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Sechs praktische Tipps für Ihren Linux-Desktop

15.01.2015 | 13:01 Uhr |

Nahezu alle Desktops kennen die Möglichkeit, eigene Tastenkürzel für Programme anzulegen. Mit eigenen Script-Dateien kann ein Tastendruck auch nützliche Shell-Befehle ausführen, etwa zum Abschalten des Bildschirmschoners.

Milou: Anwendungsstarter und Suchwerkzeug für KDE 4.13

Obwohl der semantische Desktop von KDE mit seinem Framework namens „Nepomuk“ als ausgereift gilt, haben sich die KDE-Entwicklerdavon in der letzten Version des Desktops abgewandt. Nepomuk und seine Hintergrundprozesse waren für den Einsatz auf dem Desktop einfach nicht schnell genug.

Schuld daran ist laut Entwicklerteam das gewählte Speicherformat der Datenbank gewesen, die per RDF die verschiedenen Objekte wie Dateien, Lesezeichen, Mails, Kalendereinträge mit Metadaten verknüpfte. Ab KDE SC 4.13, das bei Kubuntu 14.04 LTS mit an Bord ist, gibt es ein neues und schnelleres Framework namens „Baloo“. Das bringt neue Tools und andere Einstellungen mit.

Die neue Suche Baloo ist bereits fester Bestandteil einiger typischer KDE-Anwendungen in der KDE Software Collection 4.13. Im Dateimanager Dolphin brauchen Sie nur auf den Punkt „Suche“ in der Menüleiste zu gehen, um eine Eingabemaske mit den neuen Suchmöglichkeiten zu erhalten. Und im Bildbetrachter Gwenview ist die Kategorisierung nach Schlagwörtern bereits nach Baloo portiert.

Neben diesen offensichtlichen Anwendungsbeispielen gibt es auch das eigene Plasma-Widget „Milou“ für die Dateisuche mit Baloo. Das Widget wurde nicht zum Veröffentlichungstermin von Kubuntu 14.04 fertig und wird jetzt über das offizielle Repository Trusty-Backports nachgeliefert. Um es in Kubuntu zu installieren, öffnen Sie ein Terminal-Fenster über die „Konsole“, aktualisieren Sie mit sudo apt-get update die Liste der Pakete und holen dann das neue Widget mit

sudo apt-get install plasma-wid get-milou

auf das System. Zur Einrichtung klicken Sie auf dem Desktop rechts oben oder in der Leiste rechts unten auf die Cashew-Nuss und dann auf „Miniprogramme hinzufügen“. Im Feld „Suchbegriff eingeben“ tippen Sie Milou ein und können nun das gleichnamige Widget auf den Desktop oder in die KDE-Leiste ziehen. Die Suche mit Milou funktioniert ähnlich wie in Dolphin, mit dem Unterschied, dass Milou nicht nur eine Volltextsuche nach Dateiinhalten und Dateinamen ausführt, sondern auch als Programmstarter dient. Denn Milou durchsucht in den Standardeinstellungen auch die Liste der installierten Anwendungen. Die Einstellungen, welche Kategorien Milou durchsuchen soll, können Sie mit einem Rechtsklick auf das Widget mit „Einstellungen für Milou -> Suchergebnisse“ festlegen.

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Selbst gebaute Hotkeys: Bildschirmschoner und DPMS per Tastendruck ausschalten

Shell-Befehle für eine häufig benötigte Aktion auf dem Linux-Desktop sind in Form einer Tastenkombination noch schneller und nützlicher. Dies um so mehr unter Ubuntus Unity, wo der Ausführen-Dialog kaum mehr brauchbar für Shell-Befehle ist. Der folgende Tipp zeigt, wie Sie jeweils eine Kombination zum Ein- sowie Ausschalten von DPMS und Bildschirmschoner mit Hilfe zweier Shell-Scripts erstellen – inklusive einer Desktop-Benachrichtigung.

Eigene Befehle definieren: Tastenkürzel können in Desktop-Umgebungen keine Shell-Befehle ausführen. Eigene Script-Dateien lassen sich hingegen problemlos mit Tastenkürzeln aufrufen.
Vergrößern Eigene Befehle definieren: Tastenkürzel können in Desktop-Umgebungen keine Shell-Befehle ausführen. Eigene Script-Dateien lassen sich hingegen problemlos mit Tastenkürzeln aufrufen.

