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Green IT als Rettungsanker

Viele Rechenzentren stehen kurz vor dem Kollaps. Der Rechenbedarf und die Anzahl der Server steigen stetig, die Infrastruktur ist aber schon an ihrer Kapazitätsgrenze. Einen Ausweg bieten intelligente, grüne IT-Konzepte.

Von Christian Egle

Die Zahlen sind alarmierend. Jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) rechnet damit, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten an die Kapazitätsgrenzen seiner Rechenzentren zu geraten. Diesen Wert ermittelte der Speicherhersteller On-stor in einer aktuellen Umfrage bei 440 europäischen Unternehmen. 58 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass bei ihnen bereits plötzliche Speicher-, Platz-, Strom- und Kühlprobleme aufgetreten seien.

"Erst der Strom, dann die Klimatechnik und dann der Platz", beschreibt Peter Dümig, Product Manager Server bei Dell, die Reihenfolge der Engpässe in deutschen Rechenzentren. Sein erster Rat bei Kapazitätsproblemen, der aber auch im Normalbetrieb angebracht ist: IT-Verantwortliche sollten den Applikationsbestand regelmäßig kritisch durchforsten und sich von der einen oder anderen "Altlast" trennen. Nicht selten werde "ein Drittel aller Anwendungen für den Betrieb nicht mehr benötigt, aber immer noch gepflegt und am Leben gehalten", so Dümig.

Bessere Auslastung
Die Hosting-Anbieter, technologisch sicher die Speerspitze der deutschen Rechenzentrumsbetreiber, singen gerne das Hohelied der Virtualisierung, wenn es darum geht, die Leistungsdichte und Hardware-Auslastung in ihren Server-Racks zu steigern. Denn die IT-Verantwortlichen wissen, dass ohne Virtualisierung die meisten Server im Durchschnitt kaum zu mehr als zehn Prozent ausgelastet sind.

Web-Hoster, die eine Vielzahl gleicher Anwendungen betreiben, schwören dabei auf Betriebssystem-Virtualisierung mit Swsoft Virtuozzo oder auf Sun Solaris Containers. Dabei wird der Zugriff auf das Host-Betriebssystem virtualisiert. Die Anwender erhalten garantierte Ressourcen – auch Container genannt – innerhalb ihrer virtuellen Umgebungen.

Einen anderen Weg beschreiten VMware ESX, Microsoft Virtual Server und Xen, die den Zugriff auf die Hardware virtualisieren. Dabei arbeitet sowohl der Host als auch jeder Gast mit einem eigenen, unabhängigen Betriebssystem. Wird jeweils nur ein einziges Betriebssystem – Windows oder Linux – auf einem physikalischen Server benötigt, so ist die Betriebssystem-Virtualisierung klar im Vorteil, da sie im Vergleich zur Hardware-Virtualisierung weitaus weniger Ressourcen "frisst".

Dell-Manager Dümig weiß, dass sich Virtualisierung "eigentlich in fast allen Bereichen einsetzen lässt, am einfachsten ist es aber bei all den Infrastrukturaufgaben wie DHCP, DNS, Active Directory, System-Management und Virenschutz-Servern." Bei einer Server-Konsolidierung sollten jedoch zwingend auch das Patch- und System-Management sowie das Backup angepasst werden, erklärt der Praktiker. "Mit Virtualisierung können wir die Auslastung unserer Server von 15 bis 20 Prozent auf rund 60 bis 70 Prozent erhöhen – bei nahezu gleich bleibender Performance für den Nutzer der Applikation", beschreibt Patrick Pulvermüller, verantwortlicher Geschäftsführer für den Rechenzentrumsbetrieb bei Host Europe, die Vorteile.

Aus alt mach neu
Laut den Marktforschern von IDC verschlingt ein Durchschnitts-Server heute 400 Watt – viermal so viel wie noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig hat sich die Server-Dichte von sieben auf 14 Server pro Rack verdoppelt. Neue Server sind deutlich leistungsfähiger, und gerade im Zusammenspiel mit Virtualisierung können mit neuer Hardware deutlich mehr virtuelle Maschinen oder Container auf weniger Rechnern betrieben werden. Dadurch bieten neue Server nicht nur eine leichtere Verwaltbarkeit und höhere Zuverlässigkeit, sondern eben auch deutlich mehr Performance pro Watt.

"Neue Hardware ist nur sinnvoll in Kombination mit Virtualisierung, dann aber lohnt sie sich richtig", glaubt Pulvermüller. Es gehört zu den Binsenweisheiten im Rechenzentrumsbetrieb: Jedes Kilowatt Strom, das die Server und Netzteile verbrauchen und in Wärme umwandeln, muss auch wieder teuer und energieintensiv über die Klimaanlage abtransportiert werden. Daher lohnen sich Investitionen in energiesparende Server, die ihrerseits wiederum energieoptimierte Prozessoren, Netzteile, Festplatten und Lüfter enthalten.

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