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Rechtliche Aspekte bei Videos

27.07.2014 | 09:31 Uhr |

Das Recht am Bild bleibt grundsätzlich beim Urheber, der seine Videos in Portalen wie Youtube hochlädt – sofern er alle Rechte besitzt. Bei Videos gilt es jedoch, viele fremde Rechte zu achten.

Das Urheberrecht ist die oberste Instanz für alle Angelegenheiten, die den Schutz des Bildes und seines Schöpfers betreffen. Juristisch sind Videos den Fotos und damit Gemälden oder anderen Kunstwerken gleichgestellt. Das Urheberrecht legt somit eine eignerähnliche Position fest. Vereinfacht gesprochen bedeutet dies: Der Eigner bestimmt, wie mit seinem Werk umgegangen werden darf. Das bedeutet: Sie als Urheber eines Videos steuern, was andere damit machen dürfen. Allerdings müssen Sie als Ersteller eines Videos auch die Rechte von Dritten respektieren.

In der Praxis kann das „Kleingedruckte“ die Möglichkeiten beim Filmen mit dem Smartphone und beim Veröffentlichen der Clips deutlich einschränken. Das Hochladen fertiger Videos zu einem Videoportal oder zu einem sozialen Netzwerk wird nämlich allgemein als öffentliche Wiedergabe bewertet. Youtube etwa weist unter www.youtube.com/yt/copyright/de/ auf die möglichen Problembereiche hin. Relativ unproblematisch sind nur Videoaufnahmen in freier Natur und in den eigenen Räumen. Geraten hingegen Menschen, als privat ausgewiesener Grundbesitz oder urheberrelevante Motive wie Marken-Signets oder Gebäude in das Video, wird die Angelegenheit komplizierter. Auch das Filmen in privaten Räumen anderer kann problematisch sein. Wer unbefugt filmt und dadurch einen „höchstpersönlichen Lebensbereich“ verletzt, macht sich strafbar, auch wenn dieses Delikt lediglich auf Antrag verfolgt wird.

Inhaltsrechte bei Videos

Bei Aufnahmen von Personen ist das Recht am eigenen Bild zu respektieren. Aufnahmen von Personen, insbesondere wenn Gesichter zu erkennen sind, benötigen deshalb ein „Model Release“, also eine Einverständniserklärung der abgebildeten Person in schriftlicher Vertragsform zur Bildnutzung. Das Recht am eigenen Bild ist im allgemeinen Persönlichkeitsrecht verankert. Es legt fest, dass niemand gegen seinen Willen aufgenommen werden darf. Ausnahmen regelt das Pressegesetz – bei Politikern und anderen bekannten Persönlichkeiten (Promis) gilt dieser Schutz nur eingeschränkt, vor allem bei Auftritten in der Öffentlichkeit und dann, wenn das öffentliche Interesse beziehungsweise das Recht auf Information der Öffentlichkeit das Recht der Person überwiegt. Bei Kindern wird das Persönlichkeitsrecht juristisch gesehen von den Erziehungsberechtigten wahrgenommen.

Ein Sonderfall sind Menschen, die zufällig in einer Landschaft auftauchen. Sind diese eine „Zugabe“ zum Motiv, gestattet sie der Gesetzgeber als „Teil einer Landschaft“. Die Grenzen zum Recht am eigenen Bild sind jedoch fließend. Besonders restriktive Einschränkungen gelten bei Aufnahmen für Werbekampagnen – daher setzen Werbefilmmacher normalerweise immer Schauspieler oder Statisten ein.

Legal oder illegal? So ist die Rechtslage

Gebäude, Marken und Kunst

Eine explizite Zustimmung („Property Release“) ist in der Regel auch für Aufnahmen von Gebäuden erforderlich, wenn sie nicht von einem öffentlich zugänglichen Raum aus aufgenommen werden. Property Release wird die normalerweise schriftliche Fotografiererlaubnis genannt, mit der der Eigentümer oder Rechte-Inhaber eines Gebäudes oder Grundstücks dem auf seinem Eigentum oder Besitz erstellten Videomaterial zustimmt.

Hintergrund: Stadtlandschaften, architektonische Sehenswürdigkeiten und Ähnliches dürfen in Deutschland ohne wesentliche Einschränkungen fotografiert werden. Ausnahmen sind militärische Sperrgebiete und vergleichbare Einrichtungen. Der Grundsatz der Panorama-Freiheit heißt, solange von öffentlichem Grund aus fotografiert wird, ist die Aufnahme juristisch nicht zu beanstanden – es sei denn, man zoome stark in Räume hinein. Ein bekannter Streitfall aus neuerer Zeit sind hier etwa die Einsprüche gegen Google Street View – Einsprüche, denen der Internetanbieter nach entsprechenden Auseinandersetzungen schließlich Rechnung getragen hat. In anderen Ländern gelten übrigens andere Vorschriften, in Frankreich beispielsweise ist der Eiffelturm als spezielles Wahrzeichen geschützt.

