1252023

Richtig verkabelt

16.11.2006 | 10:40 Uhr

Egal, ob es um die neue Stereo-Anlage, Mehrkanal- Heimkino oder HDTV geht, das Gerät ist top, die beiliegenden Kabel sind Schrott – meistens zumindest. Digital.World hilft gegen Fehler bei der TV-Verkabelung.

Jede Signalübertragung ist nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette. Gute Kabel stärken dieses Glied – aber woran erkennt man ein gutes Kabel? Achten Sie auf robust erscheinende, am besten vergoldete Stecker und stabil wirkende Kabelummantelungen. Die massive Bauweise schützt die Kabel vor zu scharfen Knicken, die Vergoldung mindert Korrosion und sorgt somit dauerhaft für einen geringen Übergangswiderstand. Das Sortiment ist Legion: Belkin, Hama, In-Akustik und Oehlbach gehören zu den verbreiteten Anbietern, die allesamt hochwertige Kabelage im Angebot haben.

Antennenkabel

Wer macht sich schon klar, dass – aller Digitaltechnik zum Trotz – die Signale im Antennenkabel nach wie vor immer noch analog übertragen werden. Auf seinem teilweise ja recht weiten Weg durch das Haus ist ein Antennensignal vielfältigen elektromagnetischen Störstrahlen in fast allen Frequenz- bereichen ausgesetzt. Gerade beim Antennenkabel ist eine dichte, effektive Schirmung für optimalen Signalfluss unabdingbar, denn die Schirmung ist dafür verantwortlich, dass das Signal möglichst ungestört seinen Weg bis zum Wiedergabegerät zurücklegen kann. Die Hausverteilung lässt sich nicht so einfach optimieren, aber auf den letzten Metern lässt sich noch einiges retten. Die Qualität eines Kabels zeigt sich leider oft erst nach dem Kauf: Geisterbilder oder diagonal verlaufende Linien sind klassische Bildstörungen, das vom Analogempfang sattsam bekannte Bildrauschen wird bei Digital-TV durch ein lustiges Klötzchen-Puzzle ersetzt. Bei digitalen Satellitenanlagen zeigt ein Antennenkabel seine Schwächen oft erst bei schlechten Empfangsbedingungen – zum Beispiel bei starkem Regen oder Schneefall. Das dadurch schwächere Nutzsignal am Empfangselement (LNB) wird durch ein schlechtes Koaxialkabel so sehr geschwächt, dass die Daten vom Sat-Receiver nicht mehr einwandfrei verarbeitet werden können.

Die exakte Einhaltung des normierten Wellenwiderstands von 75 Ohm ist gerade beim Antennenkabel extrem wichtig. Viele Billigstrippen, die am Wühltisch angeboten werden, zeigen in dieser Disziplin große Schwächen. Tatsächlich liegen vermeintliche Empfangsschwächen oft nicht am Gerät, sondern am Antennenkabel – der Austausch eines minderwertigen Teils bewirkt manchmal wahre Wunder.

Digitales Fernsehen

Achten Sie auch auf die technischen Werte: Das Schirmungsmaß wird in der Einheit dB angegeben und gibt – vereinfacht ausgedrückt – Auskunft darüber, wie gut die Abschirmung ist, also wie viel von dem Nutzsignal, dass vom Kabel übertragen wird, wieder abgestrahlt wird. Im Umkehrschluss gibt dieser Wert auch Aufschluss darüber, wie gut die Fähigkeit des Kabels ist, Störeinflüssen von außen entgegenzuwirken. Je größer der in dB gemessene Wert, desto unempfindlicher ist das Kabel gegen Störeinflüsse und desto besser ist die Güte des transportierten Signals.

Für die digitale Satellitentechnik empfehlen sich generell Antennenkabel gemäß der Qualitätseinstufung „Klasse A“. Diese erreichen ein Schirmungsmaß von über 90 dB oder gar über 120 dB bei vierfach geschirmten Kabeln. In-Akustik führt beispielsweise ausschließlich die vierfach geschirmten 120-dB-Kabel. Diese Antennenkabel sind absolut digitaltauglich. Für HDTV-Anlagen ist von der Schüssel bis hin zum Satellitenreceiver ein Schirmungsmaß von 120 dB angeraten.

