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Richland und Temash: AMDs neue Mobil-Prozessoren

12.03.2013 | 14:00 Uhr |

Bevor Intels neue Prozessorgeneration Haswell die Bühne betritt – voraussichtlich im Juni – hat AMD das Rampenlicht für sich alleine: Darin stehen Richland und Temash. Die beiden neuen APU-Familien sollen in Notebooks und Tablets zum Einsatz kommen.

Richland ist eine aufgebohrte Version von Trinity, der aktuellen AMD-Prozessor-Generation für Notebooks, die als A10, A8, A6 und A4 in einigen Laptops zu finden ist. Wie der Vorgänger setzt auch Richland auf den Piledriver-Kernen aus der Bulldozer-Serie auf, wird also im 32-Nanometer-Verfahren gefertigt. Technisch gibt es daher wenig Neues: Die integrierte Grafikeinheit wurde aufgebohrt und bekommt den Modellnamen Radeon HD 8000 verpasst. Das Top-Modell A10-5750M unterstützt DDR3-1866, die anderen Modelle wie gehabt DDR3-1600. Den Stromverbrauch will AMD gesenkt haben: Richland soll sich beispielsweise bei der Video-Wiedergabe knapp zwei Watt weniger holen, was je nach Akku eine 1 bis 1,5 Stunden längere Laufzeit bringt.

APU-Modell

TDP (in Watt)

CPU-Kerne

Taktrate in GHz (Standard / Turbo Core)

integrierte Grafik

Grafik-Kerne

Grafik-Taktrate in MHz (Standard / Turbo Core)

A10-5750M

35

4

2,5 / 3,5

HD 8650G

384

533 / 720

A8-5550M

35

4

2,1 / 3,1

HD 8550G

256

515 / 720

A6-5350M

35

2

2,9 / 3,5

HD 8450G

192

533 / 720

A4-5150M

35

2

2,7 / 3,3

HD 8350G

128

514 / 720

Turbo Core: Effizienteres Übertakten

AMD will auch die Funktion Turbo Core verbessert haben, also das automatische Übertakten der APU abhängig von Systemlast und Abwärme. Richland soll effizienter mit den Taktraten jonglieren können, weil der Prozessor nun mehr Möglichkeiten hat, die optimale Mischung von Taktrate und Stromverbrauch für eine bestimmte Systemlast zu finden. Außerdem werden die neuen Modelle die zusätzliche Leistung besser zwischen CPU und GPU verteilen können, sodass beispielsweise ein Tempoplus für die Grafik nicht dazu führt, dass die dann verminderte Leistung der CPU zum Flaschenhals wird.

Software für Gestensteuerung und Gesichtserkennung soll aus Richland mehr machen als nur einen Prozessor
Vergrößern Software für Gestensteuerung und Gesichtserkennung soll aus Richland mehr machen als nur einen Prozessor

Richland bringt Gestensteuerung und Gesichtserkennung

Während sich bei der Hardware wenig tut, setzt AMD auf neue Software-Funktionen, um Notebook-Hersteller und –Käufer zu überzeugen: Richland-Laptops sollen beispielsweise Tools für AMD Gesture Control an Bord haben. Damit lassen sich etwa Mediaplayer oder Browser per Handbewegung steuern. Die Software arbeitet mit den Shader-Einheiten der GPU und belastet nicht den Prozessor. AMD Face Login ermöglicht den Zugriff aufs Notebook per Gesichtserkennung über die Webkamera und AMD Screen Mirror verbindet Laptop und Fernseher über ein kabelloses Netzwerk. Der TV muss dafür nur DLNA-tauglich sein, auf einen zusätzlichen Adapter wie bei Intels Konkurrenztechnik Wireless Display kann man bei AMD verzichten.

