Dokumente, Tabellen, Präsentationen - auf den meisten Desktop-PCs sind Office-Programme die wichtigsten Anwendungen. Aber während die einen nur hin und wieder mal einen kurzen Brief tippen, benötigen andere eine ausgewachsene Tabellenkalkulation mit mächtigen Makrofunktionen. Wie decken die verfügbaren Programme unter den beiden Betriebssystemen diese unterschiedlichen Ansprüche ab?
Office
Unter Windows ist Microsoft Office das am weitesten verbreitete Büropaket. Bei Linux spielt Open Office diese Rolle. Es basiert auf dem vor drei Jahren offen gelegten, weiterentwickelten Quellcode von Star Office 5.2. Während
Sun weiterhin Star Office mit zusätzlichen Software-Modulen verkauft, ist Open Office
frei zu haben. In den üblichen Linux-Distributionen ist es außerdem schon mit von der Partie, nachträgliche Download- und Installations-Orgien bleiben damit aus.
Ohne erst lange Handbücher zu wälzen, kann jeder Anwender sofort mit Open Office loslegen und übliche Aufgaben erledigen. Die Bedienung ist selbsterklärend und stellt niemanden vor Probleme, der schon etwas Erfahrung mit anderen Büroprogrammen hat. Im direkten Vergleich zu Microsoft Office schlägt es sich in allen Bereichen gut, egal ob Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen oder Layout.
Seit der Version 1.1.1 von Open Office klappt auch der Export von Dokumenten in Microsoft-Formate wie DOC und RTF, und dem Datenaustausch steht nichts im Weg. Lediglich bei komplexen Formatierungen gehen schon mal Layoutinformationen verloren. Dieses Problem hat aber auch Microsoft Office zuweilen, etwa beim Einlesen von alten oder sehr umfangreichen Dateien.
Ein herausragendes Merkmal von Open Office ist die Fähigkeit, direkt PDFs zu erzeugen - bei Microsoft Office brauchen Sie dafür Zusatz-Tools.
Trotz der vielen unterstützten Formate ist es empfehlenswert, eigene Dokumente im Open-Office-Format zu speichern. Das auf XML basierende Format ist flexibler als proprietäre Dateitypen, da Sie es bei Bedarf durch Konverter jagen können, um etwa standardisierte Formate wie HTML, PDF oder RTF zu erzeugen. Bei gewöhnlichen Arbeiten kommen Sie mit Open Office genauso gut über die Runden wie mit Microsoft Office.
Wertung: unentschieden
Makros
Wenn es um Makros geht, bleibt Open Office hinter den Microsoft-Produkten zurück. Zwar bietet die freie Alternative ebenfalls eine Makro-Schnittstelle, die eine VBA-ähnliche Syntax versteht. Aber das ist in diesem Bereich schon die einzige Gemeinsamkeit mit Microsoft. Open Office erkennt Makros in MS-Office-Dateien und zeigt sie auskommentiert im Editor an. Ohne eingehendes Nachbearbeiten laufen die Makros aber nicht. Außerdem erschwert die schlechtere Dokumentation der Makrosprache den Umstieg.
Hier öffnet sich übrigens eine Sicherheitslücke: Ohne zu murren öffnet Open Office auch geschützten Makro-Code aus Word-Dateien - ganz ohne Passwort-Abfrage.
Auf der Suche nach dem passenden Makro oder nach der richtigen Methode helfen die Infos
an dieser Stelle weiter.
Die Unterstützung von Basic ist grundsätzlich etwas stiefmütterlich. Programmierer setzen in Open Office häufig die Sprachen C/C++, Java und Python ein. Diese bieten mächtigere Möglichkeiten, das Büropaket mit eigenen Komponenten zu versehen. Die Arbeit mit ihnen ist allerdings auch komplizierter. Wer sich dafür interessiert, findet auf
dieser englischsprachigen Seite einen Einstieg und Infos im Überblick.
Wertung: Der Punkt geht an WindowsSchreibhilfen
Die Rechtschreibprüfung bügelt bei beiden Paketen grobe Fehler aus. Sie lässt sich in beiden Fällen durch komplette zusätzliche Wörterbücher und durch einzelne Begriffe ergänzen.
Es gibt aber keine bequeme oder gar automatische Möglichkeit, bereits bestehende Benutzerwörterbücher von Word nach Open Office zu übertragen. Sie fangen also bei Null an, falls Sie Word schon mit viel eigenem Wortschatz gefüttert haben. Der Thesaurus im Microsoft-Programm ist deutlich umfangreicher und leistungsfähiger als die vergleichbare Funktion von Open Office.
Wertung: Der Punkt geht an Windows
Desktop-Integration
Ziehen und Ablegen - unter Windows übernehmen Sie mit dieser Methode Textbausteine und Bilder flott in ihre Anwendungen. Auf dem Linux-Desktop müssen Sie sich umgewöhnen. Innerhalb von Open Office klappt Drag & Drop zwischen den Anwendungen problemlos. Aber nicht immer funktioniert der Datenaustausch mit anderen Linux-Anwendungen. So klappt es beispielsweise mit dem Grafikprogramm Gimp nicht über die Zwischenablage. Der Umweg über eine gespeicherte Datei ist notwendig.
Wertung: Der Punkt geht an Windows
Fazit
Die freien Office-Pakete können Microsoft Office in Sachen Funktionsumfang zurzeit nicht das Wasser reichen - vor allem, wenn es um spezialisiertere Aufgaben geht. Wer allerdings diese Optionen sowieso nicht braucht, dem steht mit Open Office gratis ein ausgereiftes Büropaket zur Verfügung.
Anwendern, die für Spezialaufgaben mit Microsoft Office schon eine Menge Makros geschrieben haben, dürfte der Umstieg schwer fallen. Schließlich müssten sie den ganzen Makro-Code aufwendig portieren.
Wer eine stärkere Rechtschreibprüfung sucht, bekommt sie
zusammen mit Star Office für rund 90 Euro. Sollte eine Abkehr von Microsoft Office gar nicht in Frage kommen, hilft Crossover Office weiter. Das englischhsprachige Programm gibt's
hier für 40 Dollar zum Download (11 Megabyte). Auf der Basis des Windows-Emulators Wine erhalten Sie damit eine Umgebung, in der einige Windows-Anwendungen laufen - etwa Microsoft Office 97, 2000 und XP.
Windows gegen Linux, 3. Runde 3:0
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