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Red Hat Enterprise Virtualization 3.1 im Test

28.05.2013 | 11:21 Uhr |

Mit Version 3.1 befreit Red Hat sein Virtualisierungs-Komplettpaket RHEV von Microsoft-Abhängigkeiten. Viele Verbesserungen und Erweiterungen fordern die Platzhirsche VMware und Microsoft heraus.

Lange hat Red Hat gebraucht für seinen Start in das Geschäft mit Komplettlösungen für Virtualisierung . Am Anfang stand ein für den Linux-Hersteller peinlicher Fehlstart: ausgerechnet der Open-Source-Primus lieferte als Bestandteil seines Virtualisierungspakets Red Hat Enterprise Virtualization - kurz RHEV - eine Management-Lösung, die auf und dem Internet Explorer basierte. Mit reichlich Kritik bedacht, zog sich der Hersteller zurück, um seine Hausaufgaben zu machen. Mit Version 3 kam endlich die von C# nach Java portierte Version der Management-GUI, die nun ohne .Net, Active Directory und Windows wieder die reine Open-Source-Lehre propagierte, aber zunächst nur als Beta (Technology Preview).

Erst mit dem kürzlich erschienen Release 3.1 schneidet das RHEV Management-System endgültig die alten Windows-Zöpfe ab. Mit vielen weiteren Verbesserungen macht Red Hat sein Flaggschiff für den Enterprise-Einsatz flott, um VMware und Microsoft technologisch Paroli zu bieten. Selbstbewusst positioniert Red Hat seine Lösung als einzige "mission-critical Ende-zu-Ende Opensource-Virtualisierungsinfrastruktur" für das Enterprise-Segment.

Neue Funktionen in 3.1

  • Integration mit Red Hat Storagesystem GlusterFS sowie POSIX-Dateisystem-Unterstützung

  • Live-Snapshots von VMs

  • Virtuelle Festplatten können nun aus mehreren Storage Domains zu einer VM verbunden werden

  • Live Storage-Migration von VMs zwischen Storage-Systemen/-Bereichen

  • CPU Pinning

  • Erweiterte Kommandozeilenwerkzeuge

KVM als leistungsfähiger Hypervisor

Das umfassende Paket virtualisiert Server oder Desktops auf Basis des KVM (Kernel Virtual Machine) Hypervisors. Dessen Enterprise-gerechte Performance hat Red Hat bei diversen Gelegenheiten und in unterschiedlichen Anwendungsszenarien von Oracle bis SAP eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Diverse Verbesserungen sichern auch hier die Enterprise-Fähigkeit. Mit aufgebohrtem Management und KVM-Hypervisor stellt sich das Produkt zumindest auf dem Papier dem Feature-Rennen gegen den alteingesessenen Wettbewerb. So liegen Host- und Gast-Skalierbarkeit nun auf Höchstniveau - der Hypervisor unterstützt 160 virtuelle Cores und 2 TB Arbeitsspeicher pro VM, der Host kann bis zu 4096 logische CPUs und 64TB RAM verwalten.

Nachgebessert hat Red Hat auch in Bezug auf die unterstützten Prozessoren . Nun läuft RHEV auch auf den aktuellen CPUs von Intel auf Basis der Sandy-Bridge-Architektur, den AMD-Prozessoren der Reihe 15h sowie den Server-CPUs Opteron G4, die auf AMDs Bulldozer-Architektur basieren.

RHEV unterstützt alle gängigen Storage-Typen: NFS, iSCSI, FCP, lokales Storage, und mit Version 3.1 auch POSIX-Dateisysteme wie gluster und GFS. Mit der neuen Storage Live Migration sowie Live Snapshots füllt Red Hat letzte Lücken im Vergleich zu VMware.

Hypervisor plus Management und Storage

RHEV ist ein Komplettpaket, das diverse bekannte Open-Source-Komponenten wie oVirt, libVirt und den JBoss-Applicationserver rund um den KVM-Hypervisor bündelt. Als Bonus packt Red Hat noch seinen Storage Server 2.0 oben drauf. Diverse Schnittstellen sowie ein SDK runden das Paket ab.

RHEV ist ein umfassendes Virtualisierungspaket
Vergrößern RHEV ist ein umfassendes Virtualisierungspaket
© Red Hat

Das Kontrollzentrum der Virtualisierungsumgebung ist der Red Hat Enterprise Virtualization Manager (RHEV-M). Mit seiner Web-GUI definiert der RHEV-Admin Hosts, konfiguriert Datacenter, verwaltet das Storage und die logischen Netzwerke, administriert Benutzerberechtigungen und überwacht und steuert sämtliche virtualisierten Server und Desktops von einem zentralen Punkt aus.

Mit RHEV lassen sich mehr oder weniger unbegrenzt große Umgebungen mit virtualisierten Servern oder Desktops aufbauen und betreiben. Die KVM-Virtualisierungs-Hosts werden von dem RHEV-Manager-System, das auf einem dedizierten RHEL 6.3 Server betrieben wird, zentral gesteuert. Für ein schlankes Hypervisor-Setup stellt Red Hat ein minimalistisches System in Form des RHEV-H Packages zur Verfügung. Alternativ kann ein RHEL 6 Server nachträglich zum Hypervisor-Host aufgerüstet werden.

Dementsprechend wird eine RHEV-Umgebung in zwei Schritten aufgebaut: Zunächst ist RHEV-M auf einem dedizierten, mit aktuellen Paketen versorgten RHEL 6 Server zu installieren. Der Vorgang gleicht einer gewöhnlichen Linux-Installation. Anschließend ist die Anmeldung mit den beim Installationsvorgang vergebenen Credentials unter https://rehvm.local/webadmin möglich.

Der KVM-Hypervisor ist flott betriebsbereit
Vergrößern Der KVM-Hypervisor ist flott betriebsbereit

Im zweiten Schritt werden die designierten Rechner von der RHEV-H Installations-CD gebootet. Der Installations-Assistent richtet KVM mit entsprechenden RHEV-Managementkomponenten ein. Zum Abschluss muss der neue Host über eine Freigabefunktion mit dem Managementsystem verbunden werden - fertig.

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