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Windows 10 Rettungssystem im Eigenbau - so geht's

13.08.2016 | 10:23 Uhr |

Bei Windows-Problemen hilft oft nur ein Zweitsystem weiter. Damit suchen Sie nach Schadsoftware, reparieren die Bootumgebung, bearbeiten die Registry und retten Dateien.

Windows bringt zwar selbst ein kleines Reparatursystem auf seiner Installations-DVD mit, dieses eignet sich aber nur für wenige Aufgaben. Im Notfall, etwa wenn Windows nicht mehr startet, Viren den Rechner befallen haben oder Sie sich nicht mehr anmelden können, sind weitere Werkzeuge erforderlich.

Ein umfangreiches Rettungssystem auf Windows-Basis gibt es jedoch nicht kostenlos zum Download. Sie müssen es selbst erstellen. Das ist jedoch nicht weiter schwierig, weil wir Ihnen die nötigen Tools fertig vorkonfiguriert liefern. Sie müssen lediglich etwas Zeit in die Vorbereitungen und den Fertigungsprozess investieren.

Notfallsystem zusammenstellen

Das in diesem Artikel vorgestellte Notfallsystem basiert auf Windows 10 . Damit ist sichergestellt, dass die aktuellsten Treiber im System verfügbar sind und es möglichst auf jeder Hardware läuft. Es eignet sich für Diagnose und Reparatur von Windows Vista, 7, 8 sowie 10 und es lässt sich auch unter diesen Systemen erstellen. Das Notfallsystem kann von einer DVD oder einem USB-Stick starten.

Windows 10 reparieren mit systemeigenen Tools und Software

1. Vorbereitungen zum Erstellen des Notfallsystems

Sie benötigen eine Windows-10-Installations-DVD oder eine ISO-Datei davon. Wenn Sie keine besitzen, laden Sie sich diese über das Media Creation Tool für WIndows 10 herunter. Es stehen die 32-und 64-Bit-ISOs in unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung. Alternativ können Sie auch die 90-Tage Testversion von Windows 10 Enterprise verwenden. Für diesen Download ist eine vorherige Anmeldung mit einem Microsoft-Konto erforderlich.

Zuerst entpacken Sie den Inhalt der ISO-Datei – gleich welcher Herkunft – mit 7-Zip in einen Ordner mit einem möglichst kurzen Pfad, beispielsweise nach „C:\W10“. Oder Sie kopieren den Inhalt der Windows-10-DVD in diesen Ordner.

Mit 7-Zip entpacken Sie die ISO-Datei mit den Windows- Installationsdateien. Verwenden Sie als Ziel einen Ordner mit einem möglichst kurzen Namen.
Vergrößern Mit 7-Zip entpacken Sie die ISO-Datei mit den Windows- Installationsdateien. Verwenden Sie als Ziel einen Ordner mit einem möglichst kurzen Namen.

Erfolgte der Download über das Medienerstellungstool , entpacken Sie das Tool ESDFileconverter . Klicken Sie auf die Schaltfläche „...“ und wählen Sie die WIM-oder ESD-Datei aus, beispielsweise „C:\W10\Sources\Install.wim“ oder „C:\W10\Sources\Install.esd“. Per Klick auf „Infos zur Wim-Datei anzeigen“ holen Sie Informationen zur Datei ein. Wenn hinter „Compression:“ der Eintrag „LZMS“ steht, schließen Sie das Fenster und klicken in ESDFileConverter auf „Konvertieren“. Taucht dagegen „LZX“ auf, liegt die Datei bereits im geeigneten Format vor, und Sie müssen nichts weiter unternehmen. Nach Anschluss der Konvertierung öffnet sich automatisch ein Fenster des Windows-Explorers, das Ihnen die neue Install.wim anzeigt. Kopieren Sie diese nach „C:\W10\Sources“ und löschen Sie, wenn vorhanden, die Datei Install.esd aus diesem Verzeichnis. Löschen Sie außerdem die Datei „MediaMeta.xml“ im Ordner „C:\W10“.

