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Sechs Videoeditoren unter Linux im Vergleich

06.08.2015 | 13:09 Uhr |

Linux bietet große Auswahl an Programmen, um Videos zu schneiden und zu bearbeiten. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Schnittprogramme vor.

Eine Google-Suche nach Videoeditoren für Linux liefert eine erstaunliche Treffermenge. Viele wohlklingende Projekte versprechen auf den Internetseiten, dass sie genau die Lösung sind, nach der der Anwender sucht. Der folgende Artikel bringt eine selektive Vorsortierung von populären und empfehlenswerten Videoeditoren.

Avidemux: Schnelles Schneiden und Konvertieren

In den meisten Fällen verbrauchen die Aufnahmen auf der heimischen Festplatte mehr Platz als eigentlich notwendig, da die Anbieter immer ein paar Minuten vor und nach dem Hauptfilm zugeben.

Warum also nicht die unnötigen Sequenzen herausschneiden? Mit Avidemux gelingt das jedem Anwender, ganz ohne Vorkenntnisse. Sie starten einfach das Programm und ziehen den Clip aus dem Dateimanager direkt in den Bereich „Video“ des Programmfensters. Mit den Schaltern am unteren Rand starten Sie die Wiedergabe. Klicken Sie auf den Schalter „A“ um den Beginn eines Bereichs zu kennzeichnen, den Sie entfernen wollen. Drücken Sie „B“, um das Ende des unerwünschten Abschnitts zu markieren. Mit dem Kommando „Löschen“ aus dem Menü „Bearbeiten“ wird der markierte Bereich entfernt. Wählen Sie aus dem Listenfeld noch ein Zielformat und wählen Sie „Speichern“. Fertig. Schneller und einfacher werden Sie kaum Videos schneiden können.

Openshot für rasche Arbeitsergebnisse

Dank der aufgeräumten Oberfläche und einer intuitiven Bedienung kombinieren Sie in Openshot schnell verschiedene Clips und weisen Übergänge zu.
Vergrößern Dank der aufgeräumten Oberfläche und einer intuitiven Bedienung kombinieren Sie in Openshot schnell verschiedene Clips und weisen Übergänge zu.

Openshot ist ein funktionsreicher, trotzdem auch für Einsteiger zugänglicher Videoeditor. Er beherrscht selbstverständlich auch das Entfernen von Werbung oder des Abspanns eines Films. In eine Projektdatei importieren Sie zunächst das ungeschnittene Rohmaterial. Aus der Liste der Projektelemente ziehen Sie dann die verschiedenen Bestandteile auf die Zeitleiste. Das Schneiden und Trimmen ist intuitiv gelöst. Sie zerteilen einen Clip und können dann nach Rechtsklick auf den jeweiligen Teil über das Kontextmenü den Abschnitt löschen oder auch verschieben.

Jederzeit legen Sie eine neue Spur an, um weitere Elemente aufzunehmen. Neben den Schnittfunktionen steht eine ganze Reihe von Übergängen zur Verfügung. Sie wählen den gewünschten Effekt aus der Liste und ziehen ihn auf die entsprechende Spur. Enthalten sind zusätzlich auch ein Titelgenerator sowie eine Reihe von Spezialeffekten, mit denen Sie das Material verfremden können. Die meisten dieser Effekte verfügen über individuelle Eigenschaften und optionale Parameter. Die Werte erreichen Sie ebenfalls über das Kontextmenü eines Effekts. In den Dialogen stehen dann üblicherweise eine ganze Reihe von Reglern und Feldern zur Auswahl zur Verfügung. Diese sind allerdings nicht an die Vorschau gekoppelt. So müssen Sie sich erst den Clip erneut ansehen, um danach zu entscheiden, ob noch etwas zu verändern wäre. Über das Kommando „Datei, Video exportieren“ und die Auswahl eines Profils geben Sie die geschnittene Fassung wieder aus. Openshot kann auch Einzelbilder importieren, um daraus eine Diashow zu produzieren.

Dank der einfachen Oberfläche und den überschaubaren Werkzeugen gelingen auch Einsteigern rasch gute Ergebnisse.

