Ratgeber Sicherheit
Anonym surfen im Internet
Für das Web gibt es Anonymisierdienste, die Sie einfach im Browser verwenden können. Der Dienst lässt sich denkbar einfach nutzen: Sie klicken auf der Startseite auf „Deutsch“, geben die zu besuchende Web-Seite in das Formularfeld ein, und los geht’s. Außerdem bietet Anonymouse die Möglichkeit, anonyme Mails oder Newsgroup-Postings abzusetzen – heute ist das nicht mehr sinnvoll, da derartige Nachrichten keinen Spam-Filter mehr passieren. Der Dienst finanziert sich über Werbebanner, über die er auch auf die schnellere, verschlüsselte und werbefreie Bezahlvariante hinweist. Sie kostet 5 Euro pro Monat. Wer gleich für ein Jahr abschließt, zahlt dafür 30 Euro.
Der Dienst JAP leitet die Daten über viele hintereinander geschalteter Proxy-Server so zum Server und zurück, dass sie jedes Mal einen anderen Weg nehmen. Zwischen den Stationen ist der Datenverkehr verschlüsselt. Aus der Sicht des Servers, mit dem Sie sich verbinden, kommt jedes Datenpaket von einem anderen der am Proxy-Dienst beteiligten Rechner und kann weder nachverfolgt noch Ihnen zugeordnet werden. Sie richten JAP per Assistent ein. Er konfiguriert Ihren Browser nicht eigenmächtig um. Er gibt aber detaillierte Schritt-für-Schritt-Anweisungen, wie Sie Ihren Browser so einstellen, dass Sie anonym unterwegs sind, und testet diese auch gleich. Dabei können Sie interaktiv festlegen, was geschehen soll, wenn die Anonymisierung einmal nicht funktionieren oder ausgeschaltet sein sollte: Zur Wahl stehen Weitermachen als wäre nichts, die Ausgabe einer Warnmeldung oder die Blockade des Web-Verkehrs.
Doch selbst bei Proxy-Ketten haben Sie das prinzipielle Problem, dass deren Betreiber Ihren Datenverkehr belauschen könnte. Darauf weist Sie auch der JAP-Client hin und schlägt vor, einen Dienst zu wählen, der auf mindestens zwei Betreiber verteilt ist. Sie können aber auch bezahlpflichtige Premium-Dienste mit vier Betreibern in vier Ländern wählen. Je nach Laufzeit und Datenvolumen werden zwischen 2 und 40 Euro fällig. Die Verteilung auf mehrere Länder ist sinnvoll: Denn es ist kaum anzunehmen, dass die Behörden alle beteiligten Proxy-Betreiber auf einmal dazu zwingen werden, Daten herauszurücken.
Global Pass gibt es zwar nur in englischer Sprache. Es ist aber besonders einfach zu bedienen – auch für technisch weniger versierte Nutzer. Sie starten das Tool, ohne es installieren zu müssen, direkt aus dem Download-Verzeichnis. Es zeigt dann in einem Fenster alle gefundenen Internet-Anwendungen auf Ihrem Rechner an. Falls eine fehlt, können Sie diese einfach ergänzen, indem Sie deren Startmenü-Eintrag oder Desktop-Symbol in das Fenster ziehen. Alle aus dem Global-Pass-Fenster gestarteten Programme leiten ihren Datenverkehr über eine Kette von Proxy-Servern und zeigen dies auch in der Titelleiste an. Das gilt nicht nur für den Browser, sondern auch für andere Internet-Programme wie Instant Messenger oder Mailprogramme. Global Pass ist alleiniger Verwalter seiner Proxy-Server, so dass Sie hier ein potenzielles Vertrauensproblem haben. Das Unternehmen thematisiert das allerdings nicht großartig. Es setzt darauf, dass sein Engagement bei der Umgehung offizieller Internet-Zensur wie in Burma oder Festlandchina Beleg genug ist, alle eventuellen Verdachtsmomente zu zerstreuen. Das ist im Grunde nicht mehr als eine Beteuerung, so dass Global Pass mit Vorsicht zu genießen ist. Aus zwei Gründen ist der Dienst hier trotzdem aufgeführt: Zum einen ist er der Schnellste von allen. Zum anderen verschleiert er zuverlässig Ihre europäische Herkunft, da die Proxy-Server in den USA stehen. Global Pass eröffnet den schnellsten und einfachsten Weg, zum Beispiel gegenüber Video-Streaming-Seiten wie hulu.com als Amerikaner zu erscheinen und deshalb Videos anschauen zu dürfen.
Tor betreibt selbst keine Proxy-Server. Diese bestehen vielmehr aus den Rechnern der Teilnehmer, jeder Nutzer trägt also gleichzeitig zur Funktion des Netzes bei. Während Tor komplett im Hintergrund läuft, steuern Sie es über die beiliegende und ebenfalls installierte Software Vidalia. Browser und alle anderen Internet-Programme können Tor verwenden, sofern sie einen Socks-Proxy unterstützen. In Firefox und Thunderbird stellen Sie dazu unter „Extras, Einstellungen“ auf der Registerkarte „Netzwerk“ hinter der Schaltfläche „Einstellungen“ unter „Manuelle Proxy-Konfiguration“ den „SOCKS-Host“ auf „localhost“ und den Port auf „9050“. Im Internet Explorer finden Sie die entsprechende Option unter „Extras, Internetoptionen, Verbindungen, LAN-Einstellungen“. Auch viele andere Programme unterstützen Socks-Proxies, so dass Sie Tor nicht nur für das Web verwenden können.




