08.09.2010, 14:12

Ruwen Schwerin

Technik-Geschichte

AltaVista, CompuServe & ShowView

AltaVista
Was es war: Ein Forschungsprojekt der bekannten Firma Digital Equipment Corporation, das 1995 die erste weithin bekannte Suchmaschine hervorbrachte.
Was passierte: Die Digital Equipment Corporation war ein eher ungewöhnlicher Besitzer einer Suchmaschine, machte sich aber anfangs gar nicht schlecht. 1998 wurde das Unternehmen dann aber von Compaq übernommen, einem ebenfalls eher ungewöhnlichem Eigentümer. Hier versuchte man dann aus AltaVista ein mit Yahoo vergleichbares Portal zu machen. 2000 verkaufte Compaq AltaVista schließlich an die Dotcom-Investmentgesellschaft CMGI, die wiederum an Overtune Services (früher GoTo.com) verkaufte. 2003 wurde Overtune selbst von Yahoo übernommen. Durch dieses Hin und Her hat AltaVista sein Profil und die meisten User verloren und Google war mittlerweile wensentlich besser auf dem Gebiet, dass einst AltaVista beherrschte.
Aktuelle Situation: AltaVista.com gibt es noch immer, auch in deutscher Sprache. Aber die Besucherzahlen sind sehr gering und es scheint nur ein Doppelgänger von Yahoo zu sein (man vergleiche diese AltaVista-Abfrage mit dieser Yahoo-Abfrage). Gestartet als ein bahnbrechendes Projekt blieb nur noch ein Name. Traurig, aber wahr.
CompuServe
Was es war: Das Unternehmen fing schon in den 70er-Jahren an, Kommunikations- und IT-Dienstleistungen zu vermarkten. Lange bevor andere Unternehmen wie AOL Fuß gefasst hatten. Es wurde ein wichtiger Wegbereiter für die Nutzung des Internets in Privathaushalten und für Unternehmen. Ab 1991 standen die Services auch den deutschen Nutzern zur Verfügung.
Was passierte: Der Aufstieg von AOL hinterließ CompuServe als nun nur zweitgrößten Online-Dienst zurück. Nur noch der Zweite zu sein, dürfte der erste große Schlag gewesen sein. Dann kam das massentaugliche Internet hinzu, vorher so beliebten Dienste wie Foren und E-Mail-Komponenten im CompuServe-Netz verloren an Bedeutung und man musste sich als reiner Internetdienstleister durchschlagen. Schließlich kaufte AOL 1997 CompuServe und die ehemals treue Community löste sich nach und nach auf. Das CompuServe-Netzwerk konnte AOL allerdings einen kräftigen Anschub geben.
Aktuelle Situation: Wie Netscape wurde CompuServe zu einem reinen Namen, der nebensächliche Projekte von AOL ziert. Nun ist es ein günstiger Internetdienstanbieter und der Name ziert eine eher halbherzige Portal-Seite. CompuServe 7.0 wird angepriesen, ohne darauf hinzuweisen, dass es nun bereits sieben Jahre alt ist. Für die alten CompuServe-Veteranen eine merkwürdige Entwicklung – immerhin war CompuServe auch in Deutschland der Wegbereiter des Internets und bot neben dem Internet eigene Inhalte beachtlichen Ausmaßes.
ShowView
Was es war: Das Unternehmen Gemstar führte ShowView 1991 unter dem Namen VCRPlus (USA) ein. 1993 kam dann ShowView im deutschen Sprachraum. Es handelt ich um ein System zur Vereinfachung der Programmierung von Aufnahmen für Fernsehsendungen bei Videorekordern und DVD-Rekordern.
Was passierte: Heimvideorekordersysteme, deren Entwicklung bereits 1971 losging, machten private Videoaufnahmen populär. Letztlich war dieses System auch der Aufstieg für ein System wie ShowView. Denn spätere Entwicklungen, wie DVD-Rekorder oder der DVD-Verkauf und –Verleih, führten zu einem veränderten Nutzungsverhalten bei den Anwendern. Auch das Internet mit seinen vielen Möglichkeiten führte dazu, dass die Menschen immer weniger Zeit mit eigenen Aufnahmen verbringen.
Aktuelle Situation: Mittlerweile wurde ShowView von Macrovision übernommen. Es gibt den Service nach wie vor und ShowView-Nummern werden auch in vielen Fernsehzeitungen und Online-Diensten angegeben. Kleinere Projekte leisten sich den erstaunlich teuren Service wohl eher nicht. Die Frage ist, wie viele Menschen heute noch regelmäßig ShowView benutzen. Man hat das Gefühl, dass es nicht sehr viele sein können. Vielleicht gibt das Verhältnis von verkauften VHS-Kassetten (200.000) zu verkauften DVDs (101.300.000) in Deutschland (2008) einen Anhaltspunkt. Aber klar, ShowView funktioniert ja auch mit DVD-Rekordern und sogar mit Blu-ray-Rekordern.
Dieser Text basiert auf einem Artikel von unserer Schwesterpulikation PC-World (Harry McCracken).
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