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Nicht jede Kopie ist verboten

26.09.2012 | 11:33 Uhr |

Das Urheberrecht ist komplex – und die Frage, welche Inhalte Sie in der Praxis kopieren, aufnehmen oder herunterladen dürfen, scheint verworren. Hier lesen Sie, was geht und wie Sie es richtig machen.

Nicht immer ist die Sache so klar und eindeutig wie in diesem Fall: „Der ausgewählte Titel enthält geschützte Inhalte. Aus urheberrechtlichen Gründen darf diese DVD / Blu-ray nicht kopiert werden“. Um Kopien anzufertigen, darf eine Software den Kopierschutz von Filmen oder Musikdateien nicht umgehen. Kommerzielle Software, die in Deutschland legal verkauft wird, macht das auch nicht und blendet dann einen solchen Hinweis ein.

Legale Programme wie Quick Blu-ray Rip & Copy 2 verweigern das Kopieren von Videos, wenn die DVD- oder Bluray-Scheiben mit einem Kopierschutz versehen sind. Im Internet kursiert aber jede Menge Software, die sich nicht an deutsches Recht hält.
Vergrößern Legale Programme wie Quick Blu-ray Rip & Copy 2 verweigern das Kopieren von Videos, wenn die DVD- oder Bluray-Scheiben mit einem Kopierschutz versehen sind. Im Internet kursiert aber jede Menge Software, die sich nicht an deutsches Recht hält.

Doch was ansonsten beim Kopieren oder Weitergeben urheberrechtlich geschützter Inhalte verboten und was erlaubt ist, wissen selbst viele Juristen nicht. Da hat auch die insbesondere zwischen der Piratenpartei und Künstlern seit Monaten tobende Debatte um eine Reform des Urheberrechts wenig Licht ins Dunkel gebracht: Sie wird vorwiegend polemisch geführt und bleibt deshalb an der Oberfläche, inhaltliche Regelungen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich nämlich sind die geltenden Regelungen alles andere als einfach.

Abmahnindustrie: Jeden User kann es treffen

Selbst Rechtsexperten attestieren dem Urheberrecht (UrhG), dass es voller Seltsamkeiten und Unverständlichkeiten stecke. Das gilt insbesondere für den § 53 UrhG, in dem es um die kostenlose Vervielfältigung von Musik und Texten „zum privaten und sonstigen Gebrauch“ geht. Statt einer kurzen Formulierung sprengt der Umfang dieses Paragrafen eine Druckseite der PC-WELT deutlich. Weil die Materie für Nicht-Juristen völlig unverständlich ist, klären wir zusammen mit der Rechtsanwältin Dr. Claudia Rossbach aus der Münchener Kanzlei Rossbach & Beier die für den Alltag relevanten Fälle.

Noch lange nicht bis zum Schluss gescrollt: § 53 UrhG ist länger als eine Druckseite der PC-WELT, das gesamte Urheberrecht umfasst mehr als 100 Paragrafen.
Vergrößern Noch lange nicht bis zum Schluss gescrollt: § 53 UrhG ist länger als eine Druckseite der PC-WELT, das gesamte Urheberrecht umfasst mehr als 100 Paragrafen.

PC-WELT erklärt, welche Inhalte Sie kopieren dürfen
In der ausführlichen Tabelle am Ende des Artikels erfahren Sie beispielsweise, ob Sie eigene Kopien von Musik-CDs ohne Kopierschutz anfertigen dürfen. Genauso erklärt die Juristin, wann gegebenenfalls der Download oder die Weitergabe der Musik von Streaming-Portalen wie Spotify oder Simfy erlaubt ist, bei denen der Abonnent Musik per Flatrate auf Zeit mietet. Oder hätten Sie gewusst, dass selbst die Weitergabe kostenloser E-Book-Klassiker im Allgemeinen verboten ist? So beleuchten wir für insgesamt 14 Kopier- und Download-Szenerien die rechtlichen Aspekte beim Anfertigen eigener Kopien und für die Weitergabe der Inhalte im engen Freundeskreis.

Copyright auf Facebook - Was droht beim Verstoß?

Darunter sind auch zahlreiche Fälle, die rechtlich völlig unkritisch sind. So ist es beispielsweise erlaubt, laufende Musik vom Internetradio mitzuschneiden. Das Gleiche gilt für Videos aus den Mediatheken der Fernsehsender. Diese dürfen ihre Sendungen aus rechtlichen Gründen nur kurze Zeit – meist nur eine Woche – zum Abrufen vorhalten. Wenn man die Sendungen in dieser Zeit aber herunterlädt, kann man sie später jederzeit anschauen.

Nicht aufgeführt in der Tabelle ist das Rippen und Herunterladen von Musik und Filmen auf Youtube. Das ist nach den Nutzungsbedingungen nicht erlaubt; Google hat kürzlich sogar den MP3-Konvertierungsdienst Youtube-MP3.org aufgefordert, seinen Dienst im Internet einzustellen.

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