Zum Ausschalten des Bildschirmschoners und der Monitor-Stromsparfunktion starten Sie einen Texteditor wie Gedit und geben folgende drei Zeilen ein:

#!/bin/sh xset s off -dpms zenity --info --text "DPMS und Bildschirmschoner aus"

Speichern Sie dies als Datei „dpms_aus.sh“ im Home-Verzeichnis oder in einem beliebigen Unterordner ab, und machen Sie die Datei in einem Terminalfenster ausführbar:

chmod +x dpms_aus.sh

Nun benötigen Sie ein weiteres Script als Gegenstück, um DPMS und Bildschirmschoner bei Bedarf wieder einzuschalten. Dazu erstellen Sie die Datei „dpms_ein.sh“ mit diesem Inhalt

#!/bin/sh xset s on +dpms zenity --info --text "DPMS und Bildschirmschoner ein"

und machen auch diese Datei wieder ausführbar mit

chmod +x [Dateiname]

Jetzt kann es daran gehen, für diese Scripts eine Tastenkombination festzulegen. Dies gelingt generell in den Systemeinstellungen der Desktop-Umgebung über „Tastatur“. In Gnome und Unity finden Sie diese Einstellungen über die „Aktivitäten“ oder die Dash Übersichtsseite über „Tastatur“ und dann „Tastaturkürzel -> Eigene Tastenkürzel“. XFCE bietet ein ähnliches Menü über „Einstellungen -> Tastatur -> Tastenkürzel für Anwendungen“. Aber auch alle anderen Desktop-Umgebungen wie Cinnamon oder Mate haben Vergleichbares im Repertoire.

Benachrichtigungen aus der Shell auf dem Desktop: Auf Gnome-und GTK-basierten Desktops sorgt „zenity“ für Dialogboxen. In KDE gibt es für den gleichen Zweck das Tool „kdialog“.
Vergrößern Benachrichtigungen aus der Shell auf dem Desktop: Auf Gnome-und GTK-basierten Desktops sorgt „zenity“ für Dialogboxen. In KDE gibt es für den gleichen Zweck das Tool „kdialog“.

Beim Anlegen eines eigenen Tastaturkürzels zum Abschalten von DPMS und Bildschirmschoner geben Sie einen aussagekräftigen Namen ein, etwa „DPMS aus“ und als Befehl den absoluten Pfad zum Script, beispielsweise „/home/benutzer/dpms_aus.sh“. Wählen Sie eine Tastenkombination wie Strg-Umschalt-A, die noch nicht anderweitig von der Desktop-Umgebung belegt ist.

Zum Einschalten von DPMS und Bildschirmschoner legen Sie als Gegenstück ein weiteres Tastenkürzel an, etwa mit dem Namen „DPMS ein“, und verweisen als „Befehl“ auf das Script „dpms_ein.sh“ (mit absoluten Pfad). Eine geeignete Kombination wäre Strg-Umschalt-E. Hat alles geklappt, dann stehen die neuen Tastenkombinationen sofort zur Verfügung, und das Tool „Zenity“ liefert dazu eine Dialogbox, ob DPMS und Bildschirmschoner jetzt ein- oder ausgeschaltet wurden. Bei schlanken Linux-Distributionen wie etwa der XFCE-Variante von Debian ist das Benachrichtigungstool Zenity nicht vorinstalliert, und Sie müssen dies mit

sudo apt-get install zenity

nachholen.

KDE: Unter KDE ist die Anzeige von Dialogfenstern aus Scripts mit Zenity unpraktisch, da es sich um ein Werkzeug aus dem Dunstkreis von Gnome handelt. Für KDE sollten Sie die Mini-Scripts deshalb anpassen und die Zeile mit „zenity“ gegen einen Aufruf von kdialog

kdialog --msgbox "DPMS und Bildschirmschoner aus"

austauschen.

Ezame: Menüeditor für Ubuntu und Konsorten

Unity verzichtet auf ein ausklappendes Anwendungsmenü und präsentiert installierte Anwendungen auf der durchsuchbaren Übersichtsseite „Dash“. Auch hier gibt es bei der Suche nach Anwendungen eine Kategorisierung, unter welchem Stichwort ein Programm zu finden ist. Ein Editor, der Anwendungen hinzufügt, bestehende ändert oder die Kategorisierung anpasst, fehlt jedoch.

Menüeinträge und Anwendungsstarter bearbeiten: Ezame für Ubuntu & Co. hat mehr Einstellungen auf Lager als das in die Jahre gekommene Menulibre.
Vergrößern Menüeinträge und Anwendungsstarter bearbeiten: Ezame für Ubuntu & Co. hat mehr Einstellungen auf Lager als das in die Jahre gekommene Menulibre.

