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Ernsthafte Spiele

10.03.2008 | 08:55 Uhr |

In den USA werden Initiativen für sie gegründet, in Deutschland Preise für sie verliehen: Die "Serious Games" erobern die Welt. Wir klären, was hinter dem Modewort steckt, und sprechen mit Entwicklern.

Die israelischen Soldaten zerren den Palästinenser ins Freie, stoßen ihn auf die Straße. Der Mann steht unter Terrorverdacht, das Militär durchsucht sein Haus. Wir sehen zu und haben die Wahl: Befragen wir den Gefangenen, den israelischen Befehlshaber, die umstehenden Soldaten?

Kritisieren wir das brutale Vorgehen der Israelis, loben wir ihr entschlossenes Durchgreifen, bleiben wir neutral? Und vor allem: Wessen Aussagen notieren wir für unseren Artikel? Im Adventure Global Conflicts: Palestine übernehmen wir die Rolle eines Journalisten, der über die Nahost- Krise berichtet. Ein heikles Thema für ein Spiel, schließlich gilt der komplexe Konflikt als heißes Eisen der Weltpolitik.

Palestine gibt sich entsprechende Mühe, alle Facetten darzustellen: Palästinenser klagen unter anderem darüber, dass viele ihrer Landsleute in Flüchtlingslagern leben müssen; Israelis fürchten die Racheakte radikaler Muslime.

Das Spielziel ist nicht, den Konflikt zu lösen - sondern ihn zu erleben, aus ihm zu lernen. Global Conflicts: Palestine zählt zu den »Serious Games«, den ernsthaften Spielen. Die sind längst keine Randerscheinung mehr, sondern eine Boom.Sparte, mit der sich zahlreiche Organisationen, Hersteller und sogar Behörden beschäftigen.

Die US-Regierung etwa ließ vom Kultdesigner Bob Bates (Eric the Unready) eine Studie zum Thema anfertigen, das hessische Wirtschaftsministerium verlieh am 6. Dezember 2007 erstmals einen Preis für das beste deutsche Werk. Zudem landen mehr und mehr ernsthafte Programme in den Händlerregalen. Global Conflicts: Palestine etwa wird hierzulande vom Publisher Dtp vertrieben. Wir beleuchten das Phänomen "Serious Games", seine Hintergründe und seine Zukunft.

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