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Schnell surfen: Alle Zugangs-Techniken im Vergleich

22.03.2015 | 08:44 Uhr |

Wo liegen die Unterschiede zwischen den Breitband-Techniken DSL, VDSL, Vectoring, Kabelanschluss, LTE & Co? Hier erfahren Sie es.

Leitungsgebunden: (V)DSL, TV-Kabel und Glasfaser

Leitungsgebundene Internet-Anschlüsse haben den Vorteil einer stabilen und je nach Anschlussart und -ort auch hohen Bandbreite zum moderaten Preis. Als Übertragungsmedium kommt entweder die Telefonleitung, das TV-Kabel oder eine Glasfaser zum Einsatz.

DSL setzt bekanntermaßen auf die Telefonleitung auf. Für die Geschwindigkeit von DSL sind im Wesentlichen zwei Faktoren entscheidend: die Leitungslänge und das verwendete Übertragungsverfahren, also ADSL, ADSL2+ (beide in Deutschland nur „DSL“ genannt) oder VDSL2 beziehungsweise VDSL2 mit Vectoring (beide in Deutschland nur „VDSL“ genannt).

Mit Leitungslänge ist die Länge des Telefonkabels bis zur DSL-Gegenstelle des Providers gemeint. Je größer die Distanz, desto schwächer und störanfälliger wird das Signal - bis es irgendwann nicht mehr nutzbar ist.

ADSL(2+)-Gegenstellen befinden sich in der Regel in den Telefon-Hauptverteilern („Vermittlungsstellen“), von denen es normalerweise ein bis zwei pro Stadt oder Stadtteil gibt. Um höhere Geschwindigkeiten zu ermöglichen, muss die DSL-Gegenstelle näher an den Kunden rücken. Das ist in einigen Städten auch schon geschehen. Die Telekom und einige andere Netzbetreiber haben dort in die Kabelverzweiger am Straßenrand sogenannte Outdoor-DSLAMs eingebaut.

Modernisierter Kabelverzweiger: Die darin integrierte Technik und deren Anbindung ans Glasfasernetz ermöglichen VDSL mit 50 MBit/s und teilweise auch schon mit 100 MBit/s.
Vergrößern Modernisierter Kabelverzweiger: Die darin integrierte Technik und deren Anbindung ans Glasfasernetz ermöglichen VDSL mit 50 MBit/s und teilweise auch schon mit 100 MBit/s.
© Deutsche Telekom

Die Leitungslänge verkürzt sich dadurch auf wenige hundert Meter. Dadurch sind mit dem Übertragungsverfahren VDSL Übertragungsraten von bis zu 50 MBit/s möglich und mit VDSL-Vectoring bis zu 100 MBit/s. Wer häufig große Dateien versendet oder hochlädt, profitiert bei VDSL zudem von einem wesentlich höheren Upload-Tempo. Denn während bei ADSL2+ bei 1 bis 2,4 MBit/s Schluss ist, kommt VDSL in Senderichtung auf 5 bis 10 MBit/s und VDSL-Vectoring auf bis zu 40 MBit/s.

Allerdings ist es teuer und zeitaufwendig, alle Kabelverzweiger in Deutschland auf VDSL beziehungsweise VDSL-Vectoring aufzurüsten. Das liegt nicht nur an der nötigen Technik, sondern auch daran, dass erst einmal Glasfaserleitungen dorthin gelegt werden müssen, die die großen Datenmengen dann blitzschnell vom und zum Internet-Knoten des Anbieters übertragen. Daher ist die Technik bislang vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten anzutreffen.

Die Telekom hat aber angekündigt, bis Ende 2016 VDSL mit Vectoring für 24 Millionen Haushalte in Deutschland verfügbar zu machen. Den aktuellen Ausbaustatus können Sie über www.telekom.de/netzausbau abfragen (in der rechten Navigation „Festnetz“ auswählen“). Da auch die Konkurrenten, zum Beispiel Vodafone, 1&1 und O2 das VDSL-Netz der Telekom mitnutzen, sind Sie nicht auf die magenta angehauchten Tarife festgelegt.

Internet via TV-Kabel: 200 MBit/s in der Spitze

TV-Kabelanschlüsse basieren auf ordentlich abgeschirmten Koaxialkabeln, über die sich rein technisch gesehen mehrere GBit/s an Internet-Daten sowie Telefon-Gespräche parallel zum TV-Signal zu übertragen lassen. Die Länge der Leitung spielt für die Geschwindigkeit eine wesentlich geringere Rolle als bei DSL.

Da die TV-Kabel, wie es der Name schon sagt, anfangs nur für die Übertragung von Fernsehen gedacht waren, sind beziehungsweise waren die meisten Netze baumartig aufgebaut: Von einem Kabelstamm pro Straße, Ortsteil oder Ort zweigen mehrere Äste zu den Häusern ab. Und vom Hausanschluss gibt es (bei Mehrfamilienhäusern) wiederum einen langen Strang, von dem die Kabel zu den einzelnen Wohnungen abgehen.