Geschützte Produkte, Designs und Markennamen dürfen nicht in Videos auftauchen. Insbesondere Markenrechte können ein beachtliches Konfliktpotenzial haben. Denn in aller Regel wollen Inhaber von Markenrechten kontrollieren, in welcher Form ihre Marke in der Öffentlichkeit erscheint.

Das Fotografieren von Kunstwerken unterliegt ähnlichen Einschränkungen wie das von Marken. Das Presserecht erlaubt bestimmte Ausnahmen, sonst muss für die Abbildung eines Kunstwerks die Erlaubnis des Rechte-Inhabers eingeholt werden. Konkret: Das Video des berühmten Mona-Lisa-Gemäldes im Rahmen eines Berichts über eine Ausstellung ist sicherlich kaum zu beanstanden. Anders ein monothematisches Kunstvideo, in dem das Gemälde in allen Nuancen wiedergegeben wird – es sei denn, der Einsteller hätte mit dem Rechte-Inhaber eine entsprechende Vereinbarung getroffen – was im Fall des berühmten Werks eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Einwurfschreiben sind nicht immer rechtssicher

Fremdes Quellmaterial

Manchmal fehlt einem für das eigene Videoprojekt das passende Schnittbild oder eine geeignete Videoszene. Beim Download von entsprechendem Quellmaterial aus dem Internet für rein private, nicht öffentliche Zwecke kann man bei nicht explizit freigegebenen Inhalten von der Faustregel ausgehen: Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Gelegentliche Material-Downloads von Webseiten dürften kaum unangenehme Folgen haben.

Unangenehm werden kann das Veröffentlichen von derart erbeutetem Bild- und Videomaterial. Solange Sie bei Ihren Videos nur mit dem Originalton arbeiten, brauchen Sie sich um Rechte der GEMA als Verwertungsgesellschaft nicht zu kümmern. Anders verhält es sich, wenn Sie Ihr Video mit Musik – auch ausschnittweise – unterlegen oder beim Filmen GEMA-relevante Musik aufgenommen wird, die im Video zu hören ist. Als Faustregel gilt in diesem Fall: Alles, was nicht explizit GEMA-rechtefrei ist, kann zu Ärger mit der GEMA führen. Bei fremdem Videomaterial und Musikstücken gilt: Für einen Urheberrechtsverstoß genügen bereits eine kurze Filmszene oder ein Musikschnipsel.

Lizenz Ihres Videos

Beim Hochladen von Videos zu Youtube & Co. müssen Sie sich für das Lizenzmodell entscheiden, unter dem Ihr Video angezeigt wird. Neben der voreingestellten Youtube-Standardlizenz, die in Punkt 6.C der Youtube-Nutzerbedingungen ausführlich beschrieben ist, können Sie die Creative-Commons-Lizenz (CC) auswählen, mit der Sie anderen Personen das Nutzen, Weitergeben und Verarbeiten Ihres Clips gestatten. Bei der CC handelt es sich um einen Lizenzsammeltyp, der unterschiedliche Formen freier Lizenzen katalogisiert und mit Versionsnummern eindeutig kennzeichnet. Jede Version charakterisiert ein bestimmtes Paket an Bedingungen, nähere Informationen dazu unter http://de.creativecommons.org .

Riskantes Teilen von Videos

Viele Besucher erfreuen sich an interessanten Videos und Fotos bei Facebook & Co. und teilen diese über die eigene Chronik, um sie auf diese Weise auch Freunden und Kollegen zu zeigen. Das allerdings kann zu rechtlichen Konsequenzen führen, so Medienrechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Anwaltskanzlei Wilde Beuge Solmecke: „Es ist erschreckend, wie leichtfertig Videos und Fotos auf Facebook kopiert, geteilt und gepostet werden.“ Fehlt bei einem hochgeladenen Video oder Bild das Einverständnis des Fotografen zum Upload oder die Erlaubnis der fotografierten Personen, droht leicht eine Abmahnung und Klage wegen der Verletzung des Rechts am eigenen Bild. Längst nicht jeder wird froh darüber sein, dass Bilder von ihm im Internet kursieren. Zurzeit wird vor den Gerichten heftig darüber gestritten, ob sich ein Facebook-Nutzer ein Video oder Foto zu eigen macht, wenn er es in der eigenen Chronik teilt. „Da es in diesem Bereich bereits die ersten Abmahnungen gegeben hat, raten wir sehr dazu, alle juristischen Unsicherheiten zu meiden und auf das Teilen von Fotos und Videos, an denen man nicht selbst alle Rechte hat, komplett zu verzichten“, so Solmecke.

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