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Sechs praktische Software-Tricks für Linux

06.05.2015 | 11:03 Uhr |

Auch ausgereifte Programme können nicht allen Ansprüchen gerecht werden: Eine bestimmte Funktion fehlt immer. Die folgenden Tipps liefern Antworten und Erweiterungen, um diverse Mängel zu beheben.

Bildverwaltung: Fotos über DLNA über das Netzwerk ansehen

Minidlna anwerfen: Unter Ubuntu und Co liefert das Programmpaket „minidlna“ auch schon ein Upstart-Script zum automatischen Start mit.
Vergrößern Minidlna anwerfen: Unter Ubuntu und Co liefert das Programmpaket „minidlna“ auch schon ein Upstart-Script zum automatischen Start mit.

Die Bildverwaltungen Digikam , Shotwell und F-Spot sind ideal, um Ordnung in große Fotosammlungen zu bringen. Es sind klassische Desktop-Anwendungen, die mit einer zentralen Bilddatenbank arbeiten. Netzwerkfähigkeiten, um Bilder auf anderen PCs und Geräten wie Tablets im lokalen Netzwerk anzusehen, fehlen ganz oder sind ungenügend. Der universell verwendbare DLNA-Server Minidlna springt dafür ein.

Zur Ehrenrettung von Digikam: Es gibt ein optionales DLNA-Plug-in, das Bestandteil der nützlichen Kipi-Plugins von KDE ist. Trotzdem hilft dies nicht wirklich, da die enthaltenen DLNA-Fähigkeiten auf einer sehr langsamen HUPnP-API beruhen, mit der zudem nur wenige Client-Programme und Apps zurechtkommen. Und eine ebenfalls vorhandene Schnittstelle zu Minidlna ist unbrauchbar, da sie auch seiner sehr alten Version dieses DLNA-Servers basiert.

Besser ist es, gleich ein aktuelles Minidlna aus den Paketquellen der Distribution zu verwenden, das unabhängig von der verwendeten Bildverwaltung funktioniert und mit allen Clients gut zurechtkommt. Minidlna ist in den Standard-Paketquellen der populären Linux-Distributionen enthalten. In Ubuntu/Kubuntu & Co. installieren Sie das Paket beispielsweise mit

sudo apt-get install minidlna

Auch Open Suse und Fedora kennen dieses Paket. Debian ist mit seiner gerade noch aktuellen Version 7 im Abseits, da sie nur eine ältere Programmversion bietet.

Die Konfiguration für Minidlna erfolgt über die Datei „/etc/minidlna.conf“. Unter Ubuntu und seinen Varianten ist die Einrichtung unkompliziert, da diese Distributionen schon eine brauchbare Konfigurationsdatei mitbringen. Öffnen Sie die Datei „/etc/minidlna.conf“ mit root-Rechten oder mittels sudo in einem Texteditor:

sudo -H gedit /etc/minidlna.conf

Gehen Sie dort zur Zeile „media_dir=/opt“, die Sie mit einem #-Zeichen auskommentieren. Tragen Sie stattdessen den Parameter „P“ für „Pictures“ und den Pfad zu den Fotos ein:

media_dir=P,/home/benutzername/Bilder

Passen Sie den Beispielpfad „/home/benutzername/Bilder“ an den tatsächlichen Speicherort der Bilder an. Mit dieser Minimalkonfiguration ist Minidlna schon einsatzbereit. In Ubuntu und seinen Abkömmlingen müssen Sie den laufenden Minidlna-Server mit dem Befehl

sudo service minidlna restart

neu starten, um die geänderte Konfiguration zu aktivieren. Bei anderen Distributionen starten Sie Minidlna manuell:

sudo minidlnad -v

Je nach Größe der Bildersammlung kann es bis zu mehreren Minuten dauern, bis der DLNA-Server im Netzwerk verfügbar ist.

DLNA-Client als Bildbetrachter: Zur Verbindungsaufnahme zu Digikam kommen DLNA-Clients in Frage, die mit Bildern und Ordnerhierarchien umgehen können.

