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Ratgeber Hardware

SSD-Festplatten: So verlängern Sie die Lebenszeit

15.02.2015 | 08:48 Uhr |

Eine längere Lebensdauer für Ihre SSD-Festplatten: Wir zeigen, wie Sie mit einfachen Tricks und Handkniffen die Lebenszeit Ihrer SSDs deutlich verlängern.

Vor nicht allzu langer Zeit noch der Traum eines jeden PC-Enthusiasten, wird die Solid-State-Drive (SSD) Festplatte in heimischen Rechnern immer verbreiteter. Es gehört aber ein wenig Pflege dazu, damit die SSD ein langes Leben haben kann. Denn SSDs haben mit der Pflege von normalen HDD-Festplatten so gut wie nichts gemein.

Was eine SSD in die Knie zwingt

Eine SSD ist ein Flash-Speicher - sie besitzt keine beweglichen Teile. Im Gegensatz zu traditionelle, mechanischen Festplatten kann bei einer SSD also auch nichts kaputt gehen. Liegt trotzdem einmal etwas im Argen, sind meist die Schreibzyklen Schuld.

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Flash-Speicher behandelt Daten auf spezielle Art und Weise: Wenn sie auf einen bestimmten Block geschrieben werden, muss der gesamte Block gelöscht werden, bevor er wieder beschrieben werden kann. Die Lebensdauer einer SSD wird in diesen sogenannten Program-Erase-Zyklen (P/E) gemessen. Moderne Verbraucher-SSDs mit Multi-Level-Cell (MLC) NAND-Speicher halten im Schnitt 3.000 bis 5.000 P/E-Zyklen aus, bevor die Leistung abnimmt. Teurere Single-Level-Cells (SLC) Flashspeicher schaffen sogar bis zu 100.000 P/E-Zyklen.

SIe müssten schon verdammt hart arbeiten, damit Sie irgendwann in absehbarer Zeit das Limit der P/E-Zyklen bei einer MLC-Platte erreichen - geschweige denn bei einer SLC-Platte. Nichtsdestotrotz bringen Sie Ihre Platte jedes Mal, wenn Sie etwas auf die SSD schreiben, ein Stückchen näher ihrem Limit entgegen. Machen Sie sich nicht wegen jedem einzelnen Schreibzyklus Gedanken - aber versuchen Sie sich an die folgenden Tipps zu halten, um unnötige Schreibzyklen zu vermeiden.

Keine Defragmentierung mehr

Mit einer SSD sind die Sorgen um fragmentierte Dateien ein für allemal vorbei. Da es keinen beweglichen Lese- und Schreibkopf gibt, existieren bei einer SSD keine Fragmentierungen im eigentlichen Sinne. Eine Defragmentierung ist also nicht nur unnütz, sie führt auch noch zu vielen kleinen und sinnlosen Schreibzyklen und damit zum schnelleren Ableben Ihrer SSD. Streichen Sie es am besten also direkt aus Ihrer PC-Pflege-Routine.

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Such-Index deaktivieren

Der Such-Index beschleunigt die Suche nach bestimmten Dateien bei einer traditionellen Festplatte - auf einer SSD bringt er aber nichts - außer, dass er viele kleine Schreibvorgänge ausführt. Ein absolutes No-Go! Deaktivieren Sie die Funktion also, indem Sie in der Suchmaske im Startmenü "services.msc" (ohne Anführungszeichen) eintippen und bestätigen. Suchen Sie in der Liste dann nach "Windows Search", rechtsklicken Sie darauf und öffnen Sie die Eigenschaften. Halten Sie den Dienst an und wählen Sie bei "Starttyp" im Dropdown-Menü "Deaktiviert".

Was kommt auf die SSD, was auf die HDD?

Ein weiterer Schlüssel zur langlebigen SSD ist es, sie für die richtigen Daten zu verwenden. SSDs sind perfekt für Anwendungen, Betriebssysteme und Spiele, denn sie verkürzen Ladezeiten und starten Anwendungen quasi in Lichtgeschwindigkeit. Es spricht zwar nichts explizit dagegen, eine SSD auch für das Speichern von Musik, Fotos, Filmen und Dokumenten zu nutzen, bei diesen Daten brauchen Sie die Geschwindigkeit einer SSD aber nicht. Zudem sollten Sie nicht ständig Schreibzyklen verpulvern, wenn Sie regelmäßig neue Dateien hinzufügen oder alte bearbeiten. Eine klassische, mechanische HDD ist für diese Art von Daten ausreichend und deutlich besser geeignet.