Tipp: Video on Demand für Linux im Vergleich

Pitivi – eine Alternative zu Openshot

Pitivi ähnelt Openshot in vielen Belangen. Es verbindet gute Leistung mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten und bleibt auch für Anfänger bedienbar.
Vergrößern Pitivi ähnelt Openshot in vielen Belangen. Es verbindet gute Leistung mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten und bleibt auch für Anfänger bedienbar.

Das in den Paketquellen vieler Distributionen enthaltene Pitivi will wie Openshot ein möglichst einfach bedienbares, aber zugleich leistungsfähiges Videoschnittprogramm anbieten. Das Zuweisen von Effekten oder das Anlegen eines Titels sind intuitiv gelöst. Verglichen mit Openshot arbeitete Pitivi bei unseren Beispieldateien etwas instabiler. Ein Clip, der mit einem aktuellen Camcorder (AVCHD-Format) aufgenommen wurde, importierte die Software problemlos, weigerte sich dann aber beharrlich, damit irgendeinen Bearbeitungsschritt durchzuführen. Das Verbinden von zwei Clips mittels eines Übergangseffekts ist sehr einfach gelöst. Direkt auf einen Clip wird ein zweiter Eintrag aus der Medienbibliothek gezogen, so dass sich die beiden Clips überlappen. Jetzt wählt der Anwender einen der angebotenen Effekte aus und stellt dessen Eigenschaften ein. Das Ergebnis steht sofort in der Vorschau zur Verfügung. Pitivi liefert nur wenige Ausgabeprofile für die Videoproduktion mit. Nach einem Klick auf „Erstellen“ müssen Sie erst selbst ein Profil anlegen, um danach aus den Container-Dateien und deren Codecs zu wählen.

Kdenlive: Videoschnitt für KDE-Fans

Kdenlive ist in Sachen Optik und Bedienung unverkennbar ein KDE-Programm. Es schließt die Lücke zwischen Einsteiger-Software und professionellen Boliden.
Vergrößern Kdenlive ist in Sachen Optik und Bedienung unverkennbar ein KDE-Programm. Es schließt die Lücke zwischen Einsteiger-Software und professionellen Boliden.

Wie der Name zeigt, setzt Kdenlive auf das KDE-Framework. Der Anspruch seiner Entwickler geht deutlich über das Niveau von Openshot und Pitivi hinaus. Das unterstreicht bereits der erste Aufruf: Kdenlive durchsucht das System automatisch auf notwendige Komponenten und Codecs. Obwohl deutlich mehr Effekte und Möglichkeiten integriert sind als bei Einsteigereditoren, bleibt Kdenlive doch übersichtlich und bedienbar. Zum schnellen Zerschneiden von Clips für Amateuransprüche ist die Software aber zu umfangreich. Beachtlich ist schon die Zahl der Effekte, die auf die Clips angewendet werden können. Diese werden einfach per Drag & Drop auf die gewünschte Spur gezogen. Als Quellen für ein Projekt stehen nicht nur alle wichtigen Video- und Audioformate zur Verfügung. Wer Screencasts produzieren möchte, kann direkt in den Optionen der Software auch die Bildschirmaufnahme aktivieren. Auch der unmittelbare Anschluss einer professionellen Kamera aus der Blackmagic-Familie ist möglich.

Trotz seiner Funktionsvielfalt erhält der Anwender aber viel programmseitige Unterstützung bei seinen Aufgaben. Wird etwa ein Clip in das Projekt importiert, der nicht zum Videoprofil passt (zum Beispiel eine HD-Aufnahme, obwohl niedrige Auflösung vorab ausgewählt), weist Kdenlive darauf hin und ändert die Parameter für die spätere Ausgabe automatisch.

Dank der verschiedenen Monitore behält der Nutzer stets die Kontrolle und den Überblick.

Während die Clip-Ansicht die Orientierung im Rohmaterial erlaubt, zeigt der Projektmonitor eine Vorschau auf Schnitt und zugewiesene Effekte. Die Ausgabe des finalen Produkts wird in Kdenlive als Rendern bezeichnet. Diese Videoproduktion erfordert einiges an Rechenleistung und Zeit. Gut, dass die Entwickler eine Option vorgesehen haben, den Rechner unbeaufsichtigt arbeiten zu lassen und nach Beendigung des Renderings automatisch herunterzufahren.