Der universelle Menüeditor „Ezame“ hilft dabei, die Anwendungsverknüpfungen unter Unity und die Einträge in Anwendungsmenüs anderer Desktops zu ändern, zu ergänzen oder Programme zur besseren Übersicht auszublenden. Ezame ist ein junges Projekt. Es wurde speziell für Ubuntu und Mint in Python entwickelt und arbeitet mit den verbreiteten Desktop-Umgebungen dieser Distributionen zusammen. Was Ezame besonders nützlich auf Ubuntu-Systemen macht, auf denen mehrere Arbeitsflächen installiert sind, ist die Möglichkeit, bestimmte Programmverknüpfungen nur in bestimmten Desktop-Umgebungen zu zeigen und in anderen zu verstecken.

Ezame ist in den offiziellen Paketquellen zwar nicht enthalten, ein PPA (inoffizielles Repository) mit Paketen für Ubuntu/Kubuntu/Xubuntu/Lubuntu 14.04 und Mint 17 gibt es aber auf Launchpad unter https://launchpad.net/~caldas-lopes/+archive/ppa . In einem Terminal-Fenster nehmen Sie das PPA mit dem Kommando

sudo add-apt-repository ppa:caldas-lopes/ppa

auf und installieren dann mit

sudo apt-get update sudo apt-get install ezame gksu libgksu2-0

den Menüeditor und die benötigte Bibliotheken. Der Aufruf ezame startet das Tool über den Ausführen-Dialog. Auf der linken Seite zeigt eine ausklappbare Liste die gegenwärtige Hierarchie des Anwendungsmenüs, das rechte Fenster präsentiert die Einstellungen zu einem ausgewählten Eintrag. Beachten Sie, dass Ezame die Menüdateien unter „/usr/share/applications“ direkt bearbeitet und deshalb beim Speichern nach dem root-Passwort fragt. Die vorgenommenen Änderungen betreffen deshalb alle Benutzer.

Noch mehr Tricks für Linux-Desktops

KDE ohne Baloo: Indexer und Suche in KDE 4.13 abschalten

Mit dem neuen Gerüst „Baloo“ im Hintergrund ist die Suche auf dem semantischen Desktop von KDE deutlich schneller und die Erstellung des Suchindex benötigt weniger Prozessorleistung. Ein anderes Problem bleibt: Die Indexdateien werden wie bei anderen Volltext-Suchmaschinen wie Recoll und Tracker sehr groß – bei Texten ist der Index fast so umfangreich wie die Originaldateien.

Wie groß der Index der gesammelten Daten von Baloo bereits ist, verrät ein Blick in das Verzeichnis „~/.local/share/baloo/file“. In diesem Unterordner des Home-Verzeichnisses speichert Baloo seine Indexdateien. Wenn der Platz auf einer kleinen SSD einfach zu schade ist, um ihn für einen Suchindex zu verbraten, oder falls der Indexprozess „baloo_file“ auf einem langsameren Rechner immer wieder für eine zu hohe Prozessorauslastung sorgt, dann können Sie Baloo auch abschalten.

Die KDE-Entwickler empfehlen, in der Systemsteuerung die Einstellungen zur „Desktop-Suche“ zu öffnen und dann das gesamte eigene Home-Verzeichnis mit einem Klick auf das Plus-Symbol in die Liste „Nicht in diesen Orten suchen“ aufzunehmen. Der Index-Dienst von Baloo befindet sich dann zwangsläufig im Leerlauf. Allerdings lädt sich der Dienst beim Start von KDE weiterhin und belegt zwischen 10 und 20 MB Speicher. Um Baloo stillzulegen, ist es nötig, den automatischen Start des Dienstes zu unterbinden.

Dies geht am einfachsten mit diesem Befehl auf der Kommandozeile:

echo "Hidden=True" | sudo tee -a / usr/share/autostart/baloo_file.desktop

Das Kommando fügt an die Autostartdatei „baloo_file.desktop“ den Eintrag „Hidden=True“ an und legt Baloo damit ab der nächsten Anmeldung still. Konsequenterweise funktioniert dann auch die Suchfunktion in KDE und Dolphin nicht mehr. Was es aber weiterhin gibt, ist der Verlauf im K-Menü der zuletzt geöffneten Dokumente, da diese Liste nicht auf Baloo basiert.