Zum Download: Die besten Gratis-SSD-Tools

Kampf dem Stand-by-Modus

All diejenigen, die eine SSD in ihrem Laptop nutzen, sollten sich dringend den Unterschied zwischen Ruhezustand und Stand-by-Modus bei SSDs klarmachen. Wenn sich Ihr Computer im Ruhezustand befindet, speichert er Dokumente und Programme auf die SSD und fährt dann komplett herunter. Im Stand-by-Modus hingegen pausiert der PC lediglich, er schreibt aber nichts auf die SSD - und ist somit die bessere Wahl.

Der Standby hat aber auch Schattenseiten: Er verbraucht ein bisschen mehr Energie als der Ruhezustand und sobald Ihr Akku den Geist aufgibt, sind Ihre pausierten Daten Geschichte. Trotzdem lohnt es sich bei einer SSD auf Dauer ein bisschen mehr Energie zu investieren und stattdessen auf unnötige Schreibzyklen zu verzichten. Schaltet sich Ihr PC also nach einer Weile automatisch in den Ruhezustand, sollten Sie das unterbinden. Um den Modus zu deaktivieren, öffnen Sie Ihre Kommandozeile, tippen Sie "powercfg.exe /hibernate off" (ohne Anführungszeichen) hinein und drücken Sie Enter. Damit ist der Ruhezustand keine Gefahr mehr.

Bonus-Tipp: Performance verbessern mit TRIM

Das Kommando TRIM löst Performance-Probleme, die bei einer SSD im Laufe ihrer Benutzung gelegentlich auftreten können. Wie oben bereits erwähnt muss ein Block, sobald etwas auf ihn geschrieben wurde, komplett gelöscht werden, bevor er erneut beschrieben werden kann. Dieser Löschungsprozess kann die Geschwindigkeit der Platte verringern, wenn er nur bei Bedarf ausgeführt wird. Das TRIM-Kommando greift schon ein Weilchen vorher ein, indem es das Betriebssystem (ab Windows 7 aufwärts) anweist, nicht mehr benutzte Datenblöcke direkt zu löschen und sie so auf einen weiteren Schreibvorgang vorzubereiten.

Datensicherheit: So löschen Sie Ihre SSD-Daten komplett und sicher

Windows 7 und Windows 8 sollten eine SSD erkennen und TRIM automatisch aktivieren, wenn die Platte das Kommando unterstützt - das sollten Sie im Vorfeld überprüfen. Öffnen Sie dazu die Kommandozeile und tippen Sie "fsutil behavior query disabledeletenotify" (ohne Anführungszeichen). Wenn Sie die Antwort "DisableDeleteNotify=0" erhalten, ist TRIM bereits aktiviert. Wenn nicht, stellen Sie sicher, dass Ihre SSD-Treiber auf dem neuesten Stand sind.

Und wie lange hält's jetzt?

Mit all diesen Tipps und Tricks sollten Sie in der Lage sein, deutlich mehr Lebensdauer aus Ihrer SSD zu holen. Wie lang Ihre Platte aber wirklich überlebt, kann keiner so genau sagen, denn Hersteller und Verkäufer halten sich bei dieser Frage zu ihren Produkten sehr bedeckt. Ein deutscher Programmierer hat allerdings ein paar Zahlen ausgegraben und diese Tabelle erstellt:

Mehr Lebensdauer für Ihre SSD
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© Techhive

Die Tabelle zeigt die Abnutzung von unterschiedlich großen SSDs nach kontinuierlichen Schreibzyklen mit 6 GB pro Sekunde, um auf etwa 100.000 P/E-Zyklen zu kommen. Bei natürlicher Benutzung würde diese Situation niemals entstehen, dennoch kommen am Ende interessante Zahlen dabei heraus: Die kleinste SSD hielt der Belastung knapp 2 Monate Stand, während die größte Platte ein ganzes Jahr zuverlässig arbeitete.

Flash-Speicher: SSDs testen und überwachen

Bei einem durchschnittlichen Nutzer, der nicht ständig riesige Datenmengen auf seiner SSD hin- und herschiebt, wird die SSD also vermutlich ein schönes langes Leben führen. Wenn Sie zudem noch Ihre Gewohnheiten ein wenig auf die Stärken der SSD ausrichten, holen Sie noch mehr aus Ihrem Traum-Speicher heraus.

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