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Handy-Hacking für alle

08.11.2007 | 15:40 Uhr |

Immer mehr Provider spielen spezielle Firmware auf ihre Vertragshandys auf. Das ist ärgerlich für den Kunden – er wird nicht nur gegängelt, sondern muss auch auf praktische Funktionen verzichten. So lösen Sie die elektronischen Sperren.

Mario F. war begeistert. Ein Handy für knapp 30 Euro hatte der Student bei der Versteigerung des örtlichen Fundbüros ergattert – das gleiche Modell wie sein altes Gerät, das gerade den Geist aufgegeben hatte. Doch die Ernüchterung kam bald: Das Mobiltelefon wollte nicht mit der Vertragskarte seines neuen Eigentümers funktionieren und hatte zudem noch andere Funktionen und Menüs. Des Rätsels Lösung: Es handelte sich um ein gebrandetes und mit SIM-Lock versehenes Gerät.

Immer häufiger statten Handy-Provider ihre Mobiltelefone mit spezieller Firmware aus. Diese kann zum einen bestimmte Funktionen des Providers auf gut erreichbare Tasten legen, zum anderen Funktionen de-aktivieren – etwa das Versenden von MP3-Klingeltönen oder Handylogos von einem Handy zum nächsten. Die Folge: Wer ein neues Telefon hat, muss den Klingelton noch einmal beim Anbieter erwerben und bezahlen.

Wenig plausibel: Die Provider begründen dies mit urheberrechtlichen Bestimmungen. Das erscheint aber wenig plausibel: Beim gleichen Handy-Vertrag mit einem anderweitig erworbenen Telefon bestünde das Problem schließlich nicht. Auch das Anpassen des Menüdesigns an das WAP-Portal des Providers gehört zu den Unarten, mit denen Kundenbindung erzielt werden soll. Ein Telefonkunde, so das Kalkül, wird sich im ähnlich gestalteten Portal der Handy-Firma besser zurechtfinden als anderswo und daher lieber dort surfen.

Kritisch wird’s, wenn etwa der Internet-Zugang so angeordnet wird, dass sich der Anwender versehentlich einwählen kann: Oft nutzen Handy-Provider einen der Softkeys, die der Kunde normalerweise frei mit einer für ihn wichtigen Funktion belegen kann, für den Direktzugang zum WAP-Portal. Unter Umständen sind diese Tasten doppelt belegt, dienen also in anderen Fällen zur Steuerung anderer Funktionen. Wer versehentlich draufdrückt, zahlt für eine Internet-Verbindung – und das ohne Rückfrage des Telefons und je nach Tarif nicht zu knapp.

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