Alle Benutzer, die am gleichen Hauptstrang hängen, erhalten also die gleichen Signale und teilen sich somit die verfügbare Gesamtbandbreite. Was für die klassische Fernseh-Verbreitung ideal war, ist in Zeiten von Internet zum Problem geworden. Denn über seinen Internet-Zugang ruft ja jeder Kunde individuell Daten ab. Idealerweise sollte also auch jeder eine individuelle beziehungsweise direkte Verbindung zum Internet-Knoten des Zugangs-Anbieters besitzen.

Keine Kompromisse: Fritzboxen gibt es auch in Varianten für den Kabelanschluss. Schon jetzt sind damit Übertragungsraten von 200 MBit/s möglich – und zukünftig noch mehr.
Vergrößern Keine Kompromisse: Fritzboxen gibt es auch in Varianten für den Kabelanschluss. Schon jetzt sind damit Übertragungsraten von 200 MBit/s möglich – und zukünftig noch mehr.
© AVM

Die Kabelnetzbetreiber lösen das Problem, indem sie ihre Netze auf eine Stern-Struktur umgerüstet haben oder noch umrüsten. So wird jedes Haus oder zumindest jeder Straßenzug direkt an den Kabel-Hauptverteiler angebunden, der seinerseits über eine Glasfaserleitung mit dem Internet verbunden ist. Dadurch teilt sich nur noch eine überschaubare Anzahl an Anwendern die Leitungskapazität, die wie erwähnt mehrere GBit/s umfasst. Je dichter das Netz wird, desto mehr Geschwindigkeit kann der Anbieter dem einzelnen Anwender zuweisen. Aktuell bewegen sich die angebotenen Tarife bei der Maximalgeschwindigkeit im Bereich von 100 bis 200 MBit/s beim Download und bis zu 12 MBit/s beim Upload.

In naher Zukunft werden sogar Download-Geschwindigkeiten von 400 MBit/s pro Anschluss machbar sein.Bei den Upload-Geschwindigkeiten hinkt das TV-Kabel allerdings den Möglichkeiten von Vectoring-VDSL hinterher.

Die Preise für Komplettpakete mit Internet-Flatrate und kostenlosen Telefongesprächen ins deutsche Festnetz sind trotz höherer Geschwindigkeit nicht teurer als vergleichbare DSL-Tarife. Ein Kabel-TV-Vertrag zum Fernsehen ist übrigens bei den meisten Anbietern keine Voraussetzung für Internet und Telefon via Kabelanschluss.

Glasfaser: Der teure Alleskönner unter den Leitungen

Während bei DSL- und Kabel-Anschlüssen die Daten elektrisch übertragen werden, kommen bei Glasfaser-Übertragungen Lichtimpulse zum Einsatz. Die Bandbreite von Licht ist sehr hoch, daher lassen sich auch extrem viele Daten pro Zeiteinheit übertragen. Eine weitere Stärke liegt in der Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen. Die gängige Datenrate von Glasfasern liegt im zwei bis dreistelligen Gigabit-Bereich. Unter Idealbedingungen sind sogar mehrere Terabit pro Sekunde drin.

Aber es ist sehr teuer, die Leitungen in jedes Haus und in jede Wohnung zu legen. Wenn keine Leerrohre vorhanden sind, müssen dafür Gehwege und Vorgärten aufgerissen werden. Und das geht natürlich nur, wenn die Hauseigentümer oder Eigentümergemeinschaften die Genehmigung dazu erteilen. Nicht zu vernachlässigen ist  bei Mehrfamilienhäusern die kleinteilige Inhouse-Verkabelung, die kleinteilig ist und sich damit ebenfalls aufwendig gestaltet.

Daher bevorzugen Telekommunikationsunternehmen momentan Verfahren, bei denen die Glasfaser nicht bis in die Wohnung geführt wird (FTTH – Fiber to the home). Dazu zählen einerseits FTTC (Fiber to the curb), also Glasfaser bis an den Verteilerkasten am Straßenrand (VDSL). Die nächste Ausbaustufe wäre FTTB (Fiber to the building). Das heißt, die Glasfaser endet im Keller und wird von dort aus auf die bestehende Hausverkabelung (TV-Koaxialkabel oder Telefonleitung) umgesetzt. Hier sind dann Bandbreiten bis 1 GBit/s möglich.

Dass die Leitungen Turbo-Geschwindigkeiten hergeben, heißt allerdings noch lange nicht, dass die Anbieter sie auch jedem zur Verfügung stellen. Solch schnelle Zugänge erhalten in der Regel nur Unternehmen, die bereit sind, mehrere hundert Euro pro Monat dafür auszugeben und gegebenenfalls auch die Erschließung mitzufinanzieren. Da von Privatkundenseite aus noch so gut wie keine Nachfrage nach Zugängen im Gigabit-Bereich existiert, haben die Anbieter auch noch keine entsprechenden Tarife im Angebot. Die Spitze markierte zum Zeitpunkt der Recherche M-Net mit einem 300-MBit/s-Angebot für 69,90 Euro im Monat.