Ausnahme: Das Asus U38 ist eines der wenigen ultradünnen Notebooks mit AMD-CPUs. Mit Richland soll das besser werden
Vergrößern Ausnahme: Das Asus U38 ist eines der wenigen ultradünnen Notebooks mit AMD-CPUs. Mit Richland soll das besser werden
© Asus

Erste Notebooks mit Richland sollen schon in wenigen Wochen verfügbar sein – dabei hilft den Herstellern, dass Richland im selben Sockel (FS1r2) Platz findet wie Trinity-APUs. Die ersten Modelle arbeiten mit einer TDP von 35 Watt, werden also in Standard-Notebooks und nicht in besonders flachen Ultrabook zum Einsatz kommen. Sparsamere Richland-Versionen für diese Ultrathins will AMD noch im ersten Halbjahr 2013 nachschieben.

Mehr Spannung verspricht der Richland-Nachfolger Kaveri. Er wird im 28-Nanometer-Verfahren hergestellt und soll mit HSA (Heterogenous System Architecture) die CPU und GPU noch näher zusammenführen.

Temash: Mehr Power fürs Tablet

Aufregender hören sich die Neuigkeiten zu Temash an. Die APU soll Tablets und Hybrid-Geräte mit Windows 8 befeuern – als Nachfolger des von fast keinem Hersteller genutzten Hondo (Z-01 und Z-60). Als System-on-a-Chip tritt Temash gegen den Intel Atom an, der momentan eine Monopol-Position bei Tablets mit Windows 8 hat.

AMD verspricht, dass mit Temash eine neue Geräteklasse möglich wird: Performance Tablets und echte Hybrid-Geräte sollen Notebook und Tablet zusammenbringen. Derzeit sind Hybrid-Notebooks mit einem Core-Prozessor für den Tablet-Betrieb übermotorisiert und deshalb zu schwer, zu laut und zu heiß. Tablets mit Atom-CPU dagegen für Produktivarbeit mit Windows 8 zu langsam. Bei Temash will AMD dieses Dilemma unter anderem durch das Turbo Dock lösen: Sitzt das Tablet in dieser Docking Station läuft die APU mit voller Kraft, während sie im abgekoppelten Betrieb in einen Spar-Modus wechselt. Angeblich soll der Leistungsunterschied zwischen den Modi bis zu 40 Prozent betragen. Im gedockten Zustand kann Temash auch deshalb mehr Gas geben, weil die Docking Station zusätzliche Kühlleistung fürs Tablet bereitstellt.

Erste Geräte mit dem im 28-Nanometer-Verfahren hergestellten Temash werden wohl im Juni zu haben sein. Die ersten Temash-APUs werden gerüchteweise der Dual-Core A4-1200 mit einer integrierten Radeon HD 8180 und der Quad-Core A6-1450 mit einer Radeon HD 8280 sein.

Richland und Temash: Neue Chancen für AMD?

AMDs Position im Notebook-Markt wird Richland kaum verändern. Weiterhin werden Notebooks mit AMD-APU vor allem dann empfehlenswert sein, wenn sie günstig sind. In der unteren Preisklasse stecken sie aufgrund der klar besseren integrierten Grafik die Intel-Konkurrenz Pentium oder Core i3 locker in die Tasche. Standard-Notebooks über 500 Euro haben dagegen meist eine zusätzliche Grafikkarte an Bord - und wenn Sie keine integrierte Grafik brauchen, kommen Sie an der CPU-Power von Intels Core-Familie nicht vorbei. Ähnliches gilt für ultra-mobile Notebooks, wo 3D-Leistung weniger gefragt ist. Hier zählt Rechenleistung pro Watt - und da ist Intel klarer Sieger.

So sieht die Zukunft von AMD aus: Die Roadmap umfasst auch neue 28-Nanometer-APUs
Vergrößern So sieht die Zukunft von AMD aus: Die Roadmap umfasst auch neue 28-Nanometer-APUs

Konkurrenzfähiger könnte Temash werden - wenn die APU die für Hybrid-Geräte notwendige Mischung zwischen ausreichender Leistung und sparsamen Betrieb bietet, für die Intel mit Core und Atom derzeit zwei Prozessorfamilien braucht. Wenn Temash im Juni antritt, dürfte aber auch Intel schon da sein - zumindestens mit einer sparsamen 10-Watt-Version der Core-Prozessoren aus der Haswell-Plattform. Möglicherweise aber auch schon mit dem noch sparsameren neuen Atom-Modell Silvermont.

 

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