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Sabayon: Leistungsstark mit Linux arbeiten

08.07.2013 | 14:01 Uhr |

Linux ist vielseitig, trotzdem braucht man oft mehrere Distributionen für den Alltag. Doch Sabayon Linux ist ein Alleskönner, das sich nicht nur für Profis eignet.

Vor dem bekannt schnellen Gentoo Linux schrecken viele zurück: Es hat nämlich nicht unbedingt den Ruf, einsteiger- und generell anwenderfreundlich zu sein. Genau hier setzen die Sabayon-Entwickler den Hebel an. Sie liefern unter anderem auch einen leistungsstarken und grafischen Paketmanager mit aus. Weiterhin ist Sabayon „Rolling“, so dass Sie es theoretisch nie wieder neu installieren müssen und trotzdem immer aktuelle Software auf dem Rechner haben. In Sachen Hardware-Unterstützung ist Sabayon ebenfalls ganz vorne dabei: Wir haben uns die große KDE- und die leichtgewichtige Core-CDX-Variante genauer angesehen. Installiert haben wir beide Varianten auf einer Zotac Zbox ID12. Dieser Minirechner bringt eine Intel Atom D525 1,8 GHz Dual-Core CPU und als Grafikkarte eine Intel GMA 3150 mit sich. Diese Komponenten finden Sie auch häufig in Netbooks wieder. Beide Varianten von Sabayon haben sämtliche Hardware erkannt.

Die Installation von Sabayon

Installation: Sie können Sabayon von Beginn an auf Deutsch umstellen. Aller- dings ist noch nicht alles zu hundert Prozent übersetzt. Die Bedienung ist dennoch komfortabel.
Vergrößern Installation: Sie können Sabayon von Beginn an auf Deutsch umstellen. Aller- dings ist noch nicht alles zu hundert Prozent übersetzt. Die Bedienung ist dennoch komfortabel.

Ob Sie nun ein besonders leistungsstarkes Desktop-System oder eine mobile Minimalversion von Sabayon einsetzen wollen, ändert nichts an der grundlegenden Prozedur: Zunächst benötigen Sie einen startfähigen USB-Stick. Sie können dazu das Tool Unetbootin verwenden. Haben Sie jedoch bereits ein laufendes Linux-System, raten wir Ihnen zum Einsatz des Kommandozeilenprogramms dd. Den Befehl führen Sie mit root-Rechten aus und er sollte so aussehen:

dd if=/Pfad/zu/Sabayon_Linux_CoreCDX_11_x86.iso of=/dev/sdX bs=64k

Nach dem if= geben Sie das ISO-Abbild an, und nach of= steht der Gerätename des USB-Sticks. Diesen finden Sie in der Regel mit dem Konsolenbefehl df heraus. Sollte das zu keinem Ergebnis führen, können Sie auch nach dem Einstecken des USB-Sticks dmesg verwenden und sehen hier den Gerätenamen. In den allerwenigsten Fällen ist es „sda“, weil es sich hier in der Regel um die Festplatte im Rechner handelt. Sollten Sie lediglich eine Festplatte haben und nur der USB-Stick eingesteckt sein, ist der Gerätename in den meisten Fällen „sdb“.

Vergewissern Sie sich aber doppelt, ob Sie das richtige Laufwerk beschreiben – das Tool dd überschreibt gnadenlos alle Daten auf dem Zielgerät.

Ein Assistent für alle: Ein großer Vorzug an dieser Distribution ist die Tatsache, dass der Installations-Assistent für alle Desktop-Varianten gleich ist. In den Desktop-Varianten wie zum Beispiel in der hier getesteten KDE-Version können Sie den Installations-Assistenten einfach mit der Maus aufrufen. In der Core-CDX-Ausgabe ist die Software etwas versteckt. Klicken Sie hier mit der rechten Maustaste auf eine freie Fläche auf dem Desktop und danach auf den ersten Menüpunkt, der sich „xterm“ nennt. Damit öffnen Sie eine Terminal-Emulation. Hier führen Sie nun einfach den Befehl installer aus. Wahlweise können Sie auch direkt im Boot-Menü den Installer auswählen ,und das Betriebssystem springt direkt in den Assistenten.