Beim Kauf von der Rolle – also nicht konfektioniert – können Sie sogar im Laden den äußeren Kabelmantel entfernen und das darunter liegende Gefl echt erkennen. Digitaltaugliche Kabel besitzen ein sehr enges Gefl echt, das die darunter liegende Aluminiumfolie nahezu vollständig verdeckt.

Die Aluminiumfolie muss den inneren Kern vollständig abdecken. Schlecht verarbeitete Kabel besitzen keine Überlappung oder weisen sogar nicht überdeckte Bereiche auf. Geeignete Antennenkabel zeichnen sich durch einen Innenleiter von mindestens 1,0 mm Durchmesser aus. Besonders bei Sat- Empfang werden oftmals sehr lange Kabel benötigt, die zudem parallel zu störenden Strom- oder Datenleitungen verlegt werden müssen.

Scart als Universallösung

Der Scart-Anschluss (Syndicat des Construc teurs d’Appareils Radiorecepteurs et Televiseurs), wegen seiner Verbreitung und Herkunft auch Euro-AV genannt, ist die unkomplizierteste Art, Geräte miteinander zu verbinden. Ton und Bild sind in einem einzigen, unförmigen Stecker vereint. Insgesamt verbindet das Scart-Kabel 21 Kontakte, bei billigen können es auch mal erheblich weniger sein. Das ist oft bei den – beispielsweise für einen DVD-Player – mitgelieferten Kabeln der Fall und kann für manche Überraschung sorgen: Das Kabel funktioniert nur in einer Richtung oder erlaubt bestimmte Formate nicht.

Mit FBAS, S-Video und RGB (und im Prinzip auch Komponenten-Video) stehen bei Scart insgesamt gleich drei verschiedene Signalarten zur Verfügung. Standardmäßig ist der Eingang am Gerät normalerweise auf FBAS (steht für: „Farb-Bild-Austast-Synchron“- Signal, unter Fortgeschrittenen auch als Composite bekannt) gesetzt. Um auf eine höherwertigere Signalart wie S-Video oder RGB umzustellen, bedarf es einer manuellen Einstellung im Setup-Menü der jeweiligen Geräte. Zudem überträgt Scart Informationen zum Bildformat und erleichtert Fernsehern so nicht nur die Erkennung des Formats, sondern auch überhaupt die Aktivität eines angeschlossenen Geräts. High-End-Kabel sind durchaus kein Snobismus: Beim so genannten „4-Sterne Non Interference-Scartkabel“ von Oehlbach kommt zusätzlich zur Schirmung des Kabels ein patentierter, voll geschirmter Scart- Stecker zum Einsatz, der zusätzlichen Schutz vor Einstrahlungen bieten soll. Hochwertige Innenleiter mit zum Teil versilberten Litzen aus sauerstofffreiem Kupfer stehen für bestmöglichen Signaltransport bei hoher Flexibilität des Kabels, die beim Verlegen nötig ist. Kabellängen bis 30 Meter (längere Kabel als Sonderkonfektion) sollen bei dieser Qualität problemlos möglich sein – mit Billigkabeln undenkbar. Und: Wer auf den Ton via Scart angewiesen ist, kann den Unterschied hören. Gute Kabel weisen eine hochwertige Schirmung der Audio-Adern auf.

Neues Fernsehen mit HDMI

Die HDMI-Buchse (High Definition Multimedia Interface) vereint hochaufgelöstes Bild und Raumklangton in einem einzigen Anschluss. HDMI soll Scart im digitalen Zeitalter ablösen. HDMI beherrscht alle HD-Auflösungen, kann das Seitenverhältnis signalisieren und verschlüsselt via HDCP (High-bandwith Digital Content Protection) – so wollten es die Kinobosse – den digitalen Videodatenstrom, wenn der wiedergegebene Inhalt das fordert. Daneben gibt es die aus der Computer- beziehungsweise Monitortechnik (VGA-Standard) stammende DVI-Buchse (Digital Video Interface) – diese ist aber, wie der Name schon sagt, nur fürs Bild zuständig. Für den Ton sind dann separate Kabeleien notwendig, HDCP ist für DVI-Buchsen keine Pflicht.

