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Roundcube: Privaten Webmailer einrichten statt Gmail

07.10.2015 | 11:11 Uhr |

Wer statt eines lokalen Mailprogramms einen Webmailer im Browser bevorzugt, findet in Roundcube eine attraktive Server-Lösung mit großem Funktionsumfang. Dieser Artikel zeigt die grundlegende Einrichtung.

Einst war die Installation und Konfiguration eines Mailprogramms eine der wichtigsten Aufgaben auf einem frisch eingerichteten Rechner. Inzwischen hat aber Webmail den lokalen Mail-Client nahezu verdrängt. Wer jetzt noch eine eigene Software einsetzt, hat dafür gute Gründe wie etwa Plug-ins zur Verschlüsselung oder Groupware-Funktionen.

Schließlich gibt es aber auch Sicherheitsüberlegungen: Jede unverschlüsselte Mail ist von jedem lesbar, der die Nachricht abfängt. Freie Maildienste wie Google Mail analysieren aber auch die Inhalte der Mails, filtern Spam heraus, finden aber auch Schlüsselwörter, mit deren Hilfe passendere Werbung eingeblendet wird. Diese Praxis behagt nicht allen, aber der Verzicht auf webbasierte Mail fällt nicht leicht.

Wofür sich Roundcube eignet

Das in PHP geschriebene Roundcube ist ein Webmailer, der sich als Client auf einem eigenen Server im lokalen Netzwerk oder auf dem eigenen Server im Internet wohl fühlt. Roundcube bietet ähnlichen Komfort wie Google Mail und legt die Hoheit über den Abruf von Mails per Weboberfläche in die Hände der Linux-Anwender oder Admins. Roundcube ist selbst nur ein Client, ruft Mails über das Protokoll IMAP ab und kann so mit jedem Mail-Server umgehen, der IMAP beherrscht, auch wenn dieser nicht Teil des Google-Universums oder anderer großer Dienste ist. Der maßgebliche Entwickler hinter dem Open-Source-Projekt ist die Schweizer Firma Kolab Systems AG, die sich derzeit um eine abhörsichere und freie Groupware-Lösung kümmert, zu der auch Roundcube gehört. Beachten Sie aber, dass Mail nur dann abhörsicher ist, wenn die Korrespondenz mittels PGP/GPG oder S/MIME verschlüsselt wird. Daran ändert auch Roundcube nichts. Liegt Roundcube auf einem Server im Internet, dann darf die Anmeldung am Webmailer nur über HTTPS erfolgen. Apache braucht dazu ein SSL-Zertifikat, wobei sich für den persönlichen Gebrauch auch ein selbst signiertes Zertifikat eignet.

Vorbereitung und Download

Linux, Apache, My SQL, PHP (kurz „LAMP“) bildet die Basis für Roundcube: Apache stellt die Weboberfläche bereit, My SQL ist als relationale Datenbank als Datenspeicher im Hintergrund im Einsatz, PHP sorgt Serverseitig für die Ausführung der Scripts. Zwar ist die Einrichtung von Roundcube anspruchsvoller als etwa die Installation von Wordpress , aber auch kein unbezähmbares Monster. Die Anleitung bezieht sich auf einen Server im lokalen Netzwerk mit einem aktuellen Debian oder Ubuntu.

Nach einigen Vorbereitungen auf der Kommandozeile legen Sie die weitere Konfiguration von Roundcube auf einer Weboberfläche fest.
Vergrößern Nach einigen Vorbereitungen auf der Kommandozeile legen Sie die weitere Konfiguration von Roundcube auf einer Weboberfläche fest.

Zur Vorbereitung installieren Sie, falls noch nicht geschehen, zunächst Apache, My SQL und PHP mit den benötigten PHP-Modulen auf dem Server

sudo apt-get install apache2 mysql-server php5 libapache2-modphp5 php5-mysql 

und legen bei der Abfrage das zukünftige Master-Passwort für die My-SQLDatenbank fest. Roundcube ist in den Paketquellen vieler Linux-Distributionen vorhanden, aber in einer alten Version. Wie bei PHP-Projekten üblich, laden Sie besser die brandneue Version als Installationsarchiv in der Variante „Complete“ direkt von der Projekt-Webseite herunter. Unter Debian ab Version 8 und Ubuntu liegt das vorbereitete Webverzeichnis von Apache unter „/var/www/html“, und dorthin entpackt dann der Befehl

sudo tar xzvf roundcubemail-* -C / var/www/html/  

das Archiv. Das dort erstellte Unterverzeichnis mit Versionsangabe im Namen benennen Sie mit

sudo mv /var/www/html/roundcube mail-* /var/www/html/roundcube

in nach „roundcube“ um und setzen mit dem Befehl

sudo chown -R www-data:www-data /var/www/html/roundcube  

die Zugriffsrechte für Apache korrekt.