32 oder 64 Bit? Als Quellen für das Notfallsystem eignen sich die 32-und 64-Bit-Ausgaben von Windows 10 Home-, Pro-oder Enterprise. Ein Notfallsystem auf 32-Bit-Basis ist kleiner und benötigt weniger Hauptspeicher. Es kommt auch mit 1 GB RAM zurecht. Allerdings startet es nur im Bios-Modus beziehungsweise CSM (Compatibility Support Module) muss in der Firmware des PCs aktiviert sein. Bei neueren Uefi-PCs müssen Sie den Modus wahrscheinlich anpassen. Ein Notfallsystem mit 64 Bit startet dagegen auch im meist standardmäßig eingestellten Uefi-Modus. Es läuft jedoch nur ab 4 GB Hauptspeicher rund.

2. Winbuilder einrichten und konfigurieren

Entpacken Sie Win10PESE in ein Verzeichnis mit einem kurzen Namen und ohne Leer-und Sonderzeichen, etwa nach „C:\Win10PE“. Das Paket enthält das Tool Winbuilder und die Projektdateien Win10PESE. Winbuilder ist ein Script-Interpreter, der das Notfallsystem aus den Windows-Installationsdateien zusammenbaut und mit zusätzlichen Tools ergänzt. Die meisten Scripte für Win10PESE stammen von http://win10se.cwcodes.net. Hier können Sie auch die Basisversion und Updates herunterladen. Wir haben das Projekt um weitere Scripte ergänzt, so dass Ihnen im Notfallsystem eine möglichst umfassende Toolsammlung zur Verfügung steht.

Starten Sie Winbuilder.exe aus dem Ordner „C:\Win10PE“. Klicken Sie im rechten Teil des Fensters oben auf die Schaltfläche „Source“. Unter „Source Directory (%SourceDir%)“ geben Sie das Verzeichnis an, in das Sie die Windows-Installationsdateien in Punkt 1 kopiert haben. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Script“.

Winbuilder kann das Windows-Abbild aus der Install.wim nicht direkt verwenden. Es muss bei jedem Buildprozess in das Dateisystem ein-und wieder ausgehängt werden. Das ist ein langsamer und fehleranfälliger Prozess. Es ist daher besser, die Dateien direkt verfügbar zu machen. Dazu gehen Sie im Baum auf der linken Seite des Fensters auf „Utils -> Extract Wim Folders“ und klicken auf die Schaltfläche „Goooooo“.

Mit Winbuilder erstellen Sie aus den Windows-Installationsdateien ein Notfallsystem. Für seine Arbeit benötigt das Tool etwa 10 GB freien Platz auf der Festplatte.
Vergrößern Mit Winbuilder erstellen Sie aus den Windows-Installationsdateien ein Notfallsystem. Für seine Arbeit benötigt das Tool etwa 10 GB freien Platz auf der Festplatte.

3. Toolintegration in Winbuilder festlegen

Im Baum auf der linken Seite des Winbuilder-Fensters sehen Sie unter „Apps“ die Rubriken für die Programme, die Winbuilder in das Notfallsystem einbauen kann. Erweitern Sie die Ansicht per Klick auf das Pluszeichen, um die aktivierten Scripte zu sehen. Bei allem, was Sie nicht benötigen, entfernen Sie das Häkchen. Das System wird dadurch kleiner, bootet schneller und benötigt weniger Hauptspeicher.

Teilweise haben Sie die Wahl zwischen Programmen mit ähnlichen Funktionen. Unter „Browser“ beispielsweise können Sie Opera oder Firefox aktivieren. Unter „Sicherheit -> Antivirus“ finden Sie Avira Free Antivirus 2016 und unter „Sicherheit -> Antimalware“ das Antivirenprogramm Malwarebytes Anti-Malware.

Viele der Scripte unter „Apps“ lassen sich konfigurieren. In der Regel gibt es Optionen für die Position der Verknüpfung zum Programm. Die Icons für häufig genutzte Tools lassen sich für den schnelleren Zugriff auch auf dem Desktop unterbringen, indem Sie ein Häkchen vor „Desktop“ setzen.

Eine Besonderheit gibt es bei Avira Free Antivirus 2016. Das Script lädt automatisch das Programm und die verfügbaren Updates herunter. Das ist eigentlich nur beim ersten Aufruf und dann erst wieder nach längerer Zeit erforderlich, wenn Sie das Notfallsystem neu zusammenstellen wollen. Um unnötige Downloads zu vermeiden, können Sie vor weiteren Buildprozessen je nach Situation auch die Option „Never Download Updates“ wählen.

