Programmierung

Steht C++ vor einem glänzenden Comeback?

Montag, 23.01.2012 | 09:30 von Neil McAllister
Steht C++ mit der Version 11 vor einem glänzenden Comeback?
Vergrößern Steht C++ mit der Version 11 vor einem glänzenden Comeback?
© iStockphoto.com/Aleksej Vasic
Interpretierte Sprachen und virtuelle Maschinen sind nicht schlecht, aber eine neue Version von C++ signalisiert vielleicht eine Trendwende hin zu nativen Binärdateien. Steht C++ vor einem Comeback? PC-WELT erklärt, warum die neue Version C++ 11 so vielversprechend ist und warum Google nativen Code unterstützt.
Programmiertrends kommen und gehen. Lange Zeit war Java die tolle neue Sprache, dann war es Python, anschließend stand Ruby im Rampenlicht und schließlich erlebte das lange Zeit geschmähte JavaScript sein Comeback. Der aktuelle Liebling ist eine Sprache, die niemand erwartet hat. Ob Sie es glauben, oder nicht, C++ könnte vor einem Comeback stehen (derzeit verliert C++ jedoch weiterhin Marktanteile).

Letztes Jahr wurde die aktuellste Version des ISO C++-Standards beschlossen. Es war die erste große Überarbeitung der Programmiersprache seit 13 Jahren. Die neue Version wird nun offiziell C++11 genannt und enthält Features, die die Entwicklung von Software für moderne parallelprozessierende Architekturen vereinfacht. Desweiteren enthält es Lambda-Ausdrücke und neue Datei-Typen für gleichzeitige Berechnungen. Zusammen mit C bleibt C++ eine der am verbreitetsten Sprachen für System- und Hardware-nahe Programmierung und für Anwendungen, die leistungsintensiven nativen Code benötigen, wie beispielsweise 3D Spiele-Engines.


Außerhalb von spezialisierten Nischen war C++ jedoch nicht mehr sonderlich populär. Die Programmierer haben sich immer weiter von der nativen Kompilierung zu Gunsten von verwalteten Code-Umgebungen wie Oracle Java und Microsoft .Net entfernt. Weil man sich bein Java und .Net nicht mehr akribisch um die Speicherverwaltung kümmern muss und Eingaben in Java/C# besser überprüft werden. Andere Sprachen wie Python, Ruby und JavaScript bieten mehr syntaktischen Komfort. Aber C++11 kommt zu einer interessanten Zeit heraus. Viele Experten sind der Meinung, dass das Pendel wieder zurückschwingen und C++ eine Rennaisance erleben könnte.

Ein unerwarteter Freund von nativem Code: Google

Google ist vermutlich das letzte Unternehmen, von dem Sie erwarten würden, dass es an nativem Code interessiert ist. Jahrelang hat Google daran festgehalten, dass das Konzept der Desktop-Software überflüssig ist (denken Sie nur einmal an die zahlreichen Cloud-basierten Google-Anwendungen und auch an die Chromebooks). In Googles Idealwelt laufen die Anwendungen nur auf riesigen Serverfarmen und im Browser des Anwenders. Google hat mit Chrome OS sogar ein eigenes Betriebssystem entwickelt, um genau das zu beweisen.

Hoher Bedarf an PHP- und Javascript-Programmierern

Aber sogar Google erkennt, dass es manchmal nicht ausreicht JavaScript zu interpretieren. Deswegen hat Google eine Sandboxumgebung namens Google Native Client (NaCl) entwickelt, die es dem Chrome-Browser ermöglicht native Binärdateien herunterzuladen und auszuführen, damit leistungsintensive Aufgaben behandelt werden können.

NaCl ist nicht die einzige Verbindung, die Google zu nativem Code hat. Die Go-Programmiersprache des Suchmaschinengiganten wird gerne als „Java-artig" beschrieben, aber das stimmt nur teilweise. Syntaktisch gesehen ähnelt sie Java in manchen Bereichen, aber Go-Code läuft nicht in einer virtuellen Maschine. Es wird direkt im nativen Code kompiliert. Viel wichtiger ist jedoch, dass Google sogar so weit gegangen ist, sicherstellen, dass Go-Binärdateien nicht nur auf dem Desktop laufen können, sondern auch in der Google App Engine Cloud-Umgebung.

Und was macht der zweite große Software-Gigant - nämlich Microsoft? Als der weltweit größte Anbieter von Desktop-Software stand Microsoft C++ immer schon wohlwollender gegenüber. In den letzten Jahren haben sich die C/C++-Entwickler aber etwas an den Rand gedrückt gefühlt, weil Microsoft den Großteil seiner Energie für C# aufgewendet hat, dem C-Abkömmling für die .Net-Plattform, der auf verwalteten Code setzt.

Aber das scheint sich zu ändern. Visual Studio 2010 unterstützt bereits die meisten Funktionen von C++11. Im Juli hat Microsoft eine neue Video-Serie auf seinem Channel 9 Entwickler-Webseite gestartet, die „ Going Native " heißt. Diese Serie richtet sich an native Code-Entwickler mit dem Schwerpunkt C++. Mittlerweile haben scharfsinnige Beobachter bemerkt, dass auf der Microsoft Build Konferenz (früher die Professional Developers Conference, PDC) im September wenig für .Net geworben wurde. Plant Microsoft heimlich den Umstieg?

Montag, 23.01.2012 | 09:30 von Neil McAllister
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