Eine Datenbank anlegen

Bevor es mit der Einrichtung von Roundcube weitergehen kann, müssen Sie eine My-SQL-Datenbank erstellen. Stellen Sie dazu unter Debian mit

sudo /etc/init.d/mysql start  

sicher, dass My SQL läuft. Melden Sie sich dann mit

mysql -u root -p  

an der My-SQL-Shell an, gefolgt vom Master-Passwort, das Sie bei der Installation von My SQL gesetzt haben. Der My-SQL-Befehl

CREATE DATABASE roundcubemail; 

erstellt die Datenbank „roundcubemail“. Für diese Datenbank erstellen Sie noch einen eigenen My-SQL-Nutzer, der den Namen „roundcube“ bekommt, und ein selbst gewähltes Passwort, das hier durch den Platzhalter „meinpasswort“ vertreten wird:

GRANT ALL PRIVILEGES ON roundcubemail.* TO 'roundcube'@'localhost' IDENTIFIED BY 'meinpasswort';  

Danach beenden Sie die My-SQL-Shell mit FLUSH PRIVILEGES; quit;

Konfiguration und erste Anmeldung

Die weitere Einrichtung erfolgt über die Weboberfläche, die Sie über einen Browser anhand der IP-Adresse des Webservers über „http://[IP-Adresse]/roundcube/installer“ abrufen. Der erste Schritt ist die Überprüfung der PHP-Umgebung, und wenn die Minimalvoraussetzungen erfüllt sind, geht es mit weiter mit „Next“. Der wichtigste Schritt ist nun „Create Config“. Auf dieser Seite müssen Sie zahlreiche Felder ausfüllen, einige aber auch auf den Standardwerten belassen: Unter „Database setup“ tragen Sie das Passwort für den My-SQL-User „roundcube“ ein. In die „IMAP Settings“ tragen Sie die Verbindungsdaten des IMAP-Servers ein, der übrigens auch zur Benutzerauthentifizierung bei der späteren Anmeldung an Roundcube dient. Ebenfalls erwarten die „SMTP Settings“ die Angaben für den ausgehenden SMTP-Server. Beachten Sie hier, dass Sie hier Server mit SSL/TLS mit der Adresse „ssl://servername“ angeben müssen. Im Feld „Display settings & user prefs -> language“ tragen Sie noch „de_DE“ ein. Mit „Create Config“ erzeugt Roundcube die Konfigurationsdatei „config.inc.php“. Im letzten Schritt „Test config“ können Sie die Konfiguration testen. Klicken Sie hier unter „Check DB config“ unbedingt auf „Initialize database“, um die Datenbank in Betrieb zu nehmen. Darunter lassen sich die IMAP- und SMTP-Zugänge testen, und mit einem Klick auf „Create config“ können Sie zuvor getroffene Einstellungen nochmals korrigieren.

Damit Roundcube die Spezialordner auf dem IMAP-Server für Entwürfe, gesendete und gelöschte Mails nutzt, wählen Sie diese in den Einstellungen aus.
Vergrößern Damit Roundcube die Spezialordner auf dem IMAP-Server für Entwürfe, gesendete und gelöschte Mails nutzt, wählen Sie diese in den Einstellungen aus.

Passt alles, melden Sie sich jetzt unter „http://[IP-Adresse]/roundcube“ am eigenen Webmailer an. Benutzername und Passwort sind mit den IMAP-Zugangsdaten des gewünschten Mailkontos identisch. Roundcube wird Sie über den IMAP-Server authentifizieren und Mails über IMAP abrufen. Mails bleiben dabei auf dem IMAP-Server. Unter „Einstellungen -> Spezialordner“ wählen Sie noch aus, in welchen IMAP-Ordnern Entwürfe, gesendete und gelöschte Mails landen sollen.

Tipp: Nicht nur Webmail, sondern auch Cloud-Dienste kann man "privatisieren". Wir zeigen Ihnen die 5 besten Privat-Cloud-Dienste für Linux .

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