Wählen Sie bei späteren Builds die Option „Never Download Updates“. Aktuelle Virensignaturen laden Sie direkt im Notfallsystem herunter.
Vergrößern Wählen Sie bei späteren Builds die Option „Never Download Updates“. Aktuelle Virensignaturen laden Sie direkt im Notfallsystem herunter.

Winbuilder: Tipps & Tricks

Winbuilder und die zugehörigen Scripte bilden ein relativ komplexes Programmpaket. Notfallsysteme auf Basis von Windows-Installations-Abbildern werden von Microsoft nicht unterstützt. Die Scriptsammlung ist daher Ergebnis teilweise jahrelanger Versuch-und-Irrtum-Prozesse der Winbuilder-Community – etwa bei http://reboot.pro – und für jede Windows-Version und jeden Build sind neue Anpassungen erforderlich.

Winbuilder muss sehr viele Dateien bewegen und bearbeiten. Der Vorgang läuft deutlich schneller ab, wenn Sie das Tool von einer SSD starten. Insgesamt sind etwa 10 GB freier Speicherplatz erforderlich. Bevor Sie mit dem Buildvorgang beginnen, deaktivieren Sie vorübergehend den Echtzeitschutz Ihres Virenscanners. Die Prüfung kann Winbuilder so ausbremsen, dass der Vorgang abbricht. Einige Virenscanner warnen außerdem schon beim Entpacken oder bei der Verwendung von Winbuilder vor vermeintlich gefährlichen Programmen. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil einige systemnahe Tools für das Notfallsystem auf die Registry zugreifen wollen oder Passwörter auslesen können. Es handelt sich jedoch nur um Warnungen, die aufgrund des möglichen Verhaltens der Tools erfolgt. Eine Bedrohung für Ihren PC kann davon nicht ausgehen.

Eine weitere Fehlerquelle liegt bei Scripten, die Software oder Updates aus dem Internet herunterladen. Schlägt der Download fehl oder hat sich die Software grundlegend geändert, meldet das Script einen Fehler und der Buildvorgang bricht ab. In diesem Fall sollten Sie überprüfen, ob die Downloadadresse in der Scriptkonfiguration noch gültig ist, und sie gegebenenfalls ändern. Wenn das nicht möglich ist, deaktivieren Sie das fehlerhafte Script. Sie können dann im Downloadbereich von http://reboot.pro nach Updates oder neuen Scripts für den gewünschten Zweck suchen.

4. Notfallsystem mit Winbuilder erzeugen

Nach den bisherigen Vorbereitungen müssen Sie in Winbuilder nur noch auf die blaue Play-Schaltfläche klicken. Das Programm lädt zuerst einige kleinere Tools herunter, die für den Buildprozess nötig sind. Danach arbeitet es die Scripte ab.

Am Ende liegt die ISO-Datei für das Notfallsystem im Ordner „C:\Win10PE\ISO“. Testen Sie diese zuerst in einer virtuellen Maschine. Installieren Sie dafür Virtualbox . Binden Sie die ISO-Datei in die virtuelle Maschine ein oder verwenden Sie in Winbuilder „VirtualTest -> VirtualBox Emulation“, um eine Virtualbox-Konfiguration automatisch erzeugen zu lassen.

Nachdem Sie das System in Virtualbox in aller Ruhe getestet haben, erstellen Sie aus der ISO-Datei unter Windows 8 oder 10 über den Kontextmenüpunkt „Datenträgerabbild brennen“ eine bootfähige DVD.

Dieser Notfall-USB-Stick repariert fiese Windows-Probleme

Um einen bootfähigen USB-Stick zu erstellen, gehen Sie in Winbuilder auf „Write Media -> Copy to USB-Device BCD BootMGR“. Wählen Sie das USB-Laufwerk unter „Please select the root directory of your USB-Device“ aus. Sichern Sie alle darauf befindlichen Daten, da der Stick neu formatiert werden muss. Prüfen Sie die Laufwerksangabe genau, damit Sie nicht versehentlich das falsche Laufwerk formatieren. Klicken Sie auf „Copy to USB“.

