon vor der Abreise kaufen möchte, wird bei Online-Händlern wie Simlystore.com, Prepaid-global.de oder Prepaidsimcard.org fündig. Besorgt man sich eine solche SIM-Karte fürs Smartphone, bleibt man über die normale SIM-Karte in einem alten Zweithandy wie gewohnt erreichbar.

Noch nicht umgesetzt wurde der EU-Plan, eine zweite Telefonkarte völlig überflüssig zu machen, indem man zum bestehenden Mobilfunkvertrag einen zusätzlichen Auslandsvertrag abschließt. Eine solche „Soft-SIM“, also eine providerunabhängige SIM-Karte, bei der sicher der Dienstanbieter erst später auswählen zudem wechseln lässt, gibt es hierzulande noch nicht.

WLAN (fast) überall gratis nutzen

VPN und Co: Verschlüsselt kommunizieren

Eine günstige Alternative zum Mobilfunknetz bleibt WLAN: Kostenloses Internet per Wifi-Anbindung ist in vielen Ländern sehr verbreitet. Restaurants, Hotels, Freizeitparks, Geschäfte und Verkehrsmittel bieten dort einen zeitlich begrenzten oder gar völlig freien Online-Zugang.

Doch längst nicht alle dieser vielfach privat betriebenen, aber öffentlich zugänglichen Hotspots sind sicher. Weil gerade auf dem Smartphone viele Dienste mit persönlichen Accounts und Passwörtern im Hintergrund laufen (Mail, Facebook, Whatsapp usw.), raten Sicherheitsexperten dazu, die Datenübermittlung über solche Wifi-Zugänge über ein Virtual Private Network (VPN) zu schützen, also den Datenverkehr selbst zu verschlüsseln. Die Daten werden dabei auf dem eigenen Gerät codiert, dann zum Server eines vertrauenswürdigen VPN-Anbieters geleitet und von dort zum Ziel weitergeschickt.

VPN-Dienste sind, von den Gratis-Versionen mit limitiertem Datenvolumen oder Durchsatz abgesehen, meist kostenpflichtig. Die Preise differieren je nach Laufzeit, Datenmenge und Anzahl der unterstützten Geräte zwischen rund einem und zehn Euro pro Monat. Für häufiges Reisen gibt es VPN-Jahres-Flatrates, z.B. die von Hotspot Shield VPN und Cyberghost VPN für etwa 30 Euro bzw. Dollar pro Jahr.

Die Schweizer Postbusse haben WLAN schon längere Zeit, die deutschen Fernbusanbieter ziehen langsam nach.
Vergrößern Die Schweizer Postbusse haben WLAN schon längere Zeit, die deutschen Fernbusanbieter ziehen langsam nach.
© Swiss Post

Noch drei abschließende Tipps zu WLAN unterwegs: Zwar gibt es kein zentrales Hotspot-Verzeichnis, vorab können Sie aber unter Wefi.com , Hotspot Locations oder iPass.com nachsehen oder Hotspot-Finder-Apps mit einer Offline-Datenbank installieren, beispielsweise den „Wifi Finder“ (Android und iOS). Aktivieren Sie zweitens WLAN nur gezielt, weil sich die Geräte mit bereits bekannten Hotspots automatisch verbinden. Nennt ein Krimineller seinen Hotspot „Telekom“ oder ähnlich, verbinden sich viele Smartphones automatisch und der Betrüger kann sämtlichen Datenverkehr aufzeichnen. Auf Windows-Notebooks wählen Sie schließlich beim Internet-Zugang über ein potentiell unsicheres WLAN stets „Öffentliches Netzwerk“ als Profil.

Die besten Offline-Apps für den Urlaub

Im Prinzip lassen sich alle Apps auch im Urlaub verwenden, allerdings spielt das Datenvolumen im Ausland eine weit größere Rolle. Deshalb ist es sinnvoll, schon daheim über WLAN solche Apps zu installieren, welche die im Urlaub benötigten Informationen offline speichern und somit ohne Online-Verbindung nutzbar machen: z.B. eine installierte Karte statt Google Maps.

Als Offline-Straßennavi für Android eignet sich „ GPS Navigation & Maps +offline “ (ein Euro), für Apple-Geräte „ GPS Copilot “ oder „Skobbler für iOS“. Die Apps selbst sind gratis, die Offline-Karten sind über In-App-Käufe kostenpflichtig. Bei Skobbler mit 2,69 Euro pro Land oder 5,49 Euro pro Kontinent sind die Kosten aber überschaubar.