Tipps und Tricks zum Linux-Desktop

Anweisungen folgen: Der Installations-Assistent ist nicht komplett Deutsch übersetzt. Wenn Sie Ubuntu oder eine andere Linux-Distribution schon einmal installiert haben, kommen Sie aber auch mit dem Sabayon-Installer zurecht. Die Software nimmt Sie an die Hand, und Sie müssen lediglich die einzelnen Schritte durchlesen und entsprechende Entscheidungen treffen. Der trickreichste Teil ist wie bei jeder Installation eines Betriebssystems das Partitionieren der Festplatte.

Ubuntu im Vergleich

Ubuntu ist eine der ganz wenigen Distributionen, die ähnliche viele Gesichter hat wie Sabayon. Kubuntu, das Ubuntu mit KDE-Desktop, ist etwa mit der hier vorgestellten Desktop-Version von Sabayon zu vergleichen.

Das mit LXDE ausgestattete Lubuntu eignet sich als schnelles und leichtgewichtiges Mobilsystem. Ubuntu ist konservativer bezüglich neuester Software-Versionen. Allerdings können Sie durch das manuelle Hinzufügen der sogenannten PPAs ebenfalls immer aktuelle Pakete für bestimmte Software erhalten.

Der Vorteil hierbei ist, dass sie gezielter aussuchen können, welche Programme auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Der Nachteil gegenüber Sabayon ist, dass Sie jedes einzelne PPA manuell hinzufügen müssen.

Nach der Installation: Da Sabayon eine Rolling-Distribution ist, gibt es laufend aktualisiere Pakete. Aus diesem Grund meldet sich das System nach dem ersten Anmelden in Form eines kleinen gelben Schildes mit einem Ausrufezeichen.

Bei unserer KDE-Installation waren satte 571 Systemaktualisierungen verfügbar. Die Aktualisierung kann je nach Internetgeschwindigkeit etwas dauern. Den Vorteil bei einer Rolling-Distribution, immer aktuellere Pakete geliefert zu bekommen, büßen Sie mit dem Nachteil ein, dass häufiger größere Updates aufschlagen. Das geht nicht immer auf Anhieb gut: In unserem Fall startete nach den Updates die grafische Oberfläche nicht mehr. Der Bildschirm blieb schwarz und lieferte nur einen schwarzen Cursor.

In solchen Pannenfällen wechseln Sie mit der Tastenkombination Strg-Alt-F1 zur Konsole. Hier geben Sie den Befehl
sudo equo upgrade
ein, der eine Aktualisierung ohne grafische Oberfläche durchführt. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, startet das System wieder normal.

Komplettes Desktop-System

Kontact spielt nach etwas Feinschliff auch gut mit dem Google-Konto zusammen. Kalender und Aufgaben synchronisieren sich sofort nach erfolgreicher Einrichtung.
Vergrößern Kontact spielt nach etwas Feinschliff auch gut mit dem Google-Konto zusammen. Kalender und Aufgaben synchronisieren sich sofort nach erfolgreicher Einrichtung.

Die KDE-Version von Sabayon bietet eine komplette Desktop-Umgebung mit viel vorinstallierter Open-Source-Software an. In Sachen Büroprogramme bietet Sabayon KDE unter anderem Libre Office 4 und Kontact. Kleinere Software-Probleme sind relativ leicht auszumerzen.

So startet Kontact mit einer Fehlermeldung, die auf einen inkorrekten Datenbank-Treiber zurückzuführen ist. Öffnen Sie hierfür die entsprechende Konfigurations-Datei:
nano ~/.config/akonadiserverrc

Ändern Sie ganz oben den Parameter „Driver=QSQLITE3“ zu „Driver=QMYSQL“. Speichern und schließen Sie die Datei mit Strg-O und Strg-X. Nun startet Kontact ohne Probleme. Wollen Sie nun zum Beispiel einen neuen Termin anlegen, müssen Sie zunächst einen Kalender anlegen. Das funktioniert via „Einstellungen > Kalender einrichten > Kalender > Hinzufügen“. In unserem Test, ein Google-Konto zu verwenden, meckerte das System, dass die digitale Brieftasche KWallet nicht aktiv ist. Diesen Umstand merzen Sie aus, indem Sie über die „Systemeinstellungen > Benutzerkontodetails > Digitale Brieftasche“ eine neue Standardbrieftasche anlegen.

