Ratgeber Internet

So schützen Sie Ihren guten Ruf im Internet

Dienstag den 28.06.2011 um 10:56 Uhr

von Tobias Weidemann

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© iStockphoto.com / flyparade
Üble Nachrede, Namens-missbrauch oder gar Bilder von Jugendsünden - die Anonymität des Webs öffnet Verleumdung Tür und Tor. So behalten Sie Ihren guten Ruf.
Kürzlich erregte die Internetseite „I share gossip“, zu Deutsch: „Ich verbreite Gerüchte“, einiges Aufsehen. Auf der kann jeder ohne Anmeldung anonym Tratsch und Gerüchte über Mitschüler, Kollegen, Bekannte oder Nachbarn streuen – mit Nennung von Namen und Adressen der Opfer. In die Presse geriet die Seite unter anderem nach einer brutalen Schlägerei in Berlin. In deren Verlauf wurde ein Schüler krankenhausreif geprügelt, weil er seine Freundin vor übler Nachrede auf der Gerüchteseite verteidigen wollte.

Für die Bundesregierung war der Vorfall Grund genug, die Seite Isharegossip auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu setzen. Das führte zwar zum einen dazu, dass die Seiten seit Anfang April von den deutschen Ablegern der Suchmaschinen nicht mehr gelistet werden dürfen. Andererseits bescherte das der Seite aber eine unglaubliche Aufmerksamkeit und dürfte eher zu ihrer Popularität beigetragen, als ihr geschadet haben. Während bisher die meisten Besucher mehr oder weniger zufällig dort landeten, dürften sich viele Internetnutzer jetzt erst recht dafür interessieren und die Seite gezielt aufrufen. Denn über ausländische Suchmaschinen, etwa Google.ch oder Google.at , ist sie weiter auffindbar.

Update Juni 2011: Isharegossip wurde gehackt , die Inhalte der Verleumdungsseite sind derzeit nicht mehr erreichbar. Wer trotzdem iSharegossip ansurft, bekommt eine einfache Starteite angezeigt , auf der die Besucher darüber abstimmen können, ob sich die Macher von Isharegossip der Polizei stimmen sollen (die Hacker haben möglicherweise die Personendaten der Isharegossip-Verantwortlichen erbeutet). Außerdem bekommt man ein Popup mit Sex-Werbung untergejubelt.

Das sind die neuen Gefahren des Internets

Ausweichmanöver: Auch wenn deutsche Suchmaschinen
Isharegossip.com nicht mehr anzeigen, bleiben genügend ausländische
Suchmaschinen, bei denen die Gerüchtestreuer-Seite zu finden sein
wird.
Vergrößern Ausweichmanöver: Auch wenn deutsche Suchmaschinen Isharegossip.com nicht mehr anzeigen, bleiben genügend ausländische Suchmaschinen, bei denen die Gerüchtestreuer-Seite zu finden sein wird.

Isharegossip ist ein krasses Beispiel für einen Internetdienst, der Verleumdungen Tür und Tor öffnet, aber bei weitem kein Einzelfall. Auch Übelgesinnte in Freundenetzwerken oder Internetforen sowie eigene unüberlegte Veröffentlichungen können den guten Ruf im Internet beschädigen. Lesen Sie hier, was Sie selbst tun können, um ihn zu bewahren, welche juristischen Mittel es gegen Rufschädigungen gibt und warum die oft wenig hilfreich sind.

Sehen Sie nach, was das Internet über Sie weiß
Wenn Sie herausfinden wollen, was im Internet über Sie steht, hilft regelmäßiges „Ego-googeln“. So nennt man das Eingeben des eigenen Namens bei Google. Die Trefferliste bei dieser marktführenden Suchmaschine zeigt Ihnen, wie Sie von anderen im Internet wahrgenommen werden. Laut einer Umfrage unter Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen nutzen zwei Drittel der Befragten das Internet mehr oder weniger regelmäßig, um Bewerber unter die Lupe zu nehmen. In mehr als einem Viertel der Fälle geben die positiven oder negativen Internetspuren eines Kandidaten den Ausschlag für Einstellung oder Absage. Dumm ist da unter Umständen dran, wer den gleichen Namen trägt wie ein bekannter Neonazi oder wer auch nur mit einer Person gleichen Namens in Verbindung gebracht wird, die etwa in gewerkschaftsnahen Internetforen schreibt.

Die 10 größten Technik-Skandale der Geschichte

Wer neben regelmäßigem Recherchieren auch aktiv darauf aufmerksam gemacht werden will, wenn etwas Neues über ihn im Internet zu finden ist, kann einen so genannten Reputationsdienst beauftragen. Der durchsucht das Internet systematisch nach einem bestimmten Namen, einer Firmenbezeichnung oder einem bestimmten Produkt, für das man verantwortlich zeichnet. Solche Dienste sind zwar an sich eher für Unternehmen konzipiert, bieten ihren Service aber teilweise auch Privatleuten an. Ein Beispiel für einen solchen Dienst ist „ Ruflotse “: Er überwacht die persönlichen Daten und Veröffentlichungen der Kunden und forscht nach positiven und negativen Einträgen über sie.

Neu im Angebot ist ein Facebook-Sicherheitspaket mit Fotoüberwachung, Jugendschutz- und Inhaltefilter sowie Surfschutz. Erscheinen im Facebook-Freundenetzwerk Fotos, die den Kunden zeigen, identifiziert Ruflotse diese. Der Jugendschutz- und Inhaltefilter überprüft Status-Updates, Pinnwandeinträge und Kommentare auf jugendgefährdende, karriere- und geschäftsschädigende Inhalte. Vor Phishing-Attacken, Viren und Malware sind Facebook-Mitglieder durch den Surfschutz gefeit, der Inhalte und Seitenverweise im Nachrichtenstrom überwacht.

Der Kunde erhält wöchentlich eine Benachrichtigung und kann einen oder drei Suchbegriffe sowie ein oder drei Facebook-Konten mit dem Ruflotsen verknüpfen. Kosten: Protect Basic ab 4,99 Euro, Protect Plus ab 6,99 Euro pro Monat, je nach Vertragslaufzeit. Bei der teureren Variante ist jährlich ein Löschauftrag dabei, bei der günstigeren werden für jeden Löschauftrag 29,95 Euro extra fällig.
Ein ähnlicher Dienst ist „ Dein guter Ruf “. Die Suche nach Einträgen im Internet kostet hier bei wöchentlicher Benachrichtigung ab 2,99 Euro im Monat, wobei eine Kombination aus Vorname, Nachname und Ort möglich ist. Das Bemühen um Entfernen von Einträgen schlägt mit mindestens 29,95 Euro zu Buche. Dabei kann der Kunde in der vorgelegten Ergebnisliste markieren, welchen Eintrag er aus dem Internet tilgen lassen will.

Beide Reputationsdienste werden einfach im Internet-Browser, also über ein Formular im Datennetz, bedient. Welcher von beiden effektiver ist, hängt vom Einzelfall ab. Sicher ist allerdings, dass mit dem Erfolg von Facebook in den letzten Monaten viele Fälle hinzugekommen sind, in denen das Ansehen von Mitgliedern beschädigt wird – oft ohne deren Wissen und Zutun. Wer Facebook nicht den Rücken kehren will, sollte also zumindest regelmäßig kontrollieren, was dort über ihn zu finden ist.

Dienstag den 28.06.2011 um 10:56 Uhr

von Tobias Weidemann

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