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Linux auf dem Business-Desktop

28.08.2009 | 10:29 Uhr |

Open-Source-Software auf dem Unternehmens-Desktop ist ein kontroverses Thema. Dabei glänzt Linux inzwischen mit sehr professionellen Programmen und einer reichhaltigen Open-Source-Landschaft.

An Linux kommt keiner mehr vorbei, kein Anwender und kein Anbieter, kein Kleinunternehmen und kein Großkonzern. Open-Source-Software (OSS) ist mehr oder weniger umfangreich im Einsatz. So setzt die Deutsche Bahn für ihre 55.000 Anwender und 5.500 Datenbanken verstärkt auf Linux als Server-Betriebssystem. Die Autovermietung Europcar migrierte Tausend Arbeitsplätze von Windows zu Linux. Konzerne wie Daimler Chrysler, Sony und Boeing haben Linux ebenso im Einsatz wie Yahoo, Cisco und Amazon.

Selbst Behörden, riskanten Experimenten bekanntlich abgeneigt, fahren auf Linux ab. Die Stadt München steigt auf Linux um, die chinesischen Eisenbahnen migrieren auf Linux und sogar das US-Verteidigungsministerium schließt einen Linux-Rahmenvertrag. In erster Linie wird Linux für Infrastrukturdienste wie Firewall sowie Web-, Mail-, File- und Printserver eingesetzt. Im Desktop-Bereich haben sich Linux und OSS noch nicht auf breiterer Basis durchgesetzt. Und die Ansichten darüber, ob OSS den Sprung auf den Unternehmens-Desktop schafft, könnten kontroverser kaum sein.

Kontra für Desktop-Optimisten

Dirk Hohndel, langjähriger Technikchef bei Suse und nun Intels oberster Open-Source-Stratege, fuhr Desktop-Optimisten auf der letzten Linuxworld im vergangenen November gehörig in die Parade. "Linux auf dem Desktop ist weit davon entfernt, den Anforderungen der Benutzer gerecht zu werden", sagte er. Es sei "absolut unbrauchbar", wo Microsoft-Office-Dokumente verarbeitet werden müssen.

Unproblematisch sind Linux-Desktops da, wo es nur um Dateneingabe geht, wo also im Prinzip wie zu Mainframe-Terminal-Zeiten Eingabefelder gefüllt werden. Das ist beispielsweise bei vielen Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung oder bei Banken, Versicherungen und im Handel der Fall.

Analysten warnen vor allem vor den Migrationskosten: "Für die meisten Unternehmen sind die Kosten einer Migration weg von Windows einfach zu hoch, und sie fallen mehr ins Gewicht als die Vorteile, die Firmen mit Linux zu erzielen hoffen", erklärt ein Gartner-Analyst. Eine ganze Palette von Nachteilen, so die Meinung der Analysten, sollen die Migrationskosten in die Höhe treiben und die Ausbreitung von Linux-Desktops verhindern.

Doch nicht alle teilen den Pessimismus von Hohndel oder Gartner. So stellten die Marktforscher von Techconsult im Jahr 2008 mit 3,4 Prozent zwar nur einen geringen Anteil von Linux-Desktops in Deutschlands Unternehmen fest. Doch einige mittelständische Firmen wie der Pfannenhersteller Berndes oder der Geschenkartikel-Versender Tröber haben Linux-Anwendungen auf dem Desktop schon jahrelang im Einsatz.

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