Notfallsystem für Diagnose und Reparatur nutzen

Nach Start des PC zeigt das Notfallsystem ein Bootmenü. Wenn Sie nichts auswählen, startet das System nach einigen Sekunden automatisch.
Vergrößern Nach Start des PC zeigt das Notfallsystem ein Bootmenü. Wenn Sie nichts auswählen, startet das System nach einigen Sekunden automatisch.

Über das selbst erstellte Notfallsystem analysieren Sie den PC und Windows, finden Schadsoftware oder führen Reparaturen durch. Dafür nutzen Sie die gewohnte Windows-Arbeitsumgebung, oder Sie setzen die Tools ein, die im Notfallsystem enthalten sind. Sie starten das gewünschte Tool über ein Desktop-Icon oder über das Startmenü unter „Alle Programme“. Sie können auch die Suchfunktion des Startmenüs verwenden, um ein bestimmtes Tool zu finden.

1. PC mit dem Notfallsystem booten

Starten Sie Ihren PC von der Notfall-DVD oder dem bootfähigen USB-Stick. Bei einigen Geräten müssen Sie dafür die Bootreihenfolge im Bios-oder Firmware-Setup ändern. Rufen Sie es kurz nach dem Start des PCs über Tasten wie Esc, F2 oder Entf. („Del.“) auf. Nutzer von Windows 8 oder 10 klicken vor der Anmeldung im Startbildschirm rechts unten auf das Symbol mit dem Ausschaltknopf. Halten Sie die Shift-Taste gedrückt, klicken Sie im Menü auf „Neu starten“, und gehen Sie im Menü auf „Problembehandlung -> Erweiterte Optionen -> UEFI-Firmwareeinstellung“. Die Booteinstellungen befinden sich im Bios-Menü unter „Advanced BIOS Features“, „Boot Features“ oder ähnlich lautend. Suchen Sie dort nach einer Option wie „Hard Disk Boot Priority“ und setzen Sie die DVD, den USB-Stick oder den EFI-Booteintrag an die erste Stelle.

Wenn Sie von der DVD oder dem Stick im Bios-Modus booten, sehen Sie ein Startmenü, das automatisch nach einigen Sekunden das Notfallsystem Win10PESE lädt. Bei der DVD finden Sie auch Menü-Einträge wie „Von der Festplatte starten“ und „Windows starten“, über die Sie das auf der Festplatte installierte System aufrufen können. Beim USB-Stick gehen Sie zuerst auf „Grub4Dos“, um das Menü zu sehen. Im Uefi-Modus startet das Notfallsystem sofort.

Bei Verdacht auf Schadsoftware prüfen Sie Ihren PC vom Notfallsystem aus. Wurde dieses auf einem sauberen PC erstellt, sind die Ergebnisse verlässlich.
Vergrößern Bei Verdacht auf Schadsoftware prüfen Sie Ihren PC vom Notfallsystem aus. Wurde dieses auf einem sauberen PC erstellt, sind die Ergebnisse verlässlich.

2. Netzwerkverbindung im Notfallsystem aufbauen

Ist der PC per Ethernet-Kabel mit dem Netzwerk verbunden, konfiguriert sich das Notfallsystem automatisch. Die Netzwerkeinstellungen lassen sich per Doppelklick auf das Icon des PE-Netzwerkmanagers im Infobereich prüfen und ändern. Auf der Registerkarte „Wifi“ wählen Sie das gewünschte WLAN aus, klicken auf „Verbinden“ und legen dann den WPA-Schlüssel fest.

Der PE-Netzwerkmanager kann auch Laufwerke mit Netzwerkfreigaben verbinden. Gehen Sie auf „Netzwerklaufwerke“ und wählen Sie einen Laufwerksbuchstaben. Hinter „Pfad“ tippen Sie die Bezeichnung der Freigabe in der Form \\Server\Freigabename ein. Darunter gehören Benutzernamen und Passwort. Klicken Sie zum Abschluss auf „Verbinden“.

3. Schadsoftware auf dem PC finden

Auch wenn auf dem PC bereits eine Antiviren-Software installiert ist, lohnt es sich bei auffälligem Verhalten, eine zweite Meinung einzuholen. Für die Suche nach Viren, Würmern und Trojanern sind zwei Programme in unserem Reparaturpaket enthalten.

