Ratgeber Technik

Energiesparpotential und spezielle Lösungen

Mittwoch den 23.01.2013 um 12:32 Uhr

von Peter Stelzel-Morawietz

Lässt sich mit Smart-Home-Technik Energie sparen?
Die Stromkosten haben sich in den vergangenen gut zwanzig Jahren verdoppelt: Zahlten private Haushalte Ende der 1980er Jahre brutto noch etwa 12,5 Cent pro kWh, liegt der Durchschnittspreis in Deutschland derzeit bei rund 26 Cent. Die gestiegenen
Energiepreise verwenden die Anbieter von Smart-Home-Lösungen denn auch als Argument für ihre Technik: RWE beziffert das Einsparpotenzial auf 20 bis 40 Prozent. Tatsächlich ist es sinnvoll, wenn Sensoren an Türen und Fenstern beim Lüften die Heizung in dieser Zeit abschalten. Wer aber schon die Heizung von Hand herunterdreht, bevor er lüftet, spart naturgemäß nicht weniger Energie als beim automatischen Vorgang.

Beim Stromverbrauch elektrischer Geräte ist es zunächst wichtig, die Hauptkonsumenten zu identifizieren: Nach Angaben der Energieagentur Nordrhein-Westfalen benötigen Single-Haushalte allein für den Kühlschrank (ohne Gefrieren) fast 18 Prozent ihres gesamten elektrischen Verbrauchs, gefolgt von Warmwasser (15 Prozent) und Computer & Co. (14,6 Prozent). Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht dagegen am meisten zum Wäschetrocknen (11,6 Prozent). Die Zahlen machen deutlich, dass sich Stromverbrauch und damit Kosten vor allem durch energiesparende Geräte reduzieren lassen. Während ein voll beladener Trockner mit Standardelektroheizung zwischen drei und vier kWh benötigt, kommt ein Modell mit Wärmepumpe mit der Hälfte aus: Das macht bei jedem Durchgang 50 Cent Unterschied. Ähnlich eklatant sind die Unterschiede bei Kühlschränken. Wichtiger als intelligente Haustechnik sind daher die individuellen Verbrauchswerte.

Um den Verbrauch Ihrer Haushaltsgeräte zu ermitteln, empfiehlt sich ein Energie- oder Energiekostenmessgerät. Solche Geräte gibt es als Zwischenstecker mit Digitalanzeige schon für zehn Euro. Bei Waschmaschine, Spülmaschine oder Trockner genügt ein Durchgang, um – gegebenenfalls mit verschiedenen Programmen – den Stromverbrauch zu messen. Der Kühlschrank sollte mehrere Tage am Messgerät hängen, damit der Wert aussagekräftig ist.

Das Stromsparset von Plugwise bietet über die
mitgelieferte Software eine genaue Analyse des Verbrauchs daheim.
Ob sich die Investition von fast 400 Euro lohnt, kommt auf den
Einzelfall an.
Vergrößern Das Stromsparset von Plugwise bietet über die mitgelieferte Software eine genaue Analyse des Verbrauchs daheim. Ob sich die Investition von fast 400 Euro lohnt, kommt auf den Einzelfall an.
© Plugwise

Aufwendiger sind umfassende Systeme mit mehreren Messadaptern für die ganze Wohnung, wie sie zum Beispiel der holländische Hersteller Plugwise anbietet. Das Basisset mit neun Messstellen und umfangreicher Analyse-Software kostet knapp 400 Euro. Durch intelligente Haustechnik lassen sich die Stromkosten erst dann richtig senken, wenn auch Netze und Zähler intelligent werden. Smart Grids und Smart Meter können Elektrogeräte dann einschalten, wenn gerade wenig verbraucht wird und die Versorger ihren Kunden zeitlich flexible Tarife anbieten.

Strompreisvergleich der verfügbaren Tarife aller Anbieter

Doch in Deutschland steckt diese Technik noch in den Anfängen. Zudem zeigen Modellrechnungen, dass sich der Einbau eines intelligenten Stromzählers (bisher) finanziell für einen Durchschnittshaushalt nicht lohnt. Zudem gibt es ganz praktische Grenzen: Wer in einer Etagenwohnung wohnt, möchte sicher nicht nachts von der rumpelnden Waschmaschine geweckt werden, nur weil der Waschgang dann ein paar Cent billiger ist. Und welchen Sinn erfüllt eine beladene Spülmaschine, die mit dem Start wartet, weil der Strom die nächsten Tage etwas billiger sein könnte? Wohlgemerkt: könnte!

Spezielle Lösungen für bestimmte Einsatzzwecke
Einzellösungen für bestimmte Zwecke existieren schon seit vielen Jahren. Richtig innovativ war der Hausgerätehersteller Miele, der sein Vernetzungskonzept Miele@home bereits vor Jahren vorgestellt hat. Inzwischen lässt es sich auch per Smartphone überwachen und steuern: Haben die Kinder nach dem Naschen am Eis das Gefrierfach offen gelassen, gibt es einen Alarm aufs Handy. Eine Markise, die bei drohendem Unwetter eingerollt wird, ein Rauchmeldesystem, das über den akustischen Alarm hinaus per Mail oder aufs Smartphone eine Warnung absetzt, die elektronische Zugangskontrolle zur Wohnung ohne Schlüssel oder die vollautomatische Einbruchsicherung inklusive Videofernüberwachung – diese vier Beispiele aus vier ganz unterschiedlichen Bereichen haben eines gemeinsam: Es handelt sich um Insellösungen eines Herstellers , die sich nicht mit anderen kombinieren lassen.

Da sind Firmen aus völlig unterschiedlichen Bereichen aktiv, aus der IT- und Unterhaltungselektronik, der Sicherheitstechnik, von weißer Ware (Haushaltsgeräten), aus dem Energiesektor, der Gebäudetechnik und manch anderer Branche. Die aber bilden bisher einen bunten Mix, wenngleich es inzwischen herstellerübergreifende Bündnisse gibt: Ob die Initiativen Smart Home Deutschland , Smart-Eco Allianz , Initiative Intelligentes Wohnen in Deutschland oder das neue Qivicon-Projekt der Deutschen Telekom für mehr gemeinsame Aktivität sorgen, wird die Zukunft erweisen.

Mittwoch den 23.01.2013 um 12:32 Uhr

von Peter Stelzel-Morawietz

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
1664778