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Schnellere Updates für Linux-PCs auf gleicher Basis

24.10.2014 | 12:05 Uhr |

Betreiben Sie mehrere Linux-Rechner mit derselben Basis, kostet das Aktualisieren dieser Computer Bandbreite und Zeit. Dabei sind viele der zu installierenden Pakete auf allen PCs identisch. Apt-Cacher-ng reduziert die Downloads und beschleunigt die Updates.

Sie brauchen kein Firmennetz, um von folgender Anleitung zu profitieren: Schon mit zwei Ubuntus 14.04 LTS und einem Linux Mint 17 gehören Sie zum Kandidaten für Apt-Cacherng: Alle drei Rechner teilen sich dieselbe Basis. Somit ist es Ressourcen-Verschwendung, wenn alle etwa die neueste Firefox-Version separat aus dem Internet herunterladen. Eine einzige Kopie des Pakets im Netzwerk reicht vollkommen.

Was ist Apt-Cacher-ng?

Apt-Cacher-ng ist ein Repository-Proxy im lokalen Netz, der keinen Apache-Server voraussetzt und somit die Konfiguration stark vereinfacht. Die Linux-Clients kontaktieren dann nicht die Online-Repositories der Distribution, sondern den Netz-Server, auf dem Apt-Cacher-ng läuft. Ist das gewünschte Paket auf dem Proxy, bedient sich der PC im lokalen Netz. Fehlt ein Paket, holt Apt-Cacher-ng dieses ab und speichert es allerdings für die nächste Anfrage. Sobald ein zweites System das Paket anfordert, liegt es bereits im lokalen Netz.

Apt-Cacher-ng ist speziell für Debian-Systeme und Derivate entwickelt, also auch Ubuntu, Linux Mint und weitere. Eine Apt-Cacher-Instanz kann mehrere Versionen verwalten und legt dazu entsprechende Sektionen an. Nehmen wir an, Sie haben zwei Computer mit Ubuntu 14.04, zwei mit Linux Mint 17 und zwei mit Debian 7 im Einsatz. Nun würden sich die Ubuntu und Mint-Rechner die Basis-Programme wie Firefox und Thunderbird teilen. Spezielle Pakete aus den Mint-Repositories verwenden die Mint-Rechner gemeinsam. Die beiden Debian-Computer werden separat von Apt-Cacher-ng verwaltet. Die gesparte Bandbreite liegt dann je nach Paket und Konstellation zwischen 50 und 75 Prozent.

Hinweis: Zwei Systeme mit unterschiedlichen Architekturen sind für Apt-Cacher-NG komplett verschiedene Systeme, denn die Pakete für 32 Bit unterscheiden sich von den äquivalenten 64-Bit-Varianten.

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Server-Wartung: Via Konfigurationsseite löschen Sie mit „Delete unreferenced“ alle veralteten Pakete auf dem Server. Diese Wartungsprozedur sollten Sie periodisch durchführen.
Vergrößern Server-Wartung: Via Konfigurationsseite löschen Sie mit „Delete unreferenced“ alle veralteten Pakete auf dem Server. Diese Wartungsprozedur sollten Sie periodisch durchführen.

Installation und Wartung des Cache-Servers

Apt-Cacher-ng kann, aber muss nicht auf einem dedizierten Server liegen. Natürlich muss der Computer mit Apt-Cacher-ng möglichst permanent erreichbar sein, da die zu aktualisierenden Computer sonst nicht mit der Software kommunizieren können. Aus diesem Grund ist es auch notwendig, dass der Cache-Server entweder eine feste IP-Adresse besitzt oder anderweitig immer exakt gleich ansprechbar ist. Möglich wäre zum Beispiel Zeroconf. Wir haben unserem Cache-Server in den Netzwerkeinstellungen die IP-Adresse 192.168.100.3 verpasst. Den Depot-Proxy installieren Sie zunächst mit der Zeile

sudo apt-get install apt-cacher-ng

Die Software ist sofort voll einsatzfähig. Sie können sich zunächst überzeugen, dass Apt-Cacher NG erreichbar ist. Das Programm lauscht auf Port 3142. Öffnen Sie daher einen Browser, und geben Sie in die Adresszeile http://192.168.100.3:3142 ein.

„192.168.100.3“ ist unsere Beispiel-IP, die Sie entsprechend anpassen müssen. Funktioniert der Aufruf nicht, könnte eine Firewall (Server, Router) im Weg sein.