Cinelerra mit steiler Lernkurve

Der eine Monitor dient zum Überprüfen von Effekten und Arbeiten, der andere zur Auswahl weiterer Inhalte.
Vergrößern Der eine Monitor dient zum Überprüfen von Effekten und Arbeiten, der andere zur Auswahl weiterer Inhalte.

Wenn Sie vorhaben, sich erstmals mit dem Thema Videobearbeitung zu beschäftigen, sammeln Sie Ihre ersten Erfahrungen am besten mit Pitivi oder Openshot. Cinelerra ist für Anfänger ungeeignet, genügt aber dafür semiprofessionellen Ansprüchen. Die Software gibt es in zwei Versionen. Der Hersteller Heroine Virtual veröffentlicht auf seiner Homepage den Quellcode, aus dem Sie eine aktuelle Version kompilieren können. Wesentlich bequemer werden Installation und Einrichtung, wenn Sie zur Community Version greifen. Auf der Homepage des Projekts werden Paketquellen aufgelistet. Dort finden Sie auch eine Anleitung, wie die Quelle in das Software-Center übernommen wird. Einfach ausprobieren können Sie Cinelerra über verschiedene Live-CDs. Bereits unmittelbar nach dem ersten Start schindet Cinelerra Eindruck, denn der Nutzer wird von einer ganzen Reihe verschiedener Fenster begrüßt. Alle diese Elemente platzieren Sie frei auf dem Bildschirm. Über das Menü „Fenster“ kann der Originalzustand hergestellt werden. Beim Anlegen eines Projekts und der Übernahme bereits vorliegender Video- und Audiospuren wird schnell übersehen, dass schon zu diesem Zeitpunkt festgelegt werden kann, ob die Elemente auf verschiedenen Spuren oder hintereinander angeordnet werden. Bei der Navigation innerhalb des Materials helfen wie gewohnt Zeitstrahl und der „Compositor“. Mit dem Betrachter sehen Sie sich dagegen Material an, das noch gar nicht Bestandteil des Projekts sein muss. Über seine diversen Schnittstellen nehmen Sie Live-Bilder einer Kamera oder mittels Bildschirmaufnahme-Software in Ihr Projekt auf. Und wie es sich für Profiwerkzeug gehört, haben die Entwickler auch daran gedacht, Filme nachträglich zu vertonen und Audio und Video zu synchronisieren.

Diese Vielfalt an Optionen bei der Definition eines Videoformats zeigt den Anspruch von Cinelerra.
Vergrößern Diese Vielfalt an Optionen bei der Definition eines Videoformats zeigt den Anspruch von Cinelerra.

Was den Einstieg in das Programm so komplex macht, sind die zahllosen Optionen und Schalter, die sich hinter Effekten und dem Rendern von Dateien verbergen. Einsteiger geraten hier schnell in eine Sackgasse oder folgen ihrer Intuition mit dem Ergebnis, dass der gerenderte Film nicht wirklich vorzeigbar ist. Das Schnittprogramm bewältigt selbst komplexe Aufgaben wie das Zusammenstellen eines Filmes aus verschiedenen Clips und deren nachträgliche Vertonung. Das Rendering benötigt aber einen schnellen Rechner, der auf großzügige RAM-Reserven zugreifen darf. Die aktive Gemeinschaft von Entwicklern und Anwendern stellt im Internet mit Wikis, Videoanleitungen und Tutorials viel Material bereit, um die ersten und weitere Schritte mit der Software zu erleichtern. Die Zeit, diese Einführungen durchzuarbeiten, muss man sich aber auch nehmen, um auch effizient mit dem Profiwerkzeug arbeiten zu können. Eine gute erste Anlaufstelle ist ohne Zweifel die Dokumentationsseite der Community Version: http://cinelerra-cv.org/docs.php .

Lightworks für Vollblut-Profis

Für 20 Euro pro Monat bietet Lightworks eine aufgeräumte Oberfläche mit Werkzeugen, Monitoren und Dateilisten.
Vergrößern Für 20 Euro pro Monat bietet Lightworks eine aufgeräumte Oberfläche mit Werkzeugen, Monitoren und Dateilisten.