Unter Android ist dazu beispielsweise die kostenlose App Bubble UPNP gut geeignet. In Apple iOS leistet die ebenfalls freie App Mediaconnect gute Dienste.

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Libre Office Writer: Textpassagen ohne Rechtschreibprüfung

Sprachlos: Soll die Rechtschreibprüfung einen Textabschnitt ignorieren, dann setzen Sie dessen Eigenschaften im Kontextmenü „Schrift -> Sprache“ auf den Wert „[Keine]“.
Vergrößern Sprachlos: Soll die Rechtschreibprüfung einen Textabschnitt ignorieren, dann setzen Sie dessen Eigenschaften im Kontextmenü „Schrift -> Sprache“ auf den Wert „[Keine]“.

Sinn einer Rechtschreibprüfung ist es, alle Wörter und Sätze zu filtern, die den Rechtschreibregeln zuwiderlaufen. In Dokumenten mit vielen fremdsprachigen Passagen, für die es keine Rechtschreibprüfung in der passenden Sprache gibt, für Zitate oder auch Befehlszeilen stolpert die orthografische Prüfung allenthalben über unbekannte Ausdrücke.

In Libre Office Writer können Sie gezielt einzelne Zeilen und Absätze von der Rechtschreibprüfung ausnehmen. Markieren Sie dazu den gewünschten Abschnitt, klicken Sie die Markierung rechts an und wählen Sie dann „Zeichen“. Unter „Zeichen“ setzen Sie im Feld „Sprache“ die Eigenschaft des markierten Texts auf „[Keine]“. Ab jetzt ignoriert die die Prüfung von Libre Office Writer dieses Segment.

Bei Dokumenten mit mehreren solcher Passagen wäre es umständlich, für jede einzelne die Sprache manuell festzulegen. Für diese Aufgabe kommen aber Formatvorlagen wie gerufen. Um eine neue Vorlage dafür zu erstellen, rufen Sie den Manager für Formatvorlagen mit der Taste F11 auf, wählen dort den Eintrag „Standard“ aus und klicken dann ganz rechts auf das Symbol mit der Beschreibung „Neue Vorlage aus Selektion“. Als neuen Vorlagennamen geben Sie beispielsweise „Standard (ohne Sprache)“ ein und gehen auf „OK“, damit diese benutzerdefinierte Vorlage in der Liste erscheint. Markieren Sie jetzt die gewünschte Textpassage, klicken Sie in der Liste der Formatvorlagen doppelt auf „Standard (ohne Sprache)“, um diese zuzuweisen. Jetzt gilt es, die Merkmale für diese Vorlage zu definieren. Dazu klicken Sie wiederum die noch markierte Textpassage rechts an, gehen im Kontextmenü auf „Absatzvorlage bearbeiten“ und können nun alle Formate und Texteigenschaften für die Vorlage „Standard (ohne Sprache)“ festlegen.

Die Spracheinstellungen finden Sie auch in diesem Dialog unter „Schrift -> Sprache“, wo Sie „[Keine]“ auswählen. Nach „OK“ ist die Vorlage fertig, und Sie können diese im aktuellen Dokument links oben über das Auswahlfeld schnell auf markierte Abschnitte anwenden.

Software-Quellen unter Ubuntu & Co.: GPG-Schlüssel einlesen

Von der ID zum Schlüssel: Einige externe Repositories für Debian und Ubuntu verlangen zur Verifizierung der Pakete die manuelle Einrichtung eines GPG-Schlüssels vom Keyserver anhand der ID.
Vergrößern Von der ID zum Schlüssel: Einige externe Repositories für Debian und Ubuntu verlangen zur Verifizierung der Pakete die manuelle Einrichtung eines GPG-Schlüssels vom Keyserver anhand der ID.

Pakete mit GPG-Signatur stellen sicher, dass sie wirklich aus dem richtigen Repository kommen und nicht etwa von einer anderen Quelle untergeschoben wurden. Damit der Paketmanager von Debian, Ubuntu und Mint die Signatur überprüfen kann, müssen die öffentlichen Schlüssel des Repositories installiert sein. Ansonsten meldet apt-get update einen Fehler vom Typ „NO_PUBKEY“, der mit dem Meldungstext „W: GPG error“ beziehungsweise „W: GPG-Fehler“ beginnt.