Daneben klappt auch die Verständigung zwischen den Geräten nicht immer reibungslos, wie mancher Käufer schon überrascht feststellen musste. Im Durchschnitt dauert es immerhin bis zu sieben Sekunden, bis die grundlegenden HDCP-Informationen ausgetauscht sind, weiß etwa Ingo Lindner vom Kabelhersteller Oehlbach: „Der Kunde denkt dann gleich, es liegt am Kabel, dabei sind es die Geräte, die eine ‚lange Leitung’ haben.“ Gelegentlich verstehen sich TV- und DVD-Gerät sogar überhaupt nicht. Auf der sicheren Seite ist natürlich, wer alles vom selben Hersteller bezieht – aber das kann nicht ernsthaft als Lösung empfohlen werden.

Switch für Fortgeschrittene

Kleines Problem am Rande: Fernseher stellen derzeit nur eine HDMI- (oder DVI-) Buchse zur Verfügung, um die gegebenenfalls HDTV-Receiver und HDMI-DVD-Player buhlen. Eine Lösung besteht darin, den DVD-Player mittels YUV-Kabel anzuschließen, denn herkömmliche DVDs können ja ohnehin keine echte HD-Aufl ösung bereitstellen. Für die neuen Superformate HD-DVD und Blu-Ray-Disc sowie die ersten hochaufl ösend bespielten Kauf-DVDs werden Sie allerdings einen Switcher benötigen, wie ihn zum Beispiel Oehlbach als 2:1- oder 4:1-Verteiler anbietet. Wer den dazugehörigen Sound über die Hi-Fi-Anlage respektive einen AV-Verstärker laufen lässt, kann aber beispielsweise auch mit dem Pioneer Mehrkanal-Receiver VSX- 1016V oder dem Philips DFR-9000 (beide circa 600 Euro) liebäugeln, die beide zwei umschaltbare HDMI-Anschlüsse bieten.

YUV – die analoge Alternative

Damit ein hochauflösender Flachbildschirm oder auch Projektor das HD-Ready-Schildchen tragen darf, muss neben der notwendigen digitalen Schnittstelle (HDMI oder DVI mit HDCP) übrigens auch ein Komponenteneingang vorhanden sein. Das Komponentensignal (auch: YUV) ist als einziges Signal im analogen Bereich in der Lage, HDTV-Signale zu übertragen. Paradox: Wenn der Kopierschutz HDCP für die HDMI-Schnittstelle aktiviert wird, muss das wiedergebende Gerät auch den analogen Komponentenausgang abschalten. In der Regel findet man im Anschlussfeld des Geräts für diesen Zweck drei Cinch-Buchsen in den Farben Rot, Grün und Blau – meistens zusätzlich mit Y, Pb und Pr gekennzeichnet. Dafür benötigt man dann ein Komponentenkabel 3x Cinch auf 3x Cinch, welches aus drei gleichen, koaxial aufgebauten Leitern besteht. Für den Ton wird auch in diesem Fall ein separates Cinch-Kabel benötigt. Scart- YUV und Scart-RGB sind ebenfalls gängige Lösungen.

Manche Flachbild-Fernseher akzeptieren YUV übrigens nur durch die VGA-Buchse oder einen DVI-I-Eingang. Diese Schnittstelle kann zusätzlich zur rein digitalen DVI-Schnittstelle auch analoge Signale verarbeiten. Beim Kauf entsprechender Adapterkabel sollten Sie auf Signalkompatibilität achten, denn auf VGA und DVI-I wird üblicherweise auch das RGB-Signal angenommen, welches zu YUV nicht kompatibel ist.

Sowohl bei YUV als auch bei DVI wird allerdings kein Ton mitübertragen. Deswegen ist hier in fast allen Fällen ein hochwertiges Stereo-Cinch-Kabel vonnöten. Bei DVI-Eingängen findet sich hingegen auch öfters eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für den Anschluss des analogen Tons. Digitalton- Eingänge sind bei Fernsehern – bei Beamern sowieso – mehr als selten. Immerhin ändert sich das mit HDMI langsam.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1252023