Windows (98, ME, 2000, XP) zeigt in bestimmten System-Ordnern an, was es will – und nicht, was Sie nach den üblichen Gesetzen des Dateisystemserwarten. Das gilt etwa für die Explorer-Darstellung des Papierkorbs, der temporären Internet-Dateien oder des Schriften-Ordners.
Im Allgemeinen soll das dem Anwender dienen: Bei einer normalen Ordneransicht wäre es beispielsweise nicht möglich, im Papierkorb gleichnamige Dateien unterschiedlichen Alters oder gelöschte Dateien aus verschiedenen Ordnern und Laufwerken darzustellen. Andererseits wird der Anwender damit entmündigt: Das bemerken Sie etwa bei dem vergeblichen Versuch, das Dutzend der Index.DAT-Dateien zu löschen, in denen Ihre kompletten Surfdaten protokolliert sind.
Die PC-WELT klärt auf: Windows erfährt über Shell-Erweiterungen in der Registry, wie es diese speziellen Ordner anzeigen und gegebenenfalls vor Zugriffen schützen muss. Als Signal, diese Shell-Erweiterungen abzufragen, dient unter anderem eine Desktop.INI, die für jeden Ordner auf eine Class-ID in der Registry verweist. Der einzige Weg, diese Explorer-Mechanismen teilweise oder ganz zu umgehen, führt über die Eingabeaufforderung. Zwei Beispiele:
Entfernen der Index.DAT in den „Temporary Internet Files“: Diese Protokolldatei dient angeblich dazu, den Zugriff auf den Internet-Cache zu beschleunigen. Wäre das wirklich der Fall, würde beim Löschen des Caches („Extras, Internetoptionen, Dateien löschen“ im Internet Explorer) auch die Indexdatei gelöscht werden – sie verweist dann nämlich auf Dateien, die nicht mehr existieren. Tatsächlich bleibt die Protokolldatei aber bestehen. Der Vorwurf, dass Microsoft hier ein MB-Monster mit dem Zweck anlegt, die Surf-Gewohnheiten auszuspionieren, wurde oft geäußert, wenn auch nie bewiesen.
Löschen lässt sich die Datei mit „del index.dat“ auf der Eingabeaufforderung, wenn Sie erstens vorher den Microsoft-Browser schließen und zweitens den Explorer abschießen. Letzteres erledigen Sie mit dem Task-Manager oder mit unserem bewährten Tool
pcwKill (Befehl „kill /f explorer.exe“). Sonst erscheint stets die Meldung „Index kann nicht gelöscht werden“. Sobald Sie später wieder mit dem Internet Explorer online gehen, wird die Index.DAT neu angelegt.
Der Papierkorb von Windows 2000/XP als Ordner: Der Ordner \Recycler enthält für jedes Benutzerkonto ein eigenes Unterverzeichnis. Die gelöschten Dateien erscheinen hier als DLaufwerkNummer.Extension – etwa DC22.JPG für eine auf Laufwerk C: gelöschte Bilddatei. Die Datei INFO2 informiert den Papierkorb, wie die jeweilige Datei wirklich heißt und in welchen Ordner sie gehört. Alles in den Ordnern \Recycler\Konto, was nicht DLaufwerkNummer heißt, ignoriert der Papierkorb nicht nur bei der Anzeige, sondern auch bei der Aktion „Papierkorb leeren“. Andererseits will der Papierkorb Objekte mit dieser Namenskennung auch dann löschen, wenn diese in der INFO2-Datei nicht verzeichnet sind.
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