Auch topografische Landkarten zum Wandern oder Radfahren lassen sich offline speichern. Für Android sind die Apps Locus Map (7,50 Euro ), OruxMaps (gratis) oder ForeverMap 2 (1 Euro) empfehlenswert, das Kartenmaterial gibt es als Open Street Map (OSM) kostenlos im Internet, beispielsweise über Seite OpenAndroMaps . ForeverMap 2 steht für iOS (2,69 Euro ) zur Verfügung, Offline Topo Maps (8,99 Euro) zeigt darüber hinaus die Höhenlinien.

Offline-Navigation mit dem Smartphone im Ausland

Ähnlich wie bei den In-App-Käufen bei der Offline-Navigation verhält es sich bei vielen Reiseführern fürs Smartphone: Die App selbst ist gratis, für einzelne Städte oder Länder sind ein paar Euro zu bezahlen. Doch auch das kann sich lohnen, weil man so Infos, Karten und mehr ohne zusätzliches Datenvolumen und Roaming-Gebühren bekommt. Da viele Touristenverbände eigene Apps kostenlos offerieren, lohnt sich die Suche nach dem Urlaubsziel im Playstore, Appstore oder Internet zusammen mit den Begriffen „App“ und „offline“ oder „free“. Auch Offline-Fahrpläne, -Hotelverzeichnisse und vieles andere sind so landes- oder regionspezifisch, dass Sie am schnellsten über Google fündig werden.

Das Online-Lexikon Wikipedia existiert ebenfalls als Offline-App, z.B. Wikidroyd (nur Android) oder Wikipedia mobil. Ferner sind Offline-Übersetzer sinnvoll, unter anderem der Google-eigene Übersetzer, der 80 Sprachen versteht, auch offline funktioniert und Schrifteingabe, gesprochene Worte und Fotos per OCR-Erkennung verarbeitet. Die benötigten Sprachen außer Englisch müssen Sie über die „Einstellungen“ in der App vor dem Urlaub aufs Smartphone laden.

Den auch offline nutzbaren Google Übersetzer gibt es nicht nur für Android-Geräte, die App lässt sich in der iOS-Version auch auf dem iPhone und iPad installieren.
Vergrößern Den auch offline nutzbaren Google Übersetzer gibt es nicht nur für Android-Geräte, die App lässt sich in der iOS-Version auch auf dem iPhone und iPad installieren.

Fernzugriff und Fernüberwachung: Sicherheit auch zu Hause

So entspannend die Ferien sein sollen, so fragen sich viele Urlauber: Was ist zuhause los? Für die Fernüberwachung per Kamera der eigenen vier Wände muss man keine teure Komplettlösung oder Alarmanlage kaufen, schon eine einfache IP-Kamera ab 50 Euro tut es. Wie Sie damit Ihr Zuhause überwachen und sich bei Änderungen alarmieren lassen, beschreibt unser Online-Ratgeber .

Für Fritzbox-Besitzer stellt Hersteller AVM mit der „FRITZ!App Cam Lab“ eine App zur Verfügung, die ein zuhause platziertes Android-Smartphone in eine Webcam verwandelt. Dazu eignet sich auch ein älteres, ausrangiertes Gerät, die App arbeitet mit Android ab Version 2.2. Um von außen das Geschehen zu beobachten, richten Sie den Fernzugriff über MyFritz ein.

Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch, verheißt ein mehr als 30 Jahre alter Werbespruch. Mit einer Webcam lässt sich das Zuhause auch ohne Haustier von unterwegs überwachen.
Vergrößern Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch, verheißt ein mehr als 30 Jahre alter Werbespruch. Mit einer Webcam lässt sich das Zuhause auch ohne Haustier von unterwegs überwachen.
© AVM

Die einfachste Möglichkeit unterwegs auf eigene Daten zuzugreifen, bieten die Cloud-Speicher , also Dienste wie Dropbox, Google Drive oder Microsoft OneDrive. Bis auf die App-Installation und das Verschieben der Daten auf das Online-Laufwerk ist vor dem Urlaub nichts zu tun. Etwas mehr Aufwand erfordert der bereits genannte Fernzugriff MyFritz für die Fritzbox . Auf diese Weise können Sie auf alle mit der Fritzbox verbundenen Datenträger von jedem Internet-PC, Smartphone oder Tablet zugreifen, auch auf eine per USB angeschlossene Festplatte. Dem Vorteil großer Datenmengen steht die meist geringe Upload-Geschwindigkeit der Internet-Leitung daheim gegenüber. Wer eine Netzwerkfestplatte (NAS) besitzt, kann darauf meist einen speziellen Fernzugriff einrichten und so bequem auf seine Daten daheim zugreifen.

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