Bevor Sie Avira Free Antivirus 2016 nutzen, starten Sie das Aktualisierungsprogramm über das Icon „Avira Update“ auf dem Desktop. Damit laden Sie die aktuellen Virensignaturen herunter. Starten Sie dann Avira Control Center, gehen Sie in der Navigation auf der linken Seite auf „System-Scanner“, dann auf „Lokale Laufwerke prüfen“. Starten Sie den Scan per Klick auf das Suchlauf-Icon über der Profilauswahl. Verdächtige Dateien zeigt das Programm danach in einem Bericht an. Sie können die betroffenen Dateien dann umbenennen oder löschen.

Mit Malwarebytes Anti-Malware können Sie eine Suche nach Spyware, Trojanern, Viren und Würmern durchführen. Aktualisieren Sie vorher die Signatur-Datenbank.
Vergrößern Mit Malwarebytes Anti-Malware können Sie eine Suche nach Spyware, Trojanern, Viren und Würmern durchführen. Aktualisieren Sie vorher die Signatur-Datenbank.

Ein weiteres Antivirenprogramm im Notfallsystem ist Malwarebytes Anti-Malware . Das Programm durchsucht Ihren PC gezielt nach bösartiger Software. Auch hier aktualisieren Sie zuerst die Virendefinitionen per Klick auf „Update“ hinter „Database Version“. Gehen Sie auf „Scannen“, klicken Sie auf „Benutzerdefinierter Suchlauf“ und dann auf „Suchlauf konfigurieren“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Nach Rootkits suchen“, und stellen Sie darunter in beiden Auswahlfeldern „Benutzer vor Erkennung warnen“ ein. Setzen Sie Häkchen vor die Laufwerke, die Sie untersuchen möchten, und klicken Sie auf „Jetzt durchsuchen“. Wurden gefährliche Objekte erkannt, klicken Sie auf „Identifizierte Bedrohungen anzeigen“. Prüfen Sie die gefundene Schadsoftware, und entfernen Sie die Häkchen vor Falschmeldungen. Klicken Sie auf „Auswahl entfernen“. Das Tool verschiebt die Dateien in das Verzeichnis „X:\ProgrammData\Malwarebytes\Malwarebytes Anti-Malware\Quarantine“. Wenn Sie das Notfallsystem beenden, wird dieser Ordner automatisch gelöscht.

4. Gelöschte Dateien wiederherstellen oder retten

Nachdem Sie Dateien gelöscht und den Papierkorb geleert haben, sind die Daten nicht unwiederbringlich verloren. Der frei gewordene Speicherbereich wird in der Regel nicht sofort überschrieben. Wenn Sie Dateien versehentlich gelöscht haben, sollten Sie aber den Rechner so schnell wie möglich herunterfahren und mit der Rekonstruktion beginnen.

Starten Sie das Tool Recuva . Wählen Sie das Laufwerk aus, das Sie durchsuchen möchten, und klicken Sie auf „Suche“. Das Programm zeigt Ihnen dann die Dateien an, die sich wiederherstellen lassen. Setzen Sie anschließend ein Häkchen vor die Dateien, die Sie rekonstruieren wollen, klicken Sie auf „Wiederherstellen“, und geben Sie das Zielverzeichnis auf einer zweiten Festplatte oder Partition an.

Dateien retten mit Photorec : Das Tool (Teil von Testdisk) bietet eine einfache Menüführung, in der Sie mit den Pfeiltasten navigieren und mit der Enter-Taste bestätigen. Wählen Sie in Photorec die Festplatte aus, auf der sich die gelöschten Dateien befinden. Das Tool verwendet auch unter Windows die bei Linux gebräuchlichen Laufwerksbezeichnungen wie „/dev/sda“ oder „/dev/sdb“. Identifizieren Sie die Festplatte anhand von Bezeichnung und Größe. Drücken Sie die Enter-Taste, um „Proceed“ zu bestätigen. Wählen Sie die gewünschte Partition und drücken Sie die Enter-Taste. Danach geben Sie bei einer Windows-Partition das Dateisystem mit „Other“ an. Wählen Sie „Free“ oder „Whole“ und danach das Zielverzeichnis. Durch den Laufwerks-und Verzeichnisbaum navigieren Sie mit den Tasten Pfeil-nach-links und Pfeil-nach-rechts. Mit der C-Taste bestätigen Sie das Verzeichnis. Nachdem Photorec die Wiederherstellung beendet hat, finden Sie die wiederhergestellten Dateien in mehreren Ordnern auf der zweiten Festplatte.