Paketmanager: Gentoo Linux verwendet normalerweise Portage als Paketmanager, der unter Sabayon auch zur Verfügung steht. Per Standard setzt die Distribution auf das hauseigene Entropy. Die Entwickler empfehlen, sich für einen Paketmanager zu entscheiden und die beiden nicht zu vermischen. Entropy mit dem GUI-basierten Rigo ist auf jeden Fall angenehmer zu bedienen. Ein Schnellstart-Symbol für Rigo liegt auf dem Desktop, das Sie einfach per Doppelklick starten. In der Eingabezeile ganz oben können Sie nun nach gewünschten Programmen suchen. Ist eine Applikation bereits installiert, markiert das Rigo durch ein kleines Rädchen rechts unten am Programm-Symbol. Ein Klick darauf gibt Ihnen die Möglichkeit, die Software zu deinstallieren. Äquivalent funktioniert das bei zu installierenden Programmen.

Das kann Ubuntu 13.04

Software-Installation: Wenn Sie ein Programm einspielen möchten, fragt das System nach, ob das für Sie so in Ordnung ist. Ein Klick oben auf „Akzeptieren“ startet den Vorgang. Sollte ein Programm mit einer noch nicht akzeptierten Lizenz eingespielt werden, müssen Sie dieses ebenfalls anerkennen. Klicken Sie hier auf „Immer Akzeptieren“, fragt Rigo für diese spezielle Lizenz nie wieder nach. Wollen Sie genaue Auskunft haben, was das System gerade macht, klicken Sie ganz unten auf „Zeig mir mal“.

XBMC: Das Betriebssystem bringt das wohl kompletteste Multimedia-Center für Linux per Standard mit sich. So wird der Computer zum Kino.
Vergrößern XBMC: Das Betriebssystem bringt das wohl kompletteste Multimedia-Center für Linux per Standard mit sich. So wird der Computer zum Kino.

Weitere Software: Als Standard-Browser verwenden die Sabayon-Entwickler Chromium. Alternativ ist Konqueror vorinstalliert, und Firefox können Sie wie bereits beschrieben aus dem Software-Lager installieren. Als Instant Messenger ist Kopete an Bord, das eine Vielzahl an Chat-Protokollen unterstützt.

In Sachen Multimedia befinden sich VLC Media Player und Clementine an Bord. Eine Besonderheit hier ist das per Standard installierte XBMC (Medien-Center). Damit verwandeln Sie Ihren Desktop in ein komplettes Multimedia-Zentrum. Sie können auch gleich bei der Anmeldung XBMC als Sitzung auswählen und sich damit den Umweg über den KDE-Desktop gänzlich ersparen.

KDE-Systemeinstellungen: Hierlässt sich einfach alles nach Gusto konfigurieren. Ein Stöbern in den Einstellungen lohnt sich, auch wenn es anfangs verwirrend erscheint.
Vergrößern KDE-Systemeinstellungen: Hierlässt sich einfach alles nach Gusto konfigurieren. Ein Stöbern in den Einstellungen lohnt sich, auch wenn es anfangs verwirrend erscheint.

System anpassen: KDE bedeutet gleichzeitig Segen und Fluch. Sie können theoretisch alles nach Ihren Wünschen konfigurieren. Wer das erste Mal mit KDE in Verbindung kommt, wird sicher durch die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten erschlagen. Allerdings lohnt es sich, diese Lernkurve zu erklimmen. Wollen Sie zum Beispiel auf Windows-Freigaben im eigenen Netzwerk zugreifen, können Sie einen Standard-Benutzernamen und -Passwort unter „Systemeinstellungen > Freigabe“ hinterlegen. Nun navigieren Sie zum Beispiel mit dem Dateimanager Dolphin durch Ihr Netzwerk, ohne durch weitere Kennwort-Abfragen belästigt zu werden. Unter „Systemeinstellungen > Verhalten der Arbeitsfläche > Bildschirmränder“ können Sie Mausaktionen hinterlegen. Stöbern Sie einfach in einer ruhigen Minute durch die verfügbaren Einstellungen, da es unglaublich viel zu entdecken gibt.