Hinter der Fehlermeldung von apt-get sind stets noch der Name des Repositories angegeben sowie die hexadezimalen Bezeichner des fehlenden GPG-Schlüssels, anhand dessen er sich nachinstallieren lässt. Als anschauliches Beispiel soll hier folgende Meldung von apt-get dienen:

„Die folgenden Signaturen konnten nicht überprüft werden, weil ihr öffentlicher Schlüssel nicht verfügbar ist: NO_PUBKEY 077255B7BAD99FAF“. Die wichtigste Info ist, dass ein öffentlicher GPG-Schlüssel mit der ID 077255B7BAD99FAF erwartet wird, der apt-get nicht bekannt ist. Hinterlegt sind die öffentlichen Schlüssel für Repositories wie andere Schlüssel auch auf offiziellen GPG-Keyservern. Anhand der ID können Sie den fehlenden Schlüssel holen und an den Schlüsselbund des Systems anhängen:

gpg --keyserver pgpkeys.mit.edu --recv-key 077255B7BAD99FAF gpg -a --export 077255B7BAD99FAF | sudo apt-key add -

Ersetzen Sie die Zeichenkette „6AF0E1940624A220“ aus diesem Beispiel mit der tatsächlichen ID aus der vorangegangenen Fehlermeldung.

Libre Office Writer: Eigenes Standarddokument festlegen

Dokumentvorlagen in Libre Office verwalten: In diesem Dialog sehen Sie die selbst erstellten Vorlagen für Writer, Calc, Impress und Draw und machen sie zum Standard für neu erstelle Dateien.
Vergrößern Dokumentvorlagen in Libre Office verwalten: In diesem Dialog sehen Sie die selbst erstellten Vorlagen für Writer, Calc, Impress und Draw und machen sie zum Standard für neu erstelle Dateien.

Formatvorlagen, die Sie selbst hinzugefügt haben, stehen immer nur im aktuellen Dokument zur Verfügung. Einige Formatvorlagen sind aber so wichtig, dass Sie diese immer wieder benötigen.

Der richtige Speicherort für häufig verwendete eigene Formatvorlagen ist eine Dokumentvorlage, auf die Libre Office Writer beim Erstellen neuer Dateien zurückgreifen kann. Diese Dokumentvorlage bietet alle Formatvorlagen sowie alle anderen Eigenschaften, die in Dokumenten gespeichert werden – etwa die Anordnung der Seitenleisten.

Um aus einem geöffneten Dokument eine Dokumentvorlage zu machen, speichern Sie die Datei erst wie gewohnt ab. Anschließend markieren Sie den gesamten Inhalt mit der Tastenkombination Strg-A und löschen alles. Richten Sie Kopf- und Fußzeile sowie die Seitenleiste so ein, wie sie stets beim Erstellen eines neuen Textdokuments erscheinen sollen. Ist alles perfekt eingestellt, gehen Sie auf „Datei -> Dokumentvorlage -> Als Vorlage speichern“. Im aufklappenden Dialogfenster gehen Sie auf „Speichern“ und geben dann einen aussagekräftigen Namen ein. Diese neue Dokumentvorlage erscheint nun in der Kategorie „Meine Vorlagen“. Nach einem Klick darauf können Sie in der Menüzeile den Punkt „Als Standard setzen“ anklicken, damit neue Dokumente immer auf dieser Vorlage basieren.

Zum späteren Bearbeiten dieser Vorlage gehen Sie im Menü „Datei“ auf „Dokumentvorlage -> Verwalten -> Dokumente“, markieren die gewünschte Vorlage und gehen auf „Bearbeiten“. Writer lädt die zugrunde liegende OTT-Datei automatisch, und Sie brauchen nur normal zu speichern, um Änderungen zu übernehmen.

Drei Tricks für die Linux-Shell

Libre Office Calc: AMD-Grafikprozessoren für Calc nutzen

Grafikkarte rechnet mit: Libre Office Calc kann ab Version 4.2 mit der Schnittstelle für die Open Computing Language (Open CL) von AMD/ATI-Grafikkarten umgehen.
Vergrößern Grafikkarte rechnet mit: Libre Office Calc kann ab Version 4.2 mit der Schnittstelle für die Open Computing Language (Open CL) von AMD/ATI-Grafikkarten umgehen.

