06.10.2012, 08:01

Peter Stelzel-Morawietz

Auf die Tube drücken

Schnellerer Upload spricht für Wechsel der Technik

Wie schon VDSL bieten auch die beiden übrigen Leitungsarten neben dem schnelleren Zugang zum Internet eine höhere Upload- Bandbreite. Beim Fernsehkabel, in der Regel einfach „Kabel“ genannt, unterscheidet sich der Upload von Anbieter zu Anbieter. So hat beispielsweise Kabel Baden-Württemberg vor der Übernahme durch Unitymedia sogar den schnellen 100 000er Anschluss mit nur 2,5 MBit/s im Upload verknüpft. Unitymedia selbst, zuvor ausschließlich in Nordrhein- Westfalen und Hessen aktiv, bietet immerhin das Doppelte. Kleine Kabelanbieter ohne flächendeckende Versorgung liefern zum Teil höhere Bandbreiten.
Das aber ist nichts im Vergleich mit dem, was beim Glasfaseranschluss technisch möglich ist. Zwar orientieren sich die Anbieter von FTTH (Fibre to the home: bis in die Wohnung) und FTTB (Fibre to the building: ins Haus) derzeit an den marktüblichen Strukturen der VDSL- und Kabelwettbewerber mit maximal 10 MBit/s im Upload. Theoretisch seien jedoch schon jetzt ohne Weiteres 60 MBit/s möglich, versichert Professor Hartwig Tauber, Chef beim Interessenverband FTTH Council Europe. Auch in der Gegenrichtung, also beim klassischen Herunterladen, gilt die Glasfaserleitung mit maximal rund 1000 MBit/s als derzeit schnellste Zugangsmöglichkeit ins Internet.
Ein Glasfaserzugang kommt jedoch in Deutschland bisher nur für eine Minderheit in Frage. Denn während in Slowenien, Schweden, Norwegen und Litauen schon heute zwischen 10 und 25 Prozent der Haushalte per Glasfaser surfen, liegt die Quote hierzulande nach Angaben des FTTH Councils bei etwa 0,4 Prozent. Allerdings ist die Versorgung mit dieser Technik regional sehr unterschiedlich: So versorgen die großen Provider Hansenet, Wilhelm Tel, M-Net und Net Cologne vor allem Hamburg, den Raum Köln-Bonn sowie München und einige bayerische Gebiete. Die Deutsche Telekom bietet punktuell ebenfalls Glasfaseranschlüsse, doch das ursprüngliche Ziel, bis Ende 2012 rund ein Zehntel der deutschen Haushalte über das schnelle Lichtleiternetz zu versorgen, hat man längst aufgegeben – das wären rund vier Millionen Anschlüsse gewesen, jetzt sind einige hunderttausend geplant.
Kritiker sprechen deshalb nach vielen Ankündigungen des Unternehmens spöttisch von FTTPR für „Fibre to the Press Release“. Die Preise für Glasfaseranschlüsse liegen übrigens auf dem Niveau schneller Kabel- oder VDSL-Verbindungen: Je nach Anbieter gibt es die Doppel-Flatrate monatlich ab circa 30 oder 35 Euro, meist als 100 000er Anschluss. Während Glasfaseranschlüsse in Deutschland noch ein Nischendasein führen, sieht die Versorgung mit schnellem Internet über das Fernsehkabel sehr viel besser aus. Der Versorger Kabel Deutschland, der bis auf die drei Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Hessen das gesamte Bundesgebiet versorgt, hat zugesagt, bis zur Jahresmitte „Internetanschlüsse mit bis zu 100 MBit/s nahezu in seinem gesamten Internetausbaugebiet einzuführen“.
Die 50-MBit-Lüge - Rentiert sich Glasfaser wirklich?

Die Verfügbarkeit prüfen – so gut das eben geht

Schnelles Internet oberhalb der DSL-Geschwindigkeit von 16 MBit/s ist derzeit bei weitem noch nicht überall verfügbar. Eigentlich, so könnte man meinen, sollte die Sache einfach sein: Über eine Verfügbarkeitsprüfung im Internet ließe sich feststellen, ob ein Anschluss mit der gewünschten Geschwindigkeit an der gewünschten Adresse verfügbar ist oder nicht.
So weit die Theorie, die Praxis ist allerdings weitaus komplizierter. So kommt es insbesondere beim VDSL-Anschluss auf die Entfernung zum Verteiler an. Pauschale Verfügbarkeitsprüfungen, bei denen – wie beispielsweise beim Vergleichsportal Verivox.de –lediglich die eigene Vorwahl einzugeben ist, sind deshalb völlig sinnfrei.
Wenn Sie bei einem solchen Vergleich einen Kabel-Provider wählen, wird Ihnen unter Umständen suggeriert, dass alles klar ginge, obwohl der Kabelanbieter das Signal gar nicht in die Wohnung liefern kann. Sie füllen also alle erforderlichen Formularfelder mit Ihren persönlichen Daten und Ihrer Bankverbindung aus und schicken den Auftrag ab. Internet per Kabel bekommen Sie dennoch nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hat nämlich noch überhaupt keine Prüfung auf die tatsächliche Verfügbarkeit hin stattgefunden.
Formal teilten bisher die drei genannten Kabelanbieter das Bundesgebiet untereinander auf. Nach der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg durch den Konkurrenten Unitymedia sind es nur noch zwei. Danach ist Hessen zum Beispiel „Unitymedia- Gebiet“, Bayern dagegen wird von Kabel Deutschland versorgt. Diese Grobeinteilung verwenden nach wie vor einige Vergleichsportale im Internet als Verfügbarkeitsgrundlage. Tatsächlich existieren jedoch inzwischen zahlreiche kleine Kabelgesellschaften, die ihre Dienste nur in bestimmten Orten und Städten quer durch die gesamte Republik anbieten.
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