Netzwerkfreigaben per Klick: Laufwerke und Freigaben mit Gigolo

Im Standardrepertoire vieler Distributionen mit XFCE auf dem Desktop ist ein nützlicher Laufwerksmanager für Netzwerkressourcen enthalten: Der aufgeräumte Gigolo macht auch unter anderen Gnome-affinen Desktops wie LXDE eine gute Figur.

Gigolo nutzt für den Zugriff auf das Netzwerk das Gnome-Backend GVFS und ergänzt Desktops, deren Dateimanager keine bequeme Netzwerkfunktionen haben.
Vergrößern Gigolo nutzt für den Zugriff auf das Netzwerk das Gnome-Backend GVFS und ergänzt Desktops, deren Dateimanager keine bequeme Netzwerkfunktionen haben.

Auf Desktops, deren Dateimanager mangelnde Netzwerk-Funktionalität bieten, füllt Gigolo mit seinem übersichtlichen Browser für Windows-Netzwerke eine Lücke. Das Programm arbeitet mit den Gnome Virtual File System (GVFS) und spricht alle Protokolle, die auch Gnome spricht: SSH, FTP, Samba (Windows-Netzwerk) und Web-DAV. Diese Verbindungen können als Laufwerk eingebunden werden – vorausgesetzt, die Gnome-Bibliotheken für GVFS sind installiert oder über die Paketquellen verfügbar. Dies ist bei Gnome, Unity und XFCE der Fall. Gigolo ist über den Paketmanager schnell installiert. In Debian/Ubuntu und seinen Varianten richtet der Befehl

sudo apt-get install gigolo gvfs-backends gvfs-fuse fuse-utils

das Programm ein. In Fedora gelingt die Installation mittels

sudo yum install gigolo gvfs gvfs-fuse fuse

und in Open Suse mit

sudo zypper install gigolo gvfs gvfs-backends gvfs-fuse fuse

In Xubuntu, Ubuntus offizieller XFCE-Variante, ist Gigolo standardmäßig vorinstalliert.

Energieverwaltung nach Bedarf: Ungestörter Filmgenuss ohne Bildschirmschoner

Notebooks sollen mit einer Akkuladung möglichst lange laufen, und stringente Energiesparoptionen wie etwa ein Abschalten des Bildschirms nach kurzer Inaktivität sind dazu unverzichtbar.

Energiesparfunktionen des Monitors abschalten: Dieser Befehl verhindert zuverlässig Bildschirmschoner und DPMSfunktionen. Das Kommando xset q zeigt die aktuelle Einstellung an.
Vergrößern Energiesparfunktionen des Monitors abschalten: Dieser Befehl verhindert zuverlässig Bildschirmschoner und DPMSfunktionen. Das Kommando xset q zeigt die aktuelle Einstellung an.

Anders sieht es aus, wenn das Notebook oder der Desktop-PC einen Film oder eine Präsentation abspielen soll, ohne den Bildschirm über die Energieverwaltung abzuschalten. Die Energieverwaltung schaltet auch die Ausgabe über HDMI aus, was oft dazu führt, dass die angeschlossenen Geräte die zuvor getroffenen Anzeige-Einstellungen vergessen.

Einige Mediaplayer wie VLC versuchen von sich aus, den Start eines Bildschirmschoners oder das automatische Abschalten des Bildschirms zu verbieten. Diese Option, die Sie im VLC unter „Werkzeuge -> Einstellungen -> Alle -> Video -> Bildschirmschoner deaktivieren“ finden, hat aber keine Auswirkungen auf die üblichen Stromsparfunktionen, die den Bildschirm über DPMS (Display Power Management Signaling) abschalten. Zuverlässiger ist der manuelle Weg mit dem kleinen Tool xset, das Parameter des laufenden X-Servers direkt anpassen kann. Um Bildschirmschoner und Stromsparfunktionen für den Monitor zu deaktivieren, rufen Sie den Ausführen-Dialog auf, den alle Desktop-Umgebungen nach Alt-F2 präsentieren, und geben dort den Befehl

xset s off -dpms

ein. Dies setzt Bildschirmschoner und DPMS außer Kraft – der Monitor und angeschlossene Ausgabegeräte bleiben stets eingeschaltet. Nach dem Ende des Films oder der Präsentation aktiviert man Bildschirmschoner und DPMS wieder mit dem Kommando

xset s on +dpms

über den Ausführen-Dialog. Dieser Trick funktioniert unter allen Desktops. Übrigens sind auch nach einem Neustart DPMS und Bildschirmschoner wieder eingeschaltet, da dies kein permanenter Eingriff in die Systemkonfiguration ist.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

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