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Reifendruckkontrollsysteme: Technik, Vorteile und Nachteile

19.01.2015 | 08:54 Uhr |

Ein Reifendruckkontrollsystem ist wichtig und kann schlimme Unfälle verhindern. Doch je nach System kommen deutlich Mehrkosten auf die Auto-Besitzer zu. Wir stellen die unterschiedlichen Systeme vor und erklären Vorteile und Nachteile.

Seit November 2014 muss jeder Neuwagen mit Reifendrucksensoren ausgestattet sein. Als Neuwagen gelten in diesem Zusammenhang allerdings alle ab November 2012 zugelassenen Fahrzeuge. Nahezu alle modernen Autos sind zwar serienmäßig mit solchen Systemen ausgestattet, falls allerdings beim Kauf keine Winterreifen inklusive waren, müssen Sie beim Reifenkauf die teuren Sensoren – alle vier kosten schnell 400 Euro und mehr -  zusätzlich einplanen.

Abzocke oder sinnvolle Investition?

Bei solchen Kosten sprechen viele verärgerte Reifenkäufer von Abzocke. Allerdings bieten die Sensoren offensichtliche Vorteile. Durch einen um 0,5 bar zu niedrigen Reifendruck wird der Kraftstoffverbrauch laut ADAC um 0,4 Liter auf 100 Kilometer erhöht (Wie sich dieser Mehrverbrauch finanziell auswirkt und wie Sie zudem Spritsparen können erfahren Sie in unserem Ratgeber " So macht clevere IT das Autofahren günstiger ".

Damit ein Reifenplatzer keine solchen Unfälle verursachen kann, sind Reifendruckkontrollsysteme Pflicht.
Vergrößern Damit ein Reifenplatzer keine solchen Unfälle verursachen kann, sind Reifendruckkontrollsysteme Pflicht.

Außerdem birgt ein zu geringer Reifendruck auch große Gefahren. Nicht nur der Bremsweg kann sich erheblich verlängern und die Nasshaftung abnehmen, sondern auch bei „Reifenplatzern“ ist in den meisten Fällen ein zu geringer Reifendruck die Ursache. Das zeigt, wie wichtig solche Systeme sind.

Nach den EU-Richtlinien muss das System ab einem Druckverlust von 20 Prozent oder einer Unterschreitung des Mindestdrucks von 1,5 bar eine Warnung anzeigen.

Die Kosten für Sensoren können sehr variieren beziehungsweise teilweise sind auch je nach System gar keine Sensoren notwendig. Wir erklären die verschiedenen Systeme.

Indirekte Systeme: Günstiger, aber weniger genau

Indirekte Systeme verursachen keine zusätzlichen Kosten, da bei diesen der Druckverlust im Reifen durch ohnehin schon im Fahrzeug vorhandene Komponenten, also über die ABS- und ESP-Systeme, erkannt und mitgeteilt wird. Das bedeutet, dass keinerlei zusätzliche Sensoren nötig sind.

Indirekte Systeme funktionieren häufig über die Raddrehzahlsensoren. Die Raddrehzahl erhöht sich beim Druckverlust und einem damit verbundenen geringeren Radumfang und meldet das an das ABS-Steuergerät, bei dem lediglich die Software erweitert wird. Der Nachteil hier ist die geringe Genauigkeit, fehlende Ortsangabe des Druckverlusts und die fehlende Erkennung eines Minderdrucks an allen Reifen gleichzeitig.

Alternativ kann auch die Schwingung zwischen Reifen und Felge, der sogenannte Frequenzeffekt zur Messung des Drucks ausgenutzt werden. Der Vorteil gegenüber dem indirekten System, welches über die Drehzahl misst ist: Auch ein Druckverlust an allen vier Reifen kann gleichzeitig erkannt und Auskunft über die Position des Druckverlusts gegeben werden.

Ein wesentlicher Vorteil der indirekten Systeme: Es fallen keine Mehrkosten für die erstmalige Anschaffung der Sensoren an. Und es müssen auch keine Sensoren ausgetauscht werden, wenn die Batterien einmal leer werden. Und beim Reifen-Neukauf fallen ebenfalls keine Zusatzkosten an. Indirekte Systeme sind für den Auto-Besitzer also die deutlich preiswertere Lösung.

Nachteilig sind die geringere Genauigkeit und die fehlende Möglichkeit den Druck numerisch anzuzeigen.

Direkte Systeme: Deutlich teurer, aber genauer

in.pro.. 10654 Reifendruck - Kontrollsystem : System mit kompletten Ventilen.
Vergrößern in.pro.. 10654 Reifendruck - Kontrollsystem : System mit kompletten Ventilen.
© in.pro.

Direkte Systeme zeichnen sich durch zusätzliche Sensoren aus, die direkt am oder im Reifen befestigt werden. Diese messen am Ventil den Luftdruck und die Temperatur.

Automobilhersteller verbauen die Sensoren innen am Ventil, wogegen Nachrüstsensoren von Drittanbietern entweder an der Felge , als komplette Komponenten statt dem vorhandenen Ventil oder anstatt der Ventilkappe auf dem Ventil erhältlich sind. Die Sensoren übermitteln das Signal per Funk an ein Steuergerät im Fahrzeug.

Der Vorteil der Ventilkappensensoren ist die austauschbare Batterie, durch die nicht der ganze Sensor ausgewechselt werden muss, wie bei den anderen festverschlossenen Systemen. Bei den Komplettventilsensoren und den Varianten, die mittels eines Bandes an der Felge befestigt werden, ist der vollständige Austausch nach knappen zehn Jahren nötig. Allerdings entsteht durch diese keine höhere Belastung für das Ventil bei schnelleren Fahrten.

Alpin 74602 Reifendruck-Kontrollsystem : System mit aufschraubbaren Ventilkappen.
Vergrößern Alpin 74602 Reifendruck-Kontrollsystem : System mit aufschraubbaren Ventilkappen.
© Alpin

Die Entwicklung geht aber bereits weiter: Hersteller wie Siemens bieten zum Beispiel Mikrosensoren an, welche fest ins Reifenmaterial eingearbeitet sind und von dort das Signal an die Empfänger im Radkasten weitergeben.

Die Kosten für Reifendrucksensoren betragen pro Radsatz zwischen 250 bis 300 Euro und für den Einbau und die nötige Abstimmung fallen noch einmal ungefähr 50 Euro an. Damit wird der größte Nachteil der direkten Systeme deutlich: der Preis. Durch die notwendige zusätzliche Hardware wird der Kauf von neuen Reifen deutlich teurer. Jeder Reifen-Neukauf ist also mit spürbaren Zusatzkosten verbunden.

Der Vorteil der direkten Systeme ist die große Genauigkeit. Denn diese können den Druck von jedem einzelnen Reifen angeben und meist auch numerisch im Display anzeigen. Außerdem ist auch ein Druckabfall im Stand erkennbar.

Sicherheit vs. Kosten

Der durch diese TPMS (Tyre Pressure Monitoring System ) erzielte Sicherheitsgewinn ist unbestritten. Doch ebenso unbestritten sind die erheblichen Mehrkosten der direkten Systeme und der dadurch verursachte Ärger.

Diese Mehrkosten werden sich vermutlich im Rahmen der technischen Weiterentwicklung reduzieren. Das ist aber für Autofahrer, die bereits jetzt tief in die Tasche greifen mussten oder müssen nur ein schwacher Trost.

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