Recuva findet Dateien, die zwar gelöscht, aber noch wiederherstellbar sind. Sichern Sie die Dateien auf einem zweiten Datenträger.
Vergrößern Recuva findet Dateien, die zwar gelöscht, aber noch wiederherstellbar sind. Sichern Sie die Dateien auf einem zweiten Datenträger.

Ein Spezialist zur Wiederherstellung versehentlich gelöschter Partitionen oder defekter Partitionstabellen ist Testdisk. Das Programm lässt sich ähnlich steuern wie Photorec.

Das Tool Unstoppable Copier eignet sich für teilweise defekte Festplatten, um die noch lesbaren Daten an einen anderen Ort zu kopieren.

5. Backups erstellen und Partitionen bearbeiten

Ein Backup der persönlichen Daten und auch der kompletten Systemfestplatte ist ein guter Schutz vor Datenverlust, der durch Viren und Trojaner entsteht. Auch bei einem defekten Windows-System lohnt sich ein Backup, weil sich dann misslungene Reparaturversuche leicht wieder rückgängig machen lassen.

Die persönlichen Ordner aus Ihrem Benutzerprofil können Sie im Notfallsystem einfach über den Windows-Explorer auf ein anderes Laufwerk kopieren. Für ein Image-Backup der kompletten Festplatte verwenden Sie Macrium Reflect. Klicken Sie auf die Registerkarte „Disk Image“, setzen Sie Häkchen bei den Partitionen, die Sie sichern wollen, und klicken Sie auf „Image this Disk“. Unter „Destination“ geben Sie den Ordner an, in dem Sie das Backup speichern wollen. Ein Netzwerklaufwerk müssen Sie vorher einbinden. „Klicken Sie auf „Next“ und dann auf „Finish“.

Über die Registerkarte „Restore“ stellen Sie das Backup bei Bedarf wieder her. Wählen Sie die Sicherungskopie nach einem Klick auf „Browse für an image or backup file to restore“ aus. Klicken Sie auf „Restore Image“. Im nächsten Fenster wählen Sie die Zielfestplatte aus und klicken auf „Next“ und zuletzt auf „Finish“.

Mit Macrium Reflect können Sie Partitionen oder die gesamte Festplatte auf einer zweiten Festplatte oder einem Netzlaufwerk sichern.
Vergrößern Mit Macrium Reflect können Sie Partitionen oder die gesamte Festplatte auf einer zweiten Festplatte oder einem Netzlaufwerk sichern.

Die Gratis-Version von Macrium Reflect hat gegenüber der Vollversion einige Einschränkungen. So können Sie sich etwa den Inhalt eines Backups nicht ansehen, und es lassen sich nur differenzielle, aber keine inkrementellen Backups erstellen.

Partitionieren: Sie wollen Partitionen auf der Festplatte erstellen, löschen oder die Größe ändern? Dann starten Sie Minitool Partition Wizard Free . Wählen Sie beispielsweise eine Partition aus, und klicken Sie auf „Move/Resize“. Legen Sie eine neue Größe fest, klicken Sie auf „OK“ und anschließend auf „Apply“. Mit dem Tool lassen sich auch Partitionen auf eine andere Festplatte kopieren oder Festplatten etwa auf SSDs klonen. Die Zielfestplatte muss dazu leer sein.

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6. Hardware-Analyse, Systemtools und Passwörter

Wer wissen möchte, welche Hardware im PC steckt, kann sich Informationen dazu über Hwinfo, CPU-Z oder GPU-Z anzeigen lassen. Die Tools leisten Ähnliches, zeigen die Informationen aber unterschiedlich aufbereitet an.

