In dieser Gemengelage verwundert es kaum, dass viele Open-Source-Protagonisten gar nicht so sehr die Kostenkarte spielen, sondern auf langfristige strategische Vorteile verweisen. Laut einer Umfrage der Computerwoche hoffen 60 Prozent der IT-Verantwortlichen mit Open-Source-Plänen, neben Kosten auch die Abhängigkeit von Herstellern zu verringern. Auch der Wunsch nach mehr Flexibilität bei der Produktauswahl und mit quelloffener Software verbundene Merkmale wie Stabilität, Sicherheit und Verfügbarkeit spielen eine Rolle. In einer Saugatuck-Studie nannten zudem überraschend viele Entscheider die grundsätzliche Möglichkeit, den Quellcode anzupassen, als wichtiges Motiv für einen Open-Source-Einsatz.
Experton-Mann Velten bezweifelt die praktische Relevanz solcher Angaben. Nach seiner Ansicht handelt es sich oft um "Scheinargumente". So wählten Unternehmen in der Regel diejenigen Lösungen, für die ein Anbieter verlässlichen Support biete. Insofern könne von Unabhängigkeit nur bedingt die Rede sein. Auch die theoretische Möglichkeit, den Sourcecode zu verändern, erweise sich in der Praxis schnell als problematisch. Velten: "Wenn ein Red-Hat- oder Novell-Kunde eigenhändig Änderungen an den Server-Produkten vornimmt, übernehmen die Anbieter keine Verantwortung mehr."
Novell-Vermarkter Jores sieht durchaus strategische Vorteile jenseits des Kostenarguments. Beispielsweise gebe es eine Reihe technischer Vorzüge von Open-Source-Servern, die wiederum den Wartungsaufwand beeinflussten. Betrachte man den Aspekt der Commoditization bei der Server-Hardware, könnten Unternehmen damit sehr wohl die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller verringern. Ähnliches gelte für Betriebssystem-Plattformen wie Linux: IT-Verantwortliche könnten unter mehreren Produkten wählen und zudem leicht den Lieferanten wechseln.
Unterm Strich zählen all diese Argumente herzlich wenig, hält Gartner-Experte Dawson dagegen: "Unternehmen wollen Einsparungen sehen, wenn sie Open Source einsetzen, und zwar jetzt!" Auch wegen der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage müssten sich Kosteneffekte spätestens nach zwei bis drei Quartalen einstellen.
Prüfen Sie, wie sich die in Frage kommenden Open- und Closed-Source-Lösungen skalieren lassen und welche Kosten entstehen, wenn zusätzliche Nutzer eingebunden werden.
Berücksichtigen Sie Integrationskosten, wenn viele verschiedene quelloffene und Closed-Source-Komponenten im Einsatz sind.
Nutzen Sie das Itil-Framework, um IT-Prozesskosten zu standardisieren und herauszufinden, in welchen Prozessschritten Kosten anfallen.
TCO-Modelle (Total Cost of Ownership) der großen Beratungshäuser sind oft komplex und teuer. Sie müssen aufwändig an individuelle Gegebenheiten angepasst werden. Nutzen Sie abgespeckte Modelle oder entwickeln Sie eine eigene Methode, um die Betriebskosten über die gesamte Laufzeit der Software zu ermitteln.
Verwenden Sie System-Management-Tools, um eine realistische Datenbasis für einen Kostenvergleich zu erhalten.
Achten Sie vor der Entscheidung für ein Open-Source-Produkt auf die Lizenz- oder Nutzungsbedingungen der jeweiligen Community oder des Anbieters.
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation Computerwoche.
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