03.02.2011, 13:15

Sebastian Jentsch

Sandy Bridge

Intel-Rückruf: Ist mein Notebook oder Mainboard betroffen?

Intel kämpft mit einem Alterungs-Defekt im aktuellsten Sandy Bridge-Chipsatz. Erfahren Sie, ob Ihr Notebook, Desktop-PC oder Mainboard betroffen ist.
Was Toyota sein Gaspedal und neuerdings seine Benzinleitung, das ist für Intel der SATA-2-Port im Sandy Bridge-Chipsatz. Toyota hat es bereits überstanden, jetzt muss die Chip-Schmiede Intel eine großangelegte Rückruf-Aktion starten. Die Auslieferung von Notebooks, Desktop-PCs und Mainboards mit besagtem Intel-Chipsatz wurde von den Herstellern gestoppt. Aber alles der Reihe nach. Wir wollen in diesem Artikel die Hintergründe des „defekten“ Sandy Bridge-Chipsatzes klären. Wenn Sie im Januar ein entsprechendes Produkt, z. B. einen Laptop, erworben haben, erfahren Sie hier, wie sie sich jetzt verhalten sollten.

Das Problem: Fehler am SATA-3GBit/s-Port

Der aktuellste PC-Chipsatz von Intel, die „Intel 6 Series Express“ für Sandy Bridge und Intel Xeon C200, haben einen Fehler am SATA-II-Controller. Dieser hat sechs Schnittstellen, woran intern (bei Notebooks) oder extern (bei Mainboards) Festplatten, DVD-Laufwerke oder externe eSATA-Ports angebunden sind. Exakt gesprochen sind nur die Ports 2 bis 5 mit 3 GBit/s (3G) betroffen. Die SATA-6G-Ports 0 und 1 (6 GBit/s) sind von diesem Defekt laut Intel nicht betroffen. An diesen Ports arbeiten wegen der höheren Bandbreite typischerweise die Systemfestplatte(n) (0).  Dies legen die Hersteller beim Layout des Mainboards oder der Konzeption des Notebooks aber individuell fest. Es kann also durchaus auch die Festplatte am defekten 3G-Port angebunden sein.
Über die Zeit im Gebrauch kann es zu einem schleichenden Defekt des SATA-II-Controllers kommen. Grund ist die schnelle Alterung einer zu dünnen Metalloxid-Schicht auf dem Taktgenerator des SATA-3G-Controllers (Ports 2 bis 5). Weil der SATA-6G-Controller (Ports 0 und 1) einen eigenen Taktgenerator besitzt, ist dieser nicht betroffen. Die Alterung kann besonders in thermisch stark belasteten Systemen wie Spiele-Notebooks oder Desktops beschleunigt werden.
 
Hersteller Gigabyte spricht von fünf Prozent betroffener Chipsätze. Demnach besteht sogar eine reale Chance, dass ihr System nie Probleme machen wird. Anders als bei Toyota ist zudem kein sicherheitsrelevantes Gaspedal betroffen. Dennoch: Alle Mainboards mit Cougar-Point-Chipsätzen (Sandy Bridge, Intel Xeon C200), die seit dem 9. Januar ausgeliefert wurden, müssen nach derzeitigem Kenntnisstand umgetauscht werden.
 
Folgen der Alterung: Leistungseinbußen bis Defekt
 
Intel und die Hersteller sprechen zwar noch keine eindeutige Sprache, jedoch ist ein Zeitraum von 36 Monaten im Gespräch. Am SATA-II-Controller angeschlossene Festplatten oder DVD-Brenner können in dieser Zeit unzuverlässig arbeiten, die Leistung kann sich fortschreitend verschlechtern und bei einem vollständigen Defekt kann das Speichermedium nicht mehr angesprochen werden.
 
Laut Aussage von Intels Pressereferent Thomas Kaminski wird ein möglicher Defekt nicht zur Datenkorruption führen (Fehler in übertragenen Daten). Ob es stattdessen zu einem plötzlichen Ausfall der SATA-Schnittstelle kommen kann, darauf wollte sich der Hersteller nicht festlegen.
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