Sicherheitshinweis: Im Prinzip kann jeder im gleichen LAN Apt-Cacher NG konfigurieren. Je nach Umfeld sollten Sie daher für die Webschnittstelle ein Passwort hinterlegen. Editieren Sie dafür als Benutzer root die Datei „/etc/apt-cacher-ng/security.conf“. In dieser Datei muss lediglich eine Zeile mit der Syntax stehen:

AdminAuth: [Admin]:[Passwort]

Die Stellvertreter „Admin“ und „Passwort“ müssen Sie durch die passenden Authentifizierungsdaten ersetzen.

Server warten: Die Startseite des Servers bietet den Link „Statistics report and configuration page“. Alle Optionen zu erklären, würde den Rahmen des Artikels deutlich sprengen. Besonders aufschlussreich sind etwa in der Mitte die „Direct actions“. Mit „Show unreferenced“ lassen Sie sich die Pakete anzeigen, die gespeichert, aber veraltet sind. „Delete unreferenced“ löscht diese Pakete. Sie sollten diese Aktion gelegentlich durchführen, um Platz zu schaffen. Für die direkte Kontrolle des Paketbestands sollten Sie wissen, dass Apt-Cache-ng die Dateien auf dem Server unter „/var/cache/aptcacher-ng/“ ablegt.

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Im Verzeichnis „/var/cache/apt-cacher-ng“ finden Sie alle Pakete, die Apt-Cacher gespeichert hat. Die verschiedenen Repositories sind logisch unterteilt.
Vergrößern Im Verzeichnis „/var/cache/apt-cacher-ng“ finden Sie alle Pakete, die Apt-Cacher gespeichert hat. Die verschiedenen Repositories sind logisch unterteilt.

Die Konfiguration der Clients

Wie auf der Startseite von Apt-Cacherng zu lesen, gibt es zwei Methoden, die Clients zu konfigurieren. Zum einen können Sie die Quell-Listen in der entsprechenden Syntax auf den Proxy umleiten. Diese „Sources“ liegen bei den meisten Systemen im Verzeichnis „/etc/apt/“. Nutzen Sie zum Beispiel eine Quelle „deb http://ftp.debian.org/debian stable main contrib non-free“, würde diese nun folgendermaßen umgeleitet: „deb http://192.168.100.3:3142/ftp.debian.org/debian stable main contrib non-free“.

Bei modernen Systemen ist es allerdings eleganter, die Konfiguration von apt zu ändern. Unter Ubuntu 14.04 oder Linux Mint 17 können Sie dazu eine Datei „02proxy“ im Verzeichnis „/etc/apt/apt.conf.d/“ anlegen. Dort hinterlegen Sie für unser Beispiel die Zeile:

Acquire::http { Proxy "http://192.168.100.3:3142"; };

In diesem Fall müssen Sie nicht die zahlreichen Quellen ändern. Sollten neuen Quellen wie etwa PPAs hinzukommen, würden diese auch gleich über den Proxy laufen. Diese Methode ist für einen Standard-Client klar zu bevorzugen.

Damit ist nun der Client ebenfalls konfiguriert, und apt-get sowie die grafischen Paket-Manager adressieren ab sofort den Apt-Cache-ng-Server. Der erste Aufruf dauert etwas, weil der Server den Cache über das Internet füllen muss. Sie können das testen.

Führen Sie im ersten Client den Befehl apt-get update aus, und warten Sie den Prozess ab. Danach führen Sie die Prozedur vom nächsten Client mit derselben Systembasis durch. Bei langsameren Internetverbindungen ist der Zeitgewinn enorm.

Client warten: Clients holen sich die Pakete vom Server und legen diese lokal im Verzeichnis „/var/cache/apt/archives/“ ab. Das ist doppelt gemoppelt, da alle .deb-Dateien ja bereits auf dem Server liegen. Aus diesem Grund können Sie diese am Client-System automatisch löschen lassen. Unter Ubuntu ist dafür die Datei „/etc/apt/apt.conf.d/10periodic“ zuständig. Hier finden Sie eine Zeile

APT::Periodic::AutocleanInterval "0";

Mit „0“ wird der lokale Cache niemals automatisch gelöscht. Eine „1“ löscht täglich, eine „7“ alle sieben Tage, also wöchentlich. Die Methode gleicht sudo apt-get autoclean : Es werden lediglich veraltete Pakete gelöscht. Wollen Sie den kompletten Cache auf dem Client löschen, verwenden Sie sudo apt-get clean .

Noch ein Tipp: Auch das Server-System kann gleichzeitig Client sein. Sie sollten es daher für die Updates ebenfalls auf den Cache-Proxy verweisen.

Homepage Apt-Cacher-ng: www.unix-ag.uni-kl.de/~bloch/acng/

Automatische Updates und Löschen des Caches unter Ubuntu:

https://help.ubuntu.com/12.04/serverguide/automatic-updates.html

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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