Lightworks ist eines der wenigen Beispiele für ein kommerzielles Programm, das für alle Plattformen angeboten wird. Um den Funktionsumfang kennenzulernen, können Sie sich eine aktuelle Version auf Ihren Rechner laden. Ohne Lizenzgebühr steht als Ausgabeformat dann aber nur „Youtube“ mit einer geringen Auflösung zur Verfügung. Da ein Mietmodell auf Monatsbasis angeboten wird, müssen Sie beim Hersteller ein Benutzerkonto einrichten und sich vor der Benutzung der Software damit autorisieren. Die Monatslizenz ist mit knapp 20 Euro kein Schnäppchen, dafür wird aber auch viel geboten. Ein schnelles 64-Bit-System vorausgesetzt, arbeitet das Programm auch bei umfangreichen Änderungen und Effekten sehr flott. Die Oberfläche ist gegenüber Cinelerra aufgeräumter und moderner. Von ihren vielen Funktionen begegnen sich die beiden Programme auf Augenhöhe. Tutorials und Unterstützung direkt in der Software sind jedenfalls vorbildlich – gute englische Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Mit der eigenen Werbeaussage, die Software für jeden zu sein, hat der Hersteller aber leicht übertrieben, denn auch Lightworks erfordert tiefere Kenntnisse über die Videoproduktion und damit auch einigen Einarbeitungsaufwand.

Fazit und Empfehlungen

Wer nur einmal schnell überflüssig aufgenommene Sequenzen eines Videos entfernen will oder Formate konvertieren möchte, findet nichts Einfacheres als Avidemux. Damit kommen selbst absolute Einsteiger auf Anhieb zurecht. Pitivi und Openshot, die mit Kdenlive in einer Liga spielen, können schon deutlich mehr: Eigene Filme mit Titelbildern versehen, Effekte zum Überblenden zuweisen, aus mehreren Schnipseln einen längeren Film zusammenschneiden. Für solche Arbeiten sind alle drei Programme eine gute Wahl.

Für welches davon Sie sich entscheiden, ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Keines der Programme kann Wunder vollbringen, und aus schlechten und verwackelten Aufnahmen werden Sie kein Meisterwerk schaffen.

Ohne Wunder müssen auch die Nutzer von Cinelerra oder Lightworks auskommen. Allerdings enthalten diese eine ganze Reihe von Filtern und Möglichkeiten, um die Bildqualität nachträglich zu verbessern. Mit beiden Programmen sind selbst anspruchsvollste Projekte lösbar. Diese Boliden unter den Videoeditoren erfordern aber auch entsprechenden Einarbeitungsaufwand. Bei Lightworks handelt es um ein kommerzielles Produkt, das seinen kompletten Funktionsumfang erst nach Erwerb einer Lizenz anbietet.

Die Formate: Eine Frage des Unterbaus

Selbst Insider mit langjähriger Erfahrung dürften keine Antwort auf die Frage haben, wie viele Videoformate es eigentlich gibt. Denn häufig verbirgt sich hinter einer Dateiendung wie dem unscheinbaren AVI gleich eine ganze Reihe von Formatvarianten. Videodateien sind üblicherweise Container, die zumindest eine Video- und eine Audiospur enthalten. Wie aber die digitalen Bildinformationen aufbereitet sind (zum Beispiel die Komprimierung der Daten), regelt ein Codec (Coder-Decoder).

Der Codec ist vereinfacht gesagt eine Art von definierter Methode, wie Audio- und Videosignale digitalisiert und wiedergegeben werden. Fehlt ein Codec auf dem System des Nutzers, kann ein Video nicht wiedergegeben werden, das diesen Codec nutzt. Und das ist der Grund, warum die eine AVI-Datei problemlos betrachtet werden kann, während eine andere den Bildschirm schwarz lässt. Um mit dem Schnittprogramm am Ende Bild und Ton in einem bestimmten Format zu speichern, bedienen sich viele Programme der gleichen technischen Basis.

Die wichtigsten Werkzeugsammlungen sind das bekannte Ffmpeg oder das nicht weniger populäre Gstreamer.

Beiden gemeinsam ist, dass die Funktionen über Konsolenbefehle abgerufen werden könnten. Damit eignen sie sich perfekt für den Unterbau von Schnittprogrammen (Openshot, Pitivi, Kdenlive), die in vielen Teilen nur als grafische Front-Ends für diese Werkzeugsammlungen dienen.

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