Über Libre Office lässt sich viel Positives berichten – die Engine der Tabellenkalkulation Libre Office Calc gehört leider nicht dazu: Sie ist langsam und leidet unter einem schlechten Aufbau, der von Open Office stammt. Aber es gibt Fortschritte: Ab Libre Office 4.2 kann Calc einige Grafikprozessoren (GPUs) von AMD-Karten für Berechnungen einspannen.

Die Schnittstelle, mit der Libre Office mit Grafikprozessoren kommuniziert, um Rechenaufgaben der GPU zu überlassen, nennt sich Open CL (Open Computing Language). Es handelt sich um einen Standard, über den sich verschiedene Chiphersteller erst noch einigen müssen. Aktuell kann Libre Office aber schon mit vielen AMD-Grafikkarten umgehen, da Open CL bei diesen GPUs gut entwickelt ist, während Nvidia die Eigenentwicklung Cuda favorisiert.

Wenn Sie eine AMD/ATI-Grafikkarte haben und den Catalyst-Treiber von AMD nutzen, dann lohnt sich ein unkomplizierter Versuch, die GPU für die Libre Office Calc zu verwenden. In Libre Office Calc gehen Sie auf „Extras -> Optionen -> Libre Office Calc -> Formel“. Im Abschnitt „Detaillierte Einstellungen für Berechnungen“ wählen Sie „Benutzerdefiniert -> Details“ und klicken in der Liste der Optionen auf „OpenCL [...]“. Wenn im unteren Feld nicht „Intern, Softwareinterpreter“ steht, sondern der Name der GPU, dann können Sie diese noch experimentelle Option mit einem Klick auf „Wahr“ einschalten.

Texteditor Gedit: Suchen und Ersetzen in mehreren Textdateien

Erweitertes Suchen und Ersetzen für Gedit: Sobald „Advanced Find“ in den Plug-in-Einstellungen aktiviert ist, zeigt sich der neue Menüpunkt. Die Suche unterstützt auch reguläre Ausdrücke.
Vergrößern Erweitertes Suchen und Ersetzen für Gedit: Sobald „Advanced Find“ in den Plug-in-Einstellungen aktiviert ist, zeigt sich der neue Menüpunkt. Die Suche unterstützt auch reguläre Ausdrücke.

Der Editor Gedit folgt dem von Gnome propagierten Minimalismus und ist bewusst unkompliziert gehalten. Mit der eingebauten Funktion zum Suchen und Ersetzen ist es nicht möglich, viele Textdateien auf der Festplatte zu durchforsten.

Die fehlende Fähigkeit, in vielen Dateien zu suchen und dort Zeichenketten zu ersetzen, rüstet ein Plug-in für Gedit nach.

Die nützliche Ergänzung „Advanced Find“ verlangt allerdings eine Installation zu Fuß, denn der Entwickler bietet das Plug-in auf der Projekt-Webseite nur im Quelltext als tar.gz-Archiv an. Dafür können Sie Advanced Find aber recht einfach mit dem enthaltenen Installations-Script einsatzbereit machen. Packen Sie das Archiv in der Shell mit

tar -xzf advanced_find-3.6.0.tar.gz

aus, gehen Sie dann mit

cd advanced_find-3.6.0

in das gerade entpackte Verzeichnis, und führen Sie dort mit

sudo bash install.sh

das Script aus. Nach der Installation starten Sie Gedit und öffnen das Menü „Bearbeiten -> Einstellungen -> Plugins“ und aktivieren dort „Advanced Find/Replace“. Nun steht im Menüpunkt „Suche -> Advanced Find/Replace “ die erweiterte Such- und Ersetzungsfunktion zur Verfügung.

Advanced Find 3.6: Plug-in zum Suchen und Ersetzen in Dateien für Gedit ab Version 3.8, Download unter https://code.google.com/p/advanced-find/downloads/list .

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