UMTS & LTE: Schnelles Internet per Handynetz

Auch per Mobilfunk, genauer gesagt über die Datenübertragungs-Standards UMTS/HSPA und LTE, lassen sich Daten schnell übertragen. Per UMTS beziehungsweise dessen Beschleunigungs-Technik HSPA sind theoretisch Download-Raten von 42 MBit/s und Uploads mit maximal 5,76 MBit/s möglich. Bei LTE werden Datenraten von bis zu 300 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload beworben.

Die großflächige Funkversorgung hat allerdings das Problem, dass sich alle Kunden, die zur gleichen Zeit im gleichen Netz, in der gleichen Funkzelle und mit der gleichen Technologie (3G/UMTS oder 4G/LTE) Daten übertragen, sich die maximale Bandbreite teilen müssen. Sie wird außerdem dadurch begrenzt, dass für jedes Übertragungsverfahren immer nur eine gewisse Anzahl an Frequenzen zur Verfügung steht. In Ballungsgebieten und dort, wo UMTS- oder LTE genutzt wird, weil es keine schnellen leitungsgebundenen Anschlüsse gibt, sind die Funknetze aktuell oftmals schon überlastet, vor allem abends.

LTE verspricht Übertragungsraten von bis zu 300 MBit/s. Aufgrund von Kapazitätsengpässen liegt die tatsächliche Geschwindigkeit aber oft darunter. Außerdem kommt eine Volumendrosselung zum Einsatz.
Vergrößern LTE verspricht Übertragungsraten von bis zu 300 MBit/s. Aufgrund von Kapazitätsengpässen liegt die tatsächliche Geschwindigkeit aber oft darunter. Außerdem kommt eine Volumendrosselung zum Einsatz.
© Deutsche Telekom

Damit sich die Situation nicht noch weiter verschärft, sind bei Mobilfunk-Datentarifen Drosselungsklauseln an der Tagesordnung: Wer ein bestimmtes Kontingent an Transfervolumen überschreitet, wird für den Rest des Monats ausgebremst. Bei LTE-Tarifen, die als DSL-Ersatz vermarktet werden, liegt die gedrosselte Geschwindigkeit üblicherweise bei 384 Kbit/s. Damit kann man gerade noch mit etwas Geduld im Web surfen und Videos in niedriger Auflösung anschauen.

Noch extremer fällt die Reduktion bei herkömmlichen Mobilfunk-Datentarifen aus: 64 KBit/s taugen allenfalls noch zum langsamen Surfen auf schlanken mobiles Websites und zum Versand und Empfang von E-Mails ohne große Anhänge. Immerhin lässt sich bei immer mehr Tarifen die Drosselung gegen eine Zusatzgebühr vorübergehend aufheben.

Internet aus dem Himmel: Satellit als „überall“ verfügbare Alternative

Letzter Strohhalm für Anwender, bei denen keine andere Technologie mit der gewünschten Geschwindigkeit verfügbar ist, ist Internet via Satellit. Hier sind Übertragungsraten bis zu 22 MBit/s Sekunde drin. Da aber auch die Kapazitäten der Satelliten begrenzt sind, greifen die meisten Anbieter, zum Beispiel Eusanet , Sat Internet und Stardsl zu Drosselungs-Techniken. Entweder gibt es feste GB-Grenzen oder eine „Fair Use Policy“, die bei datenintensiver Nutzung das Tempo vorübergehend absenkt. Manchmal wird auch eine Kombination aus beidem genutzt. Ohne beide Einschränkungen kommt laut eigenen Angaben der Anbieter Skydsl aus.

Besser als gar nichts: Internet via Satellit hat zwar deutliche Nachteile gegenüber leitungsbasierten Internet-Anschlüssen, ist dafür aber quasi überall verfügbar.
Vergrößern Besser als gar nichts: Internet via Satellit hat zwar deutliche Nachteile gegenüber leitungsbasierten Internet-Anschlüssen, ist dafür aber quasi überall verfügbar.
© skyDSL

Ein Telefonanschluss auf VoIP-Basis lässt sich bei den Sat-Tarifen in der Regel hinzubuchen oder ist bereits inklusive. Zu beachten ist, dass aufgrund der langen Paketlaufzeit von rund 700 Millisekunden, die durch die Entfernung zum Satelliten entsteht, bei Telefonaten leichte Verzögerungen entstehen können. Deutlich spürbar wird sie in jedem Fall bei Online-Spielen, bei denen es auf schnelle Reaktionszeiten ankommt.

Abschreckend könnten für manche Nutzer auch die Kosten für die spezielle Satelliten-Anlage wirken, die ja nicht nur empfangen, sondern auch ins All senden können muss. Je nach Anbieter werden hier entweder Mietkosten zwischen 5 und 15 Euro im Monat oder einmalige Kosten in Höhe von 200 bis 400 Euro fällig.

Während Internet via Satellit flächendeckend verfügbar ist, sofern der Nutzer freie Sicht in Richtung des Satelliten hat und die Voraussetzungen für die Montage einer Schüssel gegeben sind, sieht es bei den Verfügbarkeiten der anderen Techniken regional höchst unterschiedlich aus. Wie, das verraten wir Ihnen im Beitrag " So schnell surft Ihre Stadt ".

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