Wenn Sie vom Notfallsystem aus Werte in der Registry des installierten Systems ändern wollen, wählen Sie über den Menüeintrag „Remote-Regedit“ die gewünschte Windows-Installation aus, etwa „C:\Windows“. Danach startet der Windows Registrierungseditor, in dem Sie wie gewohnt arbeiten können.

Mit Magical Jelly Bean Keyfinder oder Produkey lesen Sie den Produktschlüssel, beispielsweise von Windows, Microsoft Office oder anderen Programmen. Diese Informationen sind wichtig, wenn Sie Windows neu installieren, die Schlüssel aber nicht anderweitig notiert haben. Die angezeigten Daten stammen zuerst aus dem Notfallsystem. In Magical Jelly Bean Keyfinder gehen Sie auf „Tools -> Load Hive“ und wählen das Windows-Verzeichnis unter „C:\Windows“ aus. Nutzer von Produkey wählen im Menü „File -> Select Source“ und dann die Option „Load the produkt key from external Windows directory“. Geben Sie darunter den Pfad zum Windows-Verzeichnis an, und klicken Sie auf „OK“.

Hwinfo ermittelt die Hardware- Ausstattung des Computers. Das hilft vor allem auf unbekannten PCs bei der Suche nach passenden Treibern.
Vergrößern Hwinfo ermittelt die Hardware- Ausstattung des Computers. Das hilft vor allem auf unbekannten PCs bei der Suche nach passenden Treibern.

Eine defekte Bootumgebung lässt sich mit Bootice reparieren. Bei einem Biossystem gehen Sie auf die Registerkarte „Physical disk“ und wählen unter „Destination Disk“ die Startfestplatte aus. Klicken Sie auf „Process MBR“ und dann auf „Install/Config“. Ist Windows 7, 8 oder 10 installiert, klicken Sie auf „Windows NT 6.x MBR“. Die Uefi-Booteinträge lassen sich über die Registerkarte „UEFI“ konfigurieren.

Im Startmenü des Nofallsystems stehen Ihnen über „Alle Programme -> System Tool -> System Recovery“ außerdem die Tools aus dem Windows-eigenen Rettungssystem zur Verfügung. Nach einem Klick auf „System wiederherstellen“ setzen Sie Windows auf einen früheren Wiederherstellungspunkt zurück, und mit „Starthilfe“ beseitigen Sie Bootprobleme.

Sie haben das Windows-Anmelde-Passwort vergessen? Es lässt sich ändern, wenn die Festplatte nicht verschlüsselt ist. In jedem Fall gehen dabei die verschlüsselten Dateien, gespeicherte Netzwerkkennwörter und IE-Formulardaten verloren. Das lässt sich nur vermeiden, wenn Sie vorher eine Kennwortrücksetzdiskette erstellt haben und das Passwort über diese ändern. Ist keine vorhanden, starten Sie im Notfallsystem das Tool Sala Password Renew . Klicken Sie auf rechts unten auf „Select a target“. Wählen Sie das Windows-Verzeichnis aus, beispielsweise unter „C:\Windows“. Klicken Sie auf der linken Seite auf „Renew existing user password“. Wählen Sie hinter „Account“ das Benutzerkonto aus, dessen Passwort Sie ändern möchten. Geben Sie das neue Passwort hinter „New Passwort“ und „Confirm Password“ ein, und klicken Sie im Menü auf der linken Seite auf „Install“.

Video: Notfall-Funktionen von Windows erklärt

Treiber: Hardware-Unterstützung im Notfallsystem

Winbuilder baut bereits die wichtigsten Treiber in das Notfallsystem ein. Sollte Windows 10 einen
Netzwerk- , WLAN- oder SATA-Adapter nicht von Haus aus unterstützen, fügen Sie weitere Treiber
hinzu. Gehen Sie auf „Drivers -> Driver Integration“, und klicken Sie für ein 32-Bit-System auf die
Schaltfläche ganz rechts neben „x86 Drivers:“, bei einem 64-Bit-System verwenden Sie die Schaltfläche neben „x64 Drivers:“. Damit öffnen Sie den Treiberordner im Windows-Explorer. Kopieren Sie die Treiberdateien oder Ordner mit Treibern hinein. Die Treiber müssen als Inf- und Sys-Dateien vorliegen. Setup-Programme sind nicht geeignet.

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