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Bilder voller Format

06.11.2012 | 09:30 Uhr |

Auf der Photokina 2012, der weltweit bedeutendsten Messe für Fotografie, war eines der Produkt-Highlights die Sony RX1 – die erste Kompaktkamera mit Vollformatsensor. Die Reaktion der Presse und der Messebesucher war gleichermaßen gigantisch. PC-WELT entschlüsselt den Hype um ein schon totgeglaubtes Kameraformat und liefert Ihnen eine Marktübersicht aller derzeit verfügbaren Vollformatkameras.

Vollformatkameras arbeiten mit einem Bildsensor, dessen Bildformat dem des Kleinbildfilms entspricht – der also genau 36 x 24 Millimeter groß ist. Durch diese Übereinstimmung entfällt der Crop-Faktor, der normalerweise bei Spiegelreflex- und Systemkameras ein Umrechnen der Brennweite nötig macht. Ein 18-55mm-Objektiv würde also bei einer DSLR mit Crop-Faktor 1,6x einen Brennweitenbereich von etwa 29 bis 88 Millimeter abdecken. Eine Vollformatkamera bliebe bei den angegebenen 18 bis 55 Millimetern, wodurch der Bildausschnitt im Vergleich zur DSLR breiter wäre.

Höhere Dynamik durch Vollformatsensor

Ein Vollformatsensor misst 36 x 24 Millimeter und enspricht damit genau dem Kleinbildformat. Dadurch entfällt der Crop-Faktor.
Vergrößern Ein Vollformatsensor misst 36 x 24 Millimeter und enspricht damit genau dem Kleinbildformat. Dadurch entfällt der Crop-Faktor.
© Canon

Durch die Größe des Sensors ist dieser sehr viel lichtstärker und rauschärmer als ein Sensor, der beispielsweise im APS-C-Format gefertigt wurde. Das wirkt sich auch auf das Sucherbild aus, das viel heller und schärfer ausfällt als etwa bei APS-C-Kameras. Auch hinsichtlich des Dynamikumfangs und der Farbtreue haben Vollformatmodelle meist die Nase vorne. Eine weitere Besonderheit ist die geringe Schärfentiefe – ob dies jedoch ein Vor- oder Nachteil ist, hängt von Ihren bevorzugten Fotomotiven ab.

Nachteil: Spezielle Objektive

Um die Vorzüge einer Vollformatkamera auszureizen, benötigen Sie dazu passende Objektive. Die Problematik liegt in der Bauweise aktueller DSLR-Objektive: Bei kleineren Bildsensoren können die Hersteller auch kleinere Spiegel einsetzen. Dadurch verringert sich der Abstand zwischen Objektiv und Spiegel, da der Spiegel nicht mehr so viel Platz zum Hochklappen benötigt. Das hat wiederum zur Folge, dass die Objektive ein deutlich geringeres Auflagemaß besitzen – das sich mit den großen Vollformat-Sensoren nicht nutzen lässt.

Die Sony DSC-RX1 ist die bisher einzige Kompaktkamera mit Vollformatsensor. Alle anderen Modelle verwenden Wechselobjektive
Vergrößern Die Sony DSC-RX1 ist die bisher einzige Kompaktkamera mit Vollformatsensor. Alle anderen Modelle verwenden Wechselobjektive
© Sony

Ein weiterer Nachteil ist das Risiko zu Unschärfen am Rand. Da bei Vollformat der komplette Bildkreis ausgenutzt wird, fallen die Lichtstrahlen auch vom äußersten Rand des Objektivs auf den Bildsensor – und das aus einem sehr flachen Winkel.
Zuguterletzt sind Vollformatkameras sehr teuer. Mit 1800 Euro dürfen Sie auf jeden Fall rechnen – und das ist noch ohne Objektiv.
 
Fazit: Ein Schritt raus aus der Nische

Sony hat es mit der DSC-RX1 gezeigt: Die Vollformatkamera ist noch lange nicht tot. Das Interesse für höchste Bildqualität ist bei den Anwendern vorhanden, vor allem, wenn diese in einem kompakten Gehäuse steckt. Für die DSLR-Fraktion präsentierte der Hersteller auf der Photokina 2012 eine Vollformat-DSLR, die Alpha SLT-A99V. Es ist also durchaus eine Entwicklung im Vollformatsegment zu verspüren. Wenn jetzt noch die Nachfrage beim Konsumenten anzieht, werden vermutlich auch bald die Preise fallen.

Hersteller

Modellbezeichnung

Markteinführung

Auflösung

Besonderheit

Straßenpreis (nur Gehäuse)

UVP

Canon

EOS-1D C

Oktober 2012

18,1 Megapixel

zwei Bildprozessoren, ISO 102.400 und 204.800, 4k-Videoaufzeichnung

11.900 Euro

11.900 Euro

Canon

EOS-1D X

April 2012

18,1 Megapixel

zwei Bildprozessoren, ISO 102.400 und 204.800

6300 Euro

6300 Euro

Canon

EOS 5D Mark II

November 2008

21,1 Megapixel

externer Mikrofon-Anschluss, filmt im H.264-Format

1750 Euro

2500 Euro

Canon

EOS 5D Mark III

März 2012

22,3 Megapixel

ISO 51.200 und 102.400, Serienbildmodus mit sechs Bildern pro Sekunde

2940 Euro

3300 Euro

Canon

EOS 6D

Dezember 2012

20,2 Megapixel

mit WLAN und GPS

n/a

2000 Euro

Leica

M

Januar 2013

23,7 Megapixel

Messsucher, kein Autofokus (manuelles Fokussieren per Objektivring)

n/a

6200 Euro

Nikon

D4

Februar 2012

16,6 Megapixel

spritzwassergeschützt, setzt XQD-Karten ein

5850 Euro

5900 Euro

Nikon

D600

September 2012

24,3 Megapixel

erste "Consumer"-Vollformatkamera

1860 Euro

2150 Euro

Nikon

D800

April 2012

36,3 Megapixel

für besonders feine Details

2500 Euro

2900 Euro

Nikon

D800E

April 2012

36,3 Megapixel

wie D800, nur ohne Tiefpassfilter

3220 Euro

3220 Euro

Sony

Alpha SLT-A99

November 2012

24,3 Megapixel

hochauflösender elektronischer Sucher, Hybrid-AF-System mit Phasenvergleichssensoren

n/a

2800 Euro

Sony

DSC-RX1

Dezember 2012

24,3 Megapixel

Kompaktkamera mit 35-mm-Festbrennweite und f2-Lichtstärke

n/a

3100 Euro

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