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Superkräfte für Ihren Router

13.05.2013 | 19:09 Uhr |

Alternative Firmware-Versionen für Router bringen auch alten Geräten neue Fähigkeiten bei und bieten Funktionen und Einstellungen, die sonst nur in deutlich teureren High-End-Geräten zu finden sind.

WLAN-Router müssen generell einen Mittelweg zwischen Funktionsvielfalt und Bedienungskomfort bieten. Schließlich haben Heimanwender selten Lust darauf, Handbücher zu wälzen oder lange mit den Einstellungen der Netzwerk-Hardware zu experimentieren. Auf der Strecke bleiben deshalb Feineinstellungen, die zwar von vielen Chipsätzen unterstützt, in der Bedienoberfläche aber nicht angeboten werden.

Auf den handelsüblichen Routern läuft ein vom Hersteller angepasstes Linux-System als internes Betriebssystem der Firmware. Mittlerweile gibt es Dutzende von alternativen Firmware-Varianten für Hunderte von Router-Modellen. Das Aufspielen von Firmware-Varianten ist bei einigen Geräten so einfach wie ein Software-Update, bei anderen ist Geduld und Experimentierfreude gefragt.

Linksys WRT54G: Mit diesem Router fing alles an. Nachdem der Hersteller die auf Linux basierende Firmware freigab, entstanden die ersten inoffiziellen Firmware-Versionen.
Vergrößern Linksys WRT54G: Mit diesem Router fing alles an. Nachdem der Hersteller die auf Linux basierende Firmware freigab, entstanden die ersten inoffiziellen Firmware-Versionen.
© linksys

1.Der Ursprung inoffizieller Firmware.
Alternative Firmware-Versionen sind nicht durch freundliche Zusammenarbeit mit Router-Herstellern entstanden – im Gegenteil. Schon 2003 bemerkte die Open-Source-Szene, dass Linksys bei seinem WRT54G einen angepassten Linux-Kernel einsetzt, allerdings ohne Veröffentlichung des Quellcodes – eine klare Verletzung der GNU General Public License, unter der Linux lizenziert ist. Linksys musste sich entscheiden: Entweder rechtliche Auseinandersetzungen und Image-Schaden oder die Freigabe des Quellcodes für die Router-Firmware. Der Hersteller entschied sich für Letzteres und der veröffentlichte Code markierte den Anfang von alternativen Firmware-Versionen, da die Open-Source-Gemeinde schon bald eigene, modifizierte Varianten herausgab. Zunächst für den Router von Linksys und nach einigen Experimenten auch für die Router anderer Hersteller mit ähnlichen Chipsätzen. Heute gibt es eine blühende Entwicklung inoffizieller Firm-ware-Versionen für Hunderte von Routern.

Diese Router-Einstellungen sollten Sie kennen

In eine vergleichbare Situation hat sich der Berliner Netzwerkausrüster AVM gebracht, auf dessen Geräten ebenfalls ein Linux-Kernel läuft. AVM versuchte im Jahr 2010, die Modifikation seiner Firmware durch eine andere Software-Firma zu verhindern, und zog in einem Rechtsstreit vor Gericht. Das Berliner Landgericht entschied jedoch zu Gunsten der GPL – und Modifikationen der Fritzbox-Firmware bleiben damit erlaubt. Das gilt allerdings nicht für deren Veröffentlichung und Verkauf: Inoffizielle Varianten dürfen nicht verbreitet werden, da sie theoretisch zu Fehlfunktionen der Fritzbox führen können. Für die Projekte rund um die Fritzbox gilt aus diesem Grund die Einschränkung, dass sie lediglich im Quellcode vorliegen. Um das Kompilieren müssen sich die Anwender hier selbst kümmern. Es ist also ein Projekt mit hohem „Do-it-yourself“-Faktor.

2. Lohn der Mühe: Erweiterte Funktionen
Alternative Firmware-Versionen erlauben Zugriff auf alle Fähigkeiten der Hardware. Die gebotenen Funktionen können sich im Detail von Modell zu Modell unterscheiden.

DD-WRT: Diese Firmware ist am weitesten entwickelt und bietet auf einem voll unterstützten Router VPN-Fähigkeiten, Dyn-DNS-Client, Server-Dienste, Port-Weiterleitung sowie Bridge- und Repeater-Funktionen. Damit können Sie zum Beispiel auch ausgemusterte Geräte noch zur Verbesserung der WLAN-Reichweite einsetzen.

DD-WRT im Einsartz auf einem Router: Die Web-Oberfläche öffnet je nach Gerät zahlreiche Einstellungen, um die Hardware voll auszuschöpfen. Hier die Seite mit mit den WLAN-Einstellungen.
Vergrößern DD-WRT im Einsartz auf einem Router: Die Web-Oberfläche öffnet je nach Gerät zahlreiche Einstellungen, um die Hardware voll auszuschöpfen. Hier die Seite mit mit den WLAN-Einstellungen.

Open WRT: Während DD-WRT alle technisch möglichen Funktionen in eine Firmware packt, geht es bei Open WRT modular zu. Diese Variante erinnert mehr an eine Linux-Distribution und bietet einen eigenen Paketmanager, um gezielt Fähigkeiten nachzurüsten. Dazu gibt es ein Software-Depot mit 2000 Einzelpaketen, um etwa Web- und Datei-Server auf dem Router zu installieren. Besonders fortgeschrittene Anwender kommen damit auf ihre Kosten.

Tomato USB: Als Abspaltung des Tomato-Projekts für Router von Linksys kann Tomato USB mit Broadcom-Chipsätzen umgehen, die sich hauptsächlich bei Linksys, Asus, Buffalo und Netgear finden. Seinen Namen erhielt das Projekt von der Fähigkeit, den internen USB-Port vieler Router freizuschalten.

Mehr Reichweite mit zusätzlichem WLAN-Router

Freetz: Der Aufwand, eine eigene Firmware zu bauen, ist bei Freetz vergleichsweise hoch. Freetz kann jedoch zahlreiche Erweiterungen und auch Linux-Standardpakete mit hineinkompilieren, beispielsweise Web- und FTP-Server, Bittorrent-Client und Proxy-Server wie etwa Privoxy als Werbeblocker.

DD-WRT, Open WRT und Tomato USB können die Sendeleistung des WLAN-Routers anpassen, sofern das Gerät nicht überhitzt. Beachten Sie dabei jedoch, dass in Deutschland nur 100 mW für WLAN zugelassen sind, auch wenn der Router eigentlich höher gehen kann. Mit zunehmender Sendeleistung nehmen auch Störungen und Kanalüberlagerungen zu, sodass maximale Leistung ohne geeignete Antenne nicht automatisch bessere Reichweite bedeutet.

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