Schnellstart-Tipp: Die am häufigsten benutzten Programme hat man immer gerne in den Favoriten des Menüs. Sie fügen hier einen neuen Schnellstarter hinzu, indem Sie unter den Anwendungen mit der rechten Maustaste auf ein Symbol klicken und dann „Zu Favoriten hinzufügen“ auswählen. So lässt sich eine Anwendung auch auf den Desktop legen.

Minimales Core CDX

Fluxbox: Der Fenstermanager ist sehr sparsam mit den Ressourcen. Dafür ist dann und wann etwas Handarbeit notwendig, so etwa beim Anpassen des Menüs.
Vergrößern Fluxbox: Der Fenstermanager ist sehr sparsam mit den Ressourcen. Dafür ist dann und wann etwas Handarbeit notwendig, so etwa beim Anpassen des Menüs.

Diese Variante von Sabayon richtet sich definitiv nicht an Anfänger. Sie kommt mit sehr wenig Standard-Software und verwendet den schnellen und ressourcenschonenden Fenstermanager Fluxbox. Wir raten zu einer Ethernet-Verbindung, weil das Einrichten eines WLAN-Adapters über die Kommandozeile etwas heikel ist. Wollen Sie das dennoch tun, helfen die beiden enthaltenen Tools wpa_cli und wpa_passphrase.

Paketverwaltung: Das schon angesprochene Rigo ist per Standard in der schnellen Minimalversion nicht vorhanden, hat aber einen Verwandten auf der Kommandozeile. Wir haben equo bereits nach der Installation der KDE-Variante angesprochen. Damit können Sie alles tun, was Ihnen auch Rigo bietet. Eine komplette Liste mit allen möglichen Optionen erhalten Sie durch die Eingabe von equo --help . Beachten Sie bitte, dass sich die meisten Optionen von equo nur mit root-Rechten ausführen lassen. Entweder machen Sie sich mittels sudo su zum root, oder Sie geben sudo vor jedem einzelnen Befehl ein.

Aktualisieren und Installieren: Vor Installationen müssen Sie zunächst das Repositorium auf den neuesten Stand bringen:
equo update

Eine Systemaktualisierung führen Sie mittels quo upgrade durch. Wollen Sie ein spezielles Paket finden, sieht die Syntax so aus: equo search <Paketname> . Installation und Deinstallation erledigen die Befehle equo install <Paketname> und equo remove <Paketname> . Heruntergeladene Pakete entfernen Sie mittels equo cleanup .

SSDs unter Linux optimal eingesetzt

Fluxbox-Menü editieren: Nach der Installation eines Pakets fügt Fluxbox diese leider nicht seinem Menü hinzu. Das manuell zu erledigen ist aber nicht besonders schwer. Öffnen Sie hier nach dem Start von xterm die verantwortliche Datei:
nano .fluxbox/menu

Um beispielsweise den Browser Midori zu integrieren, müssen Sie einen Schnellstarter in die Untersektion „[submenu] (Browsers)“ einfügen. Die Syntax für das Ausführen eines Befehls sieht so aus: [exec] (Menüname) {Befehl}, also im konkreten Beispiel:
[exec] (midori) {midori}

Speichern Sie dann die Datei mit Strg-O, und beenden Sie den Editor nano mit Strg-X. Öffnen Sie nun das Fluxbox-Menü mit der rechten Maustaste, finden Sie den neuen Eintrag unter „Net - > Browsers“ wieder. Alternativ können Sie eine Software mit dem Namen Menumaker verwenden, um das Menü aktualisieren zu lassen. Das sucht automatisch nach Einträgen und fügt diese an. Es könnte aber sein, dass Sie nicht all diese Einträge auch haben möchten. Von daher ist das Tool mit Vorsicht zu genießen, und Sie sollten Ihre „menu“-Datei zur Sicherheit an eine andere Stelle kopieren.

Sabayon-Homepage: www.sabayon.org
Sabayon-FAQ auf Deutsch: http://wiki.sabayon.org/index.php?title=De:FAQ

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